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Freitag, 31. Oktober 2014

Ein Horrorfilm für Halloween - Kritik: Poltergeist (1982)



Wie viel Tobe Hooper steckt eigentlich in »Poltergeist«? Sicherlich genug, um sagen zu können, dass es ein Tobe Hooper Film ist. Mehr als ersichtlich ist aber auch Spielbergs Einfluss, der als Produzent fungierte und für den Final Cut verantwortlich war, auf das Endprodukt. Die Schnittmenge der Beiden lässt sich wohl bei einem Punkt der Ausgangsgeschichte festmachen: Der Familie. Wenngleich Hooper eher Filme gegen die Familie drehte (man ziehe hierfür einfach mal »The Texas Chainsaw Massacre« zurate), ist Spielberg dafür bekannt Filme für die Familie zu machen. Und natürlich zeigt sich auch gerade bei den Figuren der Kinder, dass Spielberg an diesem Film beteiligt war, denn die Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist ein starkes Band und wird anfangs sogar mit viel Einfühlungsvermögen für die Ängste der Kinder geschildert. Und eben diese Ängste und Einbildungen macht man letztlich hier ebenso gut greifbar. Man schaut diesen Film wieder durch die Augen eines Kindes. Die Einbildungen werden zu realen und wahren Gespenstern und existieren nicht mehr nur in der Imagination eines Kindes (wie der schaurige Baum oder der furchterregend grinsende Clown am anderen Ende des Zimmers). Und es ist auch die jüngste Tochter, die verschwindet, das schwächste Glied in der Familie, weshalb das für die Familie ebenso gut eine Belastungsprobe darstellt. Die Familie muss solidarisch bleiben. An solchen Stellen lässt sich wohl am deutlichsten Spielbergs Handschrift erkennen.



Doch auch jene von Tobe Hooper lässt sich noch unterschwellig herauslesen, wenn man genauer hinschaut, denn so lässt sich ein faszinierender Detailreichtum entdecken. Und selbstredend ist Hoopers Film zunächst einmal eine Satire auf diese amerikanische Vorstadtidylle. Der Normalbürger beziehungsweise diese perfekte amerikanische Familie wird mit dem Übernatürlichen konfrontiert. Es ist überaus ironisch, dass das Erste, was hier ertönt die amerikanische Nationalhymne ist und darauf Bilder im Fernsehen folgen, die das Hissen der amerikanischen Flagge auf Iwo Jima zeigen. Das ist also ein durch und durch amerikanischer Film. Kurz darauf setzt dann das Übernatürliche ein. Der Bildschirm flackert und rauscht und die Geister nehmen Kontakt auf. Denselben Aufbau verwendet übrigens Hooper noch ein zweites Mal. Das ist typisch für ihn. Es ist so, als wolle er hier wieder mit einem amerikanischen Mythos abrechnen. Hierbei geht es ihm natürlich mehr oder weniger unterschwellig um den amerikanischen Gründungsmythos. Denn es ist hier schließlich die Vergangenheit, welche die Amerikaner (= Familie; die für die Verwirklichung des amerikanischen Traums steht) einholt. Sie lässt ihnen keine Ruhe und verfolgt sie. Sie zerstören das Land, welches nicht ihnen gehört, sie nehmen es sich ohne Skrupel, um es zu besiedeln und um mit ihm zu wirtschaften und daraus Profit zu schlagen. Hier ist es die Schändung der Toten, was natürlich metaphorisch die Vertreibung und Unterwerfung der nordamerikanischen Indianer meint. Nach dieser ersten Geistererscheinung baut Hooper natürlich erstmal seine Vorstadtidylle auf, zeigt eine heile Welt, die stimmungsvoll von Jerry Goldsmith untermalt wird, in der Kinder Schabernack treiben, Männer gemeinsam Bier trinken und American Football vor dem Fernseher schauen.



Und auch weiterhin sind viele interessante Details zu entdecken, die eher auf Hooper denn auf Spielberg schließen lassen: Der Vater liest ein Buch über Ronald Reagan oder eine Szene, in der Carol Anne den flackernden Fernseher betrachtet, die Mutter das sieht und darauf antwortet: »Du verdirbst dir noch die Augen!«, worauf sie dann gleich von dem Flackern zu einem brutalen Kriegsfilm schaltet. Aber mal ganz davon abgesehen, wem dieser Film nun zu gerechnet werden kann, ist »Poltergeist« natürlich auch so eine vergnügliche, effektvolle und augenzwinkernde Grusel-Achterbahnfahrt mit herausragenden Trickeffekten, auf die einen Hooper und Spielberg mitnehmen, in der Mädchen mit Fernsehern sprechen, von dem sie Stimmen aus der Zwischenwelt vernehmen (Fernseher werden also zu Portalen) oder sich zunächst harmlose Ereignisse häufen, wie etwa, dass sich Gabeln verbiegen und Stühle sich von allein bewegen und stapeln, bevor Hooper das Ganze dann immer weiter steigern lässt: Bäume werden zu gefährlichen Eindringlingen, die Kinder verschlucken wollen und Kinderzimmerkleiderschränke leuchten weiß, werden zu Portalen und entwickeln eine gefährlich-anziehende Wirkung. Daneben hält Hooper aber auch inne, weiß meisterhaft und gewandt das Unheimliche zu erzeugen. Er lässt geisterhafte Gestalten erscheinen oder Kontakt aufnehmen zur Zwischenwelt - letztlich wird sogar ein drolliges Medium um Hilfe gebeten. Im Finale treibt es Hooper dann aber zur Spitze: Es wird an Decke umher gelaufen (oder viel eher gepurzelt?), Skelette liegen im Pool, Clowns werden mordlustig, Gräber entsteigen dem Boden. Hooper treibt es so weit, bis nichts mehr davon übrig ist. Und was lernen wir daraus? Fernseher bringen nur Unglück!



8.0 / 10

Autor: Hoffman 

Donnerstag, 28. März 2013

Nicht jeder kann nur Meisterwerke drehen! - Kritik: Mortuary - Wenn die Toten auferstehen (2005)



»Das Tote kann nicht ewig leben. In der Ewigkeit mag selbst der Tod sterblich sein.« - Das war er also, der bisher zuletzt veröffentlichte Horrorfilm von Genrealtmeister Tobe Hooper aus dem Jahre 2005, »Mortuary«. Dabei ist er eigentlich gar nicht so weit emtfernt in der Ambition der Gegenüberstellung mit seinen Kollegen wie Romero (»Survival of the Dead«) oder Craven (»My Soul to take«). Es sollte bekannt sein, dass Hooper unter anderem nicht das optimalste Gesamtwerk pflegt, sodass man ihn zwar nicht auf gewisse Werke reduzieren sollte, aber doch ist es bei ihm stets ein erneutes Spiel der Qualitäten- ich kann das schließlich nicht oft genug betonen.



