Sonntag, 20. November 2011

Kritik: Shutter Island

Endlich, nun endlich, endlich keine Angst mehr, keine Furcht, kein Versteckspiel. Endlich keine Panik vor bösen Spoilern. Und so nun endlich (alles ist endlich, nichts ist normal) "Shutter Island" von Martin Scorsese aus dem Jahre 2010 nach dem gleichnamigen Roman von Dennis Lehane gesehen. Ein Film, bei dem ich zu strickten Mitteln griff, da damals überall publiziert (ich mag das Wort) bzw. verbreitet wurde, dass dieser Film einen oder viele überraschende, perfekt ausgeklügelte Twists enthalte. Das weckt Skepsis und Angst vor jeden möglichen Spoilern. Da Hoffman eh so gut wie nie ins Kino ging bzw. geht und zu dieser Zeit auch keine Zeit (ich forme wieder seltsame Sätze) fand, wartete ich, in ständiger Angst vor Spoilern. Ob in verschiedenen Kritiken, Kommentare (weshalb diese erst gar nicht gelesen wurde, bis jetzt) und so weiter, was andererseits zu wilden Fluchtsituationen und Hetzjagden führte und den Rest kann man sich ja denken, oder so. Jetzt aber doch, zum Glück, endlich gesehen.

Zunächst nun wieder kurze Worte zum Inhalt des Ganzen, fein ausgeklügelte Story, intelligent und clever gestrickt und mit schönen Twists, Rätseln oder auch Überraschungen angereichert, zurück in vergangene Zeiten als Detektive noch an der Tagesordnung, mit ihren Trenchcoats, standen: Wir schreiben das Jahr 1954: Auf einer Insel, genannt Shutter Island, sollen U.S.-Marschall Teddy Daniels und sein Partner Chuck im fluchtsicheren Ashecliffe Hospital das Verschwinden einer psychisch gestörten Mörderin aufklären. Im Zuge der Ermittlungen geht Teddy immer mehr mysteriösen Hinweisen nach und entdeckt bald beängstigende Wahrheiten, über diesen Ort.

Gar nicht so überraschend wie der ein oder andere Twist im Film, ist hingegen die Besetzung der Hauptrolle, wer in den letzten Jahren Scorsese´s Filmographie irgendwie verfolgt haben sollte, könnte die Antwort schnell erahnen bzw. ein Kandidat beim Ratespiel hätte die Million fast schon sicher, denn die Besetzung liegt auf der Hand: Leonardo Dicaprio, ihre bereits vierte Zusammenarbeit. Doch was solls, denn Dicaprio zeigt sich in echter Höchstform als Teddy Daniels, bringt er die Ängste bzw. die daraus profitierende immer mehr steigende Paranoia seines Charakters perfekt rüber, verleiht ihr sogar eine gewisse emotionale Tiefe, da kann ich nicht drüber meckern. Als sein Partner Chuck bekommt man noch einen gut agierenden Mark Ruffalo spendiert, wahrscheinlich eine seiner besten Rollen, wo er endlich mal zeigen kann, dass auch er zu überzeugenden bzw. starken Leistungen fähig ist. Und neben ihnen eine genauso überzeugende Emily Mortimer, aber nicht zu vergessen die zwei alten Giganten des Films, einmal ein wie immer grandioser Ben Kingsley als mysteriöser und geheimnisvoller Leiter der Anstalt Dr. Crawley und auf der anderen Seite ein exzellenter Max von Sydow. Und wo wir gerade bei vergessen wären, in der Hinsicht sollte auch noch Jackie Earle Haley als kleiner, aber feiner Bonus erwähnt werden. So weit stimmt also alles.

Und auch Scorsese´s Regie weiß wieder aufs neue zu begeistern. Wie immer hervorragend, spannend und packend erzählt, zugleich lässt er es sich nehmen dem guten, alten Film noir zu huldigen und dessen Elemente mit in seinen Film einzubringen, dazu auch noch unterlegt mit dem Mitteln eines Gruselfilms der alten Schule: Nebel, Sturm, die Bedrohung lauert überall, die Finsternis regiert, sodass man Scorsese´s Werk so fast als einen solchen Trip bzw. Reise in die Dunkelheit sehen könnte, gefüllt Albträumen und schockierenden Realitäten, sodass schnell die Wahrheit erlischt wie eine Flamme im Sturm (komischer Vergleich). Nichts es wie es scheint. Und auch auf den schmackhaften Surrealismus wird nicht verzichtet, fein werden hier die Zutaten gemischt und so vereint Scorsese Traum, Wahn, Albtraum und Wirklichkeit auf einer meisterhaften Ebene und das erzeugte bei mir eine gewisse Faszination. Und ein unheimliches Gefühl machte sich bei mir breit. Nicht zu vergessen die interessant gemachten Wendungen und die Doppeldeutigkeit der Ewigkeit und des Seins, sehr schlau eingefädelt.
Weiterhin noch eine tolle Kameraarbeit, wunderbare düstere und stilvolle angelegte Bilder, allein die Farbgebung der Bilder an sich sehr schön bzw. dadurch stieg meine Faszination für diesen Film doch noch ein Stück weit. Besonders hier werden nochmal die verschiedenen Elemente des Film noirs und Surrealismus deutlich. Vergoldet werden die Bilder mit einer fantastischen bzw. unheimlichen und beängstigenden, ja fast schon beklemmenden Atmosphäre und einer klasse Optik, alles sehr schick gemacht.

Zusätzlich noch ein paar gut gehandhabte Charaktere, besonders natürlich auf den Hauptcharakter des Teddy Daniels bezogen, hier und da interessante Aspekte, sehr präzise überdacht bzw. ausgedacht. Psychologisch-interessant beleuchtet man die Hintergründe verschiedener Figuren, gefiel mir irgendwie, wenn die Nebencharaktere an sich auch nicht immer perfekt gestaltet wurden, aber okay, kleine Klischees, die sich dafür aber gut in den Film eingliedern können. Dazu wird das Ganze noch von einem großartigen Score von Robbie Robertson untertrichen, zwar laut und kraftvoll, dennoch dabei aber spannungsfördernd und mitreißend komponiert.

Unterm Strich bleibt dann nur noch zu sagen, dass Scorsese mit "Shutter Island" ein fein ausgeklügeltes und ausgezeichnetes Verwirrspiel der Extraklasse kreierte, von Anfang bis Ende sehr stimmig, mit einen krönenden Abschluss und einem glänzenden Dicaprio.


8,5 / 10

Autor: Hoffman


Isos Meinung:
Martin Scorsese liefert eine wunderbar detailverliebte Arbeit ab, die nicht nur durch stimmungsvolle Bilder und passende Musik überzeugen kann. Nein, "Shutter Island" ist ein hervorragendes Beispiel für schauspielerische Qualitäten. Dabei liefert Leonardo DiCaprio die bis jetzt beste Leistung seiner gesamten Karriere ab und spielt Daniels mit seinem Leben.
8,5 / 10

Keine Kommentare:

Kommentar posten