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Donnerstag, 19. Juli 2018

Kritik: The Untouchables - Die Unbestechlichen (1987)


Mit dem stilbewussten »Untouchables« befand sich Brian De Palma wohl auf dem kommerziellen Höhepunkt seiner Karriere in Hollywood und ohne Frage machte De Palma mit diesem Werk einen eigentlich klassischen Gangsterfilm - also von einem Regisseur gedreht, den man in jungen Jahren dem New Hollywood zuordnete, und der zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere dieses Werk drehte, das auch eigentlich in die Phase des Classical Hollywood gepasst hätte. De Palmas opulent ausgestatteter und elegant inszenierter Film spielt in Chicago, in Zeiten der Prohibition und erzählt vom Kampf der Gesetzeshüter gegen das Verbrechen, das hier durch den berüchtigen Al Capone (Robert De Niro) vertreten wird. Dabei sucht De Palma mehrfach eine direkte Nähe zu den Vorbildern des Genres zu schaffen (als erstes wird einem wohl ein Film wie Howard Hawks »Scarface« in den Sinn kommen). Auch Hitchcock ist hier wieder präsent. Sogar schon zu Beginn des Films, wenn De Palma Affektbilder benutzt, das heißt ein unschuldiges Mädchen ins Bild kommen lässt, das eine Kofferbombe transportiert, die kurz darauf hochgeht (vgl. Hitchcocks »Sabotage«), um auf die Kompromisslosigkeit dieser Gangster zu verweisen und den Zuschauer sofort auf die Seite der Gesetzeshüter zu stellen. Dorthin, wo auch Eliot Ness (Kevin Costner, der in den darauffolgenden Jahren einen ähnlich aufrichtig-naiven Mann des Gesetzes spielen wird in Oliver Stones »JFK«) steht.

Was De Palmas Werk auszeichnet, das ist zum einen die Geradlinigkeit, mit der er auf das Ziel der Geschichte zusteuert aber auch die Klarheit, mit der er Erzählung wie auch Figuren skizziert. Denn er schildert den klar eingeteilten Kampf von Gut gegen Böse, von Ehrlichkeit gegen Korruption, von einer kleinen Gruppe von Männern gegen ein großes System, gegen das sich keiner stemmen will. Dazu kontrastiert De Palma diese Welten auch noch auf einer weiteren Ebene, denn während die Welt des Capones eine der verschwenderischen Dekadenz und des Luxus ist, ist die Welt der Polizisten weitaus karger, besteht aus den Büroräumen und der Straße. Al Capone ist dabei als Antagonist eine beinahe passive Figur, der sich zum Teil in seinen kurzen Auftritten zunächst bedienen lässt, aber auch Momente des Ausbruchs erlebt. De Palma versteht in seinem Film Al Capone aber mehr als Symbolfigur (oder konkretes Gesicht) für das Verbrechen, das es zu bekämpfen gilt. Elliot Ness wird dagegen als einfacher Beamter dargestellt, der schlicht nur seinen Job gewissenhaft nachgeht (und folglich auch am Ende nach getaner Arbeit mit seiner Aktentasche in der Masse verschwindet) und Kevin Costner gibt diesem Helden auch das Gesicht, um ihm eine bestimmte Gewöhnlichkeit zu verleihen.



