Dienstag, 31. Juli 2012

Ein melancholisch-vergnügter Zombieritt des Altmeisters Romero - Kritik: Survival of the Dead



»Survival isn´t just for the Living.« - George A. Romero scheint mir als Regisseur immer aufgeschlossen zu sein sich stets neu im Zombiegenre zu erfinden und auch stets seinen Zombie zu definieren, ob dies nun als Steigerung wie im Falle seiner »Living Dead«-Quadrologie (ja zu der ich auch »Land of the Dead« zähle) oder kleinen Gefilden seines favorisierten Untoten. Mit »Survival of the Dead« begibt sich Romero nun bereits zum sechsten (und bisher letzten) Male im Jahre 2009 auf die Spuren der Gesellschaftsanalyse und des schönen Stück verwester Überreste - und immer noch so frisch und offenherzig wie beim ersten Mal, obgleich sein »Survival« hierbei mit dem Vorgänger »Diary of the Dead« einem eigenen Filmuniversum zu zuordnen wäre. Insofern ließe sich dieser Romero als Spin-Off seines Vorläufers sehen, in dem er eine von dessen Nebencharakteren (Romero hilft weiter: Ein sagenhafter Auftritt von 30 Sekunden) seine eigene Geschichte spendiert und nobel den Bezug nimmt auf »Diary« und zuletzt auch beweist, dass ihm selbst ein Genrewechsel gelingen mag - den sich Romero schon immer wünschte - in Form eines Western.



Mit einer erneuten Definition des Zombies im schussbereiten Colt. Dies bezüglich lässt sich wohl auch Romeros Intention am Projekt deuten. Insofern mutet »Survival of the Dead« als zombische Western-Hommage an sowohl mit rauchenden Colts, flüchenden Pferden als auch mit bekannten Motiven eines solchen Genres. Zudem setzt die Kamera auf flächige Weitwinkelaufnahmen während auch Romero seine Dramaturgie eines Western gar nicht so unähnlich ist. Und Shoot-Outs verzieren Romeros Film wie goldenglänzende Äpfel.

Romeros hintergründige und zugleich gewitzte Intention -»Der Western ist nicht tot!«  - Er ist untot! Doch bleibt dies sichtlich nicht Romeros einzige Motivation, denn wo er noch bei seinen Anfängen eine bestimmte Regierung und dessen Gesellschaft analysierte, scheint hier Romeros Ambition an universellen Beleuchtung des Themas zu sein, was daraus profitiert ist seine Betrachtung zwei verfeindeter politischer Systeme (auch als symbolischer Urkampf Republikaner gegen Demokraten), obgleich es Romero dabei unterlässt in irgendeiner Form eine Partei der Beiden vorzuziehen.

Dieses Szenario reflektiert Romero wiederum auf seit Urzeiten verfeindete Clans - klassisch mit Legendenstatus und doch weiß niemand woher dieser Verfeindung rührt? - Romero richtet dabei seinen Fokus auf den Verlust der Kommunikation und der Banalisierung der Situation. Krieg, statt einem Wort (und doch schon Carl Theodor Dreyer definierte die Achtung vor diesem) zu wechseln.

Dadurch enthüllt sich schnell, dass Romeros Fokus hierbei erneut auf dem Menschen selbst liegt. Der Zombie wird dienlich als Hintergrundfigur und um auf eines neues Romeros Gesellschaftskritik zu äußern, welche er wohl dosiert einsetzt, in dem er sowohl die Klassengesellschaft kritisiert als auch einen geschichtlichen Kontext zur amerikanischen Geschichte zieht in Hinsicht der Sklaverei. Selbstredend metaphorisch und stets blutigen Augenzwinkern. Georges politisches Interesse wie auch den Konflikten des Menschen ist geweckt.

