Montag, 24. Oktober 2011

Kritik: Ein einfacher Plan

Heute wieder einmal, ich weiß nicht wie oft ich das hier schon hatte, eigentlich will ich es gar nicht erst wissen, bekannte Regisseure und ihre kleinen Perlen und unbekannten Meisterwerke. Heute mit: Sam Raimi. Denn an was denken wir, wenn wir an den Namen Sam Raimi denken? Mh, schwer. Ja erstmal an Bruce Campell, aber wir reden von seinen Filmen, auch wenn Campell meist ein wichtiger Bestandteil dieser sein mag, so ist er hierfür völlig irrelevant. Bei seinen Filmen wird "die junge Generation" sofort an die Filmreihe "Spiderman" denken und die Anderen bzw. das ergänzt sich natürlich auch gegenseitig an wertvolles Weltkulturgut wie die "Tanz der Teufel"-Reihe. Und hinter diesem Kulturgut versteckt sich bzw. liegt unter einem Schnee von Verkanntheit (das Wort gibt es jetzt einfach mal, heißt so viel wie kennen leider viel zu wenige) vergraben noch ein anderer Film von Raimi, ein Lehrstück mit dem Titel "Ein einfacher Plan aus dem Jahre 1998 nach dem gleichnamigen Roman von Scott B. Smith.

Die Story mag einfach sein, naja das nicht ganz, denn sie wurde wirklich sehr raffiniert ausgearbeitet, wie gesagt ein feines Lehrstück über Gier, Verrat, Schuld, Mord und Vertrauen, alles in einen Film miteingebracht, denn der Plan war einfach und todsicher, doch das Schicksal kann man nicht kontrollieren. Anscheinend am Ende der Welt, fernab der Zivilisation stürzt ein Flugzeug ab. Lou, Hank und Jacob finden dieses Wrack und entdecken in ihm satte 4 Millionen Dollar, was nun also tun? Sicher wer würde es schon vermissen? Niemand oder? Also den Zufallsfund behalten, logisch. Dazu noch ein simpler Plan mit einer cleveren Idee und dann kann nichts schiefgehen...

Mit einem tollen Cast gestärkt geht der Film vor, so kann man hier erstmal Bill Paxton als Buchhalter Hank bewundern, ein eigentlich guter Bürger, doch von seinem Plan überzeugt ist er, Paxton eh ein verkannter Meister meiner Meinung nach, zeigt sich hier wieder in echter Hochform, sehr glaubwürdig und stark gespielt von ihm. Ja als seine hochschwangere Ehefrau, die vollstes Vertrauen in den Plan ihres Mannes setzt erbringt auch Bridget Fonda eine relativ gute Leistung. Brent Briscoe weiß auch als Hank's Freund Lou zu überzeugen. Und zum Schluss wieder für mich das schauspielerische Highlight des Ganzen, dass der unglaublich brillant spielende Billy Bob Thorton mit seiner grandiosen Performance als Hank's etwas zurückgebliebender Bruder Jacob bildet. Auch wenn ich etwas sehr ins Schwärmen gerate, aber was Thorton hier abliefert ist ganz große Klasse, fühlte mich fast schon irgendwie elektrisiert (wie gesagt, ich mag übertreiben), aber mich hat der Kerl einfach umgehauen, sein intensives, feinfühliges und auch sehr präzises Schauspiel. Außerdem geben Billy Bob und Bill P. ein exzellentes Brudergespann ab, passt sogar vom Namen her wie die Faust aufs Auge.

Die Regie des Herrn Raimi empfand ich dabei sogar als recht ungewohnt, ohne seinen üblichen Elemente, hier legt er wert auf seine starke Geschichte und seine noch stärkeren Darsteller und setzt so auf die Charaktere und ihre Hintergründe, ihre Gedanken und ihre Gier, psychologisch interessant gemacht und auch sehr fein symbolisch angehaucht (darüber sollte sich jeder seine eigene Meinung bilden), ich sage da nur als Beispiel schwarze Krähen oder Raben, die Unheil prophezeien, sehr gelungen präsentiert, auch wenn ich den Anfang auch hier als etwas schleppend empfand, wer weiß, vielleicht lags auch an mir, auf jeden Fall baute sich auch hier bei mir die Spannung langsam auf und ich kann nur sagen, dass mich das Werk mit fortlaufender Spielfilmzeit vollkommen in seinen Bann zog.
Des weiteren noch eine tolle Kamera, erschafft kalte Bilder, in der tristen und eisigen Schneelandschaft bzw. die irgendwie beklemmende Atmosphäre mag auch vorhanden sein. Das Unheil naht und der Schnee rieselt langsam, es ist kalt und man spürt die Kälte förmlich, ich liebe den Geschmack von Schnee in Filmen, so auch hier als symbolisches Mittel.

Zudem noch hervorragende Charakere, sehr vielschichtig gezeichnet, ihre Hintergründe interessierten (mich jedenfalls) und auch ihre Zeichnung an sich war sehr gut, eigentlich Anti-Helden, trotzdem sympathisch und einfühlsam gemacht, sodass man doch mit ihnen fühlt, bei ihren qualvollen Entscheidungen und moralischen Bedenken. Hat mich am Ende wirklich mitgenommen. Dann bekommt man noch starke Dialoge und einen schön komponierten Score von Danny Elfman geliefert.

