Samstag, 25. Februar 2012

Klassiker der Extraklasse: Tisch und Bett (1970)



Antoine Doinel. Antoine Doinel. Antoine Doinel. Antoine Doinel. Wie oft könnte ich diese Worte wiederholen Antoine Doinel. Antoine Doinel. Einfach wunderbar und so kämen wir nun also zum bereits dritten Truffaut in Folge, nach dem er auf Pianisten wie immer präzise schoss und uns geraubte Küsse schenkte, bittet er nun uns also zu Tisch und doch zu Bett, ob wir dfieser Versuchung wiederstehen können? Sicher nicht. Und zum vierten Doinel, das nicht zu vergessen , in Francois Truffaut Doinel-Zyklus und so begeistert auch "Tisch und Bett" aus dem Jahre 1970, ein weiterer Grund Truffaut zu lieben und zum Truffautismus überzutreten.



Nachdem Truffaut bereits in "Geraubte Küsse", die Geschichte des jungen Antoine Doinel nach "Sie küssten ihn und schlugen ihn" konsequent weiter erzählte, bleibt auch hier Truffaut seiner Inszenierung treu und erzählt auch hier insofern erneut gekonnt-konsequent. Die Geschichte geht weiter und so zeigt uns Truffaut nun den Alltag des nun doch verheirateten Paares Doinel (Antoine & Christine), das Eheleben mit all seinen Konflikten und Problemen.ob Kind, ob Affäre. Man kämpft mit dem Alltag, und mit aller Kraft. Das Auf und Ab einer Beziehung. Das Eheleben, insofern authentisch, feinfühlig und wie immer charmant gezeigt von Truffaut.


Der Cast bleibt standhaft. Mein Held Jean-Pierre Leaud mimt erneut den Antone Doinel in Perfektion, Truffauts Alter Ego mit Eleganz und Arroganz und einer gewissen Selbstgefälligkeit. Antoine eigentlich ein Naivling und irgendwie ein Rebell, der nicht erwachsen werden will wie es scheint und so hat er die Liebe nicht in ihren Vollen erfasst, und muss noch lernen was sie zu bedeuten mag. Ein komplexes Wort, wie Liebe. Kurzum wie könnte ich Leaud nicht für diese Rolle lieben, ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Irgendwie ein kleiner Lebenskünstler. Neben ihm, auf der anderen Seite des Ehebettes, erneut Claude Jade, wieder einmal bezaubernd und stets elegant agierend, besonders wichtig dabei Madame, nicht Mademoiselle und so verzaubert sie auch hier mit ihrer natürlichen Aura als Christine. Zudem existiert auch bei "Tisch und Bett" eine gewisse Harmonie /ein lockeres Verhältnis zwischen den zwei Hauptprotagonisten, welches größtenteils stets stark spürbar bleibt, was in dem Punkt dem Ganzen immerhin auch eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Und auch Hiroko Berghauer weiß als Antoine´s "Arbeitkollegin", mit der er eine Affäre beginnt, was Christine gar nicht gefallen mag,...Die Tür steht zum herausschreiten bereit.., zu überzeugen.




Truffaut selbst dabei, von solcher Hochform geprägt wie einst in "Geraubte Küsse", wenn nicht sogar besser, denn immerhin bemerkt man schnell, dass Truffaut hierbei doch weitaus kritischer mit dem Bürgertum ins Gericht geht und mit ihm wenigstens charmant abrechnet und insofern hinterfragt er auch den Alltag des Lebens eines Ehepaares. Ob tragisch, ob dramatisch oder humorvoll Truffaut meistert gekonnt wie auch souverän und verspürt Charme, Esprit und Eleganz wie auch im Vorgänger. Dazu angereichert mit grandios geschriebenen Dialogen, gut pointiert. Die Liebe einer Ehe, ihr Werdegang von Hingebung bis Verblassen. Überall scheinen kleine Fluchten. Truffaut´s Film dabei von einer fast schon ungewöhnlichen Leichtigkeit und Spielfreude geprägt. Wie wundervoll und zugleich amüsant. Wieder einer dieser Gründe, warum man Truffaut auf Ewig lieben könnte. Ganz einfach nur für solche Filme. Witz, Charme, Herz. Da fragt man sich glatt, was Truffauts Film nicht hat, denn auch hier verfolgte ich die Ereignisse des Lebens der Doinels gespannt wie auch fasziniert, gerade dadurch, dass Truffaut auf eine gewisse Glaubwürdigkeit bei seiner konsequenten Weitererzählung setzt, er analysiert präzise insofern seine beide Hauptcharaktere, in Art und Weise. Dabei wird selbstredend auch hier nicht die liebevolle Hommage vergessen, welche sich dieses Mal in Form eines falschen Monsieur Hulot, nett gemacht und schon denken wir an Jacques Tati. Und man zitiert bzw. parodiert auch Kollegen wie Alain Resnais und sein "Letztes Jahr im Marienbad" - fand ich nochmal besonders einprägend und bezaubernd gemacht. Und auch die üblichen Elemente sind vorhanden, es wird gelesen, und heftig telefoniert in Tefelonzellen.


Außerdem bebildert die Kamera exzellent, auch hier stets elegant, treffend und sonst auch mit einem locker-leicht bzw. charmanten Touch gefilmt. Andererseits sollte ich natürlich noch erläutern warum meiner Meinung nach "Geraubte Küsse" in Hinsicht der Bewertung siegt, denn technisch sind sie beide so gesehen ausgezeichnet, so mag der Grund schnell gefunden sein, denn "Geraubte Küsse" riss mich insofern weitaus mehr mit, eines dieser Gefühle im Sinne der Filmkunst, die man kaum mit Worten erfassen kann und erzeugte bei mir eine unbeschreibliche Faszination, zwar mag insofern jene auch bei "Tisch und Bett" existieren, aber doch spüre ich tief in meinem Filmherzen, dass der Vorgänger mich emotional mehr packte, auch wenn "Tisch und Bett" in Aufbau und Struktur erstklassig gemacht ist mit satirischen Seitenhieben, verziert mit einer unscheinbaren Dramatik.




Also bleibt mir letztendlich nur noch zu sagen, dass "Tisch und Bett" ein exzellent inszeniertes und  liebenswürdiges Meisterstück des Doinel-Zyklus ist, wie auch der Vorgänger an Charme, Eleganz und Leichtigkeit kaum zu übertrumpfen. Dabei wieder einmal großartig verkörpert in den Hauptrollen von Leaud und Jade. Kurzum: Ganz wunderbar.



                                               8.5 / 10

Autor: Hoffman

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