Sonntag, 13. November 2011

Kritik: Naked Lunch

"Nichts ist wahr, alles ist erlaubt." - So das Motto von David Cronenberg bei der "Verfilmung" bzw. "Adaption" von dem Kultbuch "Naked Lunch" von William S. Burroughs. Ein Buch das bis heute bzw. bis zu diesem Zeitpunkt, an dem Cronenberg es wagte den Stoff zu verfilmen, als unverfilmbar galt. Mehrere Versuche bereits gescheitert, bei denen als Beispiele David Bowie, Dennis Hopper oder der große Jack Nicholson die Hauptrolle spielen sollten. Doch möchte ich bemerken, dass Cronenbergs Werk keine Verfilmung des Romans ist, so viel dazu.Denn Cronenberg legt niemals wert auf eine exakte oder lineare oder gar pure Abfilmung des Buches, weshalb die Vergleiche von Film und Buch wohl eher schwer fallen würden, dazu ein schönes Zitat von ihm: "Ich glaube nicht, dass irgendein Buch verfilmbar ist, es sei denn, man filmte die Seite des Buches."

So entstand sein (Cronenbergs) "Naked Lunch", in dem er geschickt Elemente (oder jedenfalls in der Richtung, wie ich vermute) des Buches mit dem Leben des Schriftstellers selbst vermischt, dass das Ganze dabei so nicht unbedingt werkgetreu ist, sollte klar sein. Eher ein Mix aus Beiden, Cronenberg und Burroughs, die Story an sich ein surrealer Alptraum, an sich eigentlich wieder unbeschreiblich, komplex und originell gehandhabt: 1953: Der Autor William Lee bzw. Bill, der sich als Kammerjäger über Wasser hält, erschießt im Rausch beim "Wilhelm-Tell-Spiel" seine Frau. Daraufhin flüchtet er sich in eine seltsame traumhafte Welt namens "Interzone, die dem Tanger der 50er Jahre ähnelt (hier erinnere man sich nochmal an die autobiographischen Züge des Werks). Und dort trifft er auf bizarre Geschöpfe...

In der Hauptrolle, wer hätte es damals vermutet, bei der Auswahl, Peter Weller als drogensüchtiger Autor und Kammerjäger Bill bzw. William Lee, der der zerstörerischen Sucht verfällt. Weller vielleicht in einer seiner besten Rollen, in er eindrucksvoll beweist wozu er in der Lage ist. Sein Schauspiel absolut fantastisch, grandios und so weiter. Sagen wir es so, einfach genial. Aber auch in Nebenrollen wissen etwa ein meisterhafter Ian Holm oder ein starker Julian Sands zu glänzen. Dabei bildet zudem noch Roy Scheider ein kleines Highlight des Ganzen in seiner skurrilen oder auch seltsamen Rolle des Dr. Benway. Eine seltsame und irgendwie befremdliche Vorstellung.

Cronenbergs erzeugt wieder einmal einen Horrortrip, dessen Faszination ich mich nicht entziehen konnte, seine Regie dabei eigenwillig, wie immer eigentlich, doch dabei auch überraschend "ruhig" erzählt, doch andererseits absolut verstörend. Cronenberg spielt wieder einmal mit Realität und Alptraum bzw. in Form des Drogenrausches, sodass die Grenzen dieser Phasen nicht mehr erkennbar sind, alles fließt ineinander, die Unterscheidung somit nicht mehr möglich. Dies natürlich alles schwer zu entschlüsseln, wenn überhaupt. In jedem Fall faszinierend, besonders interessant die satirischen-schwarzhumorigen Anspielungen, ein echter filmischer Trip, gleich auf mehreren Ebenen, den Cronenberg hier erzeugt. Für mich ein Werk zwischen faszinierend-genial und widerlich-ekelig, ganz große Klasse, sein Stil, wenn auch erneut gewöhnungsbedürftig.
Dazu noch eine großartige Kamera, mit surrealen Bildern angereichert, wie ein wahrer Rausch, mit einer traumartigen und doch düsteren Atmosphäre verziert. Was damit angezettelt wird ist ein purer Albtraum, mit monströsen Insekten und sprechenden und unheimlichen Riesenkakerlaken, die als Schreibmaschine dienen. Das ist Jenseits aller Konventionen. Wie erwähnt, alles war erlaubt.

Und auch die Charaktere wurden insofern, interessant gemacht, hier bedenke man die Züge von Burroughs Leben, so kann man wohl einige der im Film vorkommenden Figuren wahrscheinlich genauso gut auf Burroughs Leben beziehen. Zudem wurde die Charaktere eh faszinierend wie auch interessant gestaltet.

Letztendlich fehlen mir dann doch aber die wirklichen Worte um "Naked Lunch" in seinen vollen Ausmaßen zu beschreiben.  Für mich ist das Werk von Cronenberg auf jeden Fall etwas besonderes. Schwer überhaupt zu bewerten. Zwischen brillant, einmalig, originell und widerlich, ekelig, krank. Irgendwas dazwischen. Für mich somit herausragend. Ein faszinierendes, eigenwilliges Kunstwerk.



9 / 10

Autor: Hoffman

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