Montag, 27. Februar 2012

Klassiker der Extraklasse: Liebe auf der Flucht (1979)


Es schlägt die Uhr und das Ende scheint erkennbar. Nun noch ein weiteres Mal, Truffaut verehren und Abschied nehmen von Antoine Doinel, im Sinne der Reihe, denn mit "Liebe auf der Flucht" schloss Francois Truffaut den Kreis des Doinel-Zyklus, der einst mit "Sie küssten ihn und schlugen ihn" im Jahre 1959 begann, und so fand nun im Jahre 1979 die Geschichte des Rebellen Antoine Doinel seinen Abschluss. Ich muss aber an dieser Stelle sagen, dass ich "Liebe auf der Flucht" für den schwächsten Vertreter des Zyklus halte, denn vielmehr mag Truffauts Film für mich doch eher einem Flickwerk seiner alten Doinel-Filme ähneln.




Kurz gesagt, die Story des Ganzen wirkte auf mich tatsächlich etwas leer und wirkliche ohne Fülle, Antoine und Christine haben sich scheiden lassen, doch der Träumer will nicht aufgeben und versucht immer noch die wahre Liebe in seinem Leben zu finden und so trifft er bald wieder auf seine alte Jugendliebe Colette und bald darauf werden alte Erinnerungen wach und er lässt sein Leben noch einmal Revue passieren. So weit, so simpel und so viel Platz für Schnipsel alter Doinel-Teile, welche Truffaut wenigstens dabei gekonnt verbindet. Dennoch empfand ich dies des öfteren auch teils als störend, wenn man gerade zuvor sich intensiv mit den vorherigen Werke beschäftigte und in "Liebe auf der Flucht" nochmal ein Zusammenschnitt jener bester Momente der Filme geboten bekommt und so ist es auch nur verständlich das eine große Schwäche gerade im Aufbau und der Handlung von Truffauts Film liegt. Dennoch einen nostalgischen Wert besitzt das Werk so zweifelsfrei, in dem man sich an die großen Sekunden des Antoine erinnert und so die Vergangenheit bewältigt und vielleicht erkennt, was schon immer klar sein müsste. Eine weitere Schwäche hierbei liegt dann noch in der Tatsache, dass Truffaut dieses Mal Doinel oder gar Christine, welche trotz Scheidung noch freundschaftlich kommunizieren, recht wenig Screentime im Ganzen einräumt, jedenfalls wenn er gerade nicht aufs neue und alte Schnipsel seiner Doinel-Werke zusammensammelt, auch wenn er so doch wiederum clever mit Täuschung und Fiktion spielt und dabei doch recht zitatfreudig herangeht, doch verlegt er denn Hauptpunkt des Films eher auf den Charakter der Colette (größtenteils recht blass und aufdringlich verkörpert von Marie-France Pisier - welche die Colette bereits in Truffauts Kurzfilm "Antoine und Colette" mimte, einer kleinen, aber feinen Ergänzung zum Leben des Antoine), was wahrscheinlich der Tatsache geschuldet ist, dass jene direkt am Drehbuch mitschrieb und so ihren Charakter gleichauf in die Mitte des Kreises schob, aber dieser Charakter ist im Grunde unbedeutend, wenn es um Doinel geht. Am schlimmsten sind jene Momente, in denen Pisier versucht zwangsweise ihrem Charakter mehr Tiefe auf eine äußerst affektierte und unschöne Weise zu verleihen. Das misslingt leider vollkommen. Zum Glück sind dies auch nur wenige Sekunde des Ganzes.


Denn so spielen Jean-Pierre Leaud, wieder einmal exzellent als Doinel und dabei noch weitaus arroganter, und Claude Jade als Christine eigentlich mehr als überzeugend ihre Rollen in alter Manier und mit gewohntem Charme. Und Dorothée ist an sich auch ganz ok und ein nettes Anhängsel. Aber mal von dem Status des Flickwerks gesehen, ist Truffauts letzter Doinel-Film doch erneut geprägt von einer stilvollen Eleganz, welche eh stets präsent bei Truffaut, teilweise heiter erzählt, aber doch größtenteils konsequent-wehmütig gehalten, was ihm dann doch eine gewisse Würde verleiht, auch wenn ich ich wie gesagt finde, dass er einfallslos anmutet durch diese Schnipselei. Aber wenigstens auch Grundmotive wie Bücher und das telefonieren in speziell ausgewählten Telefonzellen sind vorhanden, ich vermute bis dato dahinter eine versteckte Symbolik, denn wer weiß. Ein feines Detail ist es. P.S: Und ich glaube in diesem Film auch die Vase aus "Die amerikanische Nacht" identifiziert zu haben, hehe!





Letztlich ist sein letzter Doinel eine Bilanz geworden aus den vorherigen Filmen, wobei zu sagen ist, dass er damit auch eher einer Montage als einem materiellen Film gleicht und doch schafft es Meister Truffaut dabei Charme und Eleganz in sein Werk zu transferieren, nicht so wie in seinen Vorgängern, aber immer noch äußerst schmackhaft. Warum schenkte er der Pisier nur so viel Raum? Das hat durchaus einen negativen Beigeschmack. Er verläuft zwar nicht reibungslos, aber zugegeben: Irgendwie kann man Truffauts Abschluss des Doinelzyklus nicht wirklich böse, dazu ist mir sein Antoine vielleicht schon viel zu sehr ans Herz gewachsen.




7.0 / 10

Autor: Hoffman

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