Montag, 30. Januar 2012

Klassiker der Extraklasse: Das Schweigen



"Was machst du?" - "Ich arbeite wie du siehst." - "Ich finde, dass das entschieden besser ist als mir ewig nach zu spionieren ... wenn ich bloß begreifen könnte, weshalb ich vor dir solche Angst hatte."

Bergman Forever Teil 3/3:
Und nun noch ein letztes Bergman fürs Erste jedenfalls. Nochmal einmal faszinieren lassen und noch einmal erstaunt zurückblicken auf sein Schaffen und die Person hinter Ingmar Bergman, einer unsterblichen Seele des Kinos. Und was soll man abschließend auswählen. Es ist einfach, wenn zwei gesichtet scheinen und nur noch einer übrig bleibt, dabei handelt es sich um Bergmans "Das Schweigen" aus dem Jahre 1963. Abschließen mit einem Film, der damals für einen echten Skandal sorgte, insofern vielleicht sogar einer größten der 60er Jahre und deshalb wahrscheinlich heute auch noch so populär.


Die Handlung zu Bergmans Film dazu wie immer mysteriös und für mich doch zunächst schwer zu erschließen, welche Aussage Bergman hierbei traf. Man könnte meinen ein Drama zweier Schwestern, die Einsamkeit des Menschen und die Entfremdung jener. Es fühle sich so an, als wäre man in einer gottlosen Welt gefangen. In einer Welt ohne Hoffnung: An einem fremden Ort, in einer fremden Stadt müssen Ester, ihre Schwester und deren Sohn Johan ihre Heimreise abbrechen, wegen der Lungenkrankheit Esters, so steigen sie in einem seltsam-leeren Hotel ab. Dort geraten sie in einen regelrecht Rausch und Sog von Hass und sexueller Begierde.


Eine besondere Bekanntheit gewann Bergmans Film selbstredend auch wegen seiner Darsteller bzw. um noch zu ergänzen, wegen der wohl damals höchst-anstößig betrachteten Masturbationsszene von Ingrid Thulin, welche wohl für die größten Aufschreie im Publikum sorgte. Thulin liefert natürlich auch abseits davon eine erstklassige Leistung ab als Sterbenskranke Ester, faszinierend wie auch mitreißend von ihr gespielt und mit einer unglaublichen Intensität. Absolut grandios. So aber auch Gunnel Lindström als ihre Schwester Anna, welche im Zwist mit ihrer Schwester liegt und gerade jener Hass bzw. Verachtung scheint bei dem Spiel der Beiden förmlich spürbar, sodass es erstaunt. Und der freundlicher Kellner (bzw. Hakan Jahnberg) der Beste darin, wenn es um Mysterien und Unverständlichkeit geht, auch hier faszinierend. Unerwähnt möchte ich dazu nicht den jungen Jörgen Lindström lassen, welcher hierbei den Part des 8-Jährigen Sohn von Anna Johan übernimmt, der dem Anschein nach hier als Schlüsselfigur zwischen den beiden Schwestern dient. In jedem Fall ein großartiges Talent, welches Lindström zeigt und es sogar schafft einige sehr einprägende Momente mit seinem Spiel zu kreieren.


Wie der Titel des Film schon andeutet, Bergman braucht nicht viele Worte um die Ängste und die Hilflosigkeit seiner Figuren darzustellen, jeder Dialog scheint wohl bedacht und intensiv beleuchtet von Bergman, hintergründig seine Charaktere dabei. Und jene Sprachlosigkeit mag dabei doch irgendwie entfremden und doch weiß Bergman hier erneut die Faszination und das Interesse an seinem Werk konstant aufrecht zu erhalten. Insofern kann man sein Werk als eine erschütternde Studie zweier Schwestern sehen. Gerade in Hinsicht seiner Handlung muss ich doch zugeben, dass ich hier wohl den flüssigsten Einstieg in einem Bergman-Film tätigte, wodurch ich mich dann vollkommen der Intensität seines Werkes hingeben konnte und mich nicht losreißen konnte. Natürlich sollte genau jener Aspekt nicht vergessen werden, welcher seinen Film wahrscheinlich bis heute so bekannt macht, die recht drastisch und explizit dargestellten Sexszenen, welche an sich doch durchaus auch angereichert sind mit Symbolik, so aber auch damals noch herzlich provokant. zudem zeichnet sich in Bergmans Werk eine fast sonderbar wirkende Form von Kälte ab, vielleicht verstörend, aber auch insgesamt von einer ungeheuren Kraft. Und gerade diese Kälte verstärkte bei mir doch dieses Gefühl der Verwirrung und der Hilflosigkeit in diesem Film, unheimlich und mysteriös könnte man sagen. Dazu mit einer einmaligen Atmosphäre gefilmt, von der Kamera (wie auch Bergmans Regie nebenbei) präzise und detailliert gehandhabt, schon wieder nahezu perfekt (Kamera nun mal: Sven Nykvist), irgendwie bedrohlich und gleichzeitig herzlos-kalt, außerdem schonungslos bebildert, absolut berauschend. Größtenteils auch nochmal in Bezug auf verschiedene Symbolik, in Hinsicht des bizarren Hotels, in welches die Schwester absteigen, interessant gemacht. Dabei stachen für mich besonders jene Szenen hervor, in denen Johan dieses seltsam-befremdliche Hotel erkundet, irgendwie einmalig.




Auch wenn mir letztlich "Das Schweigen" schwer zu zugänglich scheint und insgesamt im vollen Maße für mich schwer zu verstehen bzw. deuten scheint, wenn dies wie oft erwähnt bei Bergman überhaupt möglich ist. Also seine Werke im Ganzen zu erfassen. Denn auch mag es viele Details geben, die vielleicht bei der ersten Sichtung noch im unklaren bleiben. Es ist wie das Ticken einer Uhr, welches man nicht vergessen kann, grandios unterlegt. Es ist halt Bergman.



"Warum guckst du mich immer an?" - "Ich guck deine Füße an." - "Und wieso?" - "Die gehen immer mit dir rum, ganz von selber. "

Abschließend bleibt mir dann nur noch zu sagen, dass "Das Schweigen" ein weiteres brillant bzw. tiefgründig gestaltetes, provokantes und virtuos gemachtes Kunstwerk von Ingmar Bergman ist, mit einer großartigen Ingrid Thulin. Somit werden weitere Sichtungen, mit Spannung verfolgt.



8,5 / 10

Autor: Hoffman

Keine Kommentare:

Kommentar posten