Rein formal versagt sein Film leider schon zunächst auf technischer Ebene, daraus profitiert Desinteresse, wenngleich handwerklich ansehnliche Züge der Kamera präsentiert werden. Jedoch leider in plumper, unästhetischer und hemmender, das heißt viel zu glatt gebügelter TV-Niveau ähnlich polierten, Optik, da tut sich die Atmosphäre schwer. Schade, da im Grunde hierbei Hooper als Stilmittel auf damaligen Minimalismus seiner Zeit zurückgreifen wollte (scheint mir), demnach verspielte  in dieser Hinsicht leider den Vorteil - vielleicht auch nur, weil dies in heutiger Zeit kaum passend erscheint. Noch viel weniger für Hoopers präsentierte Kulisse, in dem er wie viele Altmeister auf das bekannte Motiv der Kleinstadtidylle verweist - im Zuge der Industrialisierung selbstredend. Billige Legenden und Geistergeschichten werden gemunkelt, immerhin sind welche vorhanden. Dabei gefällt die Ausgangslage sogar - theoretisch, nicht von der Umsetzung - auch in Anbetracht der Selbstreferenz von Tobe Hooper. Ein fokussiertes Haus als Ort des Unheils, ein Beerdigungsinstitut - geschmückt mit Särgen und einem wundervollen Friedhof. Was könnte man dort nicht alles erschaffen?


Doch wie gesagt beraubt Hooper einen den Irrglauben des traditionellen Ursprungs der Mystik und industrialisiert, das mag stümperhaft wie aber zugleich auch unkonventionell sein. Auch wenn so Hoopers Film immer näher an das Schema einer »X-Factor: Das Unfassbare«-Folge heranrückt. Zu loben gilt es baer auch, dass doch einige Einstellungen gekonnt gelingen, zumeist wenn Hooper seine eigene Bildsprache zitiert und das Potenzial aufbringt eigene Bezüge zum Schaffen aufzubauen, herrlich die fokussierte Hauseinstellung als direkte Referenz zum »Texas Chainsaw Massacre« oder »Poltergeist«, das erfreut. An sich sind es wohl wirklich nur die vielerlei Zitate auf sein Schaffen, die Hooper signalisiert, die hierbei irgendwie faszinieren können. Ansonsten scheint das Niveau zu betrpben. Die Charakterkonstellation ist eher unglücklich gewählt, aber mit emanzipierter, alleinerziehender Mutter, dazu Dan Byrd, der schon mal für Alexandre Ajas »Hills Have Eyes« seinen jugendlichen Stereotyp üben darf als Sympathieteenie und eine nervige Göre darf als erneuter Verweis auf »Poltergeist« fungieren. Innovatives gibt es hier selten. Familiäre Probleme werden nicht mal ansatzweise angerissen, dennoch ist Hooper bemüht dies zu tun und die Klischees (welche legitim für das Genre sind) allzu bieder vorzutragen.


So scheint es die traurige Wahrheit zu sein, dass Hooper seinen Sinn wohl für spielerisches Überspitzen verloren haben muss. Dazu hämmert und deutet der Score stets aufs neue Spannung an, rein formal, gibt es da bloß nichts was diese überhaupt (neben den gegebenen Interesse des Hooper-Bonus) erzeugen könnte. So viele feine Stilmittel bleiben auf der Strecke, liegen ungenutzt rum, Hooper scheint sie aber dennoch vollkommen zu missachten. Schade, er ist wohl viel zu verkrampft auf seine Arbeit gegen die Konventionen (Baugerüst & Klärgrube schimmern im Hintergrund des Friedhofs) gestützt. Zumindest versteht er es neben so mancher feiner Einstellung doch noch groteske Ansätze aufzuzeigen, auch ein weiterer Verweis auf sein Schaffen, die spätere Parodie, seiner Zeit bestens gelungen mit »Texas Chainsaw Massacre 2« - kenntlich wird das so zeitweise durch das Carpenter-Teenager-Motiv und die schrägen Randfiguren, mit Vergangenheitsbewältigung von LSD und absurden Brüchen. Der Dialog wird zwangsweise sogar humorvoll ausgereizt (»Gemeinsam können wir bestimmt weitere Friedhofbabys verhindern!« - »Wie bitte?«).




Während dramaturgisch gegeizt wird, nicht nur in Hinsicht von Rationalität oder Grusel, überhaupt von plausibler, konsequenter Regie, die ein Ziel verfolgt. So schön der Gedanke auch war, wandelt Hooper doch zu sehr auf humoristischen Pfaden, die sich letztlich nicht ins Gesamtbild fügen wollen (Stichwort: Drogenkonsum). Später erläutert Hooper dann schlicht irgendwelche anderen Geschichten aus der Gruft und ominöse Untote (ala Romero)/ Infizierte (ja was waren das eigentlich?) bahnen sich ihren Weg. Nett ist es trotzdem, wenn diese aus ihren Särgen entsteigen. Einen Sinn sollte man dahinter aber nicht suchen, wenngleich Hooper sichtlich bemüht daran ist stets ironisch zu kontern, doch Desorientierung im Storyverlauf kann störend wirken. Immerhin bekommt der wachsame Hooper-Freund am Ende noch die unumstößliche »Texas Chainsaw Massacre 2«-Referenz des »Die Schöne und das Biest«-Motivs geliefert, wobei die fragwürdig variiert wird und die fast langweilige, abrupte, bemühte Konsequenz des Werkes zerrüttet erneut. Ich sehe es kulant: Die trügerische Kleinstadt als Groteske für Hooper? Ich würde meinen: Ganz schön versalzen.



3.5 / 10

Autor: Hoffman 

Samstag, 16. März 2013

Spezialbuchreview: Midnight Movie






Heute wage ich mich mal auf ein anderes Terrain. Weg vom Bildschirm, die Nase ab zwischen die Seiten. Und, was stand denn so auf meinem literarischen Speißeplan? Ihr erahnt es sicher schon, ein gewaltiges Werk, das Goethes "Faust", Tolstoys "Krieg und Frieden" und Joyce's "Ulysses" zusammen überragt: "Midnight Movie" von Tobe Hooper und Co-Autor Alan Goldsher.

Wie, ihr wisst nicht, wer Tobe Hooper ist? Na, dann helfe ich euch mal auf die Sprünge...

wrumm, ratter, tatter, säg, säg, säg!!!!