So ist »The Untouchables« auch ein Film, der eine amerikanische (mythische) Heldengeschichte erzählt, einen Großstadtwestern darstellt, in dem Eliot Ness auch seinen eigenen »Wild Bunch« (u.a. mit einem knurrigen Sean Connery als väterlichen Mentor) zusammenstellen muss und damit auch von einer Männerfreundschaft berichtet, die sich ein gemeinsames Ziel gesetzt haben. Des Weiteren setzt der Film, genau in der Mitte seiner Spielzeit, den großen Triumph der Truppe an der kanadischen Grenze als direkten Westernverweis um, in dem erst in der offenen Landschaft (in weiten Totalen) John Ford und kurz darauf in einem kleinen Häuschen am Rande (erneut) Howard Hawks (»Rio Bravo«) zitiert werden. Überhaupt muss man sagen, dass die amerikanische Kinogeschichte (aber nicht nur die, wenn man dazu noch das berühmte Kinderwagentreppenzitat aus Eisensteins »Panzerkreuzer Potemkin« heranzieht) in diesem Film extrem präsent ist. Die Gewalt in diesem Film tritt dazu immer wie ein Schlag ein, ist drastisch und und impulsiv im Film. De Palma arbeitet dazu auf seine bestimmten (und sehr durchdachten) Spannungsmomente gezielt hin, die der Film mitunter auch genussvoll ausdehnt (erneut: Die Kinderwagensequenz) und spielt damit auch mit den Erwartungen des Zuschauers, in dem er sie etwa ins Leere laufen lässt (besonders am Anfang) oder sie auf die Spitze treibt. Das sind dann auch diese raffiniert geschilderten und von De Palma fraglos gewandt abgewickelten Momente, aus denen der Film dann auch seine Dynamik entwickelt und an denen sich wohl am ehesten auch die Klasse dieses Werkes ablesen lässt.

7.5 / 10

Autor: Hoffman 

Donnerstag, 23. August 2012

Von Schreien, Kreischen, Tönen und Flüstern - Kritik: Blow Out - der Tod löscht alle Spuren



»No one wants to know about conspiracy any more!« - Es mag für mich durchaus befemdlich erscheinen, einen der damaligen Erstlinge meiner Bekanntschaft mit Regisseur Brian de Palma erneut zu sichten und gleichauf mit Hinterwissen, die vielerlei auftretenden Referenzen anderer Werke zu beobachten, die mir damals noch recht unbekannt schienen. So ist es vermeintlicherweise sichtlich auch kein Geheimnis, dass De Palmas gesamtes Frühwerk eigentlich eine Komplettierung von Hitchcock Zitaten sein möge - man wolle es ihm nicht verübeln - »Blow Out« (1981). Hier erinnert der Titel nicht bisweilen an Hitchcock, sondern lässt sich wiederum als eine Referenz zum berüchtigten Kultfilm »Blow Up« von Michelangelo Antonioni. Aber keine Angst unser lieber Alfred kommt sicher nicht kurz, dazu ist De Palma in seiner Hitchcock-Marnie viel zu obsessiv und über Kopf verliebt. Soll er ruhig. Denn hier heißt statt »Wir schauen, aber wir sehen nicht«, ist exaktes Hinhören gefragt.



Denn obgleich De Palmas Film zunächst als Hommage an Antonionis »Blow Up« gedacht ist, lässt es sich De Palma mal wieder nicht nehmen seinem Idol schon in den ersten 5 Minuten - mehrmals - zu huldigen und zu zitieren, wie überraschenderweise sogar ironisch zu parodieren. Liebevoll natürlich - man könnte dabei auch Referenzen auch zu Carpenter oder Wes Craven ziehen, wie dem »Film im Film«-Prinzip, welches De Palma anfangs trickreich einsetzt. Die Handlung mutet als faszinierende Mischung zwischen Antonionis Werk, Pakula und Coppolas »Conversation« an, mit überkonstruierter politisch-irrelevanter Ambition und einen Hauch zeitlichem Hintergrund, clever erdacht, wenngleich nicht nicht immer absolut logisch nachvollziehbar in Hinsicht einzelner Versatzstücke.

De Palmas gewitztes Spiel mit der Realität. Tontechniker, für billig produzierte Horrorfilme, wird zum zufälligen Zeugen eines Mordes. Ein Geräusch eine Aufnahme als Stichfester Beweis der Wahrheit. Doch was ist Wahrheit? De Palma verschwört sich und John Travolta wird Zeuge dieser Verschwörung. Die Geschichte präzise geschildert. De Palma schärft seinen Blick für Trugbilder, wie einst Antonioni mit Bildern. De Palma mit Tönen, essentiell für seinen Film. Genauso die Referenz zu Coppola und der zeitlichen Paranoia. Ein akustischer Film, ganz im Sinne des guten Francis Ford. Aber auch Antonioni findet des öfteren Einzug und dabei nicht mal nur mit »Blow Out«, nicht wenn es um Schreie geht.

