Freitag, 30. Dezember 2011

Kritik: Tote tragen keine Karos

Tote tragen keine Karos? Seit wann das denn? Was ist der tiefere Sinn? Es waren die Worte die Marlow ihm vor 15 Jahren sagte, doch weiß man bis heute nicht was es damit auf sich hat. Sinnlos? Nicht ganz immerhin ist das der sinnfüllende Titel des Carl Reiner Films "Tote tragen keine Karos" (wer hätte das erwartet?) aus dem Jahre 1981, wobei zunächst anderes vermuten könnte, denn stilistisch könnte das Werk eher den schwarzen und dunklen Zeiten der 40er Jahre entsprungen sein, als jener Zeit, dabei handelt es sich aber sicherlich um die Detektivfilme dieses Jahrgangs und eine Hommage an genau jene.

So wurde die Handlung selbstredend in erster Form parodistisch angelegt und nicht allzu komplex, aber interessant in Hinsicht auf die Anspielungen der Detektivfilme (und anderer Werke jener Zeit), so könnte man die Handlug fast als einziges Versatzstück dieser Filme bezeichnen, besonders das Werk "Geheimaktion Carlotta" (auch hier zitiert und zum Einsatz gebracht) aus dem Jahre 1949 spielte in Sachen Inspiration wohl eine große Rolle, dennoch mit Eigenwille, aber nun ja » The comic stands in the foreground .« (->So stumpf, wie zutreffend): Ein Verbrechen erschüttert die Stadt...ein Käseproduzent tot aufgefunden. So bittet dessen schöne Tochter Juliet den Privatdetektiv Rigby Reardon den Mörder ihres Vaters aufzuspüren...

Dazu Steve Martin als systematische Bogart-Persiflage Rigby Reardon, dies dann aber doch nicht. Bogey spiet da lieber selbst mit, in Form von aberwitzigen Einfügungen aus einigen seiner legendären Film-noire-Streifen wie "Ein einsamer Ort" und "Tote schlafen fest", nur als Beispiel, so entwickelt Bogart (wohl ungewohnt) eine ganz neue Rolle, die von Rigbys Gehilfen Marlow. So verallgemeinern wir das Ganze und nennen die Rolle einfach mal Parodie-Detektiv, von Martin noch großartig und Herzblut verkörpert, sodass die Parallelen nicht weit entfernt scheinen. Er in Hochform und so wie man eben einst Steve Martin mochte, liebevoll-parodistisch, daher für mich doch amüsant dargestellt. Rigby ein Mann des Geschehens, eigentlich das typische Detektivklischee (mit Neurosen und tragischer Vergangenheit). Neben ihm einmal noch Regisseur Carl Reiner selbst hier als das typische Klischee des wahnsinnigrn 40er Jahre Abziehbösewichtsbildes und einer gut agierenden Rachel Ward als schöne, aber auch gefährliche Juliet Forrest, die Rigby bei der Bearbeitung des Todes ihres Vaters hilft und sich doch gerade so in ihn verliebt, oder ist es nur ein abgekartetes Spiel ihrerseits, Verstrickung, Verwirrung und die Liebe eben.

Reiner legt sein Werk wohl somit als eine Art Hommage und Parodie an, beides zugleich, faszinierend wie auch spannend erzählt, etwas kurzweilig, aber dafür in der vollen Laufzeit (geschätzte 90 Minuten) absolut unterhaltsam (für mich). Und hintergründiger als man hätte denken könnte, denn in jedem Witz steckt doch auch ein Hauch kritischer Auseinandersetzung mit dem Film-noir-Helden. Interessant bleibt wie bereits kurz erwähnt der Einsatz verschiedener Szenen aus legendären Filmen der 40er Jahre, perfekt in den Film miteingebunden. Linear in die Handlung eingesetzt und so finden damalige Stars wie Bette Davis, Vincent Price oder auch James Cagney nochmal verdiente, kurze Auftritte in dem Film, wobei ich es hier natürlich auch als besonders spaßig wahrnahm, die jeweiligen Filmszenen zu erkennen bzw. herauszufinden, aus welchen jene Szenen überhaupt stammen. Mir wohl bewusst, dass ich wahrscheinlich auch nicht alle erkennen würde, was ich auch nicht tat. Hatte aber so ein paar feine Tipps, wenn das nicht allein lohnt. So mag es auch nochmal erfrischend sein, inwiefern gewisse Szenen parodiert werden, sehr kunstvoll und ehrlich gesagt ich fand es teilweise sehr amüsant (das erwähnte ich hoffe ich schon oft genug?), ob nun "Das verlorende Wochenende", "Berüchtigt" oder "Sprung in den Tod" wirklich toll gemacht und mit sehr viel Liebe zum Detail. Was auch erneut klar wird wenn man sich allein Requisiten und Kostüme ansieht, insofern regelrecht glaubwürdig gemacht (jetzt mal auf die Filme bezogen). Zu begeistern wusste auch die Kamera, welche die stilvoll und atmosphärisch gefilmten Bilder, in eine typische 40er-Jahre-Robe einhüllt, somit vollständig in Schwarz-Weiß bebildert, sodass der Übergang vom Film an sich und den anderen Filmausschnitten, für Nicht-Kenner, wahrscheinlich fast unmöglich ist und ja diese finde ich hierbei "Filmtricks" wirklich brillant, hatte ich bereits oft genug erwähnt.

Zudem noch angereichert mit schrägen und wie gesagt größtenteils parodistischen Figuren, an sich nicht sehr tiefgründig, dennoch hintergründig beleuchtet auf die Klischees der  klassischen Charaktere des Detektivsfilms und auch von den Dialogen war ich absolut hingerissen, sehr schön geschrieben, der Score von Miklós Rózsa (seine letzte Arbeit nebenbei erwähnt) dazu passend komponiert, teilweise mit hochdramatischen Elementen, aber auch hier sehr stilvoll.

Unterm Strich bleibt "Tote tragen keine Karos" eine gelungene und liebevoll gestaltete Hommage an Bogey und Co. so wie an den Film-noir an sich, vergnüglich, hintergründig und schräg gemacht, mit vielen kleinen, aber sehr feinen Details, einem Steve Martin in Hochform, auch wenn ich alles in allem hier etwas überschwänglich geworden bin, insgesamt würde ich das Werk meinerseits jedem Fan der "schwarzen Serie" empfehlen.



8 / 10

Autor: Hoffman

Keine Kommentare:

Kommentar posten