Dienstag, 31. Januar 2012

Kritik: Boy A



Hoffmans-zügellose-Fanboy-Geschichten:
oder alternativ die Chronik eines alten Mannes, der nicht mehr fähig ist scheinbar rational logisch zu agieren. Irgendwann musste ich das Problem bei der Wurzel packen und wie gesagt und ich hatte es schon anderweitig geahnt, ich werde mit der Zeit immer mehr Fanboy von irgendwelchen hippen und modernen Schauspielern der heutigen Generation/das Ende: Ich hatte es schon vermutet, nun scheint es klar: Ich bin nun auch Fanboy von Andrew Garfield, hurra. Zum Glück noch nicht allzu extrem. So folgte aber "Boy A" (Deckname für Minderjährige, welche sich strafbar gemacht haben, um ihre Existenz zu schützen) von John Crowley aus dem Jahre 2007 nach dem Roman von Jonathan Trigell und wie es scheint auch hier nach wahren Begebenheiten.


Zugeben, die Story des Films mag dabei wenig originell oder innovativ daherkommen, die Karten (der Geschichte) werden hier neu gemischt und eben anders verpackt, das Grundschema bleibt eigentlich dasselbe. Mittelpunkt dieser Geschichte ist ein Jungen, über seine Schuld, seine Resozialisierung, seine Eingliederung in das normale Leben und irgendwie auch seine Suche nach der eigenen Identität, somit doch interessant und gut gestaltet: Neues Leben, neue Identität, nach vielen Jahren im Knast (damalige Tat: Mord) , in der er seine fast vollständige Jugend verbrachte, kommt der 24-Jährige Jack (neuer Name, neues Leben, sichere Existenz) frei und bekommt das Angebot auf eine zweite Chance im Leben, um sich wieder ins normale Leben einzugliedern, doch wie auch so oft wird er von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt.



Eigentlich eine Geschichte, die mir persönlich schon viel zu oft erzählt wurde, nun gut. Hierbei lag mein "Sichtungsgrund" auch nicht an er Story, sondern wegen wie erwähnt Andrew Garfield, Fanboy und so. Und ehrlich, ohne zu übertreiben (nur ein bisschen), jener trägt den Film. Denn Garfield liefert eine wirklich starke Leistung ab, überzeugt insofern, dass er es schafft den Charakter des geläuterten Jacks, der das Vergangene hinter sich lassen will,  sympathisch wirken zu lassen, sodass man mit ihm liebt und leidet, trotz seiner grausamen Taten aus der Vergangenheit. Mit viel Herz und sehr ergreifend dargestellt von Garfield, welcher sich mehr als gut in die Rolle einfühlt. Toll. Nicht zu vergessen, über einen reichlich interessant-prävisionären Tanzstil verfügt er auch noch. Neben ihm aber überzeugend agierend Peter Mullan als Jack´s Betreuer Terry, welcher auch mit eigenen Problemen zu kämpfen scheint und das gerade die Vernichtung jeder Hoffnung für die Zukunft des Jungen ist, doch versucht er Jack überall zu helfen wo er nur kann. Auch von Mullan sehr herzlich und liebevoll gespielt. Und so entsteht zwischen den Beiden eine besondere Harmonie bzw. Beziehung, die einem Vater mit dem Sohne gleicht, sehr rührend verkörpert.


Die Regie von Crowley überzeugend, interessant und sehr einfühlsam erzählt, auch wenn zwischendrin mit kleinen Längen meiner Meinung nach verziert. Zudem mit verschiedenen Handlungsebenen (Gegenwart - Vergangenheit) bzw. Rückblenden, einmal Jack´s Geschichte nach dem der Entlassung und seinen Versuch der Rehabilitierung und seine Vergangenheit bzw. das Geheimnis, welches zunächst im Dunkeln scheint. Was passierte? Was tat er? Eindeutige Antworten gibt es dennoch nicht. Dort geschildert werden zwei verschiedene Jungen und man fragt sich selbst. Welcher von ihnen ist Jack, anfangs? Eine interessante Frage, die mich bei den Rückblenden durchaus beschäftigte. Da kann man durchaus verzeihen, dass die Hintergründe der damaligen Tat nicht im Ganzen sorgfältig geschildert werden, dies sei vergessenen. Denn mehr geht es doch um das Leben nach der Einlösen der Schuld, ein Leben danach... versuchen weiterzuleben. Sich erneut einzuordnen in die Gesellschaft um sich dabei auch selbst zu finden. Dabei kritisiert Crowley zudem die Sensationsgeilheit der Presse und Medien. Was letztlich eine gewisse Tragik enthält. Crowley versucht seinen Hauptprotagonisten (Pseudonym: Jack) sympathisch und freundlich darzustellen, weit weg von dem typischen Klischee eines Straftäters, denn auch jene können eine Läuterung erfahren und sind Menschen, ob man es glaub oder nicht, es stimmt. Und so wird der Täter letztlich zum verzweifelten und einfühlsamen Opfer. So mag sein Schicksal durchaus aufwühlen und bewegen.



Auch wenn ich sagen muss, dass Klischees hierbei durchaus meiner Meinung nach vorhanden sind, die Erzählstruktur und der Film an sich blieben aber authentisch und glaubwürdig gestaltet, auch wenn ich diese Geschichte schon viel zu oft gehört habe, hier mit anderen Aspekten und Zutaten. Immerhin noch sehr sauber und außerdem noch sehr gut in den klaren und intensiven Bildern der Kamera festgehalten.


Unterm Strich bleibt dann mir nur noch zu sagen, dass "Boy A" doch insgesamt ein gelungener Film zum Thema der Schuld und dem Neuanfang einer neuen Identität bzw. der Suche nach jener. Dabei getragen von Andrew Garfields starkem Schauspiel. So zusammengefasst für mich sehenswert, nicht neu, aber gut.



7 / 10

Autor: Hoffman

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