Samstag, 14. Januar 2012

Kritik: Joyride


Wenn es schon auf dem düster-belichteten Cover heißt: »Roadthriller so spannend wie Spielberg-(TV Spielfilm)«. Sollte ein wohl geübtes und filmerfahrenes Auge schnell feststellen, was denn nun "Joyride" von John Dahl aus dem Jahre 2001 eigentlich darstellt. Insofern könnte man diesen Film wohl als eine moderne Interpretation von Spielbergs Klassiker "Duell", mit dem er seinen Einstieg in die Filmindustrie tätigte, und so seine Karriere begann sehen. Und nun das Ganze in neu und modern, und am Drehbuch schrieb auch noch J.J. Abrahams mit, wenn das nichts ist.


Das lässt sich allein an der Handlung festmachen, sollte man aber so weniger als Kopie als vielleicht als nette Hommage seitens der Filmemacher sehen, immer positiv denken. Die Story mag dabei natürlich wenig glaubwürdig sein und nicht so mysteriös und verschlossen wie bei Spielberg, dennoch spannend genug um ein gewisses Interesse zu wecken, denn es ist das Unbekannte, auf dem Highway, das als böse Bedrohung scheint, dazu mit Elementen eines prävisionären Teenager-Horror-Schockers (negativ zu betrachten) angereichert und so auch mit konventionellen Mitteln: »Auf dem Highway (und den Stops dazwischen) ist erneut die Hölle los« wo Trucker zu Bestien des Asphalts werden, Psychopathen der Straße mit viel Liebe zum Grauen, und einzig erkennbar scheint die »liebevolle« Stimme. Was zuerst als kleiner Scherz für die beiden Brüder Lewis und Fuller, welche nur ein »Spiel zum Spaß« mit einem unbekannten Trucker anzetteln, beginnt. Endet mit einer Jagd auf Leben und Tod wie es scheint, denn nun spielt der nette, doch brutal angehauchte Psycho-Truckerfreund (Rusty Nails - fast eine Liebeserklärung) sein böses Spiel und er kennt dabei keine Gnade...



Besetzung so natürlich dem heutigen Zeitmilieu angepasst und auch dem eigentlichen Zielpublikum (Prävsionäre bzw. weitläufig das Teen-Milieu) ausgewählt, um so zu locken und um Identifikationsfiguren zu schaffen, in diesem Umstand wäre wohl ein älterer Charakter unklug, auch auf die erdachte Story bezogen, immerhin die Jugend agiert oft ohne vorher zu überlegen (Klischee selbstredend, welche Filmemacher lieben) und so auch nicht an Folgen, wollen nur Spaß und so einmal in den Hauptrollen Paul Walker (mit wieder einmal nervigen Sunnboy-Charme als Lewis) in Hinsicht auf andere Projekte seinerseits aber dennoch sehr erträglich. Getragen wird das eh fast durchweg von einem gut agierenden wie auch Freude und Spaß versprühenden Steve Zahn als leicht (was sag ich..) kindischer Fuller, aber auch Furcht bringt er gekonnt rüber, so weiß besonders er hierbei herauszustechen wie auch zu überzeugen, verleiht dem Werk so auch einen Hauch an Witz und humorvollen Unterton. Und um auch einen weiblichen Part (wessen Nutzen schon früh klar scheint) beim Ganzen einzubringen, wird auch Leelee Sobieski miteingeschleust, welche insgesamt auch in Ordnung geht und wenigstens dabei irgendwie mit Walker (oder auch Zahn) harmoniert.



In Sachen Regie mag Dahl´s Regie sogar Spielbergs irgendwie und ja auch nur ein bisschen gleichen (Spielbergs zeigt Minimalismus in Perfektion!), Dahl´s überzeugt aber auch, denn so einst wie Spielberg hält er das Böse versteckt, überall könnte das Unheil lauern. Jeder Truck, jeder Fahrer. Mit teilweise bösem und dabei auch durchaus ironischen Unterton verziert, bleibt das Böse trotz Abstinenz stets präsent. Es ist etwas unbekanntes, so scheint gerade der jeweilige LKW wie ein Phantom, wie ein Zug ohne Führer (so Carpenter-King-Christine-Like), bloß von einer unheimlichen Stimme angetrieben, das Ziel zu erreichen, jedoch es ist nur ein kleines Spiel. So wird schnell (wie der Film selbst) Spannung erzeugt, bei mir übrigens konstant vorhanden. Dennoch auch nicht ohne Schwächen, wobei gerade das Finale irgendwie plump und wieder fast langweilig wirkt (zu oft nach selben Muster gesehen, wird vermutet), da wirkte besonders die packende Verfolgung im Kornfeld wesentlicher stärker und inszenatorisch ausgereifter, doch betont dieses (Finale) immerhin noch die gewisse Härte des Films, wobei größtenteils die Unterhaltung bzw. Spannung durch Vermutungen und die Angst vor dem Unbekannten gewonnen wird, was größtenteils auch funktioniert. Aber auch nur größtenteils, denn genauso gut verfängt sich das Werk insgesamt auch in einigen Klischees, was nicht verwunderlich ist, auch aus Klischees kann man interessante Spannungsmomente kreieren, so sind aber auch die jugendlichen Hauptprotagonisten nach einem mehr als simplen Verhaltensmuster (Stichwort: Einfältig) gestaltet, rief dennoch keine Anti-Sympathie meinerseits hervor, wahrscheinlich auch dank der Darsteller. Weiterhin findet zudem noch die ein oder andere auf mich banale Szene (Highway-Restaurant) ins Filmchen, welche im Kontext auf mich unnötig und irgendwie sinnlos wirkte. Nun gut, das verzeihe ich mal. Denn wie gesagt das Filmchen ist smart und irgendwie von der Inszenierung sympathisch und seine Aufgabe erfüllt er, in dem er Spannung erzeugt, denn mehr will das Filmchen grundlegend nicht. Zugegeben herausstechen tut er immerhin auch irgendwie auch aus dem Rest was sich oberflächlich betrachtet als Teen-Horror-Kino bezeichnen lässt. Anders als damals bei Spielberg verwendet man hier andere Elemente zur Erschaffung einer passenden Atmosphäre, wo Spielberg noch groß mit hitzigen und staubtrockenen Atmosphäre setzte, wo die Spannung förmlich spürbar ist, wendet man sich bei "Joyride" eher der dunklen Seite des Highways zu, so durchaus düster-stimmig gefilmt, denn besonders durch die Dunkelheit gewinnt der Film noch irgendwie faszinierend-mysteriösen Charme, welcher ihm noch eindeutig zu Gute kommt. Wie auch ein flotter und spannungsfördernder Score.



Abschließend bleibt mir dann nur noch zu sagen, dass "Joyride" doch ein recht ansehnliches und kurzweiliges Filmchen ist, das man fast als eine moderne Hommage an Spielbergs minimalistischem Meisterwerk betrachten könnte, aber sicherlich dabei nicht an dessen Klasse herankommt, trotzdem halte ich ihn für empfehlenswert, denn er tut das was er sollte: unterhalten und fesseln, dies sogar sehr gekonnt.



6,5 / 10

Autor: Hoffman

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