Passend dazu ein verzückender Score von (Herrmann der II.) Pino Donaggio, mit einer Vielzahl an pompösen Motiven und nervenaufreibenden Klängen, beachtlich stimmig komponiert für De Palmas Film und harmonisch das Zusammenspiel von Bild und Ton. Die Kameraarbeit erstklassig und fast schon obsessiv-düster gefilmt - wie es De Palma gern hat - optisch dabei herausragend, stilvoll und atmosphärisch angelegt. Es schimmert auch ein Schatten des Film noir durch und insgesamt effektvoll in Szene gesetzt. Als Zeuge der Verschwörung und misstrauischer Tontechniker: John Travolta (überzeugend) mit natürlichen Spiel. Daneben mimt John Lithgow zwielichtig wie gekonnt.

 Aber auch Brians Spielereien werden nicht vergessen: Hübsche Spiltscreens und hochdramatische Zeitluptenaufnahmen - hat was von Pathos - hat aber stilistisch-ansehnlichen Wert. Aber auch der Brian brauch halt seine Highlights, dann eben so. Dazu noch seine kleinen Stereotypen, die De Palma wiederum hintergründig beleuchten lässt, zumindest in ihrer Konstellation zueinander. Selbstredend nie ohne die Relevanz des Tons zu missachten - so wird gemischt, gerauscht, geklingelt - ironisch kommentiert - oder einfach gezittert. Das aber nur meist beim Zuschauer selbst. Feines Spannungskino, welches De Palma erneut hierbei kreiert und sich selbst auch nebenbei vor dem Medium Film wie auch den zitierten Filmen verneigt - wie immer - so auch voller Details und visuell bestechend. Vom verschwörenden Anfang schließlich zum spektakulären, funkensprühemdem Finale mir Rasanz und emotional aufgegladener Melodramatik, während sich die Referenzen wuchtig selbst überschlagen.



Eine großartige Komposition. Wie auch die Verbeugung vor Antonioni, dem ewigen Spiel zwischen Schein und Sein. Trugbilder werden gemalt. Die Täuschung perfekt - der Meister erfreut. Ein Audiofilm. »Blow Out«, das Werk zur Akustik und dem Geräusch dahinter. Also Achtsamkeit sei geboten: Präzises Hören, nicht lauschen. Und abschließend sitzt jeder Klang zwischen Sehnsucht, Trauer, Verzweifelung und purer, drastischer, melodramatischer filmischer Emotion - grandios! Deshalb genau hinhören: Denn alles führt zusammen. Das was Antonioni schon früh präge, nun von De Palma zitiert in Vollendung. Die Realität wird zur Fiktion. . Der Schrei zum bloßen Effekt.



7.5 / 10

Autor: Hoffman

Dienstag, 10. Juli 2012

Der repressive Alptraum des Heranwachsens - Klassiker der Extraklasse: Carrie




»They're all gonna laugh at you!« - Vorneweg und wahrscheinlich auch ohne weitere Ausschweifungen könnte ich hiermit zu allerst den Gedanken erneut prägen und manifestieren, dass sichtlich Brian De Palmas »Carrie« aus dem Jahre 1976 wohl nicht umsonst zu den gelungensten Stephen King Verfilmungen zählt. Nicht nur weil sie mitunter, bis auf kleine Abweichungen, die aber plausibel in Hinsicht der Umsetzung eines Films sein mögen, genauso zu den werkgetreusten Umsetzungen eines King-Romanes zählt - von denen das ausnahmsweise nicht nur King selbst meinte. Natürlich klassifiziert das »Carrie« in aller erster Linie natürlich zu einem anerkannten Kultfilm des Horror, welcher heute trotzdem besonders bei jungen Gemütern immer öfters »uninteressant« abgestempelt, was sich vielerlei wie auch bei weiteren Horrorfilmen, nicht nur dem zeitlichen Kontext geschuldet sein muss, sondern der Erwartungshaltung an einen solchen bedeutenden Film. Teils durchaus verständlich, allein wegen dem gänzlich reißerisch und stümperhaft definierten deutschen Verleihtitel »Des Satans jüngste Tochter« falsche Anforderungen knüpft. Auch wenn man eigener Tonfall, dabei auch zu liebst einen elitären Ton annimmt und diese zu entlarven. Ich - die Ignoranz in Person.



