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Dienstag, 17. April 2012

Schöne Aussichten, Brandauer und Löwen - Kurzkritik: Jenseits von Afrika


»Ich hatte eine Farm in Afrika.«

Out of Africa. Jenseits von Afrika. Das kennt man doch? Der Titel spricht für sich. Wieder ein Klassiker der Gefühle, den kennt man doch allein vom Namen. Der Cast liest sich zudem vorzüglich. Ein legendäres Melodram mit ausschweifender Länge. Eigentlich bin ich kein Fan solcher Filme, im besonderen was die Länge solcher Werke betrifft. Doch ich folge meinen Leitspruch. Außerdem war es letztlich der Name Klaus Maria Brandauer, der dieses Werk so attraktiv für mich auf einmal wirken ließ. Ich weiß nicht, ob ich es bereits erwähnte, wenn nicht hier nochmal, für mich gehört Brandauer seit ich neulich erst den Film »Mephisto« sichtete, zu den größten deutschsprachigen Akteuren, die mir bekannt sind. Und so sah ich es in meinem Brandauer-Rausch als meine Pflicht nun doch endlich "Jenseits von Afrika" von Sydney Pollack aus dem Jahre 1985 genauer unter die Lupe zu nehmen. Welcher nun auch auf den autobiographischen Roman beziehungsweise Memoiren von Karen Blixen basiert.


So führt uns Pollack zurück in die Kolonialzeit und wie der Titel vermuten lässt insofern auch teils zurück nach Afrika. Wie gesagt die Handlung baut dabei auf der Geschichte von Karen Blixen auf. Mit Konflikten, Problemen und dem auch sonstig standard-typischen Elementen eines Melodrams. Wobei "Jenseits von Afrika" wohl insofern auch den perfekten Prototyp darstellt. Größtenteils thematisiert Pollack dabei die Romanze von Karen Blixen mit dem Großwildjäger Finch, wobei Karen zunächst zufrieden verheiratet war mit dem Baron Bror von Blixen. Somit ist der Aufbau des Films durchaus einem gewissen Schema untergeordnet. Und gerade in Hinsicht seiner ausschweifenden Längen, könnte der Film Probleme aufzeigen. Denn er ist ein Werk großer Gefühle, präzise von Pollack geschildert, und so scheint der allseits verhasste Kitsch durchaus präsent. Schematisch eingebracht: Wohlfühlgefühl, Tränendrüse, Herzschmerz, Sentimentalität und solchen einen menschlich-filmischen Zustand den manche »Dahinschmelzen« nennen - dies ist zwar berechenbar, aber doch inszeniert Pollack seinen Stoff dabei teilweise charmant und einfühlsam, wenn man ihm sein Herz schenkt und ich war so gütig, dank des werten Darstellersgespanns, was einen großen Teil des Film ausmacht und der Film ohne es im Grunde für mich hemmungslos verschwinden würde. Aber es gibt große Akteure wie Merly Streep zu bewundern, welche wie immer großartig aufspielt, emotional in ihrer Rolle voll aufgeht und wie sonst auch durch ihr einfühlsanes Schauspiel zu überzeugen weiß als eigenwillige (für Streep demnach maßgeschneidert) Autorin Karen. Zudem Charmebolzen Robert Redford, welcher mit seinem natürlichen Spiel und seiner oft charmanten Art mit Leichtigkeit seiner Rolle Glaubwürdigkeit verleiht. Auch die Chemie zwischen Streep und Redford ist beileibe mehr als stimmig, geradezu harmonisch aufeinander abgestimmt agieren sie geschickt, sodass der Reiz am Film für mich den Haupdarstellern zu zuschreiben ist. Und dann gebe es noch Brandauer, den großen Klaus Maria Brandauer. Von diesem Mann kann man doch nur regelrecht begeistert sein, trotz Nebenrolle weiß er in seinen präzise ausgeführten Auftritten zu fesseln, sehr feinnfühlig gespielt seinerseits. Trotzdem ist auch Pollacks Regie sicherlich an sich stimmig.


Außerdem beeindruckt der Film sicherlich durch seine fast einzigartigen und prächtigen Naturaufnahmen von Afrika. Kameramann David Watkin zeigt Afrika in seinen Bildern wahrscheinlich von seiner schönsten wie auch prachtvollsten Seite, das fasziniert und begeistert auch, denn dies ist beileibe ein echter Augenschmaus. Auch die Tieraufnahmen eindrucksvoll dargestellt. Eine exotische Kulisse, mit solcher Kraft und Energie gefilmt - insofern absolut beeindruckend zu betrachten. Einfach grandios. Zuletzt ist also "Jenseits von Afrika" ein sensibel wie auch gemächlich erzähltes und großartig fotografiertes Melodram, stimmig untermalt von dem Score von John Barry und stark gespielt, wenn auch dabei langatmig und doch zu schemenhaft in seiner Konstruktion.