Richtig! Der Regisseur und Drehbuchautor von "The Texas Chain Saw Massacre". Und damit ist ausdrücklich keiner der beiden Bay-Nispel Filme gemeint, sondern das schöne, alte, heißgeliebte "Blutgericht in Texas". Wer's nicht kennt, sollte es nachholen, so am Rande... Aber gut, ich will nicht abschweifen:

Vor ein paar Wochen schlenderte ich durch die lokale Buchhandlung, und mein Blick schweifte so durch die Regale, und da blieb ich plötzlich vor einem Buch, das bei den Neuerscheinungen stand hängen und musste mir erstmal die Augen reiben. "Was, das Buch ist von Tobe Hooper? Dem Tobe Hooper, der der Welt in Form seines Kettensägenmassakers ein wunderbares Geschenk gemacht hat? Das muss ich haben!".

Gesagt, getan, bezahlt und mit nach Hause genommen. Zunächst rätselte ich, um was es denn nun in diesem Werk gehen würde.Aber wie sagt man doch so schön: lesen geht über studieren. Oder so ähnlich. (?)

Nun ja, auch egal. So fing ich an zu lesen, und zunächst wirkte all das sehr autobiographisch. Hooper wird im Jahre 2009 zu einem Screening seines angeblich verschollenen ersten Filmes, "Destiny Express", eingeladen. Eigentlich hat der gute Tobe keine Lust darauf, da er sich sowieso nicht mehr an den Film erinnern kann und allgemein im Buch als ein misanthropischer Eremit, der jeglichen Kontakt zur Aussenwelt weitestgehend meidet, geschildert wird. Doch - und nun beginnt das ganze emotional zu werden . Hooper hat kein Geld, sein Ruhm ist seit Jahren verblasst und er hält sich mit billigen TV- Produktionen über Wasser. Fand ich irgendwie rührend. Der einsame Aussenseiter am Rande der Filmwelt, in der ein Blockbuster nach dem anderen aus der Filmschmiede kommt, und Millionen gemacht werden. Doch, egal, Hooper werden vom Veranstalter des Scrrenings, einem nach Salami stinkendem, fetten Big Lebowski Fan, 20.000$ geboten, falls er zum Screening kommt. Da kann Hooper, der mittlerweile in Los Angeles (von ihm meist "Hell-A" genannt) lebt, nicht ablehnen, da er laut eigener Aussage mit einigen Rechnungen im Rückstand ist, und fliegt daher kurzfristig in seine Heimatstadt Austin in Texas. gut, soweit wäre der Plot erklärt, und ich dachte beim Lesen wirklich, dass das eine Autobiographie wäre, doch prompt mit Seite 100 lässt Hooper den Plot einfach fallen und die Geschichte nimmt absurde, horrorlastige und auch gesellschaftskritische Züge an.

Ich will nicht zu viel verraten, denn was sich ab Seite 100 abspielt ist einfach so verrückt, dass man es eigentlich selbst gelesen haben muss. Nur so viel sei gesagt: seltsamer Weise verfallen mehrere Leute, die bei dem Screening waren dem Wahnsinn, bekommen merkwürdige Geschlechtskrankheiten oder planen plötzlich Selbstmordattentate. Und diese Welle schwappt mehr und mehr auf das ganze Land über, und so wird der Frühling/Sommer 2009 in den USA zu einer Art Bürgekrieg. Jetzt bleibt nur zu rätseln, inwiefern Hoopers Erstlingswerk etwas damit zu tun hat, und was Tobe unternehmen kann, um die USA zu retten....

Geschrieben ist das Buch, zugegebenermaßen, sehr gewöhnungsbedürftig. Das Geschehen wird immer aus der Sicht einer der beteiligten Personen geschildert, oder mehrere Seiten bestehen einfach nur aus fiktiven Twitter Nachrichten, Blog Einträgen, Artikeln von merkwürdigen Websites oder auch einem Protokoll eines wahnsinnigen Homeland Security Agenten. Auch die Wortwahl ist sicher nicht jedermanns Geschmack. Hooper verwendet oftmals satirische Übertreibungen und Vulgärsprache. Hat mich allerdings kein bisschen gestört. Ganz im Gegenteil. Dieses Buch hat mir gezeigt, dass Hooper einen herrlichen und absurden Sinn für Humor hat.

Man kann "Midnight Movie" vordergründig als reines Fun Buch für Horrorfans sehen, doch es ist auch eine satirische Schelte gegen Hollywood, sowie die Berichterstattung der Medien und Internetcommunity im Falle eines Ausnahmezustands. Doch das überlässt Hooper ganz fein dem Leser selbst.

Abschließend bleibt mir eigentlich nur zu sagen, dass mir das Buch sehr gefallen hat und Hoopers Status als "Heiliger", zumindest für mich, untermauert hat. Empfehlen will ich es aber trotzdem nur bedingt, da es sehr eigen ist und beileibe nicht jedem gefallen wird. Aber egal, ich fand es herrlich und segne es mal mit dem Status "Geheimtipp" ab.


8/10

Autor: MacReady

Dienstag, 6. November 2012

Hooper just wanna have Fun - Kritik: Funhouse - Kabinett des Schreckens




»Who will dare to face the challenge of the Funhouse? Who is mad enough to enter that world of darkness?« - Tobe Hooper, ja um das nochmal und nochmal erneut zu wiederholen. Bis es jeder von uns auswendig kann. Tobe Hooper, das war dieser Zigarre rauchende Typ vom legendären »Texas Chainsaw Massacre« und dessen Fortsetzung wie auch dem entlarvenden »Poltergeist«. Der Mann, der ständig nur auf diese Filme reduziert wird, oder reduziert werden kann. Ja, der hat so verwunderlich das jetzt klingt, ja der hat auch noch mehr Filme gedreht. Größtenteils von der Oberfläche verschwunden, ja wie »Funhouse« aus dem Jahre 1981. Die Aufmachung und Grundkonstruktion erinnert nicht nur zufälligerweise an das Prinzip des »Texas Chainsaw Massacre«, sodass man unentwegt behaupten möchte, dies ist Hoopers zweiter Versuch seine eigene Geschichte zu variieren oder zu kopieren. Nicht in Texas, sondern auf dem schönen Rummel.




Die Faszination dadurch immerhin gegeben. Hooper suggeriert ihn als befremdlichen Ort der Skurrilitäten und des Unheils. Clown-Symbolik schlägt ein. Creditisch gibt es die Wucht von verschiedenen Perspektiven des seelenlos-geschminkten Satans in Farb und Form - Spooky! Bis gleichauf dann die Referenz gezückt wird - die verzückt wiederum - wenn Genreregisseur Hooper seine Kollegen würdigt, ob Freund John Carpenter und den »Behind the Eyes«-Blickwinkel eines Michael Myers in seinem prägenden »Halloween« oder den Großmeister und Definiator Hitchcock selbst. Mit Dusche, Psycho und Herrmann-Motiv. Hier bloß ungefährlicher.


