Samstag, 10. März 2012

Kritik: Prêt-à-Porter


Seit Jahrtausenden, so könnte man jedenfalls manchmal meinen, fragt sich die Menscheit - Mode was ist das überhaupt? Nun also wollen wir im Sinne des Lexikon des Hoffmans der pseudointellektuellen Worte uns dies definieren lassen: Eigentlich finde ich selbst keine Worte dafür, jeder benutzt, jeder liebt sie oder hasst sie. Ist es ein Stil. Ist es die gegenwärtige Kleidung, der Status quo des Trends. Kurzum kommt man schnell zur Erkenntnis: »The Style is it.« - und so wagte sich auch Meister Regisseur Robert Altman an das komplizierte Milieu der Mode und des Zirkus dahinter, denn nun ist er wieder am Zuge und rechnet ab mit diesen wahnwitzigen Jahrmarkt der heuchlerischen Schönheit und der Eitelkeiten, im Sinne von "Prêt-à-Porter" von Altman gedreht im Jahre 1994.


"Ich habe sie satt diese Models. Das sind doch laufende Implantate!"

Und wen sollte es dabei wundern, dass Altman erneut in Hinsicht des Episodenfilms arbeitet, was würde sich da besser eignen? In jedem Fall ist Altman darin begabt einzelne kleine filmische Episoden zu verbinden und daraus ein vollständiges Gesamtwerk zu machen, dies bewies er schon anderswo. Auch wenn "Prêt-à-Porter" insofern wohl einen seiner schwächeren Vertreter dieser Filme, mit jenem Schema, darstellt in Hinsicht der Handlung, die bei weitem wohl auch mitunter der größte Kritikpunkt des Films ist. Hierbei etwas lose gestaltet und etwas überladen mit Episoden, zu viel des Gutem, einziger wirklicher Zusammenhalt dabei: Der Tod des Modezars Oliver de la Fontaine. Der Täter und die Frage, ob Mord oder Unfall? Die Modewelt ist erschüttert und doch müssen die Herbstschauen stattfinden. Man sieht lose und etwas schwach, aber dennoch irgendwie interessant zu betrachten, wie gesagt dazu und mittendrin zahlreiche Episoden zum Thema. Und außerdem Altman entschädigt in solchen Fällen immer.


Denn wie so oft lädt Altman zu großen Tumult ein, so der großen Show und so ist eine Starbesetzung im Maße der Masterclass fast schon garantiert. Zudem scheut er nicht die großen Designer und Models in Cameos auftreten zu lassen, ob Jean-Paul Gaultier, ob Carla Bruni oder nebenbei noch Cher, auch wenn dies fragwürdig scheint. Ein Staraufgebot wie es nur der Meister selbst kontrollieren kann, denn wie bekannt sein sollte ist Altman der Spezialist für solche Fälle. Und mittendrin im großen Modezirkus der heilige Marcello Mastroianni als Tatverdächtiger Sergio bzw. Sergei, Mastroianni selbstredend wieder exzellent wie mit viel Freude und Selbstironie agierend, er bildet das Fragment und den Mittelpunkt von Altmans Film, mal mehr, mal weniger. Und stets auf der Flucht, voller Elan. Außerdem gesellt sich zu ihm, mehr als passend, die himmlische Sophia Loren, mit dem Hang zur Extravaganz, und alte Gefühle keimen auf und Geheimnisse werden gelüftet. Zudem Julia Roberts und Tim Robbins (sympathisch) als chaotisches und zufälliges Liebespaar wider Willen und dazu noch viele, viele weitere Stars. Robert Altman an sich wie immer bestimmend im Ton seiner unzähligen Stars, wunderbar satirisch erzählt und teilweise herzlich absurd und so entlarvt er die Oberflächlichkeit der Modewelt, kritisiert nebenbei noch ein klein wenig Presse und Medien, aber hauptsächlich führt er die Stereotypen des Modezirkus ins ad absurdum und das klingt ihm außerordentlich gut, schön bissig. Und trotz einen Überfluss an Handlungssträngen, wie gesagt so leicht überladen und unübersichtlich, war es doch für mich stets faszinierend zu beobachten, welche Vielfalt Altman mit seinen Charakteren bringt. Das mögen einmal absolut irrwitzige Designer sein, oder hinterhältige Top-Fotografen (ungewöhnlich, aber bemerkenswert schräg: Stephen Rea), oder konkurriende und buhlende Herausgeberinnen (Bsp: Linda Hunt, immer gern gesehen), oder anderweitig leicht, ich meine stark penetrante Reporterinnen (Am Rande des Nervenzusammenbruchs: Kim Basinger), kurz gesagt alles mit dabei. Und zudem Jean-Pierre Cassel als armes Opfer Oliver de la Fontaine, der konservierte Grund der Unruhen der Modeschauen. Und letztlich noch ein seltsam eingebauter Running Gag.


Nicht zu vergessen insgesamt auch sehr detailliert von Altman erzählt wie auch gefilmt und gerade hier leistet die Kamera bei weitem eine wirklich gute Arbeit, ausschweifend, stilvoll und sehr schick gefilmt. So gesehen hat der Film seinen besonderen Style. Ganz im Zeichen der Mode also. Gut und gerne erwähne ich erneut wie wunderbar es doch ist, wenn Altman die schöne Welt des Scheins karikatiert, sehr gekonnt und sehr liebenswert mit geschliffenen Dialogen, auch wenn ich dabei nicht leugnen will, dass er gerade durch das Thema der Mode selbst hierbei zur Extravaganz und einem Hauch von Selbstgefälligkeit neigt, aber wie gesagt dies nur in für mich wenig rationaler Form, dennoch sollte ich dies erwähnen, denn mal abgesehen von meiner grenzenlosen Faszination und dem Spaß, welchen ich an dem Werk stets finde, sei erwähnt, dass der Zugang zum Werk durchaus nicht leicht sein kann, deshalb sollte eine Sichtung stets wohl bedacht sein, aber wer Stars, Eleganz, Altman, schräge Gestalten der Branage mag, könnte durchaus finden. Aber sei gesagt, Altman zeigt auch den jeweiligen Stil der Mode und das kann schon recht speziell werden, wenn man nicht unbedingt ein Altman-Fan ist.


"Wie finden sie den Schmuck heute Abend?" - "Wie ich den Schmuck finde? Ich greife zwischen die Lehnen und Sitzflächen meines Sofas, da finde ich normalerweise den Schmuck." - "Ich spreche von den Porzellansachen, von Bulgari?" - "Das ist mir klar, es ist nur eine langweilige Frage, so grauenvoll fantasielos. Kann hier nicht mal irgendjemand was vernünftiges fragen?" - "Wie finden sie es, dass die Textilfabriken 15% der Umweltverschmutzung verursachen?!"



Schließlich möchte ich dann nur noch sagen, dass "Prêt-à-Porter" ein erneut feines und souveränes Stück Altman-Episoden-Kino ist, wenn auch mit klaren Schwächen in Hinsicht der doch leider lose zusammenhängenden Handlungsverläufen und der Ladung an verschiedenen Charakteren, trotz des Aspekts, dass diese doch nett und teilweise herrlich überzeichnet wurden. Vorzüglich inszeniert und veredelt mit dem heiligen Mastroianni, eine Farce über die Mode, einfach zum gern haben und ehrlich gesagt : Mir brachte sie immer viel Vergnügen...



                                            7.5 / 10

Autor: Hoffman

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