Sonntag, 8. April 2012

Klassiker der Extraklasse: Die Nacht



Zu allererst ist die Nacht ein Titel, der sich wieder erneut perfekt für meine pseudointellektuellen Interpretationen und Worte eigenen würde. Es ist finster zu sehen und so erleuchtet uns ein Licht in dunkler Nacht. »La Notte« ein minimalistischer wie auch unheimlicher Titel. Er verrät nicht viel. Und dahinter liegt doch ein gewisses Mysterium. Anders gesagt es ist ein Film von Michelangelo Antonioni - La Notte - aus dem Jahre 1960. Der Regisseur mit den ungewöhnlich-faszinierenden Filmen. Fast seltsam, etwas besonderes aber in jedem Fall und insofern bildet sein Werk "Die Nacht" da keine Ausnahme und gehört zudem zu Antonioni´s persönlicher Trilogie über die verschiedenen Formen beim Leben von Paaren. Kurzum sagt er also die weitere Entfremdung zwischen zwei Menschen und ihre somit reflektierte innerliche Leere und gar ihre Unfähigkeit in Hinsicht des menschlichen Zusammenlebens und der Kommunikation.


Dabei schildert Antonioni hierbei die Erlebnisse eines gesamten Tages zwischen einem solchen entfremdeten Ehepaar, dem Autor bzw. Schriftsteller Giovanni und seiner Frau Lidia, deren Liebe wie abgekühlt für einander scheint, mitunter wird bei diesen Ereignissen auch die bereits im Titel verdeutlichte Nacht ein wichtiges Schlüsselelement spielen. In der es letztlich zur inneren »Explosion« der Charaktere kommt und so zur konsequent inszenierten Eskalation der Konflikte. Die Szenen einer Nacht und einer Ehe. Das entfremdete Ehepaar wird dabei herausragend gemimt einerseits vom heiligen Marcello Mastroianni und der wunderbaren Jeanne Moreau. Mastroianni wie immer präzise wie auch überzeugend agierend so auch Moreau auch sie beweist mit subtil-hintergründigem Spiel ihre Glaubwürdigkeit. Man könnte durchaus behaupten, dass allein dadurch Antonionis Werk einnehmend und fesselnd ist. Und so gewinnt Antonionis Film einerseits große Authentizität durch seine beileibe fantastischen Hauptdarsteller, aber auch in Nebenrollen wissen Monica Vitti wie auch Bernhard Wicki als todkranker Freund des Paares zu begeistern zugleich auch zu überzeugen. Diese Michelanglo Antonioni-Streifen sind doch dabei an sich immer sehr gewöhnungsbedürftig. Teils seltsam und teils faszinierend. In jedem Fall sind sie etwas besonderes und so bildet für mich "Die Nacht" insofern keine Ausnahme. Denn auch hierbei wirft er einen fast leeren Blick auf die Einsamkeit des Menschen selbst und analysiert so auch gleichauf seine Charakter hintergründig. Natürlich sein Erzählstil wie sonst auch ungewöhnlich, komplex und anspruchsvoll beziehungsweise nicht zu vergessen gemächlich gehalten, alles andere als leicht zugänglich, aber dabei doch großflächig packend und faszinierend erzählt. Hervorstechend ist hierbei auch Antonionis Bildersprache, die so auch mit einer feinen Metaphorik und interessanter Symbolik verziert wurde, vielseitig interpretierbar. Die Bilder vom großen Kameramann Gianni Di Venanzo wirken ernüchtern und durchaus trist. Der nahezu trostlose Alltagsfrust wird spürbar und die darin erzeugte Atmosphäre zeichnet sich durch ihre glaubwürdige Intensität aus und durch einen Hauch von Mysterium. Hochgradig faszinierend.


Des weiteren wie immer künstlerisch ansprechend und stark gestaltet. Aber einen solchen Film wirklich bei der ersten Beobachtung zu erfassen ist sichtlich kaum möglich in all seiner Auserarbeitung und der kühlen Präzision, die Antonioni hierbei verwendet. Insgesamt sehr subtil und ruhig geschildert. Die verlorene Liebe einer Ehe. Tragisch. Brillant gespielt von allen Seiten, hierbei meiner Meinung nach besonders von Mastroianni und Moreau. Die authentische, virtuos inszenierte wie auch zutiefst ernüchternde Schilderung einer Eskalation der Entfremdung, das ist »La Notte«.


9.0 / 10

Autor: Hoffman

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