Samstag, 3. August 2013

Mutter, wieso hast du Knopfaugen? - Kritik: Coraline (2009)



CORALINE ist ein besonderer Film, so simpel oder überschaubar er auch zunächst anmuten mag. Henry Selick (den Meisten wahrscheinlich ein Begriff dank dem Weihnachts/Halloween-Musical THE NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS) steht mit dieser Regiearbeit nach seiner Kollaboration mit Tim Burton nun mehr auf eigenen Beinen, wenngleich Burton als Regisseur ebenso ideal mit dem Plot harmoniert hätte. Es geht um ein etwas vernachlässigtes Mädchen, welches eine Spiegelwelt der Realität entdeckt, in der alles viel perfekter ist als auf ihrer recht tristen Seite. Die Eltern dort drüben sind ausgesprochen heiter, zaubern ganze Festmähler auf den Tisch, doch haben diese seltsamen Knopfaugen. Nach und nach ist eine Bedrohung spürbar, in dessen Verlauf Coraline nicht nur ihre eigenen Eltern retten muss. Samt sprechendem, mehrwissenden Kater, von selbst wachsendem Zaubergarten und arachnidenartigen Klingenhänden (Freddy Krueger lässt grüßen!) zaubert Selick mit seinem Produktionsteam etwas phantastisches auf die Leinwand.

                                                                                         
Die Adaption des Kinderbuchs von Neil Gaiman unterscheidet sich inhaltlich mitunter stark von diesem, erspielt aber seinen ganzen Charme vor allem über seine Gestaltung. Die Stop Motion-Technik - fälschlicherweise oft auf auf seine Animation von Knetfiguren reduziert, allerdings handelt es sich hier vorwiegend um (Silikon-)Marionetten – wird voll und ganz ausgereizt. In liebevoller Detailfülle, bestehend aus einer Vielzahl von winzigen Kostümierungen, dehnbaren Drähten und Gesichtshälften der einzelnen Figuren, um eine ganze Bandbreite an Emotionen darzustellen, entsteht eine eigene, entzückende Welt. Man kann sich derartigen Aufwand nur schwer entziehen, denn solch einen Charme hatte keine der Produktionen großer Animationsstudios der letzten Jahre (das schließt sowohl Dreamworks Animation als auch Pixar ein). Die in diesem Fall produzierende Laika Inc. kann zudem mit ihrem Folgefilm PARANORMAN an die Erwartungen anknüpfen und den morbiden Reiz beibehalten. Erstmalig dürfen Zombies in kindgerechter Manier umherziehen. Auch der für 2014 angekündigte THE BOXTROLLS sieht bisher vielversprechend aus und lässt die Hoffnung nicht sterben, weiterhin ebenso schönsten Stop-Motion-Zauber zu erleben.


                                             8 / 10

Autor: DeDavid

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