Sonntag, 30. Oktober 2011

Kurzkritik: "The Blair Witch Project"

Kein schöner Platz zum Outdoor-Sonntagsfrühstück: Der Wald von Hexe Blair.

Damals wie heute für mich eine Offenbarung des subtilen Grauens, bei dem ich jeden qualvollen Schritt des sich scheinbar endlos erstreckenden Weges am eigenen Leib spürte. Kein anderer Horrorfilm schilderte mir Trost- und Hoffnungslosigkeit eindringlicher, keiner fing mich mehr in dermaßen eisige Klauen, während bedrohliche Geräusche durch tiefes Dickicht und nächtliche Kälte drangen. Nie war Erschöpfung spürbarer, nie hatte sie mich als Zuschauer physisch und psychisch derart zugesetzt.
 

Das hat sich bis heute nicht verändert. Für mich einer der beklemmendsten Vertreter des Genres, der auch seinen Drehstil in ein authentisch sehr starkes Gesamtbild einbindet, welches Angst, Verzweiflung und vergebliche Zuversicht sichtbar und nachvollziehbar auf die Leinwand projiziert. „The Blair Witch Project“ ist die Furcht in unserem Kopf, der pochende Lärm von den Urängsten in uns – immer wartend auf eine Konfrontation mit ihren Auslösern. Es ist die Kammer alles Bösen, die die drei Studenten und damit auch ihr Videomaterial mit emporragenden, kahlen Bäumen umschließt. Der Wald ist ungemütlich, frostig, die Äste bereits entblättert und das Laub raschelt bei jedem Schritt, der sie weiter in die Tiefe der verworrenen Gebüsche führt. Schreie in weiter Ferne, die nur in dunklen Stunden ertönen, scheinen in allen Richtungen tiefster Leere und Einsamkeit ihren Ursprung zu finden. Sie spielen mit dem Irrglauben und der Ungewissheit – letztlich mit dem Denken des Menschen. „The Blair Witch Project“ ist der gespenstische Klang unserer existierenden Ängste, führt das vor, was in den finstersten Ecken unserer Köpfe ruht und besitzt die seltene Erlesenheit darin, dass er sich uns nie vollständig offenbart und begründet, aber immer anwesend und verfolgend ist. Er lässt uns in den Glauben, dass der Aufschluss dessen, was passiert ist, in zerfallenen, morschen Mauern sitzt, lässt uns nach dem suchen, was uns verführt oder besorgt. Nichts ahnend davon, dass er nur darauf wartet, bis uns die Furcht endgültig eingenommen hat, um anschließend ganz schauderhaft und hämisch über uns zu lachen. 


9 / 10

Autor: Iso 

Kommentare:

  1. Auch wenn ich 9 Punkte für etwas hochgegriffen halte, kann ich dennoch folgenden Abschnitt dick unterstreichen:
    [...„The Blair Witch Project“ ist die Furcht in unserem Kopf, der pochende Lärm von den Urängsten in uns – immer wartend auf eine Konfrontation mit ihren Auslösern...] "The Blair Witch Project" ist von seiner Ausrichtung / seinem Konzept und seinem Rhythmus den Horrorklassikern der Filmhistorie näher, als es so mancher verkorkste Beitrag in den letzten 10 Jahren vermutlich insgeheim gewesen ist...

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  2. Der Film...Jaaaaaaa...er hat mich gepackt, als ich nicht mehr daran glaubte. Ich weiss noch, wie ich mich danach gefühlt habe...alleine, geänstigt und verstört. Dennoch war ich froh als die Nervkuh endlich weg war. Ich weiss, das gehörte dazu, ein Gegenpol etc...aber hey...Gott hat die genervt ;-)))

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