Montag, 19. März 2012

Klassiker der Extraklasse: Schlacht um Algier


Nun mal etwas abgewandelte propagandistische und leicht breitmassige Worte zum Film um Aufmerksamkeit zu wecken, denn ohnehin wird jener Streifen oft übersehen, wenn man ein Gespräch oder eine Aufzählung großer und bedeutender Kriegsfilme der Filmgeschichte anfängt.


Immerhin stellte der große Billy Wilder nicht umsonst, jenen Film "Schlacht um Algier" von Gillo Pontecorvo aus dem Jahre 1966 in eine Größenordnung mit etwa Giganten wie "Panzerkreuzer Potemkin" oder eben (wie angedeutet) "Schindlers Liste. Und das zumindest in Hinsicht seiner Virtuosität vollkommen zurecht. Doch zu seiner Zeit verboten. Zunächst thematisiert Pontecorvo (wofür er auch intensiv recherchierte) hierbei den Algerienkrieg und einzelne Episoden jener Unabhängigkeitsbewegung und den ständigen  inneren Kampf zwischen den Algeriern und den Franzosen. Und auch wenn die Handlung an sich so einige erhebliche Schwächen aufweist, da ein linearer Handlungsstrang nur schwer zu erkennen ist und sich die Story insofern für mich doch recht lose äußert durch einen der Aufständigen, Ali La Pointe und dessen Gegenopposition dem Colonel Mathieu, im Grunde ist dies auch unwichtig, denn so sollte man diesen Film doch eher als dokumentarische Schilderung der Ereignisse sehen, was somit eindeutig funktioniert.


Es ist zweifelsfrei beeindruckend wie es selbst heute noch "Schlacht um Algier" eine solche Intensität und Glaubwürdigkeit in seiner Darstellung aufbaut wie ich es selten gesehen habe, was wahrscheinlich auch hier ein guter Entschluss scheint, dass man größtenteils Laiendarsteller, direkt von der Straße, nahm und sie in jeweils passende Rollen besetzte, denn so gewinnt auch hier der Film  an hohen Maß an Authentizität wie zudem bei der Tatsache, dass man hierbei an Originalschauplätzen drehte. Und gerade durch diesen absoluten Realismus entwickelte sich meinerseits auch eine besondere Faszination. Schon anfangs zeigt man die drastischen Umstände und brutalen Methoden dieses Bürgerkrieges. Sehr lobenswert bleibt dabei, stets von Pontecorvo objektiv geschildert, auch wenn die kritische Stellung zu dem französischen Regime mehr als deutlich ist. Was sich zeigt in jenem Maße, wenn die Truppen des Colonel Mathieu (hervorragend: Jean Martin) zu immer radikaleren Mitteln greifen um Frankreichs letzte Kolonie nicht aufzugeben und die Organisation der Rebellen (FLN) zu zerschlagen, insofern präsentiert er auch realistisch die jeweiligen Folterungen und Exekutionen der Rebellen. Eindringlich wie auch in Hinsicht der Atmosphäre grandios bebildert und sehr exakt und konsequent gefilmt, sehr dicht um im dokumentarischen Stile. Somit kurzum mehr als einnehmend und fesselnd.


Eine weitere Schwäche offenbart sich neben der Handlung in Hinsicht der Charaktere, welche sich, da sich der Film weniger an die Entwicklung oder Gestaltung der Figuren richtet, als an die Geschehnisse des Algerienkrieges. So mögen jene teils etwas mäßig gezeichnet sein, kleinbei also vernachlässigt. Dies wird aber immerhin insofern ausgeglichen, wenn man es überhaupt als Problem (bzw. Schwäche) des Films sehen sollte, durch die technisch-brillante Umsetzung und die dadurch erzeugte Glaubwürdigkeit bzw. die präzise Erzählstruktur, auch wenn mir hierbei das Ende doch etwas abrupt anbrach, aber doch verständlich eingesetzt. Insofern in seiner Kraft und Leidenschaft der Herstellung wohl kaum zu toppen. Und wollen wir nicht unterschlagen zu erwähnen, den weiterhin fantastisch komponierten Score von dem Maestro Ennio Morricone, sehr nahegehend und kraftvoll zugleich. Letztlich bildet "Schlacht um Algier" für mich ein mehr als beeindruckendes und bedrückend-realistisches Meisterwerk, das neben den üblichen Verdächtigen des Genre einen besonderen Platz in der Filmgeschichte verdient hätte, wie auch im Gedächtnis seiner Zuschauer.



                                           8.5 / 10

Autor: Hoffman

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