 7.0 / 10

Autor: Hoffman

Donnerstag, 22. September 2011

Kritik: "Eine ganz normale Familie"

Es war eine Nacht, niemand hätte es wahrscheinlich gedacht, doch es passierte, das unerwartetste von allen passierte. In dieser Nacht, es war die Nacht der Oscar-Verleihung, in der gewann ein Film gleich 4 Oscars, niemand hätte damit gerechnet, niemand würde heute bei den Konkurrenten überhaupt auf den Gedanken kommen, doch es passierte... das Familiendrama von Robert Redford "Eine ganz normale Familie" aus dem Jahre 1981 nach dem gleichnamigen Roman von Judith Guest triumphierte über die heute hochangesehen Werke "Der Elefantenmensch" von Lynch und "Wie ein wilder Stier" von Scorsese, die großen Favoriten des Abends, der kleine Außenseiter gewinnt, eine echte Überraschung, ob diese Preise nun gerechtfertigt sind oder nicht ist dabei völlig irrelevant. Und ich möchte betonen, dass ich den werten Academy Award nicht als großen Granat für brillante Filme sehe. Doch Fakt ist und bleibt diese Geschichte nimmt mit, dies mag vielleicht in der heutigen Zeit schon arg konstruiert wirken, von der Story her, dennoch muss ich dem entgegen bringen: Nein, ich empfand diesen Film als ehrlich und glaubwürdig gemacht. Eine Geschichte über eine zersplitterte Familie über gewöhnliche Menschen...oder nicht...

Wie gesagt eine durchaus tragische Handlung, eine schwierige Thematik die Verarbeitung des Todes einer geliebten Person, nicht besonders innovativ, aber umso einnehmender präsentiert: Sie hatten eine Vorstadthäuschen, sie waren im Golfclub, sie waren 4 Personen: Mutter, Vater und die beiden Söhne. Ein perfektes Leben, das der Calvins. Doch diese heile Welt zerbricht, wird zerstört und geht in Flammen auf als der älteste Sohn beim Segeln tödlich verunglückt. Danach ist die Welt anders...sein Bruder Conrad macht sich Vorwürfe wegen dem Tod seines Bruders und fällt in tiefe Depressionen. Und auch zwischen den beiden Erwachsenen, den Eltern, scheint es auch nicht mehr zu sein wie früher..

Nun also holte Redford für seinen Regiedebüt eine erstklassiges Ensemble mit ins Boot. Als Machtier der Familie, als Herr des Hauses Calvin Jarrett, den Selbstzweifel plagen darf ein großartiger Donald Sutherland agieren, wirklich sehr tragisch und voller Kraft spielt er seinen Part, man spürt seine tiefe, innere Schwäche. Sutherland vermag dies in jeder Minute famos rüberzubringen, zu jedem Moment. Als seine Ehefrau Beth dürfen wir hier noch Mary Tyler Moore bewundern, sie strahlt in ihrer Rolle (wie auch schon Sutherland) auf einem schauspielerisch-hohem Niveau gespielt. Besonders bewundernswert ist hier ein unscheinbarer Junge, es war seine erste große Filmrolle, für die er dann gleich seinen Oscar einsackte. Ich rede hier vom fantastischen spielenden Timothy Hutton, absolut unglaublich in seiner (ich betone es nur zu gerne) ERSTEN Rolle, das ist wirklich ganz große Klasse, sehr eindringlich gespielt und dabei absolut überzeugend. Abgerundet wird das Gaze zudem dann noch von Judd Hirsch als Psychiater Dr. Berger, auch hier bewegt sich der Akteur Hirsch auf einem hohen Level, exzellent übernimmt er seine Tolle, er ist der, der enthüllt, versucht der Familie zu helfen wo es geht und Conrad aus seiner tiefen Spirale des Trauers herauszuholen. Ein Top-Cast auf jeden Fall.

Dazu ist Redfords erste Regie auch wirklich sehr gut gelungen. Sehr einfühlsam für seine Charaktere, wie gesagt durchaus eindringlich und tragisch gezeigt, wenn auch irgendwie optimistisch am Ende, schön. Redford setzt eben auf eine intelligente und für mich durchaus spannende Erzählweise, lässt seinem Werk beziehungsweise seine Figuren Zeit sich zu entwickeln, um sie zu verstehen und um sie so dem Zuschauer näherzubringen. Trotzdem kleine Längen gab es dann doch für mich.
Die Kamera wird zudem in dem Masse einfach geführt, die Bilder selbst heute vielleicht schon etwas eingestaubt und mit Haltbarkeitsdatum verziert, ganz klar bemerkt man dem Film sein  Alter an beziehungsweise was auch teilweise seinem relativ niedrigem Budget geschuldet sein müsste für das Redford ganze Arbeit geleistet hat, in Hinsicht auf die Qualität, da er somit immerhin auf das Nötigste setzt (positiv gesehen) und auf unnötige Effekthascherei in Bezug auf die Glaubwürdigkeit seines Werkes verzichtet.

Weiterhin wurden die Charaktere beim besten Willen grandios gezeichnet, ja es mag schon kleine Klischees im Aufbau zu geben, doch wird das perfekt retuschiert von der trotzdem authentischen Gestaltung ihrer Hintergründe. Verbunden dann auch auch noch mit einer ordentlichen Portion Tiefgang und das alles vermischt mit einer emotionalen Wucht der Figuren bzw. Protagonisten und natürlich wurden in das Drehbuch auch starke Dialoge integriert, bei dem die Darsteller ihre innere Energie genial ausüben können.

Unter Strich bleibt für mich dann "Eine ganz normale Familie" ein ausgezeichnetes Regiedebüt von Redford ist, in Form einer tiefgründigen und stark inszenierten Charakterstudie mit kraftvollen Darstellern...vollkommen zu Unrecht vergessen...wenn auch nicht perfekt...


 8 / 10

Autor: Hoffman