Sonntag, 25. Dezember 2011

Kritik: Radio Rock Revolution




"Willkommen auf dem Boot der Liebe."

Es ist der Rock. So wie er sein sollte. Was würden wir ohne ihn tun. Frage rational nicht zu beantworten. Ich wäre wahrscheinlich schon lange nicht mehr glücklich oder so was wie mein Leben wäre nicht dasselbe. Sie sendeten ihn. Sie lebten ihn. Es war eine andere Zeit. Es war ihre Zeit und es war Zeit für Rock. Es geht um Dj´s und Piratensender, es geht um "Radio Rock Revolution" von Richard Curtis aus dem Jahre 2009. Sex, Drugs and Rock´n Roll hieß das Stichwort, wie man vermuten mag. Rock ist doch mehr als eine einfache Musikrichtung, es stellt ein Lebensgefühl dar und was man hier nicht alles für Sätzen aussprechen könnte, der Rock rockt einfach.


 
Aber zurück zum Film und dessen Story, die so gesehen recht simpel gehalten, natürlich rein fiktiv an sich, doch dabei irgendwie wahr, dünn gehalten, extrem dünn und schnell erklärt, mit zeitlichem Hintergrund und dabei schon irgendwie interessant: England Mitte der 60er Jahre, es darf nur zwei Stunden "Rockmusik" im Radio laufen, so die Regierung. Doch zum Glück gibt es Piratensender, wie "Radio Rock", der rund um die Uhr Rock spielt und so mischen sie so wohl Regierung als auch die Musikszene wie auch die Menschen Englands auf.

Mittelpunkt hierbei der junge Carl (Tom Sturridge: jung, motiviert, überzeugend), anfangs schüchtern, doch gar nicht so unschuldig. Dieser wird auf das Boot (->Radio Rock) seines Patenonkels Quentin (exzentrisch-exzellent: Bill Nighy) geschickt, um dort zu lernen, und für klaren Kopf. Schlechte Idee, denn dort geht es heiß her mit Musik, Dj´s und Damen bzw. Lesben. Ein bunt zusammengewürfelter und nett anzuschauender Cast dabei besonders auffallend (ungewöhnlich, trotzdem gut und sehr amüsant gespielt) Nick Frost (mit Sixtees-Look) als anscheinend notgeiler Dr. Dave (der Name sagt alles) bzw. auch möglich nur Dave, oder auch Kenneth Branagh (perfekt besetzt) als stock-steifer und selbstredend erzkonservativer Minister Dormandy, besonders hervorstechend selbstredend der große Hoffman, wer könnte ihn  nicht lieben? Die größten Sympathien von ihm gehen von mir natürlich an ihn. Herrlich aufgelegt und mit vollem Herzen dabei als Amerikaner "The Count", ein wenig selbstverliebt, hatte ihn dennoch ganz gern bzw. Lieblingsfigur. Der große Macher, der King...bis er wieder kommt...der Gott, die Ikone jeden DJ´s Gavin (abgehoben, genauso selbstverliebt wie Count, und nicht zu vergessen unheimlich arrogant). So ist das Treffen perfekt und auch die Sticheleien der Beiden funktionieren und so harmonieren beide (Hoffman & Ifans) ideal. Rhys Ifans alleinstehend ein Highlight für sich, wie auch jeder Auftritt von Nighy, aber das steht ja außer Frage, wollte es nur erwähnen. Brillant verkörpert, fast schon schrill wie ein Paradiesvogel. Aber auch noch mit vielen anderen seltsamen wie auch schrägen Figuren angereichert und auch dort alles glänzend.


Regisseur Curtis, übrigens auch der Mann, der uns "Tatsächlich...Liebe" schenkte, setzt dabei viel auf Rhythmus und Rock (warum nicht?), was die Darsteller schon mal mit sich bringen, locker-leicht und absolut unterhaltsam erzählt, na gut zwischendrin mit dramaturgischen Durchhängern bzw. wir denken an Story und sehen wenig, aber das ist wohl Geschmackssache. Dabei dominiert natürlich der Gedanke es lebe der Rock und das Boot bzw. der Sender und die Menschen, die alle liebten. Geschildert wird größtenteils das Bordleben, der typische Alltag und die chaotischen Situationen, dass das Story-technisch gesehen dünn ist, sollte von vornherein klar sein und wie auch, dass es sie hierbei nicht um ein dokumentarisch angelegtes Filmchen handelt oder gar ein kritisches Porträt der zeitlichen Umstände (in minimaler Form höchstens), jedenfalls nicht so wie man es erwarten sollte. Und wirklich tiefgründig wird es auch nur selten, in kleinen Maßen, also ausreichend für mich. Aber was solls? Vielleicht sehe ich das hier auch alles viel zu kritisch, denn so oder so bleibt das Werk doch sehr leidenschaftlich und liebevoll inszeniert und zudem noch unterhaltsam. Die Gags an sich gut gemacht, wenn auch bei mir nicht immer (das ist auch ehrlich gesagt kaum möglich) treffsicher, macht aber zumindest Spaß dies zu betrachten und ich würde es fast als irgendwie erfrischend beschreiben.  Das wird natürlich tatkräftig von den extravaganten, schrägen und mitunter fast durchgeknallten Charakteren unterstützt, nebenbei auch hier alle sehr herzlich gestaltet bzw. sympathisch. Weiterhin noch von der Kamera in ein schickes und entspannt-liebevolles 60er-Jahre-Gewand gehüllt, alles in allem hübsch anzuschauen.


 
Das Wichtigste spielt hierbei natürlich immer noch die Rockmusik und so kann man schnell daraus schließen, dass der Soundtrack (für mich jedenfalls) einfach grandios war, verlieh dem Ganzen noch einen Hauch mehr an Stil und Atmosphäre, mochte ich sehr gern und wie gesagt dieser rockte einfach, man hätte meinerseits fast aufspringen können und toll ausgewählt.

Abschließend möchte ich dann nur noch sagen,  dass "Radio Rock Revolution" einerseits eine liebevoll gemachte und unterhaltsame Hommage (fast einem Denkmal nicht fern) an den Rock und die 60er Jahre ist, andererseits ein Werk das man somit wohl als Feel-Good-Movie bezeichnen würde, trotz irgendwie belangloser und dünner Handlung, ein mehr als sehenswerter Film.


7,5 / 10

Autor: Hoffman

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