Montag, 19. September 2011

Kritik: "Final Destination"

 
"Pictures in my head of the final destination" -  Der Song "Enter the void" von NIN wird im Film nebenbei gespielt.
 "Death Doesn´t Take No For An Answer." - Das Jahr 2000, das Postscreamzeitalter hat sich in seinem Metier binnen weniger als fünf Jahre scheinbar zum wiederholten Mal selbst ausgelutscht und spult die Schlitzerei so öde und fad herunter wie schon im Jahrzehnt davor. Mit anderen Worten, niemand braucht um die Jahrtausendwende einen weiteren Irren mit Maske, der sündige Kids abmurkst, war diese Bestrafung von unmoralischem Verhalten durch den Psychopathen mit *beliebige Mordwaffe einfügen* doch 1978 schon reaktionär.
James Wong kommt gerade recht und zaubert zusammen mit anderen Drehbuchschreiberlingen ein frisches Konzept auf das Pergament, verpasst einen neuen Anstrich. Eine Idee, so simpel wie effektiv: Den Posten des Killers besetzt der Tod selbst.
Diese Umdispositionierung in der Täterrolle erweist sich als interessant, wenn auch problematisch: Zwar wird gewährleistet, Menschen auf bizarrste Art und Weise über die Klinge springen zu lassen, da der Tod nun mal eine universelle Quelle der Überraschungen ist, was eine Kreativität in den Todesszenen erlaubt, die -zugegeben- bemerkenswert originell ist.


Gleichwohl wird aber Spannungsaufbau primär -und eigentlich fast ausschließlich- auf die kunstvolle Beförderung ins Jenseits gelenkt und da man Charakterzeichnung klassischerweise vernachlässigt, ist die Geschichte als solche lächerlich oberflächlich gestrickt, eben ganz "Slasher"-like.


Dieses Manko erweist sich am Ende aber als relativ nichtig, denn launige Kurzweile verbreitet "Final Destination" durchaus. Das liegt nicht nur an dem Einfallsreichtum der Morde durch Väterchen Tod, sondern auch an der stilsicheren Übertragung der blutigen Gräueltaten vom Papier hinüber in das audiovisuelle Medium. Wong inszeniert reißerisch und treibend, jongliert kompetent mit Schockeffekten, das Tempo hält er konstant. Die Jungdarsteller, unter ihnen Seann William Scott, funktionieren mehr als ausreichend in ihren stereotypischen Rollen.



Kennzeichnend ist der schwarze Humor, der nicht nur in den Sekunden zwischen Leben und Ableben zum Zug kommt. Nach dem Absturz einer Flugmaschine beispielsweise trauert bei der der Beerdigung niemand so recht, nicht einmal die engsten Angehörigen. Das mag man zunächst als ein Überbleibsel der ironischen Reinkarnation seitens Wes Craven interpretieren, ist im Grunde jedoch wesentlich fieserer Natur. Denn wo der Witz bei der "Ghostface"-Story darin bestand, dass sich die Teenies durch Kenntnis der fixen Regeln zu wehren wussten oder draufgingen, da ist diese Unterscheidung zwischen Opfern und Überlebenden bei Wong nicht mehr von Bedeutung. Jeder ist Opfer, eben wegen des Personalwechsels in der Killetage. Damit einhergehend verlagert sich die Gewichtung anders, es geht nicht mehr darum, am Verhalten der Personen zu erkennen, wer am Ende tot sein wird und wer nicht. Das ist geklärt, jeder wird krepieren. Die Frage ist vielmehr: Kann der Zuschauer vorhersagen, auf welche Weise es geschieht? Und eben durch diese Prämisse entsteht jene bösartige Schadenfreude des Betrachters, denn logisch: Je länger, je abgefahrener die Meuchelei, desto spektakulärer und unterhaltsamer für den sicheren Konsumenten.


Der Spaß am abstrusen Sterben, an der im wahrsten Sinne des Wortes merk-würdigen Ausscheidung aus dem Leben, das ist auch ein Jahrzehnt später ein beliebtes Stilmittel, das "Saw"-Franchise ist nur ein Beispiel dafür, dass die Maxime am Leben gehalten wird. Ebendas, was Haneke in "Funny Games (U.S.)" aufs Schärfste kritisiert, das Vergnügen am Leid, den Voyerismus der gaffenden Menge.
Insofern entpuppt sich "Final Destination" letztendlich als wegweisender und nachhaltiger als "Scream", weil unserem Zeitgeist entsprechender.


6,5 / 10

Autor: seven

Isos Meinung:

Netter, unkomplizierter Teenie-Horror, dessen erster Todestrieb mich fesseln konnte, ohne zu sehr den üblichen Schemen des langatmigen High-School-Thrills zu verfallen. Das macht ihn nicht herausragend, nicht begnadet-gut, aber spannend und stimmungsvoll.  
7,5 / 10

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