Freitag, 16. September 2011

Kritik: "The Weather Man"


Pfeil und Bogen - eine zentrale Rolle in "The Weather Man".
 The Weather Man“ hat nie besondere Bekanntheit erlangt und blieb bis heute so unauffällig, wie es seine klitzekleinen, aber essenziellen Botschaften sind.
Verbinski vermischt kraftvolle Bilder mit leisen Tönen und schafft einen biographischen Einschnitt in ein Leben, das vielleicht nicht immer Identifikationen zulässt, aber doch eines ausdrucksstark vermittelt: menschliche Fehler.

Es ist die Geschichte eines Mannes, den wir uns äußerlich betrachtet als das definieren, was Erfolg und Wohlgefallen ausmacht. David Spritz (Nicolas Cage) fährt ein schickes Auto, trägt piekfeine Klamotten und arbeitet als hochbezahlter Wettermoderator im Fernsehen. Doch in seinem Inneren herrscht Leere, sein gesamtes Privatleben liegt in Scherben und sein Vertrauen in sich selbst, das für jeden Menschen von großer Bedeutung ist, ist am Boden angelangt. David hat nicht den Erfolg, den sein Vater einst durchlebte, entfernt sich von seinen Kindern (trotz Bemühungen) immer mehr und gerät mit seiner Frau in endlos währende Abgründe.

Nicht nur Cage, auch Michael Caine glänzt in seiner fantastisch geschriebenen Rolle.
The Weather Man“ startet mit kaltem Wind und starken Schneestürmen und unterstreicht kräftig die Probleme eines Menschen, der andere und besonders sich selbst enttäuscht hat – sich fremd geworden ist. In seinen Gedanken folgt er dem „American Dream“, lebt ohne Sorgen und Probleme, muss aber einsehen, dass das nur seine Fantasie ist, seine Vorstellung. Dies muss er jetzt (und endlich) auf sein eigenes Leben übertragen, muss in langsamen Schritten zu sich selbst Vertrauen aufbauen und danach seiner Familie, seinen Freunden und seiner Umgebung eine ehrliche Beachtung schenken. Aber wie ist das in einer Welt möglich, die immer mehr nach Uhren tickt, dem Fast-Food verfällt und keinen einzigen Versager duldet? 

The Weather Man“ sucht das Gleichgewicht und findet es auch, denn er bleibt seinem Stil und somit sich selbst treu. Ihm ist klar, dass er eben kein großer Blockbuster ist, kein Kino für die Masse und sich eher an jene richtet, die gerne über das Leben philosophieren und es auch ertragen, falls Probleme (hautnah) auf die Leinwand übertragen werden – reale, existierende Themen.
Und selbst wenn The Weather Man“ in manchen Szenen etwas überzogen daherkommt, so gewinnt er durch den grandiosen und einfühlsamen Nicolas Cage die doppelte Portion an Authentizität und Glaubwürdigkeit. Er lebt die Rolle des David, spürt sie am eigenen Leib, steuert ihn durch die skurrilsten, aber durch sein Schauspiel gefühlvollsten Momente, dass ich keinen Zweifel daran hatte, dass der gerade vor meinen Augen ablaufende Film etwas Bedeutungsvolles, etwas Kleines, aber etwas Außerordentliches ist.

All die Möglichkeiten, die sich mir boten und all die Facetten des Menschen, der ich hätte werden können, wurden jedes Jahr weniger und weniger. Bis sie sich letztlich auf das reduziert hatten, was ich bin. Und das ist es, was ich bin: Der Wettermann.“

7,5 / 10

Autor: Iso

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