Dienstag, 7. August 2012

Das leanische Porträt des widersinnigen Krieges - Klassiker der Extraklasse: Die Brücke am Kwai




»You make me sick with your heroics! There's a stench of death about you. You carry it in your pack like the plague. Explosives and L-pills - they go well together, don't they? And with you it's just one thing or the other: destroy a bridge or destroy yourself. This is just a game, this war! You and Colonel Nicholson, you're two of a kind, crazy with courage. For what? How to die like a gentleman... how to die by the rules - when the only important thing is how to live like a human being.« - Filmgigant David Lean war in gewisser Weise im späteren Verlauf seines Schaffens bekannt für seine großflächigen Epen, er lieferte noch echte Giganten des Kinos. Markante Höhepunkte der inszenatorischen Größe, wo Bildgewalt sich noch durch Cinemascope ausstrahlen ließ. So austauschbar dieser Anfang meiner Worte auch an sich ist, so zähle ich Leans »Die Brücke am Kwai« aus dem Jahre 1957 dazu. Dieser war anders umschrieben der Beginn der leanischen Epen mit Farbenpracht. Spekuliere ich. Von Sam Spiegel produziert nach dem Roman von Pierre Boulle und als interessanten Fakt mit dem bis dahin größten Bauwerk, das für einen Film je erbaut wurde: Der Brücke am Kwai. Drehtage: Geschätzte 250.




Wie der Großteil späterer Lean also beeindruckt auch dieser einmal durch seine atemberaubenden Aufnahmen und ausdrucksstarken Bilder wie einer an sich schon prächtigen Kameraarbeit. Nichts anderes ist von Lean zu erwarten: Großes Kino. Bild für Bild. Leans Inszenierungsstil wie auch bei späteren Werken wie »Dr. Schiwago« oder »Lawrence of Arabien« ausgedehnt, aber auch mit ironisch-zynischen Unterton.


Zwei Handlungsstränge zur besseren Visualisierung, die Lean zunächst individuell zusammenführt und einfügt, um sie kurz darauf zu trennen und letztlich wieder kreuzen lässt. Stützend auf zwei Charaktere (und zwei Stars): Guinness und Holden. Vorläufig fokussiert er sich hierbei auf jeweiligen von Alec Guinness, während William Holden die süße Freiheit sucht, wobei Lean beide doch gleichgesinnt einführt. So mutet Leans Opus als Kampf des einzelnen Individums gegen die Unterdrückung und Erniedrigung an. Eine feste Gemeinschaft gegen ein despotisches System. Hierbei die unmenschlichen Methoden der Japaner gegenüber ihren Kriegsgefangenen. Eine Parabel?


Auch wenn die Zeichnung jener beiden Parteien nicht immer differenziert von statten läuft, hingegen der einzelne Charakter des Colonel Nicholson (Alec Guinness) sogar äußerst differenziert behandelt  wird, sogar mit psychologischer Tiefe und doch einer ausgeprägten (faszinierenden) Ambivalenz bei der Figur selbst. Der unerbittliche Kommandant, der seine Überlegenheit gegenüber den Japanern durch seinen Zusammenhalt mit seinen Männern präsentieren will, zugleich auf »Genfer Konventionen« beruft und stets die Treue zu den Militättugenden und Sitten bewahren will, das spricht für großen Mut wie aber auch Ignoranz in Angesicht der Lage und so spaltet das Paradoxon darin, dass dieser die Brücke am Kwai erbaut um den Feinden die Größe und Überlegenheit seines Vaterlandes zu repräsentieren.


Die Brücke dient für ihn somit zuletzt als Symbol für den eisernen Widerstand gegenüber seinen Unterdrückern. Jedoch wird ihm sein strikte Obsession zur Wahrung des Stolzes und Würde selbst zum Verhängnis. Guinness mimt dies ohne Frage brillant, entschlossen und eindringlich. Bis vor Schluss mag Leans Film vielleicht auch etwas zu heroisch und dabei fraglich in Hinsicht manches Handlungsstrangs und manchen Antriebsmuster sein, doch enthüllt Lean schließlich auch abschließend: Der Krieg kennt keine Gewinner. Vorher dirigiert er mal wieder mit Leichtigkeit die Massenszenen und veranschaulicht kraftvoll seine Szenerie - wie gesagt jedes Bild goldet die naturelle Kulisse.

Wo man sich im ersten Akt noch auf Guinness richtet, nur nebenher und wesentlich kleiner die Weiterführung von Holdens Charakter Shears in der Schilderung, so übernimmt im zweiten schließlich dieser und führt ihn n die Freiheit und zur Zivilisation. Über William Holden selbst braucht man wenige Worte verlieren, wie immer vorzüglich und scheidig agierend. Charmant -nahezu ein Gegenpart zum strikten und treibenden Guinness. Doch führt auch ihn das Schicksal zurück in die grüne Hölle. Essentiell für späteres Schaffen wie auch zumeist ein standfester Grund zur Referenz anderweitiger Regisseure. Sogar moralisieren tut Lean nicht, ein feiner Kerl.



Ein Wort findet des öfteren Verwendung: Kolossal und erneut kolossal. Beileibe dem möchte man doch nur mit eigenen Worte beipflichten. Überdeckt wird der inszenatorische Koloss noch von der ironisierten Kritik an der Sinnlosigkeit des Krieges, um später diese Kritik fest im Werke zu manifestieren. Lean steigert im letzten Strang mit jeder Minute seine Dramatik - passend demnach ein Score, mit einer Prise Mut, Kühnheit, Kraft und Kampf in der Stimmung und doch zutiefst ironisch untermalt - während man sich durch den unbändigen Dschungel zur Brücke durchschlägt. Abschließend liegt Feuer in der Luft. Das Symbol mit Stolz verbunden. Momente für die Ewigkeit. Die Abrechnung! Die Ketten brechen. Und? Explosion! Guinness Blick bricht Bände. Lean entlarvt meisterhaft. Und am Ende nur Wahnsinn. Der einzige Wahnsinn! Das pure Grauen. Was vorhergehenden so als Militärtugend als weisend erschien, zersträubt sich. Die Erkenntnis zu spät und die Sinnlosigkeit des Krieges - was Lean trotz allem schon betont andeutete, Holden gibt das ausschlaggebende Zitat - unverkennbar. Tod und Ratlosigkeit. Eindrücklich in der Botschaft. Dynamisch und ironisch immer noch der Score, es mag einer Satire ähneln - in dieser großen Tragödie. Der Sinn des Krieges erfolgreich ins ad absurdum geführt.


8.0 / 10


Autor: Hoffman 

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