Samstag, 11. Februar 2012

Klassiker der Extraklasse: Schießen Sie auf den Pianisten



Der Pianist, ein Mann - der Volk und Zuschauer stets mit seinem souveränen Klavierspiel zu begeistern weiß, ob nun in Bars, Restaurants oder auch Kreuzfahrtschiffen. Ein Virtuose am Klavier. Er unterhält das Publikum mit Musik. Wie sagte schon Billy Joel selbst:»I´m the entertainer«. So schrieb Joel auch nochmal selbst den Song "Piano Man", könnte man als Hommage an jenen Beruf betrachten und an dessen Qualitäten. Eben ein Klavierspieler wie er im Buche steht. Und nun lässt Francios Truffaut auf seinen Hauptprotagonisten (dem Pianisten) schießen, unter dem gleichnamigen Titel "Schießen sie auf den Pianisten" von Truffaut aus dem Jahre 1960, nach dem Roman "Down There" von David Goodis - es scheint als wäre Truffaut kein besonders netter Mensch, jedenfalls wenn es um Pianisten geht. Was damals floppte, ist heute Kult, gut so.



Wer weiß welch ungeahnte Sehnsüchte und welche Wut bei seinem zweiten Film in ihm tobten, man will aber nicht spekulieren. Ich liebe Truffaut immerhin, also kein schlechtes Wort. Nun eher zur Story, die wie Truffaut selbst meinte als eine Hommage an den Gangsterfilm (dazu genug Anspielungen seinerseits) gesehen werden sollte. Truffaut verstrickt seinen Pianisten in eine Geschichte voller Liebe und doch dort lauert auch der Tod, der keine Wiederkehr kennt, voller Tragik und Mord der Einsamkeit, dem einstigen Erfolg. Geschickt mischt Truffaut die Zutaten und lässt so mit schlauen Zügen und einer intelligenten Weise der Erzählung auf seinen Pianisten schießen und lässt den armen Barpianisten Charlie, durch seinen Bruder, in eine düstere Gangstergeschichte geraten, der Pianist selbst doch verschlossen, er verliebt sich in Kellnerin  Lena und doch wird er bis heute von seiner tragischen Vergangenheit dabei stets verfolgt. Verwirrend, ungewöhnlich und nicht nach den Konventionen geordnet, Truffauts Story, aber so doch umso interessanter im Verlauf zu beobachten.


Dabei ist der Mann am Klavier Charles Aznavour, obwohl doch sonst wohl eher als großer und international gefeierter Sänger bekannt, dennoch Aznavour passt sich an und verleiht auch dem Piano seine Seele und gibts ihm vollständig hin, das auch beim Schauspiel. Mit simplen, aber tiefschürfenden Blicken verleiht er seinem Charakter eine Vielfalt an Tiefgang. Aznavour lebt den Charakter des begabten, aber doch in sich gekehrten und verschlossenen bzw. schüchternen Barpianisten Charlie voll ganz. Weiterhin gut aufspielend und mit voller Kraft in den Rollen Marie Dubios als Kellnerin Lena, Nicole Berger und auch nicht zu vergessen Michéle Mercier.




Und Truffaut selbst mixt gekonnt die Zutaten in seinem zweiten Spielfilm und weiß zu begeistern, ob nun in Hinsicht einer Hommage an den amerikanischen Gangsterfilm, dem Psychogramm eines einsamen Mannes, der sein Leben in der Musik findet oder alles vielschichtig gestricktes Melodram über die Liebe. Dazu selbstredend noch ein ordentlich Schuss schwarzer Humor, der nie fehlen darf und ironisch angehauchten Anspielungen, gekonnt in Szene gesetzt. Für mich doch ungewöhnlich wahrzunehmen Truffauts Erzählmittel -bzw. Stil, faszinierend jedoch im vollen Maße und die Entwicklung der Geschichte wohl kaum in irgendwelcher Weise vorhersehbar, außerordentlich gelungen wie auch raffiniert ausgedacht meine ich, eine grandiose Dramaturgie. Eine Palette eines Films vollwertig ausgelotet von Truffaut von Melodram zu Liebesfilm bis Krimi, stets mit  humorvollen als auch tragischen Aspekten verfeinert und mit einem Hauch Poesie perfektioniert, lasse man es sich schmecken. Ein weiterer Grund Truffaut zu lieben, auch wenn er auf Pianisten schießen mag, aber dies hervorragend, sei es ihm verziehen. Die Bilder wieder einmal famos in jeder Hinsicht, brillant und kunstvoll-berauschend gefilmt, ein Bild für mich insofern wie ein Rausch, durchaus mysteriös und in purer Ausstrahlung voller Schönheit und Stil (Kamera immerhin auch Raoul Coutard) .


Doch wo Pianisten sind, ist auch oft ein Klavier und dieses erschafft Musik. Insofern huldigt Truffaut in seinem Film selbstredend auch der Musik, dem Chanson oder auch Boby Lapointe selbst nochmal, welcher von Truffaut einen Auftritt in seinem Film spendiert bekam. Die Musik durchzieht den Film, irgendwie scheint sie stets präsent. Des weiteren mit exzellenten und schlauen Dialogen angereichert und die Figuren auch sehr gut gezeichnet, hintergründig und interessant (auch hier mit Anspielungen) gestaltet. Besonders stark hierbei selbstredend in Hinsicht des Hauptcharakters, des traurig dreinblickenden Pianisten.



Letztlich bleibt mir dann nur noch zu sagen, dass Truffaut mit "Schießen Sie auf den Pianisten" doch ein genialer, virtuos verbundener und konsequent inszenierter Mix aus verschiedenen Genre-Versatzstücken gelungen ist, voller Suspense, Humor und viel Tragik. Perfekt besetzt und tiefgründig gespielt von Charles Aznavour in der Hauptrolle. Jetzt weiß ich wieder warum ich Truffaut schon immer liebte und ewig lieben werde.


            8,5 / 10

Autor: Hoffman

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