Mittwoch, 15. Februar 2012

Kritik: "Moon"


Duncan Jones‘ „Moon“ ist eine unterkühlte Metapher des Alleinseins, die sich selbst und ihre in sich befindlichen Leben von jeglichem Beistand anderer abschirmt. Ich kann nicht behaupten, dass das in „Moon“ Aufgegriffene neu oder besonders erfindungsreich ist, aber ich kann mit Gewissheit sagen, dass der betriebene Aufwand und die Liebe zum einzelnen Detail überwältigend sind. 

Die karge, in immer währende Dunkelheit eingeweihte Oberfläche des Mondes ist ein brillantes Schauspiel des unerklärlich Schweigsamen, das von nichts als Einsamkeit und Kälte durchzogen wird. Abgeschottet von allem Leben. Ein Phänomen der Angst, welches sich unaufhaltsam durch den Körper frisst und nicht ruht, bis es uns gänzlich besitzt. Sam Bell (Sam Rockwell) ist einer dieser Menschen, die Tag für Tag alleine erwachen, nichts innehaben als die Isolation auf einem vereinsamten Himmelskörper.  Der einzige Freund, welcher ihn geblieben ist, heißt GERTY. Eine hochentwickelte künstliche Intelligenz, dessen Gefühlslagen auf einem Monitor mittels fröhlicher und trauriger Gesichter angezeigt werden. „Moon“ kennt keine Wärme, weil die restlich verbliebenen Existenzen in ihm keine erfahren.

Muss man sich folglich aus der Fremdheit gegenüber sich selbst  einen Freund erschaffen? Sich selbst sehen, um zu begreifen? Oder passiert alles nach einem System und einheitlichen Mustern, die man verstehen kann, wenn man sie erkennen will?  Jones‘ bedrückendes Sci-Fi-Drama erfährt schon bald einen entscheidenden Wendepunkt, der die Geschichte nicht in eine durchsichtig-alberne Richtung lenkt oder vorherige Strukturen zerstört, sondern die Scharfsinnigkeit unseres Aufnahmevermögens noch einmal anzieht und intensiviert. Und gerade daraus schöpft dieses Werk seine ausgehende Faszination, welche anderweitige Filme durch ihre Einfältigkeit in Idee und Umsetzung sehr stark vermissen lassen. „Moon“ ist bewusst, wie wichtig eine anspruchsvoll, in sich verschachtelte, aber immer nachvollziehbare Geschichte sein kann und ist ein exzellentes Beispiel für fließendes Charakterkino. Sam Rockwells schauspielerische Auffuhr an unterschiedlichsten Empfindungen ist ein sagenhaft-bewegendes Momentum in dunklen wie grellen Bildern, deren Schleier sich gar über die außergewöhnliche Kulisse heben. Regisseur Jones‘ , der hier sein Debüt in Langzeitfilmen gab, verzichtet fast gänzlich auf überzeichnete Spannungsbögen, sondern konzentriert sich ausschließlich auf das Naturell Sams und die Welt, die er um die Erzählung webt. 

Dass gegen Ende nicht auf den üblichen Countdown in Form eines raffenden Zeitlimits verzichtet wird, ist „Moon“ dahingegen zu verzeihen, weil er davor ausgesprochen eindringlich und spannend war. Mich dazu zwang, das Denkverhalten auszuweiten und es nicht für eine angeblich durchdachte Handlung missbrauchte. Er forderte meinen Verstand und meine Aufnahmebreitschaft für kompliziertere Verläufe. Das rechne ich ihm hoch an.
Ein ungemein sachter, aufopferungsvoll gespielter und für sein geringes Budget fantastisch aussehender Science-Fiction-Streifen, der gefühlvolle, intime Bilder entwirft als auch mitreißende Fesselungskünste umzusetzen weiß. Ein Lichtblick am sonst so trüben Horizont.


8 / 10

Autor: Iso

Kommentare:

  1. Muss ich auch noch sehen, jetzt freu ich mich drauf! :)

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  2. Kannst Du auch. :-) Gehörte auch zu den Filmen, die ich seit geraumer Zeit vor mir hergeschoben habe. Zu Unrecht!

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  3. Komisch, bei mir ist es das Gleiche. Obwohl ich genau weiß, dass mich der Film begeistern wird, schiebe ich ihn immer noch vor mir her. Irgendwie paradox.

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  4. Hab' neulich schon irgendwo gelesen (hing glaube ich mit dem Media Monday zusammen), dass Du den auch schon lange auf Deiner List hast. :-D Ist sowieso ein Phänomen von "Moon". Ich habe es selten erlebt, dass ein Film - trotz vieler positiver Vermerke seitens derer, die ihn gesehen haben - dennoch von einem Großteil liegen gelassen wird. Meist dann mit den Worten: "Irgendwann mal, wenn ich Zeit und Lust hab'."
    Ist wirklich paradox.

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  5. Ich habe mir auch längst schon vorgenommen den Film zu sehen. Vor einigen Tagen lief er im Fernsehen und ich kam endlich dazu ihn mir anzusehen. Es hat sich gelohnt, ich war begeistert wie man mit so minimalen Aufwand einen so intensiven und spannenden Film machen kann.

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