Donnerstag, 12. Januar 2012

Kurzkritik: Das Mädchen aus der Streichholzfabrik


Aki Kaurismäki zum Ersten. Ein Mann zum Verlieben, denn schon bei meiner ersten Geschmacksprobe von einem von Herrn Kaurismäkis Filmen zeige ich mich schwer beeindruckt von seiner Visualisierung der Kunst und seiner Inszenierung an sich. Faszinierender Regisseur und so sehe ich "Das Mädchen aus der Streichholzfabrik" von ihm aus dem Jahre 1990 als gelungenen Einstieg in seine feinsinnige Welt an und so scheint es, dass jenes Werk hier sogar zu Kausimäkis probletarische Triologie zählt, letzter Teil davon.


Es ist schon erstaunlich was Kaurismäki mit diesem Werk schafft, in gerade mal in einer Stunde (und ein  paar Zerquetschte) schafft es der Mann eine Story in ihrer vollen Komplexität und mit den verschiedensten Themen zu erzählen und lotet dabei gegebene Themen gekonnt aus. Von der Einsamkeit einer Frau, ihrer Liebe und über ihr daraus profitierendes Leid und auch die verlorene Hoffnung in einer scheinbar herzlosen und tristen Welt, ein Film über eine schüchterne und einsame Arbeiterin, ewig der Verlierer: Ein Tag wie der Andere. Diesselbe Fabrik. Dasselbe Mädchen. Iris. Ihre Aufgabe: Das überprüfen der Etikette der Streichholzschachteln am Fließband. Wohnt zudem bei den Eltern, welche anscheinend wenig Freiheiten gewähren und auch von ihrem Gehalt leben. Doch auch eines Tages scheint sie ihr Glück zu finden, ein Mann spricht sie in einem Tanzlokal an und doch verweilt die Liebe nicht lang...


Insgesamt ein beeindruckender Film, was Kaurismäki nicht alles in dieser kurzen Laufzeit alles erreicht, faszinierend. Man bedenke außerdem, dass sein Werk insgesamt ohne allzu viele Worte auskommt, erst in der ca. 10-15 min. fällt das erste Wort von einem der Protagonisten und an sich scheinen Worte wenig Trost zu spenden, nur Verzweiflung zu erschaffen, somit in der Hinsicht knapp gehalten. Kaurismäki braucht dennoch auch nicht viele Worte (in anderer Hinsicht) ihm reichen der Ausdruck der einsamen und bedrückten Arbeiterin Iris (brillant und zurückhaltend, was sie gerade so perfekt besetzt wirken lässt: Kati Outinen), die einen schweren Weg zu beschreiten hat oder auch durch seine Bilder. Weiterhin visualisiert Kaurismäki durch Musik und verschiedene (ich würde sagen) ideal ausgewählte Songs bzw. Lieder, welche anscheinend dazu dienen um die emotionale Stimmung der Hauptprotagonistin wiederzugeben, ein weiteres Element um die Handlung voranzutreiben und um diese ganze Situation erneut zu verdeutlichen. Interessante Stilmittel, die er hier verwendet. So natürlich auch lakonisch angehaucht und mit durchaus bitterem Humor ausgestattet. Und gerade das faszinierte mich doch insgesamt, zwar mag Kaurismäki´s Stil zunächst etwas befremdlich oder gar ungewöhnlich wirken (so ging es mir jedenfalls), doch wenn man erstmal seinen Weg in dieses Werk gefunden hat, kann man doch nur erstaunt aufschauen und fasziniert sein. Dabei analysiert Kaurismäki präzise die Hauptfigur und schildert mit einem tragischem, aber durchaus mehr als realistischen Grundton ihr Leben bzw. ihre Situation, und das allein nur in einer knappen Stunde. Das nenne ich großes Talent seinerseits. Und wie erwähnt nimmt der Regisseur auch eine große Kraft aus den Bildern, welche eindringlicher nicht hätten sein können. Regelrecht ernüchternd und trübe gefilmt, ein tiefes Gefühl macht sich in einem bereit. Eine kalte und lieblose Welt, insofern perfekt bebildert, mit tristen Farben und einer trostlos erscheinenden Atmosphäre. Kaurismäki, ein konsequenter Regisseur. Man möchte fast an abgründig denken, wie auch die Beleuchtung der Hauptfigur, doch düster gehandhabt und jedoch immer noch mehr als glaubwürdig, einfach bedrückend. 


Unterm Strich bleibt mir dann schlussendlich nur noch zu sagen, dass "Das Mädchen aus der Streichholzfabrik" für mich einen präzise inszenierten, kleinen, aber von der Wirkung her gewaltigen Meisterstreich der Extraklasse darstellt, eindringlich präsentiert. Für mich ein mehr als überzeugender Anfang mit Regisseur Kaurismäki. Das könnte eine echte Freundschaft werden, den fasziniert bin ich jetzt schon von seinem Film und seinen Stil. Kaurismäki ich hab dich schon jetzt ins Herz geschlossen. Bin schon auf weitere Werke von dem Mann gespannt. Dieses Werk bezeichne ich somit erstmal als ausgezeichnet und freue mich nun auf weitere Werke des Herrn Kaurismäki.



8 / 10

Autor: Hoffman

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