Donnerstag, 22. September 2011

Kritik: "Eine ganz normale Familie"

Es war eine Nacht, niemand hätte es wahrscheinlich gedacht, doch es passierte, das unerwartetste von allen passierte. In dieser Nacht, es war die Nacht der Oscar-Verleihung, in der gewann ein Film gleich 4 Oscars, niemand hätte damit gerechnet, niemand würde heute bei den Konkurrenten überhaupt auf den Gedanken kommen, doch es passierte... das Familiendrama von Robert Redford "Eine ganz normale Familie" aus dem Jahre 1981 nach dem gleichnamigen Roman von Judith Guest triumphierte über die heute hochangesehen Werke "Der Elefantenmensch" von Lynch und "Wie ein wilder Stier" von Scorsese, die großen Favoriten des Abends, der kleine Außenseiter gewinnt, eine echte Überraschung, ob diese Preise nun gerechtfertigt sind oder nicht ist dabei völlig irrelevant. Und ich möchte betonen, dass ich den werten Academy Award nicht als großen Granat für brillante Filme sehe. Doch Fakt ist und bleibt diese Geschichte nimmt mit, dies mag vielleicht in der heutigen Zeit schon arg konstruiert wirken, von der Story her, dennoch muss ich dem entgegen bringen: Nein, ich empfand diesen Film als ehrlich und glaubwürdig gemacht. Eine Geschichte über eine zersplitterte Familie über gewöhnliche Menschen...oder nicht...

Wie gesagt eine durchaus tragische Handlung, eine schwierige Thematik die Verarbeitung des Todes einer geliebten Person, nicht besonders innovativ, aber umso einnehmender präsentiert: Sie hatten eine Vorstadthäuschen, sie waren im Golfclub, sie waren 4 Personen: Mutter, Vater und die beiden Söhne. Ein perfektes Leben, das der Calvins. Doch diese heile Welt zerbricht, wird zerstört und geht in Flammen auf als der älteste Sohn beim Segeln tödlich verunglückt. Danach ist die Welt anders...sein Bruder Conrad macht sich Vorwürfe wegen dem Tod seines Bruders und fällt in tiefe Depressionen. Und auch zwischen den beiden Erwachsenen, den Eltern, scheint es auch nicht mehr zu sein wie früher..

Nun also holte Redford für seinen Regiedebüt eine erstklassiges Ensemble mit ins Boot. Als Machtier der Familie, als Herr des Hauses Calvin Jarrett, den Selbstzweifel plagen darf ein großartiger Donald Sutherland agieren, wirklich sehr tragisch und voller Kraft spielt er seinen Part, man spürt seine tiefe, innere Schwäche. Sutherland vermag dies in jeder Minute famos rüberzubringen, zu jedem Moment. Als seine Ehefrau Beth dürfen wir hier noch Mary Tyler Moore bewundern, sie strahlt in ihrer Rolle (wie auch schon Sutherland) auf einem schauspielerisch-hohem Niveau gespielt. Besonders bewundernswert ist hier ein unscheinbarer Junge, es war seine erste große Filmrolle, für die er dann gleich seinen Oscar einsackte. Ich rede hier vom fantastischen spielenden Timothy Hutton, absolut unglaublich in seiner (ich betone es nur zu gerne) ERSTEN Rolle, das ist wirklich ganz große Klasse, sehr eindringlich gespielt und dabei absolut überzeugend. Abgerundet wird das Gaze zudem dann noch von Judd Hirsch als Psychiater Dr. Berger, auch hier bewegt sich der Akteur Hirsch auf einem hohen Level, exzellent übernimmt er seine Tolle, er ist der, der enthüllt, versucht der Familie zu helfen wo es geht und Conrad aus seiner tiefen Spirale des Trauers herauszuholen. Ein Top-Cast auf jeden Fall.

Dazu ist Redfords erste Regie auch wirklich sehr gut gelungen. Sehr einfühlsam für seine Charaktere, wie gesagt durchaus eindringlich und tragisch gezeigt, wenn auch irgendwie optimistisch am Ende, schön. Redford setzt eben auf eine intelligente und für mich durchaus spannende Erzählweise, lässt seinem Werk beziehungsweise seine Figuren Zeit sich zu entwickeln, um sie zu verstehen und um sie so dem Zuschauer näherzubringen. Trotzdem kleine Längen gab es dann doch für mich.
Die Kamera wird zudem in dem Masse einfach geführt, die Bilder selbst heute vielleicht schon etwas eingestaubt und mit Haltbarkeitsdatum verziert, ganz klar bemerkt man dem Film sein  Alter an beziehungsweise was auch teilweise seinem relativ niedrigem Budget geschuldet sein müsste für das Redford ganze Arbeit geleistet hat, in Hinsicht auf die Qualität, da er somit immerhin auf das Nötigste setzt (positiv gesehen) und auf unnötige Effekthascherei in Bezug auf die Glaubwürdigkeit seines Werkes verzichtet.

Weiterhin wurden die Charaktere beim besten Willen grandios gezeichnet, ja es mag schon kleine Klischees im Aufbau zu geben, doch wird das perfekt retuschiert von der trotzdem authentischen Gestaltung ihrer Hintergründe. Verbunden dann auch auch noch mit einer ordentlichen Portion Tiefgang und das alles vermischt mit einer emotionalen Wucht der Figuren bzw. Protagonisten und natürlich wurden in das Drehbuch auch starke Dialoge integriert, bei dem die Darsteller ihre innere Energie genial ausüben können.

Unter Strich bleibt für mich dann "Eine ganz normale Familie" ein ausgezeichnetes Regiedebüt von Redford ist, in Form einer tiefgründigen und stark inszenierten Charakterstudie mit kraftvollen Darstellern...vollkommen zu Unrecht vergessen...wenn auch nicht perfekt...


 8 / 10

Autor: Hoffman

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