Stimmig, wenngleich für den Zuschauer leicht irritierend. Naja Reminiszenz halt, wer möchte dieser schon entsagen. Zurück zur eigenen Referenz und zum Schauplatz selbst, welchen Hooper mit jeder neuen Attraktion nutzt und ihn atmosphärisch als unwirklich, gar irrationalen Ort symbolisiert. Voller Lichter und Farben. Diese Gestaltung sorgt für Interesse, doch Hooper hält sich so auch des öfteren mit Kleinigkeiten auf. Wie in seinem texanischen Massaker sind auch hier seine vier Protagonisten - recht einfach gestrickte Klischees der Jugend, ohne irgendwelche hintersinnigen Attribute, wie sie noch »Texas Chainsaw Massacre« aufwies, somit aber mit Selbstzitat. Von denen »Funhouse« nur so sprüht. Zumindest scheint Hoopers Trick gewitzt: Er nutzt die Beleuchtung des vielseitiges Rummels mit all seinen Attraktionen und Kuriositäten, um den Zuschauer emotional auf eine gemeinsame Basis mit ihnen zu bringen, die gleiche Faszination wird versucht zu suggerieren sowohl beim Zuscháuer als auch bei den Protagonisten, so wird eine Sympathie gegenüber ihnen erst möglich, im besonderen wenn Hooper Nostalgiemomente der Jugendträume mit einspinnt um dies zu verdeutlichen. Der Rummel, der Platz für Kinderträume, obgleich das jetzt naiv klingt.


Freilich verfügt Hoopers Werk über minimalisierte, skurrile Brechungen und íronische Anspielungen auf das Genre. Nebenher deutet Hooper in der sorglosen Heiterkeit das langsame Unheil an. Bis es dann aus dem Nichts geschieht. Nun, so auch nicht ganz. Die Jugend sucht die Mutprobe im gespenstischen Funhouse. Auch ein zweiter Hadlungsstrang des kleinen Bruders wird angepriesen, bleibt aber demnach überflüssig und entmachtet dabei auch zudem manch interessant wirkende Gruselsequenz. Hooper liebte schon immer Legendenbildung, die Story interessiert schließlich. Die Probe: Sexuell bedingt. Auch der Mord aus dem Affekt. Die Intensivierung des Leatherface durch ein Mysterium aka missverstandener Psychopath mit Frankensteinmaske - symbolisch zu nehmen - »Es« ist wie ein kleiner Junge, dem es nach Liebe bedarf. Der Weg? Money. Jedoch die Erfüllung der Sehnsucht scheitert und es muss erkennen, dass selbst sein Materialismus ihm nicht zur Integration verhilft. Bis zum Ausbruch der Wut, dem Mord. Irgendwie in seiner Schuld so unschuldig. Ein unbeholfenes, tragisches Geschöpf der Gesellschaft. Der Jahrmarkt demnach als weitere Reflexion einer eigenen Gesellschaft für Hooper? Einsichtig. Der Diebstahl des geliebten Besitzes, dann der Übergriff auf die Jugend und schon sucht man die Flucht im Dunkeln. Die eine Gesellschaft trifft auf die andere und es kommt zum Konflikt.




Der Knall bleibt aus - wie auch der Elan bei Hoopers Inszenierung, trotz interessanter Ansätze mag dies zweifelsfrei unspetakulär in Szene gesetzt sein. Durchaus unheimlich durch das hübsche Dekor, dennoch wird dieses größtenteils verschenkt. Wie fein hätte man mit diesem Standort doch Trugbilder kreieren können. Schein und Sein beleuchten können? Hooper bleibt damit sichtlich hinter den Erwartungen und Ansprüchen seiner Geschichte. Nur Schreie und Verwirrung plastern den Pfad der Protagonisten. Ungenutzt viele so wunderbare Stilmittel. So wird aus plumpen Grusel schleunig rabiates, aber durchschnittliches Terrorkino. Immerhin sorgt Hooper für Chancengleichheit bei seinen Protagonisten (zwei weibliche, zwei männliche) bis zur Verzweiflung ihrerseits und indes bleibt es die Frau zu emanzipieren. Ein weitere Referenz zum eigenen Schaffen. Damit mag »Funhouse« zwar ein durchaus ambitionierter Versuch von Tobe Hoper sein, doch wie auch das gehässige Kichern eines Clowns am Ende, ist dieser vielleicht nicht umsonst verstummt. Zeitweise unterhaltsam schreitet er trotzdem voran, das setzte aber die faszinierende Szenerie vorraus.




5.0 / 10

Autor: Hoffman

Samstag, 6. Oktober 2012

Hooper goes Crazy - Kritik: Lifeforce - Tödliche Bedrohung





»The web of destiny carries your blood and soul back to the genesis of my life form.« - Ich könnte jetzt eigentlich mit den Worten fortfahren mit denen ich beim letzten Mal schon auf Regisseur Tobe Hooper verwies. Mach ich auch. Denn es waren bekanntlich nicht nur zwei Filme auf die man hätte reduzieren dürfen - denn es waren drei. Eine Sensation. Ich würde diese Meinung zwar nicht grundlegend ändern, jedoch dabei anmerken, dass man zwar Hooper nicht darauf reduzieren sollte, da folgender Film als eines Auftragswerke der Produktionsfirma »Cannon« galt. Trotzdem bleibt »Lifecorce« aus dem Jahre 1986 ein durchaus ansehnliches Werk in Hoopers Filmographie, den Fans keineswegs missachten sollte. Natürlich unter gewissen Vorrausetzungen. Unverkennbar ist dabei zunächst, dass es hier eher in Hoopers Intention liegt einen Parodie aufs Genre zu kreieren, was sich dann später auch in seiner Fortsetzung zum »Texas Chainsaw Massacre« festigte. Man könnte somit »Lifeforce« als eine Art Fingerübung für sein zweites »TCM« sehen. Denn nur Übung macht den Meister.