Unterm Strich möchte ich dann nur noch sagen, dass "Ein einfacher Plan" um es kurz auf den Punkt zu bringen, ein einfach-geniales Meisterstück mit brillanten Darstellern ist, so wie auch ein ausgezeichnetes Lehrstück, wie gesagt stark.



8,5 / 10

Autor: Hoffman


Isos Meinung:
„Ein einfacher Plan“ versucht mitzuteilen, dass uns Geld verdirbt und falsch steuert. Und das funktioniert einwandfrei, weil er dieses Thema nie mit dem Vorschlaghammer bearbeitet, sondern eher filigran und mit Bedacht. Ein echter Geheimtipp! 8 / 10

Kommentare:

  1. Es war mein erster Film mit Billy Bob Thornton und auch mich hat er umgehauen! Liegt also nicht unbedingt nur an dir :)

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  2. Zunächst möchte ich mich bei Euch bedanken. Ihr habt mir einige Filme näher gebracht, die ich mir sonst niemals hätte angesehen und bis auch ein paar Ausnahmen konnte ich Eure Meinung gut nachvollziehen. Doch mit "Ein einfacher Plan" lagt Ihr meiner Meinung nach voll daneben.


    "Ein einfacher Plan" - ein einfach vorhersehbarer bis dümmlicher Film voller Klischees und plumper Symbolik. Es ist nicht "das Schicksal", was die drei Protagonisten letztendlich heimsucht, es ist ihre eigene Dummheit, die für den Zuschauer oft nicht nachvollziehbar ist. Das fängt damit an, dass Jacob, offenbar eine Figur vom Typus "Dorftrottel" mit langen, fettigen Haaren, einer zusammengeklebten (!) Hornbrille und Überbiss, schon kurz nach ihrem Überraschungsfund einen Dorfbewohner erschlägt. Weshalb so früh? Der Druck, der sich allmählich auf die drei auswirkt, hält sich noch in Grenzen und macht diese Tat im Affekt nicht nachvollziehbar. Klar - er ist eben der Dorftrottel, möchte man einwenden. Doch in einer solchen Geschichte sollte es nicht darum gehen, sich menschliche Dummheit zu bedienen, um menschliche Abgründe aufzuzeigen, was dieser Film ja offensichtlich verzweifelt bis zum Schluss anstrebt. Die Thematik hätte das Potential aus dem immer größer werdenden Geflecht aus Lügen und Ausreden der Protagonisten ein Monster zu erschaffen, das langsam übermächtig wird und den Menschen ihre eigene verdorbene Psyche offenzulegen vermag. Ein abgenutztes Thema - klar. Aber vielleicht hätte man doch noch etwas Neues mit diesem Film offenbaren können, was seine Daseinsberechtigung unter den etlichen Filmen mit gleicher Message legitimieren würde. Es ist schwach dabei immer wieder auf die Wirkung des Alkohols oder eben den minderbemittelten Verstand zu verweisen, um die Taten zu rechtfertigen. Da wäre es sogar besser gewesen, man schwingt die Moralkäule wenigstens gegen den Normalsterblichen und stochert konsequent etwas in den Untiefen der allgemeinen menschlichen Seele.

    Der Ort der Handlung wirkt aufgesetzt und nicht echt. Ständig hat man das Gefühl ein erhobener "dürrenmatt'scher Zeigefinger" schwebt über dem Film und abgedroschene Metaphern wie "schwarze Raben in weißem Schnee sagen Unheil vorraus" sind äußerst ärgerlich.
    Die Schlussszene ist ebenfalls unglücklich umgesetzt. Weshalb hört Hank, der als rationale Person dargestellt wird, nicht auf seine Frau, und fährt statt dessen mit dem naiven Polizisten und dem falschen FBI Agenten mit? Und spätestens während die vier so im Wald nach dem Flugzeug suchen - weshalb bereitet er sich nicht auf die offensichtlich kurz bevorstehende Exekution vor? Wäre es doch wenigstens ein Teil seines Planes: Polizist tot, falscher Agent tot - alle sind zufrieden. Aber so konsequent ist die Geschichte nicht und so versucht er doch noch, den Polizisten zu retten. (Was hat Hank eigentlich im Wald gemacht, anstatt seinen Revolver zu laden?).
    Schon in der ersten Minuten ließ sich der gesamte Film in groben Zügen vorhersehen und das ist Gift für jede Spannung. Einzig die Hoffnung auf eine überraschende Wende, auf eine wirkliche Geschichte, die diesem moralischen Gesäusel, der während des gesamten Films mitschwingt, ein Ende setzt, ließ mich am Bildschirm verharren. Das Ende ließ lange auf sich warten und ließ mich mit einem ungläubigen Blick auf einen so unnötigen Film zurück.

    Mir ist es unverständlich, weshalb Ihr "Ein einfacher Plan" mit 8,5 bzw. 8 bewertet und ein Meisterwerk wie Fargo mit ähnlicher Thematik, aber einer hervorragenden schauspielerischen Leistung und schlüssigeren, zwar chaotischen, aber dafür umso mehr nachvollziehbaren Handlung nur mit 7,5 auszeichnet (wobei ich Eure Rezesion von Fargo klasse finde!)

    -JI

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