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Freitag, 26. Juli 2013

Hitze, Kälte und Danny Boyle im Weltraum - Kritik: Sunshine (2007)




So kann es eben auch manchmal laufen: Da will man noch kulanter, als man eh schon ist, erneut auf einen Film blicken und dann passiert so etwas, man findet am Endprodukt noch mehr Mängel als zuvor. Pech gehabt, lieber Danny Boyle! Das ist wohl eine Laune des Schicksals. Aber das soll hier ja ein konstruktiver Beitrag werden, am Anfang also immer positiv denken: Ich spreche von den Bildern und von der Kamera, die um das Raumschiff schwebt oder eigensinnig durch die Gänge des Raumschiffs streicht oder einfach nur die Protagonisten beobachtet, auch wenn das zeitweise etwas unkoordiniert oder eben nur etwas sprunghaft geschnitten wirkt. Die Ausgangssituation der sterbenden Sonne, bei der Boyle auch Vorbilder von »Alien« bis »Event Horizon« (und dazwischen jene Werke von philosophischer Natur) modelliert, verpackt er visuell äußerst passend, er suggeriert zunächst Ruhe, Stille und Stillstand, der Weltraum ist lautlos geworden. Die Optik hat den Stil inne, die befremdlichen Bilder spalten sich, sie sind steril und vielleicht maschinell im Raumschiff, die Kälte regiert. Es fehlt diesem Universum an Wärme. Die Sonne selbst bildet den Gegenpol der Hitze, der Flammen und der Verbrennung.



Das visualisiert Boyle auf eine spannende Weise. Es sind jeweils zwei Extreme, die tragend in seiner Inszenierung sind: Die Bestandteile von Feuer und Eis wie auch von Licht und Dunkelheit, um somit auch sein Thema von Menschlichkeit, Barmherzigkeit und dem Verlust der Menschlichkeit durch die bestechenden Bilder zu verdeutlichen. Pochend, pulsierend und pumpend ist dazu John Murphys Score, hier fügt sich alles ein. Diese Kombination von Bild und Musik ist schlichtweg außerordentlich, ob in Schwerelosigkeit des Weltalls oder in der Einsamkeit des Films selbst. Denn hier kommt es zum schwerwiegenden Problem des Films: Er ist mir zu distanziert oder besser gesagt Boyles Betrachtung seiner Charaktere ist mir zu distanziert, sie sind beinahe schon undurchdringlich, trotz durchaus prominenter Besetzung (was nun auch kein Siegel für Empathie ist) und gewisser emotionaler Ausbrüche ihrerseits. Es ergibt sich für mich aus ihnen nie ein Gesamtbild ihres Charakters, sie sind nicht klischeehaft, sondern für mich viel eher gehaltlos und größtenteils flach geschrieben, da kann Michelle Yeoh ihre Blümchen auch noch so lieb haben; aber das ist ja wenigstens noch ein Ansatz. Und natürlich ist Cillian Murphy in der Hauptrolle engagiert, er will ja, leider gibt auch seine Figur, die mich übrigens in ihrer Aufopferungsbereitschaft (und auch ansonsten) stark an die Hauptfigur aus Boyles »28 Days« erinnerte (ebenfalls von Murphy gespielt), nicht viel her. Außer, dass durch sie Boyle kurz seine Themen von Humanität, Unmenschlichkeit und Entmenschlichung anreißen kann, mit Fragen wie: Wie viel ist ein Menschenleben wert? Ein Leben als Opfer für das Wohl der gesamten Menschheit? Wirkliche Tiefe erreicht er bei der schlichten Abhandlung dieser Fragen, die genauso schnell wieder verschwinden wie sie auftreten, nicht.