 

Auch wenn sich Hooper dabei auch auf einem anderen Genre-Terrain austobt als später bei seinem grotesken »TCM 2«. Man könnte wohl »Lifeforce« auch eher als kuriose Genremischung sehen, besonders zwischen Elementen des Science-Fiction-Films und des Horrorfilms, dazu eine Prise Humor und eine Dimension zwischen Vampiren und gerüsteten Zombies - nicht zu vergessen genug Irrsinn - um dies verständlich zu machen. Das Genre wird konsequent bis hin zu deinen Anfängen ausgelotet und natürlich besonders herausstechend die eigene »Alien«-Referenz mit obskurer Note, das Drehbuch schließlich nicht ohne Grund von Dan O´Bannon, welcher bekanntermaßen auch die Vorlage zu Scotts »Alien« oder Carpenters »Dark Star« schrieb, wobei besonders wie beim letzteren auch hier die Genrepersiflage im äußersten zur Geltung kam.

Unbekannte Lebensform aus dem Weltraum. Drei Personen. Und ein Raumschiff. Der Rückweg verschlüsselt. Bei Ankunft ein Überlebender. Traumatisiert. Dann das Erwachen! Später die Aufklärung der fremden Lebensform und abschließend mit einer tödlichen Bedrohung der unbekannten Lebensform. Straßen in Flammen - der zeitweiligen Apokalypse selbstredend mit Augenzwinkern. Anfangs muss Hooper zwar noch demnach Energie absorbieren, um diese später zerstörerisch und explosiv zu entfesseln, doch spätestens dann gelingt es ihm dank des innovativen Genremix sein Ziel. Und dazu noch die musikalische Untermalung von Henri Mancini, voller Enthusiasmus und heroischen Töne! Traumhaft. Voller Pathos, Exzentrik und effektvoll vertont. Großartig!

 

Abgedreht und fantasievoll, die Story zusammengefügt, wenngleich ohne bitteren Zusammenhang - aber mit Hang zur Selbstironie und britischen Charme. Teils sogar britisch-stereotypisch. Mal ganz andere Töne im Genre. Man könnte zudem auch sagen, dass »Lifeforce« sogar die Idee des Films »Species« vorweg nahm, wenn nicht somit dessen Schreiber zu diesem überhaupt inspirierte. Hierbei mit Matilda May als tödliche Sirene und Verführung aus den weiten des All. Dabei lässt sich durchaus ein sexueller Subkontext im besten Sinne eines David Cronenbergs ziehen, zeitweise könnte man meinen Hooper referiere seinen Kollegen, insofern dessen»Shivers«. Obgleich Hooper somit aber auch selbst Bezug auf sein eigenes Schaffen und dem »Texas Chainsaw Massacre« nimmt und die dortige Emanzipierung der Frau.

Bei »Lifeforce« spielt er geschickt mit diesem Motiv, indem er es bricht, hierbei ist das wohl gemerkt fast einzige weibliche Lebewesen eine Femme Fatale, die dem schwachen und lüsternden Mann weiß Einhalt zu gebieten und sich durchzusetzten, im Grunde könnte man dies nicht nur als Metaphern der sexuellen Begierde deuten, sondern auch als Symbol der Karrierefrau, die für ihren Erfolg selbst über Leichen geht. Natürlich liegt Hoopers Interesse hier in aller erster Linie auf dem Unterhaltungsfaktor, wenngleich er teils dabei meinerseits seine Grenzen doch etwas überspannte, so behält er doch über die gesamte Laufzeit seine überzogene Art bei. Genrekonventionen gebrochen und die Absurdität angeführt, dass es ein regelrechtes Vergnügen ist dabei Zeuge dieser Ereignisse zu sein, auch wenn dadurch »Lifeforce« teils in einer Over-The-Top-Liga spielt mit seinem durchgeknallten Stil. Wie gesagt Hooper übersteigt das Niveau, füllt aber kräftig ach mit einem Schuss Überdramatisierung und einem ironischen Beigeschmack, das Werk hält stand.


 

Erstaunlich gelungen werden auch die elektrischen Effekte präsentiert - für einen Low-Budget-Film wirklich tricktechnisch gehandhabt - aber dies war schließlich noch nie Hoopers Problem aus einem geringen Budget etwas herauszuholen, auch wenn das Design teils somit aus heutiger Sicht zuversichtlich Retro wirkt, aber auch das hat seinen liebevollen Beiwert. Natürlich könnte man Hoopers Film auch gleichauf als Hommage an den klassischen Science-Fiction-Film betrachten, in dem er genüsslich das Genre parodiert wie zitiert - immer mit ungewohnt britischen Charme und Patrick Stewart in Nebenrolle. Zugegeben dafür dann doch etwas harmlos in seiner Gestaltung. An sich macht das »Lifeforce« zumindest zu einer originellen und beinahe trashigen, wenn auch gänzlich abstrusen Fingerübung von Hooper. Wie gesagt eine Fingerübung für eines seiner darauffolgenden Projekte: Das Texas Chainsaw Massacre 2.



6.5 / 10

Autor: Hoffman 

Samstag, 23. Juni 2012

Jetzt wird weiter gesägt - im grotesken Stile! - Kritik: Tobe Hoopers Texas Chainsaw Massacre 2



»It´s the devils playground!« - Oftmals wird Tobe Hooper in seiner gesamten Film-Laufbahn eigentlich stets auf zwei differenziert zu betrachtende Filme reduziert. Zur einen Seite auf sein legendäres »Texas Chainsaw Massacre« aus dem Jahre 1974, zum anderen auf die satirische Geisterachterbahnfahrt und »Poltergeist« (1982), wobei jener im besonderen unter dem Einfluss von Steven Spielberg stand. Jedoch ist ist dieses systematische Prinzip fehlerhaft, denn (Betonung auf »denn«) Tobe Hooper drehte so auch die Fortsetzung zu seinem kulturell wertvollen und kultigen Blutgericht. Rekapitulieren wir nun also erneut die Ereignisse mit denen Hooper - mit minimalistischen Mitteln (einem geschätzten Joker-Budget von 60.000 Dollar) - seinen persönlichen Beitrag zum Terrorkino der 70er Jahre ablieferte und somit auch wahrscheinlich einer seiner bedeutendsten und radikalsten Vertreter in seiner Ausübung. Fast 12 Jahre später versuchte sich nun Genreveteran Hooper erneut an seiner Legende und daraus entstand schließlich die berüchtigte und verkannte/riskante Fortsetzung "Texas Chainsaw Massacre 2" aus dem Jahre 1986, welcher wiederum im Gegensatz zu seinen Vorgänger im rapiden Sinne als Flop verzeichnet werden sollte, auch wenn der Titel derselbe war bloß mit einer »2«, aber die mochte ja noch niemand.

Dennis Hopper unentschlossen. Eine Frage, die über Leben und Tod entscheiden könnte. Welche der beiden Kettensägen schneidet effizienter? Welche trägt das hübschere Design beim Rache-Motiv? Wie wird er urteilen?


