Dienstag, 20. September 2011

Kritik: "Resurrection - Die Auferstehung"

"Das heutige Thema unseres Seminars Psychopathenkunde: Wie bau ich aus Leichenteilen Jesus nach" - Das große Problem liegt nicht darin, dass sich "Resurrection" vielleicht noch offenherziger von den stilprägenden Werken dieses Genres bereichert als die meisten seiner Verwandten.
Das wirkliche Störende, weswegen ich in diesem Serienkillerverschnitt einen nicht mal durchschnittlichen Thriller sehe, ist die Art und Weise wie "Highlander"-Regisseur Russell Mulcahy dies tut, nämlich ideen- und stillos.
Zitat Lamberts: "Ich bewundere nicht seine Taten. Ich bewundere seinen Intellekt. Es gibt fünfzig verschiedene Möglichkeiten, bei einem Mord einen Fehler zu machen. Klammern Sie nur 20 aus und Sie sind ein Genie."
Der Plot ist ein jämmerliches Mischmasch aus Trauerbewältigungsarbeit ob gestorbenem Kind, völlig unmotiviertem und hanebüchenem Serienmörderreißer und einem ganz sauer aufstoßenden Schuss religiösem Fanatismus.
Das alles ist aber zusätzlich so schlecht inszeniert, wird so spannungsarm präsentiert und so undezent auf den Teller geklatscht, dass es schmerzt.
Christopher Lambert mag ja kein begnadeter Darsteller sein, aber für diese oberklischeehafte Rolle des gebrochenem, vom Glauben abgekommenem Detective Prudhomme ist auch jemand wie er einfach zu schade. Mal darf er über den Verlust seines Sohnes sinnierend in die Ferne starren, dann darf er in übelst dümmlichen Dialogen seine Meinung über den "hochintelligenten" Mörder abgeben.
Die Charakterzeichnung ein Armutszeugnis, schauspielerisch solides Mittelmaß (einzig interessanter Aspekt: David Cronenberg als Priester), kann "Resurrection" dann aber auch nicht auf einen runden Spannungsbogen zurückgreifen, weil das Wort Suspense hier mal wieder missverstanden und durch vordergründig schockierende Ekelszenen ersetzt wurde. Die Settings sind düster, schon klar, aber das wars dann auch an inszenatorischer Raffinesse.
Worum geht es? Um einen wahnsinnigen Serienkiller, der den Körper von Christus nachbaut. Mit dem entsprechenden handwerklichem Geschick könnte man um diese magere Grundidee durchaus geplegtes Genrekino aufbauen.
Aber weit gefehlt: "Resurrection" steuert ohne Rücksicht auf Verluste auf den nächsten Tatort, die nächste Verstümmelung zu und kann in der Zwischenzeit einfach keinen angemessenen Lückenfüller finden. Die Ermittlungsarbeiten sind zum Gähnen, bestehen nur aus konventionellstem "Schlüsse-über-die-Methode-ziehen"-Gequatsche, das man dann auch noch zum großen Geistesblitz aufbauscht. Die Konversationen hat man augenscheinlich auch nur eingebaut, weil das ganze Trauerspiel ohne diese geläufige Form der Kommunikation noch irrsinniger und bescheuerter gewirkt hätte.
"Wissen Sie, was der mir sagt? Sie müssen nach einem weißem Mann zwischen 25 und 40 suchen."
Und natürlich muss der FBI-Profiler eine halbe Minute später demonstrativ seine kompetente Einschätzung im exakt gleichen Wortlaut wiedergeben wie Lambert, sodass dieser zum Lachen anfängt. Diese Szene sehe ich als Knackpunkt, denn irgendwie halten sich Lambert und Mulcahy aus mir unersichtlichen Gründen wohl für besonders gewitzt und gerissen. Objektiv gesehen ist der Film aber genauso aussagelos wie die Analyse des FBI.


Der Schlüssel ist schließlich immer noch ein überzeugendes Drehbuch und das haben die Beteiligten hier so richtig verbockt. Innovationsarmut ist ja das Eine, aber wenn die Story so an den Haaren herbeigezogen und dann noch mit moralischen Fragen zugeschüttet wird, dann kann das nur schief gehen. Und das tut es im Grunde auch.
Erschwerend kommt hinzu, dass uns "Resurrection" wahrscheinlich die unspektakulärste und uninteressanteste Figur eines Serienmörders aller Zeiten hinschmeißt. Das eigentlich Spannende ist ja stets das Rätselraten gewesen, welchem Prinzip folgend der Psychopath tötet, welcher Antrieb ihn dazu veranlasst. Und natürlich hinter die Identität der Mörders zu kommen. Aber auch in diesen beiden Punkten bleibt "Resurrection" weit hinter vergleichbaren Mitläufern wie der "Die purpurnen Flüsse", ja auch hinter "Der Knochenjäger" zurück. Nicht nur, dass diese pseudoreligiöse Motivation ebenfalls hemmungslos von Fincher übernommen wurde, diese Spur wird letztlich einfach in den Sand gesetzt, frei nach dem Motto: "Jetzt ist eh schon egal!". Letzten Endes ist der Mörder (dessen Identität recht früh offenkundig wird) einfach nur ein weiterer gestörter Mensch, jüngst aus der Psychatrie ausgebrochen und eben bei weitem nicht so schlau oder angsteinflößend wie erhofft. Der Killer bleibt farblos, seine Motivation ist witzlos, die Frage "Warum tötet er?" kann nicht zufriedenstellend beantwortet werden. Der Mann ist psychisch krank, das ist die Antwort.
Das ist insofern richtig enttäuschend, weil der Typ des hyperintelligenten, planenden Serienmörders, den die Neunziger geschaffen und perfektioniert haben, degradiert wird zum nächstbesten Geisteskranken aus der Slasherkiste. Willkommen in den Achtzigern! 


3 / 10 

Autor: seven

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