Nun zum letzten Punkt meines kleinen Gedankenspieles: Ich habe mich immer gefragt (das heißt das eine Mal gefragt), was dieses letzte Drittel sollte? Was steckt dahinter? Welche Diskurse führt Boyle da? Wohin führt er einen? Jetzt habe ich erkannt: Das ist vollkommen ohne Belang. Es passt einfach nicht. Es ist deplatziert, es ist diffus und es gefällt mir nicht, ob Danny Boyle da nun über Gott, die Welt und Sternenstaub spricht, ist mir dann auch absolut egal. Der Inhalt ist ab diesem Zeitpunkt einfach nur noch Banane, vorher mag er zwar auch recht bescheiden gewesen sein, aber da stimmte wenigstens die Verpackung. Die Dezimierung der Protagonisten fällt dazu sowieso ziemlich lieblos aus, in seiner chaotischen und verschwommenen Mystik halte ich diesen Abschnitt einerseits für trashig (für das was Mark Strong da abzieht) und andererseits für konventionell (immer diese selbstlosen Helden), Beigeschmack inklusive. Ich möchte trotz allem ergänzen, dass Boyles Werk ambitioniert und auf eine seltsame Weise (vielleicht auch gerade wegen mancher Defizite) interessant ist als persönliche Genreinterpretation (bzw. Variation; dabei natürlich mit Versatzstücken versehen) des Regisseurs. Dennoch bleibt es dabei ein unförmiges Endprodukt.



5.5 / 10

Autor: Hoffman  


Mittwoch, 20. Juni 2012

Spezial-Ausgabe: Die filmische Zombie-Autopsie


Romeros Anfänge und der Beginn des modernen Zombiefilms. Frankenstein-Motiv aus »Night of the Living Dead« 


Achtung: Ich bitte zunächst zu beachten, dass dieser Text sich weder auf Faktentreue noch auf sonstige, erwiesene Theorien stützt, sondern einfach nur der Fantasie seines gestörten Autors entsprungen ist. Mich bewegte nun schon lange eine Frage. Die Frage, die mein Leben für immer hätte verändern können: Was ist eigentlich mein Lieblingsungetüm im Horrorgenre? Ich glaube, nun kann ich diese Frage mit einem Stück beantworten. Mit einem Stück untoter Überreste, dem Zombie. Ja der Zombie hat schon eine lange, lange und noch längere Geschichte hinter sich, auch wenn im heutigen Bestreben er das modernste Monster von allen ist, naja nicht ganz. Und zunächst begann alles mit Voodoo und dem willenlosen Auferstandenen aus dem Reich der Toten, gezwungen seinem Meister zu folgen, dies nahmen Regisseure wie Jacques Torneur gerade zu wörtlich und verinnerlichten diese Philosophie in Filmen wie »I walked with a Zombie« (1942) oder im expressionistischen Sinne noch weitaus früher in »Das Cabinett des Dr. Caligari« (1920), wobei dieser die Gestalt des Zombies nur andeutete.

Night of the Living Dead (1968)

Dawn of the Dead (1978)
Und noch ein Zombie. Mit tiefer Tragik im melancholischen Blicke zurückblickend  an die alte Zeit als Lebender. Zutiefst bedrückend.


Romero beweist grotesken Humor bei »Dawn«

Zombi 2 - Schreckensinsel der Zombies (1979)



