Donnerstag, 19. Januar 2012

Kritik: Mad City


Drei, zwei, eins und wir senden live vom Ort der Geschehnisse...- den wollte ich schon lange mal sichten. Costra-Gavras eigene Abrechnung mit den Medien, wie einst Lumet in "Network" oder auch auch Wilder in "Reporter des Satans" (wovon Costa-Gavras-Film vermuteterweise ein Remake zu seien scheint) zieht er gegen die Medien, ihren Wahnsinn und die letztlich tragische Konsequenz aus allem, in einer Stadt, in der von diesen Moment an nichts mehr normal scheint, in "Mad City" aus dem Jahre 1998.


Die Story dazu natürlich klug ausgearbeitet, zunächst durchaus kritisch angelegt, über die Verluste und die Tragik des Einzelnen und die uneingeschränkte Macht der Medien bzw. und ihrer Manipulation der Fakten, denn einzig die Quoten zählen. Denn es sollte anders kommen, die Haldung an sich relativ altbekannt, dennoch für mich immer noch interessant angelegt, wenn auch etwas unausgereift: Einige würden es wohl Glück nennen, dass der bereits etwas heruntergekommene TV-Reporter Max Brackett live dabei ist, wenn der gefeuerte Museumswächter Sam Bailey mit einer Waffe (plus Sprengstoff) in seine alte Arbeitsstelle stürmt um seinen Job wiederzubekommen, anders so er selbst würde man ihn nicht zu hören, so gesagt als drastische Verdeutlichung seinerseits. Doch versehentlich löst sich das Gewehr und sein einstiger Freund (und derzeitiger Museumswerter) wird angeschossen und so kommt es, dass Bailey Geiseln (inklusive eine Gruppe Kinder) nehmen muss und dort wittert Brackett die große Story, sieht seine große Chance und sendet fortan live vom Ort der Geiselnahme...

Überraschen mag da zunächst auch die hochkarätige Besetzung, welche man so vielleicht nicht erwartete, wenn man erstmal bedenkt, wie unbekannt Costa-Gavras Streifen doch ist. In jedem Fall viel zu unbekannt. Und so natürlich erstklassig, der Cast mit einem grandiosen Dustin Hoffman (jeder mag Hoffman! Hoffe ich doch) als zunächst eiskalter und manipulativer Reporter (des Satans) Max Brackett, welcher alles daran setzt hohe Quoten zu erzielen, wahrscheinlich sogar über Leichen gehen würde, nur um an seiner brandheißen Story dran zu bleiben. Er inszeniert den Fall als große Show, und Kampf um Sympathien, regelrecht skrupellos. Doch auch in ihm steckt irgendwo noch ein Herz. Zudem noch an seiner Seite eine überzeugende Mia Kirshner als Praktikantin Laurie, welche noch neu im Geschäft scheint, sie noch hilfsbereit und noch mit dem Gedanken des Menschenlebens dabei. Doch sowohl Brackett als auch Mia´s Leben werden irgendwie verändert, durch einen Mann: Sam Bailey. Großartig verkörpert vom John Travolta der 90er (und ja es besteht ein Unterschied zwischen jenem und dem heutigen). Travolta agiert sehr gekonnt und schafft es Bailey glaubwürdig darzustellen, Bailey einerseits ein liebevoller Ehemann und Vater, der dies doch alles nur tat um seine Familie vor dem Ruin zu retten, etwas labil und etwas verwirrt, unsicher, denn solche Ausmaße hatte er nicht befürchtet. Die Waffe sollte doch nur dazu dienen um sein Bedürfnis (nach dem Job als Museumswächter) zu verstärken, wer würde ihm sonst zu hören? Eigentlich ein guter Kerl, doch ein Verlierer unter falschen Umständen. Aber auch in Nebenrollen gut besetzt mit einem exzellenten Alan Alda oder auch Ted Levine.


So rechnet Costra-Gavras also mit den Medien und dem quotenbesessesenen Fernsehsystem ab, dies auf teilweise durchaus spannende Weise (so empfand ich es), relativ fesselnd über die ganze Laufzeit, wenn auch mit wenig Handlung an sich, oberflächlich betrachtet. Und so entstanden meinerseits auch kleinen Längen, und zudem mag die geäußerte Kritik doch stellenweise viel zu zahm sein, denn andererseits wirkt das Werk weniger bissig und zynisch als erwartet (dies so nur in kleinen Maßen). Eigentlich schade, dennoch blieb dabei auch eine gewisse Faszination meinerseits, welche besonders aufgrund der starken Darsteller konstant bestand. Denn wie gesagt irgendwie hatte ich das Gefühl Costa-Gavras fehle hier die Konsequenz um seinen Film zu etwas großem und herausragenden zu machen, die wirklich scharfe Präzision fehlt ihm meiner Meinung nach bei seiner Kritik an den Medien, das heißt dennoch nicht desto trotz, dass nicht auch bösartige oder gar satrische Elemente vorhanden sind, denn das sind sie, zumindest teilweise und gerade diese besitzen doch irgendwie eine interessante Seite, die ich an sich sehr mochte, in Hinsicht auf den Film. So gesehen mag zwar "Mad City" nicht die große Medienkritik sein, aber immerhin doch sehr zu gebrauchen als feiner Medien-Thriller, und dem Spiel um Wahrheit, Fiktion, Manipulation und den Wahnsinn des Nachrichtenfiebers.



Auch wenn man hier gleichzeitig nicht mit Klischees spart, an sich aber zufriedenstellend gezeichnet, wobei ich besonders der Figur des Max Brackett eine gewisse Faszination meinerseits entnehmen konnte, sodass einige der Charaktere doch ihre interessanten Aspekte besitzen. Dazu noch sehr sauber im Ganzen inszeniert wie auch ansprechend gefilmt, untermalt wird das Werk dann noch von einem passend komponierten Score von Thomas Newman.



Unterm Strich mag Costa-Gavras Werk "Mad City" zwar durchaus seine Schwächen haben, trotzdem bleibt sein Film immer noch sehenswert und spannend gemacht, getragen durch seine starken Hauptdarsteller, doch ein guter inszenierter Medien-Thriller, dabei mir leider doch etwas zu unbekannt.



7 / 10

Autor: Hoffman

Kommentare:

  1. Einer meiner Lieblingsfilme. Da ist 7/10 schon fast zu wenig ;-)

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  2. Mir durchaus verständlich, warum dieser zu deinen Favoriten zählt, doch finde ich im Gegensatz zu Wilders "Reporter des Satans" (wobei ich da "Mad City" fast als Remake sehe) viel zu zahm, auch wenn ich ihn dann nicht eine gewisse Spannnung nicht leugnen kann. Zudem kann es Costa-Gavras dann doch besser, aber trotzdem ingesamt guter Film. :)

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  3. Dazu hab' ich auch schon was geschrieben, wird aber erst später veröffentlicht.^^

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  4. @Timo: Hatte ich mir schon fast gedacht. 6.0 ist ja bei dir fast eine Heiligsprechung. ;) Bin schon drauf gespannt.
    P.S. Versuch meine selbstgeschossenen Bilder zu toppen. :p

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