So lässt sich De Palmas Film doch eher als faszinierende Charakterstudie sehen oder gar als vollständiger »Coming of Age« - zumindest auch eine beliebte Idee im Horrorgenre, in dem sich die Protagonstin, den Ängsten und Problemen ihres Alters stellen muss. Der Suche nach der eigenen Identität. Dies verdeutlicht De Palma selbstredend anfänglich mit einer beachtlichen Referenz zu Hitchcock und einer Duschsequenz, welche De Palma in Zeitlupen-Aufnahme intensiv filmen lässt. Was danach folgt ist der schmerzliche Horror des Alltags - von Klassenkameraden verlacht, gedemütigt und gemieden durch das Unwissen zu ihrem eigenen Körper.

Gepeinigt von der eigenen Mutter, die ihrem fanatischen Glauben in jeder Tat des Heranwachsens einen neuen Akt des Teufels sieht. Beherrscht von ihrer Kontrollsucht über Carrie und von ihrem religiösen Wahn getrieben, das Mädchen zu erlösen. - Nebenher in dieser Rolle förmlich zum Erstarren und für mich stets mit kalten Schauer bei ihrem Antlitz: Piper Laurie. - Das quälende Leben der Carrie White. Bedrückend geschildert von De Palma, dass unweigerlich dazu führt, dass man mit dem Charakter systematisch sympathisiert durch den Umgang von ihrem Umfeld. Carrie (unscheinbar-perfekt: Sissy Spacek) scheint in dieser Verfassung so zerbrechlich und schüchtern, dass es für mich immer tragisch ist ihren ersteren Werdegang zu beobachten - das bewegt mich immer zutiefst - De Palma richtet seinen Fokus unentwegt auf Carrie, ihr Umfeld wird zu meist zu als bekannte Klischees gezeichnet, wenn auch eininge  mitunter etwas zu unförmig bleiben, um dies wirklich deutlich aufzuzeigen.

Aber De Palma gelang dies für mich mit kleinen Abwägungen. Hintergründig analysiert De Palma wiederum auch wieder mit psychologischen Tiefen den Charakter der Carrie. Sehr präzise mit gediegenen Tempo zur Entwicklung seiner Charaktere wie auch der Story. Denn auf die tiefe Repression folgt doch das Glück, dank der engagierten und freundlichen Sportlehrerin und scheint endlich die Akzeptanz Einzug zu gewinnen. Einfühlsam beleuchtet. De Palma nimmt die Zeit, auch wenn die eingebrachten kurz zwischendrin eintretenden humoristischen Mittel vielleicht doch eher unpassend erscheinen mögen. Die ruhige Kamera unterstützt De Palma.Während der wiederum bei der ausführlichen Regie bei Laune hält mit Hitchcock Versatzstücken und Zitaten.

Bei De Palma ist es im Grunde ein schleichender Horror, der sich immer weiter nährt und auf ein bestimmtes Ziel konsequent zu steuert.Eigentlich ist es interessant, dass De Palmas Erzählstil wohl am ehesten dem des Meisters bei »Psycho« gleicht, woraus De Palma auch kein Geheimnis macht. Überall lassen sich in De Palmas Filme faszinierende Anspielungen darauf finden, sodass »Carrie« - ganz ohne die Vorlage Kings - auch als Hitchcock und dessen Werk »Psycho« Hommage gedeutet werden darf. Ohne Hitch geht es nun mal nicht beim Brian. Besonders kenntlich wird dies auch durch De Palmas Stammkomponisten und dessen Musikeinsatz und die Motive im Stile eines Bernard Herrmanns unverkennbar als Spannungsaufbau - beileibe das hält bei Laune und faszinierend, auch nochmal im besonderen wenn das Motiv der Streicher Eintritt gewinnt. Natürlich muss »Carrie« insofern auch neben diesen mir schmackhaften Attributen auch im zeitlichen Kontext beobachtet werden.