Doch im Gleichnis des heutigen Zombies, waren diese nie. Bis er kam! Wer? George A. Romero! Der Heilige! Der Mann mit den fragwürdigen Visionen. Der definierte diesen auf Anhieb völlig neu, mit »Night of the Living Dead«, dieser Schelm! Weg von Voodoo und Sektenkult. Hin zur Gesellschaft, der Romero wird einfach symbolisch und stellt den Zombie nicht nur als blutrünstige Bestie (wie derzeit häufig) erstmals dar, sondern auch als Reflexion der Minderheiten der Gesellschaft, die es zu meiden galt und welche sich Schlag auf Schlag vermehren. Ohne Rückhalt. Der Zombie der Moderne war geboren. In Spanien setzte man währenddessen sich mit reitenden, schwimmenden und gewünscht hatte ich mir ehrlich gesagt auch immer fliegende Leichen auseinander, aus letzterem wurde nichts. Und Romero hörte nicht auf. Keineswegs. Der definierte konsequent weiter, in »Dawn of the Dead«. In welchem er dem Zombie sogar eine feine ausgeklügelte, ironische Seite gab, aber dennoch klar erläuterte: Dieses Ding ist nicht zum Spielen da, das beißt. Wobei dieser auch den Maß prägenden deutschen Titel »Zombie« bekam. Und damit brach mit diesem Werk letztlich eine regelrechte Epidemie von Zombie-Filmen aus, die sich aber auch schon nach »The Night of the Living Dead« in gewisser Form zeigte. The Style is it. Und den hatte der Zombie, wie ein Feuerregen produzierte man jene Filmgattung und ja das brachte selbst Lucio Fulci auf große Ideen (Exemplar:»Zombi 2«) , der zwar wiederum teils auch zum Ursprung des »klassischen Zombies« zurückkehrte, aber immer eins klarstellte: Zombies sind bösartige, zugleich blutrünstige Bestien, die kein Erbarmen kennen, ob sie am Glockenseil hingen oder ein Haus an der Friedhofsmauer stürmten, darauf reagierten die netten Mensch von der Jugendschutzbehörde gar nicht so freundlich. Während Romero seinen Kreis um den Zombie schloss in Hinsicht seiner »Living Dead«-Trilogie mit dem Film »Day of the Dead«, in dem uns Romero eine pessimistische Sicht der Zukunft vor Augen führte. Erneut definierte er und dieses Mal zeigte er uns auch die tragische, die menschliche Seite des Zombies, zeigte er ist lernfähig, wobei somit Romero erstmals wirklich etwaige Parallelen zwischen seinem Zombie und Mary Shelleys Frankenstein aufzeichnete, doch dies ist spekulativ. So betrachtet wandelte im selben Jahr (1985) die Frankenstein-Neuinspiration »Re-Animator« auf diesem Pfade, es darf also fleißig interpretiert werden. Doch wurde es nach Romeros Abschluss der Trilogie über viele Jahre qualitativ still um den Zombie, meines Erachtens. Wes Craven berief sich mit seiner »Schlange im Regenbogen« (1987) auf die Wurzeln des Zombies, mit netter Beilage des Voodoookkultes, zudem stapelten sich derweil die Fortsetzungen erfolgreicher Reihen und zumindest die deutschen Titelverleiher schienen in der Hinsicht vollkommen durchzudrehen, im Angesicht der Lage. Das heißt es gab sicherlich unzählige B-Movies, obgleich sich die meisten davon irgendwo zwischen Abklatsch und Parodie ansiedeln ließen und das Subgenre des Zombiefilms war demnach auch schwerer im Plenum zu deuten, ob bei der filmischen Granate »Braindead« oder kleinen Meisterstücken wie »Dellamorte Dellamore«, schwierig zu distanzieren. Es seie jedem selbst überlassen.

Day of the Dead (1985)


Land of the Dead (2005)


Die Tragik des Todes - The Walking Dead (2010)

Auch in Serien wird Gott Romero zitiert und genauso perfide gehuldigt


Im neuen Jahrtausend angekommen zeigte sich der Zombie dieses Mal von einer völlig neuen Seite und insofern stellte Regisseur Danny Boyle den Modus auf eine entwachsene Fassung des Zombies, dem Infizierten, mit »28 Days Later«. Bei der sich Boyle neben einem realistisch angelegten Schauplatz, eine neue Definition des bekannten Filmmonsters schuf, auch wenn sich trotz Infektion dieser Virus wahrscheinlich nicht allzu sehr durchsetzte, wie Romeros Definition, dies minderte weder den Erfolg noch die Tatsache einer Fortsetzung (28 Weeks Later). Einen Boom löste hingegen wieder das Remake des Romero Klassikers »Dawn of the Dead« (2004) von Zack Synder aus, der Anbeginn einer Welle von Remakes, Sequels und weiteren Worten, von denen ich nicht weiß was sie bedeuten. - Romero fand den Snyder gar nicht so rossig, dass Zombies rennen - Endlose Produktionen, unter denen auch Romero sich erneut die Ehre gab seine Zombies ins Licht zu führen. Zugleich setzte Edgar Wright mit "Shaun of the Dead" aber auch einen durchaus bedeutenden Eckpfeiler (ich liebe das Wort: Subjektiv) der Zombieparodie, gleichzusetzten mit Hommage an die Filme Romeros. - Romero dankte sichtlich. Zusätzlich scheint man faszinierenderweise den Zombie immer weiter in abstruse Gefilde zu führen, das gehe von nationalsozialistischen Auferstandenen bis zu strippenden Zombies, derweil freue ich mich auf die kommunistischen Zombies. Aber auch Serien (nach Comicvorlage) folgen dem Trend des neuen Zombies und wissen durch vielerlei Referenzen und Versatzstücke aus der Vergangenheit zu verzücken, hier im Falle von »The Walking Dead« , die den Zombie zwischen moderne und Romeros Interpretation anlegt (Bezeichnung: Walker), jedoch immer noch ein innerlich zerrissenes und tragisches Monster, es wird viel zitiert und ehrwürdig gedankt. Ja, der Zombie mag eine äußerst lange Geschichte hinter sich haben und wer jetzt noch denkt dies hier wäre alles gewesen, dem möge gesagt sein: Dies war erst die Kurzfassung, oberflächlich, plakativ und sinnentleerend von mir, allein die äußere Gestaltung und die Veränderung im zeitlichen Kontext bringe insofern genug Platz für weitere Autopsien, doch belassen wir es hierbei und das Leben geht weiter, das beweist dieses Stück verfaulte Kadaver. Es beginnt wie es endet...mit dem Zombie.


