Donnerstag, 12. Juli 2012

Spotlight an und die zynische Subversion eines Verhoeven - Kritik: Showgirls



»Warum willst du nach Vegas?« - »Um zu tanzen!« - Mit dem Prinzip: »Erfolg ist das Ziel« verfolgt Paul Verhoeven mal wieder seine ganz eigenen Intentionen. Verhoeven ist weder angepasst noch beugt er sicht oftmals irgendwelchen Konventionen und begibt sich oftmals in die tiefen Abgründe seiner Filme selbst und treibt meist seine Zuschauer an ihre Grenzen, weiß sie aber zugleich zu unterhalten mit seinen subversiven Mitteln - das macht sein Schaffen ja gerade für mich so schwer zu beurteilen. "Showgirls" aus dem Jahre 1996, der stets verhasste und zum Teil doch dabei für mich stark unterschätze Verhoeven. Voyeurismus als Anklage. Pornografie als Urteil. Und der Preis (Die Himbeere) als Todesschlag. Das Gerede: Allein auf seine sexuelle Begierde bedacht. Als Machwerk bezeichnet. Jedoch mag "Showgirls" weitaus cleverer gedacht sein als mancher von ihm meinen könnte. Man denke bitte dabei stets - es handelt sich hierbei um einen Verhoeven Film, weshalb er somit die Missachtung vieler Filmfans zu Unrecht trägt. Man kann nur spekulieren, was "Showgirls"an dieser um so vieles verachtenswert macht, vielleicht ist es Verhoevens Direktheit in der Inszenierung oder gerade nur der doch recht obskure Schauplatz in die abgründigen Gefilde und die spezialisierten Seiten und Clubs von Las Vegas.



Im Grunde ist das Schema, welches Verhoeven anwendet, auch kein anderes als im Jahr darauffolgenden "Starship Troopers". Nur wesentlich spezialisierter in seiner Inszenierung und doch zugleich eine Referenz an Eve und  Joseph L. Mankiewicz. An »All about Eve« - wohlgemerkt. Schon an präzisen Stücken der Handlung deutlich kenntlich und nicht ohne Hintergedanken von Verhoeven. Zumindest scheint es mir so. Das Prinzip dasselbe. Eigentlich sollte man somit "Showgirls" wahrscheinlich auch mehr als kuriose Mischung zwischen seinem vorhergehenden "Basic Instinct" und dem späteren "Starships Troopers" sehen. Besonders zu "Starship Troopers" verwendete doch Verhoeven denselben Stil?

Warum dieser dann doch größtenteils wesentlich positiver aufgenommen wurde und teils honoriert wurde - auch wenn er (wie fast jeder Verhoeven) polarisierte - will ich nicht ganz verstehen. Auch hier begibt sich Verhoeven dicht an die Grenzen seiner Werke. Polarisiert und dringt dicht ein in die Abgründe - offensiv rechnet er absolut subversiv mit dem eiskalten Showgeschäft ab. Jedes noch kleine Klischee wird von Anfang an durchexerziert und Verhoeven nimmt bekanntlich darin auch keine Gefangenen. So dicht, dass es beinahe schon irgendwie schmerzlich ist. Zynisch - brutal in seiner radikalen Inszenierung. Stets überspitzt, mit Augenzwinkern, bitterer Ironie, einem beinen exzessiven Charme und teils dadurch auch durchaus amüsant als gehässige Satire auf die Welt hinter dem Rampenlicht.

Dazu das im Grunde ja prototypsierte Etwas von Klischee: Das blonde Naivchen, welches Karriere machen will in »Viva Las Vegas« und schnell bemerken soll, dass ein Scheitern vorrausgesagt wird, desillusioniert wird um nicht aufzugeben, um ihren Traum zu leben - schimmernd die Fassade, doch hinter dem Glitzern ist es eine Welt ohne Gnade. Ein knallhartes Geschäft, einzig auf den großen Profit ausgerichtet. Die Darsteller passen sich an, Kyle MacLachlan sticht hervor zwischen kühler Stimme und feurig-flammender Liebhaber - durchtrieben.

Verhoevens wunderbare Stereotypen, die man satirisch überzeichnet zwischen Eifersucht, Ehrgeiz, Gier, Neid und einer konfliktreichen Hassliebe. Herrlich - auch wenn Verhoevens Film dabei mir stets zwischen purer Antisympathie und Sympathie hin und herschwang. Aber dies sind schließlich die Elemente, die Verhoeven prägt und hierbei vollkommen auslotet. Dämme werden gebrochen  und Konventionen gekonnt missachtet. Verhoeven halt. Ganz eigensinnig.

Sein Blick hinter die Fassade so ambivalent wie faszinierend und exzellent ausgestattet auf seine ganz eigene Art schmutzig, schmuddelig, dreckig zugleich aber auch von prächtiger, blendender und etwas übereifriger Bildersprache - sichtlich mit trashigen und schmierigen Ambiente, so aber deutlich mit Verhoevens deutlicher Handschrift. Jost Vacano führt die Kamera mit schonungslosen Blick und Verhoeven versteht es seine satirische Abrechnung mit dem symbolischen »Affenzirkus« anzutreiben und somit die sexuellen Ausschweifungen vollends abzuzeichnen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Verhoeven reizt die sexuellen Antriebe aus, bis er sie schließlich - intensiver und exzessiver denn je - im Swimming Pool feucht entlädt (mit wildem MacLachlan). Eine Königsdisziplin.




Und auch wenn ich sichtlich nicht gerade als Befürworter jener Stilmittel von Verhoeven bin, so muss man Verhoevens Werk eine gewisse Virtuosität eingestehen, eben ziemlich eigenwillig, aber das war Verhoeven doch schon immer. An sich nicht zuletzt dadurch auch schwierig zu bewerten. Da eindrucksvoll geschildert und zynisch abgerechnet wurde. Die Krönung folgt zum Schluss mit tragischer Vergangenheit und geschundener Melodramatik. Bezaubernd. Also eine »Eve« mit Bad-Taste? Gerne doch. Am Ende wird noch zuverlässig gedankt, den »Ladys and Gentlemen«, ein Kuss zur Versöhnung und ein letztes »Darling« und man schreitet auf zu neuen Sphären und begegnet alten Bekannten. Schöner kann ein Film nicht enden oder? »Because the Show must go on«.



6.0 / 10

Autor: Hoffman

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