Der eine sieht die Gefahr im Zombie, der andere den Nutzen. Denn was wäre wenn man sie schulen könnte? Sie versklaven könnte? Sie symbolisch zu Nutztieren machen könnte? Sie manipulieren könnte und somit lehren könnte das Fleisch der anderen zu verzehren - nicht unerheblich vielleicht für Romeros folgende Werke - Romero kommentiert oftmals zynisch darauf - denn der eine mag den Nutzen sehen, kann sich demnach aber auch nicht von seinem Materialismus befreien und so nicht der Zukunft entgegen blicken - während der andere sich auf Kompromisse einstellt, aber der wiederum einzig von der Gier getrieben wird. Weder gut noch böse - keiner von beiden. Es sei Romero - mal wieder - gedankt, dass er eine eindeutige Zeichnung bei all seinen Charakteren unterlässt und zur liebevollen Ambivalenz greift. Zwiespältig - beobachtet er jeden von ihnen.





Es ist wieder eine erneut Demontage verschiedener Blickwinkel des amerikanischen Traums. innovative Ideen seitens Romero zur Definition des Menschen wie Zombies. Aber auch altbekanntes findet Einzug wie Romeros mittlerweile fortschreitendes Motiv der Gruppierung, die sich mit der Veränderungen der Welt auseinandersetzten muss und auf eigene Füßen gestemmt ist - Regierung und Gesellschaft scheinen nicht mehr existent in Romeros Szenario - mit Bezug zum eigenen Schaffen, Romeros Selbstironie in Hinsicht der Emanzipierung ist köstlich. Hierbei (mit »Day«-Referenz) mit einer stereotypischen Gruppe von Soldaten, samt charmant-zynischen Sergeant (charismatischer Hugh-Jackman-Ersatz: Alan Van Sprang), die sich zwischen den Fronten sehen.

Trotz allem wirkt Romeros Regie so frisch und voller Elan wie sonst auch. Es mag vielleicht ein Trugschluss sein, doch wie ich das anhand von Ausschnitten bewerten kann ist »Survival of the Dead« somit auch ein Gegenstück zu »Diary«, wobei hierbei Romero stets besonders auf schwarzhumorige Sequenzen und trockenem Humor setzt, aber genauso mit ironischen - zumeist sogar selbstironischen! - Brechungen kontert und mit vielseitigen Referenzen auf seine eigenen Filme. Oftmals das Genre durchzitiert und liebevoll dem Zombie genährt - Bissig - also im ambivalenten Sinne.

»Romero just wanna have fun«. Dies wird von Romero auch markant präsentiert von der Figur des undurchsichtigen O´Flynn (herrlich: Kenneth Welsh), einer der beiden Ignoranten, die nicht Einsicht gewähren wollen in ihrem Zwist. Romero betreibt wieder ein cleveres Spiel mit den Klischees und verzichtet nicht auf popkulturelle Phänomene und Anspielungen, sichtlich in der Rolle des prävisionären Jungen »Boy« (Romero mag es einfach; passend: Devon Bostick), um dies wiederum ironisch zu kommentieren. - Romero, der alte Schelm. Immer dem zeitlichen Trend entgegen.



Kurzweilig. Obgleich natürlich dieser nicht unbedingt in jeder Hinsicht lupenrein sein möge, ein paar kontinuierliche Schwächen in der Dramaturgie und manch künstliches Stilmittel, die Romero aber doch weiß zu überdecken und ich bitte zu bedenken, trotz allem ist es Romero zugleich zu verdanken, dass sein Film insofern nicht überambitioniert wirkt. Schnell erläutert, also wird argumentiert, dass dies ein kleinerer Film seinerseits ist. Ja, mit Schwächen. Der des weiteren auch in Bezug als Abwechslung zu seinem Werken dienen soll. Man könnte sagen, dass somit »Survival of the Dead« als Fanfilm aufzufassen wäre - nicht umsonst referiert er vielseitig die Splattermomente, obgleich er dabei das Motiv der Sehnsucht im Ausdruckt sucht. Romero - als ewiger Humanist. Als ewiger Kämpfer gegen alle Konventionen. Mit der eigenen Nase stets vorraus. Ein Mann zum Verlieben, der die eigene Alternative sucht. Das Schlussbild schließlich, das einer klangvollen Melancholie - Fassbinder wäre erfreut gewesen.



7.0 / 10

Autor: Hoffman

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