Autor: Hoffman

Sonntag, 4. März 2012

Kritik: Slumdog Millionär


Schwierig, schwierig. Einer dieser Filme, wo ich mir selbst nicht helfen kann, ich bin gespalten was Danny Boyles Oscar-Hit (prämiert mit jenen 8 und eigentlich vorher als Außenseiter gesehen) "Slumdog Millionär" aus dem Jahre 2008 angeht, basierend auf dem Roman von Vikas Swarup. Gehe ich nun nochmal in mich und so nun zu meiner Erwartungshaltung, welche ich nun anfangs nicht wirklich bestimmten konnte, denn einmal bin ich ein großer Boyle-Sympathisant und andererseits muss ich ich doch nervös zucken als ich von jenem Inhalt des Film lass. Und doch habe ich eine Schwäche und zwar dieses mitreißende Gefühl, das ich nicht beschreiben kann, welches sich mir bei dem anfänglichen Bildern bereits enthüllte. Bezaubernd. Boyle enthüllt uns/mir ein Märchen ohne Grenzen und doch bin ich wie gesagt insofern erstmal mir selbst bei diesem Film etwas unschlüssig. Und nun folgt eine schwierige und vermute weitaus weniger plausible Auseinandersetzung, deshalb bitte ich um Vergebung meinerseits.


Die Story zugegeben wirklich nett ausgedacht, "Wer wird Millionär" in Indien, nicht schlecht und die Ausganssituation zwar irgendwie banal, aber darauf legt es Boyle anscheinend nicht an, denn gerade hier beschäftigt sich Boyle mit den großen Thema der Liebe und die Wege zu jenem Glück, mögen sie noch so abstrus sein. Und so seltsam des klingen mag, aber versucht in jenen Kontext doch seine Realismus miteinzubringen. Und wer liebt nicht die Leier des Einen, der hinaus ging um Millionär zu werden und die Liebe zu finden, bei der indischen Version eines Günther Jauchs, so stellt man sich Träume vor. Es geht um den Slumdog Jamal, ein Junge aus den Slums, bei der berühmten TV-Quizshow "Wer wird Millionär" und so seltsam (ich wiederhole mich) das ist, er zeigt sich allwissend und es beginnt wo es endet, zu viel des Glücks ist auch nicht gut. Es beginnt mit einem einfachen Verhör mit radikalen Mitteln, und Jamal wird für einen Betrüger gehalten von dieser Position aus und mit Hilfe einer Aufnahme der bisherigen Ereignisse der Show, beginnt Boyles Film und insofern ist der Weg auch mit faszinierenden Rückblenden gepflastert. Um zu erfahren, wie ein Slumdog, solche Fragen beantworten kann...auch wenn mir dabei auffiel, dass das Zufallsprinzip hierbei wohl eine große Rolle spielte und Boyle fast irgendwie etwas manipulativ inszeniert. Und allles steht im Zeichen der Liebe.