Dabei spürt man eigentlich von Vornherein schon, dass "TCM 2" einen völlig anderen Pfad einschlägt als sein Vorgänger, was sich auch darin bestätigt, dass dieser zunächst als Persiflage auf das Original gedacht war, dennoch nicht als solche umgesetzt wurde. Trotzdem scheint dieser Grundgedanke bei Hooper erhalten geblieben zu sein, besonders anfangs spürt und entdeckt man die grotesken Formen, höchst ironische und die durchgeknallte Ader von Hoopers Film, der an sich eh hierbei den humoristischen Mitteln einen wesentlich größeren Stellenwert reinräumt als noch in seinem Vorgänger. So ähnelt "TCM 2" zwar dabei durchaus eher einer überdrehten Horrorkomödie, in der Hooper seinen Terror nun mal mit Humor paart, wie er es in satirischer Anlage bereits beim Original tat, aber geht dabei hierbei noch eine Spur weiter, auch wenn das Spektakel dabei auch in gewisser Weise platter sein möge in seinen politischen Ambitionen, die Hooper trotzdem weiß gefügig zu präsentieren, wenn auch herrlich bissig in seinem Tonfall und trotz der Tatsache, dass das Ganze zunächst inszenatorisch unspektakulärer daherkommt, doch insgesamt eine präzise Komposition der verschiedenen Stilmittel, harmonisch von Regie bis Score (teils von Hooper selbst komponiert) in seiner gespenstischen Art zwar leicht amateurhaft, aber zugleich atmosphärisch und suggestiv eingesetzt mit unheimlichem Gefühl hinterher, was aber gleichzeitig auch die überzogene Note des Films verdeutlicht. Man könnte demnach meinen Hooper finde hierbei ein gewisses Amüsement im Terror, was zwar weniger schockierend oder gar nervenzerrend sein mag, dafür aber durchaus amüsant auf seine Art. Hoopers Film taugt insofern auch eher als Groteske des ersten Teils, als denn als leibhaftiges Terrorkino im Stile dessen, obgleich "TCM 2" zudem auch nicht selbige atmosphärische Stimmung aufbauen kann wie sein Vorgänger oder dabei so teuflisch an geheizt wirkt, was aber auch Hoopers politischer Aussage geschuldet sein muss.



Da sich dieses Mal die Familie um Kettensäger Leatherface aus ihrer eigenen verfallenen und entlarvten Gesellschaft in die neue Zivilisation begibt, um sich dort einzugliedern. Recht logisch setzt dabei Hooper im Grunde direkterweise explizit beim Vorgänger an und spinnt die Geschichte des Leatherface weiter. Hooper selbst sucht dabei in der Geschichte oft genug Referenz zum eigenen Vorgänger einzubinden und zitiert diesen wie auch einige popkulturelle Erscheinungen gekonnt. Sogar eine extravagante und absolut überdrehte Star Wars-Referenz lässt sich im Abschluss darin nicht verbergen. Herrlich! Und dann noch Dennis Hopper, im Grunde das Beste was Hoopers Fortsetzung in Hinsicht kapitalistischer Absichten passieren konnte - naja oder eben nicht - als traumatisierter Sheriff »Lefty«, der seit dem Tod seines Neffen (Anspielung auf das Original!) durch das Texas Chainsaw Massacre auf Vergeltung sinnt. Wieder einmal ist es erstaunlich wie Hopper es schafft seinen eigentlich absolut überzogenen wie klischeehaften Charakter eine gewisse Ernsthaftigkeit und Sympathie zu verleihen, großartig. So ist es an sich auch kein Wunder, dass an sich Hoopers Film wieder recht  spielfreudig mit seinen charakteristischen Klischeebildern spielt und sie so zu sagen wieder ins absurde teils abdriften lässt, was an sich sichtlich freudig zu betrachten ist, obgleich auch erneut Hoopers Rotkäppchen-Motiv hierbei zusammen mit der Emanzipation der Frau zugleich noch wesentlich deutlicher wird. Intelligent wie satirisch gehandhabt auch Hoopers Reflexion der Außenseitergesellschaft, welche versucht sich in die Zivilisation einzugliedern, jedoch aber an ihrem eigenen Staus und Lebensweisen, welche die Gesellschaft in ihrer obskuren Weise nicht akzeptiert, scheitert.

»When a Leatherface loves a Woman«


Wunderbar symbolisch und ironisch eingefangen von Hooper und natürlich mit perfiden und bösartigen Charme an politischen Komponenten und Intentionen. Und Romero gar nicht so unähnlich in der Aussage, da die Gesellschaft mit Verachtung, Abstoß und Angstgefühlen gegenüber den Außenseiter reagiert, da diese nicht in ihr Klima passen. Auch faszinierend bleibt dabei der sexuelle Subkontext, wobei Hooper in Hinsicht seines schwarzhumorigen Albtraums zugleich auch völlig neues Terrain beschreitet, nicht nur wegen einem neuen (perfekt gewählt) Dinner, sondern auch weil er hierbei die Tragik des Monsters wesentlich effektiver zur Schau stellt - mit vielseitigen Märchenanleihen auch im Sinne von »Die Schöne und das Biest« - und kraftvollen Gegenentwürfen und Referenzen zum Vorgänger. Damit macht das "Texas Chainsaw Massacre 2" zu einem eigentlich gelungenen Versandpaket, ausgeprägter in der ironischen wie schwarzhumorigen Groteske, zugleich routinierter in der Inszenierung. Aber immer noch äußerst schmackhaft in solcher Verpackung.



7.0 / 10

Autor: Hoffman

Sonntag, 22. April 2012

Die Kettensäge schwingt - Klassiker der Extraklasse: Texas Chainsaw Massacre



»The events of that day were to lead to the discovery of one of the most bizarre crimes in the annals of American history, The Texas Chain Saw Massacre.« - mit diesen und den Worten: nach wahren Ereignissen warb man schon oft und oft reißerisch, beileibe möge der Großteil davon auch häufig mehr der Fiktion entsprechen, denn der Wahrheit, doch stets ein schlauer Schachzug um die Erwartungen der Zuschauer ins Kino zu bannen. Reißerisch, aber effektiv wie auch im Falle von Tobe Hoopers bahnbrechenden und umstrittenen Genrekultfilm "The Texas Chainsaw Massacre" aus dem Jahre 1974, bei welchem sich Hooper von dem Vorbild des Ed Geins inspieren ließ, und so heftige Kontroversen und viel strittigen Stimmen zu Wort kamen, das Publikum zeigte sich gespalten und doch gilt Hoopers Film bis heute als nahezu revolutionär auf der einen Seite, andere mögen ihn teils verspotten als billiges Machwerk, zu Unrecht für mich verschmäht. Wirklich über Hoopers Werk zu urteilen ist schwer, doch wenn man es hintergründig betrachtet, zeigt er uns doch gleichauf eine Reflexion einer verfallenen Gesellschaft auf. Es beginnt mit einem heißen Sommertag in Texas. Doch in jeder Lüge, liegt ein Körnchen Wahrheit.


