Freitag, 10. Februar 2012

Kritik: District 9


Ehrlich gesagt bekomme ich in heutiger Zeit immer häufiger vermehrt das Gefühl, dass das Science-Fiction-Genre immer mehr von seiner Qualität abnimmt, das heißt das ich in letzter Zeit immer öfters daran denken musste, was dieses Genre in heutigen Zeiten eigentlich gutes zu bieten hat, denken wir nicht drüber nach, es bringt nichts, denn es gab nicht viel. Oder doch? In jedem Fall fand ich ein klein wenig Hoffnung oder Freude (auf das Genre bezogen) in "District 9" von Neil Blomkamp aus dem Jahre 2009. Auch wenn diese Sätze uninnovativ klingen und der Aufhänger schon gebraucht ist, ich hoffe man kann es ertragen.


Die Idee an sich scheint doch irgendwie brillant erdacht, wie auch gleichzeitig ehrlich gesagt zum fürchten, denn insofern hasse ich nichts mehr als Mockumentarys (Filme, die mir verkaufen wollen, dass sie die Realität sind und es doch irgendwie nicht sind), zudem dann öfters noch eine penetrante Mörderkamera (»Kill the Hoff«). Bleiben wir aber erstmal bei der Idee, im Stile einer echten Doku: Vor Jahren landeten Aliens (die unheimlichen Wesen aus einer anderen Welt) in Johannesburg. Es stellten sich die üblichen Fragen. Wer sind sie woher kommen sie? Was wollen sie? Antwort bis heute ungewiss. Für jene wurde dennoch ein eigenes Ghetto errichtet, unter der Kontrolle der mächtigen Firma MNU, welche dem Zweck-Nutzen-Prinzip folgen und die Waffentechnologie der Aliens nutzen wollen. Dazu muss eine Umsiedlung, doch etwas läuft schief...


Was man dem Film zunächst einmal wirklich zu Gute halten muss, dass eine Idee hinter dem Ganzen steckt. Außer das Peter Jackson produziert und damit den Megahit landet. Eine gewisse Sozial-bzw. Gesellschaftskritik steckt dainter, in etwas anderer Form. Die Aliens als unterwürfige Lebensrasse, welche in niederen Lebensverhältnissen versuchen zu überleben. In den Ghettos herrschen schlimmste Situationen: Kriminalität, Verbrechen, Diebstahl, soziale Missstände, zudem von den Menschen verachtet und diskriminiert. Das zwar stark kryptisiert (ich denk das geht) und verschlüsselt, wo es nur geht um letztendlich die politische Botschaft wirklich meinerseits zu verstehen, aber gut, der Gedanke zählt, ist aber viel zu unverständlich meinerseits. So viel zur dazu. Ein anderer Teil der Umsetzung besteht darin wieder mit lustigen Wackel-Cams (wie ich die Dinger hasse) ein wenig glaubwürdige Atmosphäre aufzubauen, es realistisch wirken zu lassen. Klares Prinzip, bin davon oft genervt. Doch mag es ein faszinierender Aspekt an "District 9" sein, dass gerade dieser Stil doch ein gewisses Interesse bei mir weckte, es wackelt und insofern auch nicht übertrieben eingesetzt, sondern durchaus dosiert. Passend zum dokumentarisch angelegten Erzählstil, einer echten Dokumentation gleich, das Ende noch nicht ersichtlich, nur angedeutet, anfangs noch mit Einschüben seitens Mitarbeitern, Angestellten oder direkten Zeugen des Geschehnisses, welche die Fakten und die Einführung (zum Verständnis) in dieses Stück Zelluloid geben. Jedenfalls verhäuft am Anfang, danach wackelt sie scheinbar von allein und in Hinsicht des menschlichen Hauptprotagonisten (van de Merwe), ganz logisch fand ich das insofern nun auch nicht. So wie der Aufbau des Films an sich recht unterschiedlich scheint, zunächst wird noch erklärt, fasziniert, einem Hauch Mysterium in der Luft und in der zweiten Hälfte spielt man auf der Flucht, es kracht ordentlich und der Film wird zum brutalen Reißer und Schlachtfeld. Und mittendrin als menschlicher Hauptprotagonist (Wikus van de Merwe) Sharlto Copley, anfangs noch als nervig-nervöser-nerdiger Bürohengst (bei dem kann man förmlich die Neurose spüren - das Klischee auch), irgendwie unsympathisch dargestellt und charakterisiert, kein sehr hilfsbereiter Mensch, wenn es um Aliens geht, eigentlich ein echter Mensch zum hassen, da wundert es dass es umso mehr, dass er nun im weiteren Verlauf zum erst zum Staatsfeind Nr. 1 (schon ist man Freund, statt Feind, oder auch gegenteiliges Prinzip und von den einstigen Freunden gejagt - wie dramatisch - durch einen Zufall, plötzlich infiziert) und dann zum echten Superhelden (von Mutanten-Aliens) und Actionhero der griffigen Art, ehrlich gesagt solch eine Wandlung empfand ich als unglaubwürdig und irgendwie auch banal, naja so strahlt wenigstens teilweise ein Hauch Sympathie, auch wenn das erzwungen wirkt. Naja vielleicht wollte man es ja in Anbetracht eines Antihelden regeln, und Copley weiß wenigstens in Hinsicht seines Schauspiels seine Figur gut darzustellen, starke Leistung, lebt und leidet mit und für seine Rolle, so meine ich. Leider bleiben die anderen Figuren, ob Alien, Monster oder Mensch dennoch hinter den Möglichkeiten einer sauberen Charakterisierung und wirkten auf mich etwas skizzenhaft (mit Klischees belastet).