Ich möchte Boyle nicht verübeln, dass er ambitioniert arbeitet und sein Film einerseits eine Hommage an Indien darstellen soll, an die Kultur, und teils auch an Bollywood was sich auch in den geäußerten Gefühlen der Protagonisten widerspiegelt, andererseits versucht sich Danny Boyle kritisch im Umgang mit Indien und dessen Situation, jedenfalls anfänglich, und gerade das treibt mich nun in einen gewissen Konflikt, denn einerseits hat sein Film durchaus kritische Seiten und Züge, dennoch reduziert sich andererseits jener Teil durch den Einsatz des Märchen-Effekts, alles wunderbar und schön zu bewundern. Mit Gut und Böse. Man spürt schon wie das Feel-Good einem den Nacken hochklettert. Insofern irgendwie fragwürdig, würde ich meinen? Oder sollte man es gar nicht aus dieser Position betrachten, ich bin da etwas ratlos. Denn zur Märchen-Funktion, welche ich an sich gar nicht so verurteilen will, da so doch auch eine gewisse Sympathie zum Film entstand, wäre da nur nicht jener Versuch zu erschüttern, zu kritisieren oder gar das Ganze glaubwürdig zu lassen, originell massgeschneidert ist diese Lovestory immerhin. Nur sehr weit weg vom Realismus meiner Meinung nach wie es geht, aber war das überhaupt Boyles Ziel. Denn im Sinne des Märchens ist Boyle Film doch recht gut und hübsch zu betrachten, besonders anfangs mit einem echten Rausch an Bildern, wirkt die Kindheit größtenteils (ich vergaß insofern ernsthaft jene tragische und bedrückende Seite) süß und herzlich abenteuerlich, irgendwie geht das zu Herzen. Zudem im späteren Verlauf mit leicht-lockeren Humor erzählt, sehr charmant. Dazu noch große Romantik wie man sie in einem Bollywood-Streifen finden könnte, fand ich recht interessant. Dahinter will man aber wie ich meine ein ernstes Thema behandeln und in der Hinsicht ist beides wirklich kaum vereinbar für mich.Wie gewichtet msn das? Zwischendrin gibt es noch ein wenig "Wird wird Millionär" - mit einer beileibe wirklich dämonisch-liebevollen Version eines Günther Jauch (gekonnt, arrogant und hinterhältig: Anil Kapoor), ehrlich gesagt den mocht ich von dem Ausmaß der Charaktere wirklich am liebsten, ich weiß nicht warum, aber irgendwie faszinierte mich dieser durchaus klischeehafte Aufbau jener Figur, der war wiederum wieder so korrupt-manipulativ, was an sich jeder Logik den Rücken kehrt, da musste ich den glatt gern haben. Auch wenn diese Rolle eigentlich so genommen, absolut banal und unplausibel ist, seis drum. Dev Patel überzeugt insofern größtenteils als Jamal, hat seine Momente. Während Freida Pinto für mich durchweg, von der Kamera zwar glänzend eingefangen wurde, jene bleibt trotz magischen Eingreifens blass.


Bei diesem Film kann ich mich wirklich nicht entscheiden, was ich davon halten soll. Soll ich ihn mögen für seine süße und durchaus bezaubernde Erzählweise? Oder ihn verurteilen ihn hassen für seine durchaus vorhandene manipulative Art oder versüßte-kritische Seite, die durch den Zuckeranteil jener wirklich schädigt und so die Brutalität und Realität, die Boyle vielleicht zeigen will, jenseits der Wolken entflieht. Ich verstehs nicht. Leider bin ich Optimist und so noch ein wenig Lob meinerseits, welche sich immerhin die Kamera verdient und ja durch hübsche Bildchen bin ich stellenweise sehr leicht manipulierbar, aber wie ein Rausch voller Lebensenergie und insgesamt wirklich atemberaubend gefilmt, einfach bezaubernd. Berauschend, bunt, feierlich. Sehr schön, sehr ästhetisch. Aber zu den Fragen, die mich nicht loslassen,  Märchen statt Realismus? Will Boyle hierbei zu viel? Ist die Welt im Angesichts des Elends und der Armut in Indien, welche man hier teilweise dokumentiert (dies aber immer noch mit positiver Kraft), ein riesiges Stück Zuckerwatte, kann ich das insofern mit der Aussage des Films vereinen, ist das kompatibel? Eine eindeutige Antwort kann ich im Moment dabei wirklich nicht fällen.


Was soll ich da sagen, einerseits überfällt mich einerseits des Gefühl der positiven Energie des Werks und seine optische Wucht, einschließlich manch starker Sequenz, andererseits wenn ich dann doch zweitweise etwas länger drüber nachdenke kommen mir doch bisweilen solch kritisch angehauchte Gedanken, ob im späteren Verlauf pappigartige Charaktere oder dieses oft bereits ewige Konflikt in Hinsicht des Films. Mensch, wie soll man da ein wirklich eindeutiges Urteil geben, ob nun uninteressant, passabel oder doch noch sehenswert. Das ähnelt einem Lottogewinn, doch ich bin wie gesagt Optimist und versuche stets das Gute in Filmen zu sehen, das oder so ähnlich. Und wenigstens beschäftigt mich dieser Film doch, in jener Auseinandersetzung, könnte man als irgendwie positiv verbuchen, irgendwie. Seltsam. Und so insgesamt irgendwie ganz gut. Muss man nicht verstehen.