Der Herr Hooper zeigt sich gewitzt und clever, denn zunächst bilden seine fünf Hauptprotagonisten (bestehend aus drei männlichen wie zwei weiblichen Teenagern) einen hintersinnigen Gedankengang , welche er als eine Art Karikatur ihrer Selbst anlegt und insofern auch die Klischees feinsinnig überspitzt, so mögen diese zumeist einfältig und gerade zu dümmlich agieren. Kurzum: Ein perfektes Fressen für die Bestie und doch letztlich irgendwie sympathisch, anders als man es gewohnt ist. Außerdem insofern auch passend besetzt. Irgendwie in dieser Weise fast schräg. Eines von vielen Details, auf welche Hooper setzt. Denn auch er lässt den grausamsten aller Autoren sein perfides Spiel treiben, die eigene Vorstellung des Menschen selbst, denn nach dem einfallsreichen Prinzip ( »umso weniger man zeigt, umso effektiver der Thrill.«)  zieht Hooper die Spannung an. Dreht die Schraube immer und immer weiter auf, dabei lebt sein Film besonders in der ersten Hälfte von seiner unheimlichen, bedrückenden wie auch hitzigen Atmosphäre, in dreckigen und ungereimen Bildern, welches das Szenario des puren Grauens beeindruckend festhalten und dies mit den einfachsten Mitteln, sodass ich es fast als stilistisch einzigartig wahrnahm und außerdem im Sinne des Grauens, abseits von dem kritischen Untertöne, beruft sich Hooper auf die Urängste des Menschen und konfrontiert sie schonungslos damit, allein der erste Auftritt von "Leatherface" zeigt diese Einfachheit um ein vielfaches, denn so befindet man sich geradezu in einen Schockzustand, einerseits angsterfüllt von der Figur und der kompromisslosen Gewalt, aber doch faszinierend man möchte mehr erfahren. Man will mehr wissen, doch Hooper belässt es bei den eigenen Interpretationen des Zuschauers und »schließt die Tür«, hierbei setzt er dies wirkungsvoll in Szene. Absolut erstaunlich in Hinsicht Hoopers minimalistischer Inszenierung, inwieweit er es darin vermag solch ein Schock-Gefühl auszulösen, das man sich nicht mehr von ihm losreißen kann, wie ich es meine und so vermittelt er doch gleichzeitig Realismus durch jenen Minimalismus. Ab da an hält Hooper nichts mehr und lässt die Kettensäge zum Einsatz kommen, welche spätestens bei einem der Höhepunkte des Films, der brillant, finsteren und erschreckenden Verfolgungsjagd Leatherfaces, ihre Vollendung findet und auch hier, einfach gehalten, aber absolut effektiv nachwirkend. An sich sind es nebenher auch die Charaktere, welche Faszination mit sich bringen, hier komme ich auch nochmal im besonderen auf die Schreckensfigur »Leatherface« zu sprechen. Denn es wird, wie ich vermute doch viele geben, die sich fragen würden. Was ist das eigentlich? Wie lautet seine Geschichte? Wie ist er dazu geworden? Warum tut er das? Hierbei lässt Hooper viel Platz für eigene Interpretationen stellt aber zugleich deutlich dar, gar ein Produkt einer kranken Gesellschaft. Hooper entwirft also zunächst ein Schreckensszenario, in drei Gedankenstücken seinerseits aufgeteilt: »Jugendliche, Isolation und einen leeren Benzintank« - so das Gundstruktur und auch darin lassen sich wieder zeitliche Referenzen finden, was er damit erschuf war der filmische Albtraum in all seiner Faszination. Hooper ist halt unberechenbar, so auch sein Film. Beeindruckend ist auch allein der Gedanke, dass "Texas Chainsaw Massacre" genauso gut auch als Reflexion der amerikanischen Gesellschaft funktioniert, teils satirisch, teils überspritzt, aber immer konsequent in der Ausführung, wobei dies auch weiterhin an den kranken Figuren der einheimischen Familie erkennbar ist und zeugt zweifelsfrei von verstörender Nachwirkung und somit furchteinflößend. Dies wird schon spürbar in den ersten Minuten von "Texas Chainsaw Massacre", die einen wie mich vollkommen in ihren Bann zogen durch die besondere Intensität der groben und körnigen Bilder. Verfeinert mit suggestiv scheinenden wie auch derweil verstörenden wie auch nervenzerrenden Soundklängen, das einem fast einen kalter Schauer über den Rücken jagt.


Insofern kann man demnach auch behaupten, dass Tobe Hoopers "Texas Chainsaw Massacre" ein von Anfang bis Ende perfekt durchdachter Alptraum, dessen Stellung auch man im zeitlichen Kontext betrachten sollte, und so auch ein abgründiger Trip ins Grauen ist, zugleich dadurch aber auch stark geprägt durch Hoopers Gesellschaftskritik. Mit den einfachten Mitteln reflektiert er die Urängste der Menschen, von einer einnehmenden und wirkungsvollen Atmosphäre gezeichnet. Erschreckend, schockierend und ich würde nicht zögern es nahezu visionär zu nennen. Der Beginn und ein unverwüstlicher Meilenstein des Terror-Kinos.



8.5 / 10

Autor: Hoffman

Freitag, 2. März 2012

Kurzkritik: Michael Bay´s Texas Chainssaw Massacre

Das hier ist das atmosphärische Ding von Villa, ob man das irgendwo kaufen kann? Sieht echt gemütlich aus...


"Ein idyllischer Sommertag wurde für sie zum Albtraum..."

Es ist schon komisch, erst war ich ein gnadenloser Fan und jetzt will nichts mehr funktionieren. Vielleicht sind Horrorfilme auch einfach nicht für den Montagnachmittag geeignet. Ist das überhaupt ein Faktor, kann es das Sehverhalten verändern, wenn man einen Film um eine bestimmte Uhrzeit schaut? Keine Ahnung. Vielleicht wird mir auch jetzt erstmal wieder bewusst, welch fürchterliche Filme ich insofern stets schaute, ich finde zum alten Biss zurück. Ein Wunder. Und das gerade bei einem Remake bei dem ich mich bei der Betrachtung einiger Bilder sogar irgendwie freute, denn Michael präsentiert die Neuverfilmung "Texas Chainsaw Massacre" unter der Regie von Marcus Nispel (alle Freude war dahin) aus dem Jahre 2003, warum überhaupt Freude, es ist ein Remake. Man kann ja mal hoffnungsvoll positiv veranlagt sein, dieses positive endete spätestens nach der 9. Minute des Films.