Wo sich Blomkamp in der ersten Hälfte noch auf durchaus faszinierende und interessante Aspekte und Neuerung im Inszenierungsstil stützt, zu beobachten ist viel, im Sinne der Erkundung und der Parabel, der Botschaft dahinter und es mich so fesselte, bis dahin dramaturgisch wirklich sehr gut ausgereift. Sauber erzählt. Doch letztlich versinkt der Film dann in einem rasanten und hochexplosiven Actionkracher, das muss nicht schlecht sein, doch Blomkamp schien es zu übertreiben wollen, sodass in dieser Hälfte des Films meinerseits Längen entstanden, trotzdem möchte ich dazu erwähnen, dass das Schicksal des Infizierten doch irgendwie auch aufwühlen mag, auch wenn dieser Teil der Geschichte wenig originelles an neuen Aspekten im Verlauf bietet. Wirklich insofern empfand ich gerade die erste Hälfte als wesentlich erfrischender, ich kann das nicht oft genug betonen.
Was ich natürlich zudem keinesfalls unterschlagen möchte ist natürlich jener Aspekt, dass der Film Effekte-technisch wie auch optisch einfach gesagt eine Wucht ist. Da konnte ich mich verblüffen lassen und wirklich satt sehen, an diesem grandiosen und irgendwie einmalig gefilmten Bilderrausch (blende man diese Wackel-Cam aus, welche an sich dennoch akzeptabel). Ich bin eigentlich nicht in der Lage diese Bilder in Worten wiederzugeben, denn jene an sich machten doch bei mir auch einen großen Teil der Faszination aus. In der Hinsicht wirklich hervorragend vom technischen Standard aus und das allein nur mit einem Budget von ca. 30 Millionen (wie man hörte).


Aber vielleicht sehe ich das hier auch einfach viel zu negativ bzw. viel zu kritisch, denn letztlich muss ich doch sagen, dass ich "District 9" eindeutig zu den guten, wenn nicht sogar fast herausragenden Vertretern des Science-Fiction-Genres in der heutigen Zeit zähle, denn die Idee dahinter ist gar nicht mal schlecht. Optisch eh famos und getragen von der Darstellung Copleys. Zwar für mich etwas unausgegoren, zu verschlüsselt und teilweise mutiert der zweite Teil dann nur noch zum reinrassigen/reißerischen Blockbusterkracher (was nicht meiner Erwartungshaltung entsprach), trotzdem ein intelligent und durchaus hintergründiges Filmchen und somit für mich auch in jedem Fall absolut sehenswert, ich bin nicht umsonst ein Fan des Genres. Das wollte ich nur mal kurz zusammengefasst gesagt haben.


7,5 / 10

Autor: Hoffman


Isos Meinung:

Dass „District 9“ vom Grundkonzept mit einer sehr reizvollen Erfrischung aufwartet, kann ich bedenkenlos unterschreiben. Was ich jedoch als viel größeren Fehlschluss in Umsetzung und Stil ansehe, ist der Gradwandel, den Blomkamp  im Verlauf plötzlich vollzieht. Weil dann verwandelt sich Dussligkeit in brutalen Zorn, Zurückhaltung gewinnt unbezwingbare Kampffertigkeiten, die Doku-Stimmung wird zum reinrassigen Action-Kaliber und die noch einigermaßen solide Geschichte über Gesellschaft und überlegenes Mensch-Sein verkommt zu einem lauten, sinnlosen und vordergründig hässlich-blöden Blutbad im südafrikanischen Slum, welches selbstüberzeugend keine Unterforderung des Betrachters auslässt.
5 / 10

Keine Kommentare:

Kommentar posten