Mittwoch, 8. Februar 2012

Kritik: "Road to Perdition"


Düstere wie schwermütige Schatten durchschweifen die Gassen eisiger, regnerischer Dunkelheit, als sich die lethargischen Schreie begangener Sünden eines jeden durch die prasselnden Tropfen des unaufhörlichen Regens enthüllen und so zu pochendem Lärm mutieren. Dennoch sind die Gestalten weiterhin blind, wollen erblindet bleiben, wiegen sich in unerschütterlichem Schutz, nichtsahnend, dass ein heller, stählerner Blitz den drohenden Donner ankündigt und die Abrechnung mit dem Höchsten vollzogen wird. 

Poetisch-erhabener können einzelne Szenenbilder, allen voran jene, die die Schlüsselszenen der zu erzählenden Geschichte beinhalten, nicht sein. Kaum ein Wort muss fallen, wenn sich Tom Hanks und Paul Newman als sich im Herzen liebende Feinde, nicht verifizierbar in Gut und Böse, im strömenden Regen als gebrochene Männer gegenüberstehen. Eine schlichte, aber dafür eine umso mehr ergreifende Inszenierung, die durch die gefühlsgeladene musikalische Untermalung noch wirkungsstärker in die emotionalen Ebenen der Zuschauer vordringt, erfährt durch Zuschuss darstellerischer Vollendung eine souveräne Bravour und beweist: Kino darf es sich erlauben leise zu sein. 

Mendes‘ Gangster-Drama ist nicht immer nachvollziehbar, hat manchmal kleinere logische Schwächen, darf sich aber dennoch zu den Vertretern zählen, die beglaubigen, dass eine packende, mit Musik, Darstellern und visuellen Bildern in Einklang gebrachte, konsequent geschilderte Geschichte wahrnehmbare Gefühle des Glückes und der Trauer hervorrufen kann. „Road to Perdition“ ist bis ins kleinste Detail durchdacht, perfekte in Szene gesetzt und erinnert an ein meisterliches Gemälde, das dem Betrachter mit unzähligen Farbkontrasten und grafischen Gestaltungsmitteln in den Bann ziehen möchte.
Leider ist der Mittelteil nicht immer von der erzählerischen Tiefe geprägt, an welche man sich gerne zurückerinnert. Bedauernswerterweise hat das Werk eben nicht durchweg die inhaltliche Schwere, mit der es anfänglich eingeleitet und am Ende ausgeklungenen wird. Zeitweise wird die Gewichtung zu stark auf die zu sehenden Bilder und deren Gefühlslage gelegt, was ich angesichts des hervorragend geschriebenen Anfangs nicht nachvollziehen kann. 

Bewegend bleibt „Road to Perdition“ aber in jedem Fall, denn der Film schuf über die knapp zweistündige Dauer eine Ansammlung von Gefühlszuständen, deren Wall gegen Ende zerbrach, einen regelrechten Umschwung erfuhr. Und an solche Momente sollte man sich zurückerinnern, auch wenn die Defizite keine Missachtung erfahren dürfen. Gerne bin ich jedoch bereit einen Nachlass der Problematiken zu akzeptieren, wenn ich mich nach Filmende noch an Szenen entsinnen kann, an die ich mich gerne entsinne. 

„Ein Mann von Ehre bezahlt immer seine Schulden und steht immer zu seinem Wort“, erwidert Mr. Rooney (Paul Newman) der Angst, die er in den Augen von Michael (Tyler Hoechlin) sieht. Doch auch die fälschlichste Ehre wird zerschellen, wenn sich die schwarzen Sünden verwehter Tage als Regentropfen in grauen, kalten Pfützen wiederfinden, während sich die einst ehrenvollen Worte als schimmerndes, kaum vernehmbares Bild im trüben Wasser spiegeln. 


7 / 10
Autor: Iso 

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