Hierbei dient wohl die Entdeckung von Carries Kräften als sexuelle Metaphern. Der Ausbruch eben dieser Kräfte dann schließlich symbolisch als Anbeginn der sexuellen Revolution, der Zeitkontext unübersehbar mit Carrie behaftet. Und somit der Ausbruch gleichzusetzten als eine meiner favorisierten Motive der »Explosion des Schweigens«. Das Finale als tobendes Inferno und vielleicht auch eine Metaphern für das Niederschlagen des Aufstandes - wobei dadurch eine Entwicklung des puren Grauens entfesselt wird - sogar mit grandiosen Splitscreen-Sequenzen - und roher Gewalt. Diese technische Raffinese raubte mir schon immer den Atem. Verstörend wie auch eindringlich abgezeichnet - wenn auch mit Abweichungen. In der Umsetzung jedoch plausibel - wie gesagt. Zuletzt noch eine letzte Verbeugung vor Hitchcock und so meint doch De Palma: »I don´wanna go on with you like that«. Was bleibt ist die Angst vor der Rückkehr. Das Trauma für immer gefestigt. Der wahre Albtraum beginnt erst jetzt.



7.5 / 10

Autor: Hoffman

Freitag, 23. März 2012

Kritik: Spiel auf Zeit


Man könnte meinen Filmideen zu sammeln und umzusetzten, wäre eine Sache der Psychologie. Oft erlebt man Déjá Vus und Altbekanntes. Bestimmte Grundlegenden von denen jeder irgendwann schon mal etwas gehört hat, durch Parodien, das Zitieren oder gar die Kopie. Doch woher nun das Grundschema stammt was keiner. Seltsam. Insofern bemüht sich doch der fantasievolle Filmfreund stets nach dem Film zu suchen, der das bietet was wir als die »filmische Absolution« bezeichnen würden, Ideen zum träumen - mögen sie noch so simpel und bekannt erscheinen. Mir geht es nicht anders - auch wenn ich nicht von Absolution sprechen würde - bei "Spiel auf Zeit" aus dem Jahre 1998, bei dem Regisseur Brian De Palma zu seinem Hitchcock-Motiv - könnte man plump meinen - im Sinne des simplen »Suspense« zurückfand und sich Teile von Hitchcocks Konventionen animmt, vermischt mit verschiedenen anderen Zutaten und Einschüben.


Wie gesagt das Konzept ist sicherlich dahinter keinesfalls schlecht - zur Erzeugung von Realismus und Glaubwürdigkeit setzt man auf real-parallel laufende Zeit - heute als typisches »24«-Element bekannt, die Story hingegen bietet wenig neues und scheint leicht abgetreten, dennoch konnte ich mich irgendwie nie ihrem seltsamen Charme entziehen. Palma richtet es auf die Spurensuche aus und auf das stets geliebte Motiv des »Verdachts«, mit Twists und kleinen Wendungen wird hantiert und das im Sinne des Plots ganz ordentlich und letztlich kommt es hierbei auch nur auf die Nutzung des Unterhaltungswertes an, was beileibe zufriedenstellend ausgenutzt wird. Das Prinzip dahinter: Ein Mord. Ein angeschossener Minister. Ein Attentäter. Mehrere tausend Verdächtige. Eine Boxarena. Und unter diesen Vorrausetzungen soll Rick Sanatoro den Mann finden, der hinter all dem steckt und so begibt man sich auf die Jagd und das Spiel auf Zeit möge beginnen. - Ich hoffe kein allzu schweres Prinzip.


