Sonntag, 6. November 2011

Klassiker der Extraklasse: Kritik: Scarface (1982)

Was hatte ich nicht alles von diesem Streifen gehört...ein Meilenstein des Gangsterfilmgenres. Ein entscheidender und wichtiger Teil der filmischen Popkultur der 80er Jahre. Ein Kultfilm (wurde berichtet). Und einer der Mitbegründer des modernen Gangsterfilms. So war es also für mich an der Zeit dieses Werk genauer unter die Lupe zu nehmen bzw. überhaupt sich mal mit dem Werk auseinanderzusetzen bzw. es zu sichten. "Scarface", schon der Name mag imposant klingen, mag irgendwie Kraft versprühen, "Tony, das Narbengesicht" aus dem Jahre 1982 von Brian de Palma. Eine Neuverfilmung des Hawks Klassikers "Scarface" aus dem Jahre 1932, der den Aufstieg von Al Capone zeigte.

Trotzdem fällt ein Vergleich zwischen den beiden Werken mehr als schwer bzw. wenn sie an sich überhaupt vergleichbar sind, denn De Palma betrachtet weder Al Capone noch seine Geschichte, sondern lieber die fiktive Geschichte des kubanischen Einwanderers Tony Montana, eigentlich wenn wir es so betrachten den Aufstieg und Fall eines Mannes. Seine Karriere in der Drogenszene. Das mag an sich zwar weder neu noch in irgendeiner Form herausragend sein, doch mag interessieren, eine Story um Drogen und ihre schweren Auswirkungen auf das Leben eines Menschen. Seiner innerlichen Zerstörungen. Die Folgen dessen Konsums, von Feinen umzingelt, man kennt das ja. Das ist die Story von Tony Montana.

Gespielt von der großen Legende höchstpersönlich. Vom großen Al Pacino, der sich hier in echter Hochform befindet. Energiegeladen, kraftvoll bzw. mit unbändiger Kraft übernimmt er seine Rolle. Wirft mit kultigen Zitaten wie "Say hello to my little Friend!", nur um sich. Das es fast schon irgendwie ein Erlebnis seine Ausraster/Wutausbrüche und so weiter (man kennt das ja) zu beobachten. In Nebenrollen tummeln sich dann noch Schauspieler wie eine noch recht junge, nicht minder wunderbare Michelle Pfeiffer, oder Mary Elizabeth Mastrantonio, Robert Loggia und F. Murray Abraham, der Cast weiß in jedem Fall zu gefallen.

Ja De Palmas Regie kann man dann wohl als stark bezeichnen, erzählt knallhart seine kleine "Gangsterballade", recht interessant gemacht der Einstieg in das Geschäft, ein bisschen sehr von der Gewalt beherrscht, durchaus ein drastisches Mittel um Montanas Zynismus zu dokumentieren, auch wenn ich zugeben muss, doch nicht so brutal wie zunächst angenommen. Zwar muss ich sagen, dass ich das Werk teilweise als interessant und spannend empfand, doch am Ende irgendwie auch wieder als relativ langatmig, was ich aber jetzt meiner persönlichen Empfindung zu ordnen würde und meinem Stand zu "modernen", amerikanischen Gangsterfilmen. Lobenswert sollte ich aber noch erwähnen, dass das Finale mich dafür absolut überzeugen konnte, mit unglaublichen Kraft inszeniert, ich würde es somit als die perfekte und packende Abrundung des Werkes sehen. De Palma lässt seine Figur den amerikanischen Traum leben, mag vielleicht ungewollt etwas glorifizieren, wobei das wohl eher Stones Verschulden ist, aber die Zerstörung und der teilweise kritische Ansatz seinerseits bleibt.
Zu der Kameraarbeit, sehr schön bzw. gut fotografiert, die Bilder damals noch sehr modern, poppig, schillernd, prächtig sind die Farben in der Stadt Miami, ordentlich gefilmt, mit einem düsteren und etwas realistisch wirkenden Touch verziert. Hatte irgendwie was. Doch muss ich sagen, dass gerade in der Hinsicht "Scarface" für mich nicht unbegrenzt zeitlos sein kann, trotz seiner tollen 80er-Atmosphäre, da man heutzutage eindeutig bemerkt, dass man vor sich ein Produkt der noch recht "frühen" 80er Jahre hat, aber was ist schon zeitlos?

Weiter zum Drehubuch von Oliver Stone, sollte man schon mal gehört haben, Stones Dialoge erstmal knallhart, voller Schimpfwörter, das ist wie ich schätze Standardvorrausetzung, das kann authentisch sein, muss es nicht, ich für meinen Teil bleibe dabei und sage durchaus, da ich das nur schwer einzuschätzen weiß.  Dazu noch recht, naja nennen wir es mal, solide gezeichnete Charaktere, Tony Montana eine Figur, die vor nichts zurückschreckt egal, ob brutale Gewalttaten oder Anderem, ein echter Anti-Held, mit prägenden Aussichten.
Und zudem sei noch der typische 80er Soundtrack erwähnt, passend eingesetzt, so spürt man wieder das Herz dieser Zeit, was den Film irgendwie sogar für mich popkulturell interessant machte. Übrigens schicker Soundtrack.

Unterm Strich möchte ich dann eigentlich nur noch sagen, dass "Scarface" sicherlich ein sehenswerter Vertreter seiner Gattung ist, mit einem grandiosen Pacino in der Titelrolle, wenngleich der machohafte wie auch zeitweise reaktionäre Ton des Films störend sein können.

7 / 10

Autor: Hoffman

Keine Kommentare:

Kommentar posten