Wie immer das auch ist, die so Story ist ähnlich bis fast vollkommen identisch, nun gut kleine Änderung, ob man die mag oder nicht sei jedem selbst überlassen und so wirbt man hier auch - wie es einst Tobe Hooper - mit dem Fakt der wahren Begebenheiten, das wie auch beim Original eher lose, Glauben ist alles. Oder wer es glaubt wird selig. Insofern mag die Handlung an sich, aber auch recht ausgelutscht und verbraucht erscheinen, ohne großen Ideenreichtum und sonst auch simpel gehalten, erstmal kein Verbrechen. So schreiben wir das Jahr 1973. Wir befinden uns in Texas und die Sommerwärme ist deutlich spürbar. 5 Freunde machen einen kleinen Trip und landen in einem kleinen Kaff .Und dort lauert auf sie ein netter Mann mit einer netten kleinen Kettensägen, der Jagd auf die infantilen Jugendlichen macht. Leatherface ist los und der Alptraum kennt keine Gnade.



Dabei möchte man gar nicht so sehr an der Besetzung meckern, wenn man ehrlich ist, wenn man die Neuerungen bedenkt muss ich zugeben, dass Jessica Biel als als eine der 5 Jugendlichen, das ist die die am sympathischsten von den fünf scheint, Erin besser als erwartet ist und recht passabel agiert. Zu ertragen also und immerhin R. Lee Ermey (auch wenn ich mich frage was der in einem Nispel-Film zu suchen hat) erbringt hierbei doch noch eine solide Leistung als hinterhältiger und bösartig wirkender Sheriff. Klarstellen wollen wir aber mal, dass Marcus Nispel (The Master of Desaster - mein Pseudonym für den Mann) kein Tope Hooper ist. Er wird es nie werden. Da besteht nicht mal der Hauch einer Chance. Denn Nispel richtet seinen Fokus ganz klar auf pures (angelegt als Backwood-Slasher bzw.) Teen(!)-Terror-Horror-Unterhaltungskino, was Michael Bay im Titel auch noch tatkräftig unterstützt. Nun bin ich auch noch ein Fan von Hoopers Original-Fassung, in der minimalistischen Machart und dem kritisch angelegten Kontext. Wenn man Kritik äußert sollte man immer beim positiven anfangen: Immerhin schafft es Nispel in den dokumentarisch angelegten Sequenzen doch ein wenig Atmosphäre aufzukommen, jene Szenen stellen auch die faszinierendsten des gesamten Filmes dar. Vielleicht mag es an Nispels für mich stets unvollendeter und unausgegorener Machart und Inszenierung liegen, dass ich mit jenem Film wenig anfangen konnte. Das Absolutum des MTV-Horror-Kinos könnte man meinen. Im stylish-nervigen und nicht zu vergessen größtenteils hektischen (das ist schmerzlich positiv) Stil gefilmt. Dreckig gehalten (positiv) und gerade in der zweiten Hälfte mag der Film durchaus aus an Atmosphäre und Spannung gewinnen, bei den Verfolgungen und dem auf der Flucht-Prinzip. Das mag ich. Düstere Orte, finstere Schatten, eine Fleischfabrik (oder so ähnlich)  und wenn man glauben könnte Nispel wäre Symboliker (was er nicht ist) könnte man hier einige interessant zu deutende Symbolen finden. Ich zähle auf: Kuh, Schwein, Hut, Finger, alte Frauen, Villa, Uhren, Wald, Gartentor und Kettensägen-Symbolik, viel Spaß. Weiterhin bleibt Nispel der meinerseits nicht vorhandenen Symbolik treu, die Kritik, welche Hooper dennoch einst äußerte bleibt aus, und ist höchstens nur noch im nahezu unsichtbaren Maße zu erfassen. Und der Versuch mit seinen 9. Mio. Budget demselben Minimalismus zu huldigen, wie einst Meister Hooper, misslingt absolut. Zusehen ist da jedenfalls nicht, falls es Nispels Intention war.



Die Kameraarbeit dennoch wenigstens noch durchschnittlich gefilmt. Ein positiver Aspekt. Und Nispel hatte auch wesentlich schlimmere Filme, so mag bei "M.B.´s Texas Chainsaw Massacre" durchaus eine kleine Verbesserung bei ihm feststellen muss, das sollte man wissen. Dieser pessimistische Blick meinerseits mag insofern doch tatsächlich der Vorlage (immer noch von Hooper) anzurechnen sein, das am Rande. Des weiteren finde ich das Nispel-Remake an den typischen Nachwirkungen seiner Inszenierung und der scheinbar Nicht-Existenz der ersten 30 Seiten des Drehbuchs liegen. Die Charaktere einfach und dumm, dennoch dem Original keinesfalls ähnlich, wo man es dort fast noch als Spiel mit den Klischees betrachten konnte, seh ich hier nur dumme, dumme und noch dümmer agierende, aber vielleicht ist gerade das glaubwürdig (seltsam), Jugendliche nach den Body-Maß-Index-MTV-Vorschriften, größtenteils dabei teilweise überzogen (nicht positiv) dargestellt wie auch geschrieben (Dialoge), da wird selbst der Schrei zur Tortur, daraus sticht Biel insofern hervor, positiv. Weiteres Problem, zu schnell will Nispel hierbei stets den Blutfaktor und die Todesrate anheben, vergisst dabei aber, dass ihm nur eine begrenzte Anzahl zu Genüge steht, und so zählen am Ende weniger die Splattereffekte als nette kleine Verfolgungen mit der Kettensäge. Aber auch gut, denn so wenigstens etwas solider Hooror im Maße von Terror.



Abschließend bleibt mir dann nur noch zu sagen, dass "Michael Bays Texas Chainsaw Massacre" für mich doch eine herbe Enttäuschung ist, aufs Maßen der New-Prävision-(Abteilung Horror) der MTV-Generation angepasst, insofern schwerlich zu vergleichen mit dem Original oder gar dessen Qualität, wenigstens die schicke Villa hatte Atmosphäre und ein durchaus interessant und düsteres Setting. Sonst bleibt das Filmchen zwar ein fieser und recht brutal veranlagter Horrortrip, dennoch für mich einerseits größtenteils recht einfallslos als auch und uninteressant. Auch ich bin mal knauserig, klein-kariert und voller Intoleranz, obwohl das bin ich doch immer.



                                               4.0 / 10

Autor: Hoffman