So mag De Palmas besonderes Merkmal, neben der extravagant eingesetzten Kameraführung, auf der Echtzeit liegen. Ein sicherlich stets nettes Element, was meinerseits - so schräg ist - doch den gewissen Unterhaltungsgrad anzog. Es sollte auch kein Geheimnis sein das De Palmas Ziel hierbei wahrscheinlich in Hinsicht der Unterhaltung oder »Suspense« lag. Ganz dem Idol nach und so zeigt er sich von seiner trickreichen Seite, inszeniert im Sinne einer stets flotten Mörderjagd, größtenteils platztiert in der Boxarena und lässt seine Tätersuche schmücken mit interessanten Rückblenden, und auch hier kann man in Frage stellen: Was ist Wahrheit und was ist Lüge? Durchaus clever, kleine Täuschungen und immer stets mit kleinen Wendungen als Beilage. Zwischen alldem darf dann noch Nicolas Cage ein wenig Freude mit Overacting verbreiten, doch sieht man ihm den Spaß sichtlich an und irgendwie macht das seine Figur des Sanatoro - auch Cage scheinbar auf den Leib geschrieben - sympathisch.  Daneben agiert Gary Sinise, ungewohnt, aber demnach doch überzeugend als Sanatoro´s Freund und Navyofiizier Kevin Dunne. Stets präsent spielend im Wechsel mit Cage. Irgendwie zum gern haben. Da wirkt Carla Gugino doch eher unauffällig - in jedem Fall besser als störend. Und De Pamla unterhält dazu - wie passend mit klassischen Spannungselementen wendet er sich konsequent an eine Quelle: Die Unterhaltung, was De Palma hierbei meiner Meinung nach doch durchaus gekonnt meistert, denn sonst bietet der Film gerade in Hinsicht des Drehbuch wenig Solidarität oder gar Stärke. Denn so mögen die Charaktere jeweils eher dem typischen Durchschnitt entsprechen und so auch klischeehaft wirken. Es kommt mir so vor als liege die drastischste Schwäche des Films eh am Drehbuch. Denn trotz des hohen Unterhaltungsgrades, den De Palma mir hier schenkte - scheint der Verlauf der Story doch leicht vorhersehbar und mit Konventionen gefüllt - das stört dennoch weniger als man annehmen könnte, mir ging es jedenfalls so.


Denn technisch ist De Palmas Inszenierung mehr als wirkungsvoll und gut gemacht, bedenke man einmal das ohne sichtbare Schnitte gefilmte Intro des Films, welches beeindruckt, und hierbei auch wieder an den großen Hitchcock erinnert, eine kleine Referenz seitens seines Fans De Palma und auch sonst liefert die Kamera eine sehr gute Arbeit, ob mit feinen Bildern oder in Hinsicht der meisterhaften Kameraführung, mit wirklich interessant-faszinierenden Einstellungen und gut gewählten Perspektiven. Rein technisch also wirklich überzeugend zum Nervenkitzel. Angeheizt und abgerundet wird das dann zudem noch rasant-stilvollen Score, welcher durchaus Spannung fördert.


Natürlich bedenke man bitte stets Brian De Palmas Thriller "Spiel auf Zeit" ist in jedem Sektor auf Spannung und Unterhaltung ausgerichtet, was er freilich meinerseits mit seiner souveränen Inszenierung schaffte, da mögen aber klare Schwächen schnell erkannt und kalkulierbar sein, Cage und Sinise zudem aber immerhin ein gutes Gespann. Und auch wenn dies falsch ist somit anzusprechen, so könnte man meinen De Palma versuche das neumodische, vereinfachte und amerikanische »Cinéma de qualité« zu definieren, immerhin es gibt schlimmeres...



                                           6.0 / 10

Autor: Hoffman

Sonntag, 6. November 2011

Klassiker der Extraklasse: Kritik: Scarface (1982)

Was hatte ich nicht alles von diesem Streifen gehört...ein Meilenstein des Gangsterfilmgenres. Ein entscheidender und wichtiger Teil der filmischen Popkultur der 80er Jahre. Ein Kultfilm (wurde berichtet). Und einer der Mitbegründer des modernen Gangsterfilms. So war es also für mich an der Zeit dieses Werk genauer unter die Lupe zu nehmen bzw. überhaupt sich mal mit dem Werk auseinanderzusetzen bzw. es zu sichten. "Scarface", schon der Name mag imposant klingen, mag irgendwie Kraft versprühen, "Tony, das Narbengesicht" aus dem Jahre 1982 von Brian de Palma. Eine Neuverfilmung des Hawks Klassikers "Scarface" aus dem Jahre 1932, der den Aufstieg von Al Capone zeigte.

Trotzdem fällt ein Vergleich zwischen den beiden Werken mehr als schwer bzw. wenn sie an sich überhaupt vergleichbar sind, denn De Palma betrachtet weder Al Capone noch seine Geschichte, sondern lieber die fiktive Geschichte des kubanischen Einwanderers Tony Montana, eigentlich wenn wir es so betrachten den Aufstieg und Fall eines Mannes. Seine Karriere in der Drogenszene. Das mag an sich zwar weder neu noch in irgendeiner Form herausragend sein, doch mag interessieren, eine Story um Drogen und ihre schweren Auswirkungen auf das Leben eines Menschen. Seiner innerlichen Zerstörungen. Die Folgen dessen Konsums, von Feinen umzingelt, man kennt das ja. Das ist die Story von Tony Montana.

