Montag, 21. November 2011

Klassiker der Extraklasse: Kritik: Fitzcarraldo

Herzog und Kinski. Zwei Männer. Zwei Feinde. Was sie verband eine Hass-Liebe. Und immerhin schon 5 Filme. Von "Aguirre, der Zorn Gottes" bis "Cobra Verde", ein echtes Dreamteam, trotz ihrer öfteren Auseinandersetzungen und Konflikte. Und irgendwie veränderten sie auch die Filmwelt mit ihren Zusammenarbeiten und bereicherten sie mit dem ein oder anderen großen Opus. (Dieser Teil könnte übrigens auch bei jedem anderen Film bzw. jeder Doku der Beiden stehen, aber gut). "Fitzcarraldo" aus dem Jahre 1982 von Werner Herzog, ist einer dieser 5 Filme, um genau zu sein ihre vierte Zusammenarbeit.


Und die Handlung wurde wirkungsvoll ausgeklügelt (jedenfalls auf mich bezogen), interessant gemacht, hat alles was mich fasziniert bzw. was ich in einen Film stets hoffe, hier mal vereint, Amazonas, Größenwahn, Opernhaus, Idee, Kunst, Dschungel. Alles dabei was ein Mensch wie Hoffman braucht bzw. was absolutes Interesse weckt bzw. bisher immer aufs neue meinen Reiz ausmachte, zusammengefasst: Brian Sweeney Fitzgerald, genannt Fitzcarraldo. Ein irischer Musikfan, von einer Idee besessen, ein großes Opernhaus zu errichten, im Dschungel des Amazonas. Und das um jeden Preis und so scheut er weder Kosten noch Mühen um sein Opernhaus zu errichten.


Und in der Hauptrolle als wahnsinniger (wer könnte solche Rollen besser spielen) und musikverrückter Fitzcarraldo, der an seinen Traum glaubt und alles dafür tut, der große Klaus Kinski (allein der Name erregt Ehrfurcht) und was soll ich da noch über seine Leistung sagen, Kinski geht seiner Rolle nahezu perfektionistisch nach, eine Mimik, eine Gestik, jede von ihnen atemberaubend, Kinski mindestens so gewaltig wie die Kulisse an sich. Einfach elektrisierend und faszinierend zu beobachten seine intensive Darstellung, man spürt förmlich den Wahnsinn vor sich und das reißt mit. Aber genauso erwähnt werden sollte auch eine großartige und himmlische bzw. wunderbare Claudia Cardinale als Bordellchefin Molly, die Fitzcarraldo Geld gibt zur Finanzierung seines gigantischen Projekts. Wie gesagt auch Cardinale zeigt sich in Bestform und überzeugt, über Kinski und Glaubwürdigkeit muss man wohl kaum Worte verlieren, denn Kinski ist Spiel ist eh im besten Maße fast schon einmalig.


Und auch Herzogs Regie ist zudem noch hervorragend, wirklich für mich mitreißend und packend erzählt, was ja nicht sonderlich schwer war bei dem Interesse was ich für die verschiedenen Themen des Films hege, Größenwahn, der Traum, der Suche nach der Erfüllung, doch irgendwie sein Glück zu finden, von einer Idee besessen, denn alles ist möglich, oder so, ein Kampf gegen die Naturgewalten. Dieses Spektrum stellt Herzog für mich spannend dar, war stets fasziniert, auch wenn ich dann doch zugeben muss, dass einige kleinen Längen meiner Meinung nach vorhanden waren, aber bei einer Laufzeit von ca.150 Minuten bei mir kaum verwunderlich.
Dennoch ein meisterhaft entwickeltes Porträt eines Exzentrikers. Aufwendig von Herzog gestaltet, allein die Kulisse des Amazonas an sich. Brillant eingefangen von der erstklassigen Kamera, sensationell für mich zu betrachende Bilder der exotischen Landschaft werden erschaffen, manch eine Szene brennt sich so geradezu ins Gedächtnis. Ich liebe diese Kulisse des Amazonas, für mich als Freund der Abenteuerfilme ein echtes Fest, opulent gefilmt, prachtvoll, kurzum famos.

Die Charaktere bzw. hier besonders der Charakter des Fitzcarraldo interessant gemacht, faszinierende Gestaltung, hier stimmt also alles, auch wenn so logischweise die Nebenfiguren dabei etwas abfallen, aber trotzdem recht gut gezeichnet wurden im Ganzen. Und dazu wird das Werk noch von einer grandiosen bzw. hervorragenden musikalischen Untermalung, eh eine der drei großen Stärken des Films meiner Meinung nach, getragen, was somit auch dem ganzen die Krone aufsetzt.


Abschließend bleibt mir dann nur noch zu sagen, dass für mich "Fitzcarraldo" ein imposantes und meisterhaft inszeniertes Kunststück von Werner Herzog ist, in dem Kinski vor einer gewaltigen Landschaft groß aufzuspielen weiß, untermalt von einem großartigen Score. Einfach stark.



                                       9.0 / 10

Autor: Hoffman

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