                                           6.5 / 10

Autor: Hoffman

Sonntag, 26. Februar 2012

Kritik: 28 Days Later


 

"Zuerst stand es in den Zeitungen und von Anfang an wusste man, es war anders. Denn es geschah in kleinen Dörfern, Vororten und dann war es nicht mehr im Fernsehen. Es war draußen auf der Straße, es kam durch dein Fenster."



Der Zombie-Film ein weit verbreitetes Milieu im Horrorgenre. Viele Anhänger, viele Filme, viele grässliche Untote. Meist George A. Romero als Meister der Zombies. Auch wenn das Genre des Zombies etwas abgetreten ist und man sich heutzutage eher anderen Figuren der Finsternis widmet, so bleiben Zombie-Filme stets präsent. Auf der anderen Seite hätten wir nun Kultregisseur Danny Boyle, dessen bisherige Filmgenre-Wechselwahl (bis 2002) eigentlich recht übersichtlich aussah. Und dann dreht Boyle einen Horrorfilm der Neuzeit. Wer jetzt dachte dabei handele es sich um einen Zombie-Film, der liege drastisch falsch, denn statt auf reaktionär-trabende Untote zu setzen, geht Boyle einen Schritt weiter und findet seinen eigenen Weg (»The next Generation of Zombie - The Infect-Generation«) den Infizierten mehr schwung und Tempo zu verleihen und erfindet gleichauf damit fast einen neues Untergenre, könnte man meinen. Und so könnte man sagen, dass "28 Days Later" von Danny Boyle den wohl ersten (kann ich nicht bestätigen) Vertreter des Infizierten-Films bildet und das gar nicht mal schlecht. Um das nochmal klarzustellen, dass ist kein(!) Zombie-Film.


Immerhin der Schauplatz ist originell gewählt, denn allzu oft spukt der Gedanke meinerseits von Großbritannien nicht im Kopf, wenn ich an Infizierte denke, obwohl Boyle definiert sein neumodernes Genres, also bitte. Ein Virus hat Großbritannien erfasst. Die Seuche geht um, eine Seuche, die ihre Opfer zu lebenden Bestien macht. Nach 28 Tagen erwacht Jim in einer Klinik, die Stadt ist vereinsamt und die Straßen leer und doch bemerkt er schnell mit welchen Monstern er es zu tun hat. Eine Odyssee und Flucht beginnt für ihn, auf dem Wege der Rettung findet er dennoch Weggefährten. Irgendwie interessant gestaltet, mit kleinen, feinen Aspekten und zudem es scheint alles etwas hintergründiger als man denken könnte. So fast einem Plädoyer gleich und kritisch im Sinne der Gesellschaft.



Boyles Werk zudem auch ordentlich ausgewählt, also der Cast. So sei gesagt, dass ich Cillian Murphy eh sehr als passend empfinde, wenn es um Boyles Filme geht und so überzeugt Murphy zunächst als Fahrradkurier Jim, der sich nach seinem Koma in einer Welt wiederfindet, die bekannt ist, aber doch so fremd. Die Einsamkeit regiert, doch er findet sie: Die Menschen, die Freunde. Erst noch von ihm recht zurückhaltend und voller Unwissenheit, somit voller unscheinbarer Angst, gespielt. Insgesamt aber doch sehr sympathisch, der Junge, auch wenn ich hier wiederum den Wandel seines Charakters kritisieren muss, welcher an sich eher mäßig bzw. banal verläuft (gibt dennoch schlimmere Beispiele) von unsicheren Fahrradkurier, zum Actionhelden - eigentlich ein Klischee - dennoch verleiht Murphy dabei trotzdem noch einen Hauch an Glaubwürdigkeit. Neben ihm zudem noch recht gut aufspielend einmal Naomie Harris, Christopher Eccleston und nicht zu vergessen Brendan Gleeson, welcher noch mit einer recht ungewöhnlichen Spielfreude am Anfang agiert, Gleeson als treusorgender Vater Frank, welcher sich um seine Tochter (Megan Burns) sorgt und doch nicht die Hoffnung aufgibt, denn solange sie vereint sind, scheint es doch irgendwo einen Funken Glück zu geben, umso tragischer und dramatisch der spätere Verlauf des Ganzen, insofern wirklich kraftvoll von Gleeson gespielt. Jeder ist von jedem abhängig. Die Menschheit braucht sich selbst.