Gespielt von der großen Legende höchstpersönlich. Vom großen Al Pacino, der sich hier in echter Hochform befindet. Energiegeladen, kraftvoll bzw. mit unbändiger Kraft übernimmt er seine Rolle. Wirft mit kultigen Zitaten wie "Say hello to my little Friend!", nur um sich. Das es fast schon irgendwie ein Erlebnis seine Ausraster/Wutausbrüche und so weiter (man kennt das ja) zu beobachten. In Nebenrollen tummeln sich dann noch Schauspieler wie eine noch recht junge, nicht minder wunderbare Michelle Pfeiffer, oder Mary Elizabeth Mastrantonio, Robert Loggia und F. Murray Abraham, der Cast weiß in jedem Fall zu gefallen.

Ja De Palmas Regie kann man dann wohl als stark bezeichnen, erzählt knallhart seine kleine "Gangsterballade", recht interessant gemacht der Einstieg in das Geschäft, ein bisschen sehr von der Gewalt beherrscht, durchaus ein drastisches Mittel um Montanas Zynismus zu dokumentieren, auch wenn ich zugeben muss, doch nicht so brutal wie zunächst angenommen. Zwar muss ich sagen, dass ich das Werk teilweise als interessant und spannend empfand, doch am Ende irgendwie auch wieder als relativ langatmig, was ich aber jetzt meiner persönlichen Empfindung zu ordnen würde und meinem Stand zu "modernen", amerikanischen Gangsterfilmen. Lobenswert sollte ich aber noch erwähnen, dass das Finale mich dafür absolut überzeugen konnte, mit unglaublichen Kraft inszeniert, ich würde es somit als die perfekte und packende Abrundung des Werkes sehen. De Palma lässt seine Figur den amerikanischen Traum leben, mag vielleicht ungewollt etwas glorifizieren, wobei das wohl eher Stones Verschulden ist, aber die Zerstörung und der teilweise kritische Ansatz seinerseits bleibt.
Zu der Kameraarbeit, sehr schön bzw. gut fotografiert, die Bilder damals noch sehr modern, poppig, schillernd, prächtig sind die Farben in der Stadt Miami, ordentlich gefilmt, mit einem düsteren und etwas realistisch wirkenden Touch verziert. Hatte irgendwie was. Doch muss ich sagen, dass gerade in der Hinsicht "Scarface" für mich nicht unbegrenzt zeitlos sein kann, trotz seiner tollen 80er-Atmosphäre, da man heutzutage eindeutig bemerkt, dass man vor sich ein Produkt der noch recht "frühen" 80er Jahre hat, aber was ist schon zeitlos?

Weiter zum Drehubuch von Oliver Stone, sollte man schon mal gehört haben, Stones Dialoge erstmal knallhart, voller Schimpfwörter, das ist wie ich schätze Standardvorrausetzung, das kann authentisch sein, muss es nicht, ich für meinen Teil bleibe dabei und sage durchaus, da ich das nur schwer einzuschätzen weiß.  Dazu noch recht, naja nennen wir es mal, solide gezeichnete Charaktere, Tony Montana eine Figur, die vor nichts zurückschreckt egal, ob brutale Gewalttaten oder Anderem, ein echter Anti-Held, mit prägenden Aussichten.
Und zudem sei noch der typische 80er Soundtrack erwähnt, passend eingesetzt, so spürt man wieder das Herz dieser Zeit, was den Film irgendwie sogar für mich popkulturell interessant machte. Übrigens schicker Soundtrack.

Unterm Strich möchte ich dann eigentlich nur noch sagen, dass "Scarface" sicherlich ein sehenswerter Vertreter seiner Gattung ist, mit einem grandiosen Pacino in der Titelrolle, wenngleich der machohafte wie auch zeitweise reaktionäre Ton des Films störend sein können.

7 / 10

Autor: Hoffman