Und wie bereits erwähnt Boyle definiert. Und so sollte man nicht verwundert sein, wenn er solch klugen Trick einsetzt um seine zombieartigen »Infizierten« zu echten Running man zu machen, welche wesentlich aggressiver und schneller agieren, so dass insofern kleine Verfolgungen und Hetzjagden nicht gescheut werden. Auch wenn Boyle hierbei eigentlich auf ein gemächliches und eher unheilvoll-bedrohlich-ruhiges Tempo Wert legt, meine ich. So wird der Mensch sich selbst überlassen, man knüpft Verbindungen, Freundschaften, alles nur zu überleben. Man sorgt und versucht gemeinsam zu überleben, denn gemeinsam sind wir stark. Besonders der Anfang des leeren und doch bedrohlichen Londons mag dabei nochmal eine besondere Intensität besitzen, welche mit absolut in den Bann riss. Boyle bleibt aber auch bei seinem »Infizierten«-Film dem Prinzip des Zombiefilms treu, insofern, dass er wie einst Romero, scharf die Gesellschaft kritisiert mit interessantesten Möglichkeiten von faszinierender Symbolträchtigkeit bis hin zur düsteren Satirik, oder bis hin Vollendung auf gestellter Thesen. Sonst vorhanden selbstredend auch typische Elemente wie eine gewisse Brutalität und als blutig kann man Boyles Film wohl allemal beschreiben, auch wenn sein Film eher weniger davon lebt als von seiner ruhigen, kalten und schließlich auch bedrückenden Atmosphäre, welche in präzisen und tristen bzw. deprimierenden Bildern voll und ganz ausgekostet wird. Dennoch Hoffnung gibt es immer, Funksprüche werden gesendet und erfreut wahrgenommen, Soldaten scheinen die Rettung zu sein, endlich Schutz, endlich sicher. Und so zeigt sich letztlich, dass das wahre Monster doch eher im Mensch liegt, wie man einst sagte die größte Gefahr für den Menschen ist und bleibt der Mensch selbst, und das auch ohne Infektion, denn das Ungeheuer liegt im Willen des Überlebens und so zeigt sich, dass die Bestie Mensch dominiert. Konsequent wie ich es liebe.



Bis dahin alles sehr gut gemacht, was mich dennoch bei "28 Days Later" schien gerade der Anteil des Drehbuchs, welches für mich immer im Gegensatz zu Boyles Inszenierung und Liebe dabei immer etwas ab fiel, der Handlungsverlauf gut gestaltet. Eher finde ich hierbei den Wandel einiger Figuren insofern etwas banal und nicht wirklich glaubwürdig meiner Meinung nach. Und gerade das Finale wollte nie wirklich meinerseits munden, insgesamt ist es eine Umstellung des Grundkonzept des Films und stellt auch insofern die »Explosion« der Konflikte dar und trotz aller faszinierender Aspekte, die bei jenem grande Finale abgerufen werden, nochmal gespickt mit dem ein oder anderen gekonnt ausgespielten hintergründigen Seitenhieb, absolut kompromisslos gehalten, dies ist mir bewusst, dennoch kurzum mögen tu ich es irgendwie trotzdem nicht. Aber das am Rande. Außerdem noch untermalt von einen mehr als passenden und exzellenten Score von John Murphy, welcher sich gut in das Setting eingliedert und einem fast eine panisches Unwohlsein hervorruft.


Schlussendlich möchte ich dann aber nur noch sagen, dass Danny Boyle mit seinem infektiösen bzw. beklemmenden Genre-Schocker, doch ein mehr als feines und drastisches Stück Zelluloid zum Thema »Infizierte« und die Bestie Mensch gelungen ist, konsequent bzw. düster inszeniert und stark gespielt wie auch gefilmt. Und doch enthüllt sich gerade in dunkelsten Stunde, kann der Mensch seine Nächstenliebe entdecken, wenn er dazu bereit ist.



                                         7.5 / 10

Autor: Hoffman