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Samstag, 19. April 2014

Horror is not dead, it just smells funny - Kritik: The House of the Devil (2009)



Immer wieder frage ich mich, warum ich Horrorfilme schaue. Eigentlich ist es ja totale Zeitverschwendung: Im Endeffekt läuft es immer wieder auf das Selbe raus, es werden uralte Ammenmärchen aufgekocht und generell spießige Ängste vor allem, was andersartig ist, geschürt. Doch dann taucht so ein Film wie "The House of the Devil" auf, der aufzeigt, wie viel in dieser eigentlichen anspruchslosen Filmgattung stecken kann.
Hübsche junge Frau passt aus Geldsorgen für eine Nacht auf die Schwiegermutter eines dubiosen alten Herren in einem unheimlichen Landhaus, das mitten im Wald liegt, auf. Und in der selben Nacht ereignet sich natürlich noch eine Mondfinsternis. Darf es noch ein bisschen mehr Klischee sein? Ist ja klar, worauf das hinaus läuft. Und Regisseur Ti West macht auch keinen Hehl daraus, auf was es hinaus läuft, doch es ist die Art, wie er es macht, die diesen Film von der breiten Masse an Horrorfilmen hervorhebt. Bei den meisten Horrorfilmen gilt nämlich eine Art Faustformel: Geht der Film bspw. 90 Minuten - so lang geht auch "House of the Devil" -, dann sind 45 Minuten für die Einführung ins Geschehen da, die andere Hälfte hingegen dient dem eigentlichen Grusel. Und Ti West macht sich eben diese Erwartungshaltung zu Nutze. Permanent werden Sachen angedeutet, dann wieder negiert, im Dunkeln gelassen, scheinbar geklärt und am Ende kommt es doch anders als erwartet. Man merkt sogar, wie man irgendwie auf die falsche Fährte gelockt wird, doch man tappt munter hinein, da man sich einfach zu sicher wähnt. "Ich hab ja schon so viel Horror gesehen, der tut nur so, als ob."
Ja und nein. Natürlich tut er nur so, als ob, doch immer wieder tut er auch genau das, was man eigentlich erwartet hätte, aber aufgrund der Horror-Desensibilisierung nicht erwarten würde. "The House of the Devil" als nebulöses Verwirrspiel, das jeden Horrorfan, ganz egal, wie viel er gesehen hat, wieder bei Null starten lässt? Ja und mehr. Denn den Film einfach nur als Verwirrspiel abzustempeln, wäre ebenfalls zu wenig, da er auch inszenatorisch mehr als nur gelungen ist. Lange Einstellungen, in denen der Zuschauer zum Wegschauen gezwungen ist, sind hier gleichermaßen anzutreffen wie psychedelisches Geflacker. Das Pünktchen auf dem i ist allerdings die musikalische Untermalung des Films, die mal dröhnend, mal hektisch und mal ruhig das Geschehen kommentiert. Das alles wird von einem Regisseur, der sehr viel Liebe zum Detail an den Tag legt und bereit ist, dem Zuschauer Freiraum für eigene Gedanken zu gewähren, zu einem meisterhaften Ganzen zusammengefügt, das eigentlich genau das ist, was man seit Ewigkeiten vom Horrorfilm fordert: etwas Neues.

9.0/10

Autor: MacReady

Samstag, 16. März 2013

Spezialbuchreview: Midnight Movie






Heute wage ich mich mal auf ein anderes Terrain. Weg vom Bildschirm, die Nase ab zwischen die Seiten. Und, was stand denn so auf meinem literarischen Speißeplan? Ihr erahnt es sicher schon, ein gewaltiges Werk, das Goethes "Faust", Tolstoys "Krieg und Frieden" und Joyce's "Ulysses" zusammen überragt: "Midnight Movie" von Tobe Hooper und Co-Autor Alan Goldsher.

Wie, ihr wisst nicht, wer Tobe Hooper ist? Na, dann helfe ich euch mal auf die Sprünge...

wrumm, ratter, tatter, säg, säg, säg!!!!

Richtig! Der Regisseur und Drehbuchautor von "The Texas Chain Saw Massacre". Und damit ist ausdrücklich keiner der beiden Bay-Nispel Filme gemeint, sondern das schöne, alte, heißgeliebte "Blutgericht in Texas". Wer's nicht kennt, sollte es nachholen, so am Rande... Aber gut, ich will nicht abschweifen:

Vor ein paar Wochen schlenderte ich durch die lokale Buchhandlung, und mein Blick schweifte so durch die Regale, und da blieb ich plötzlich vor einem Buch, das bei den Neuerscheinungen stand hängen und musste mir erstmal die Augen reiben. "Was, das Buch ist von Tobe Hooper? Dem Tobe Hooper, der der Welt in Form seines Kettensägenmassakers ein wunderbares Geschenk gemacht hat? Das muss ich haben!".

Gesagt, getan, bezahlt und mit nach Hause genommen. Zunächst rätselte ich, um was es denn nun in diesem Werk gehen würde.Aber wie sagt man doch so schön: lesen geht über studieren. Oder so ähnlich. (?)

Nun ja, auch egal. So fing ich an zu lesen, und zunächst wirkte all das sehr autobiographisch. Hooper wird im Jahre 2009 zu einem Screening seines angeblich verschollenen ersten Filmes, "Destiny Express", eingeladen. Eigentlich hat der gute Tobe keine Lust darauf, da er sich sowieso nicht mehr an den Film erinnern kann und allgemein im Buch als ein misanthropischer Eremit, der jeglichen Kontakt zur Aussenwelt weitestgehend meidet, geschildert wird. Doch - und nun beginnt das ganze emotional zu werden . Hooper hat kein Geld, sein Ruhm ist seit Jahren verblasst und er hält sich mit billigen TV- Produktionen über Wasser. Fand ich irgendwie rührend. Der einsame Aussenseiter am Rande der Filmwelt, in der ein Blockbuster nach dem anderen aus der Filmschmiede kommt, und Millionen gemacht werden. Doch, egal, Hooper werden vom Veranstalter des Scrrenings, einem nach Salami stinkendem, fetten Big Lebowski Fan, 20.000$ geboten, falls er zum Screening kommt. Da kann Hooper, der mittlerweile in Los Angeles (von ihm meist "Hell-A" genannt) lebt, nicht ablehnen, da er laut eigener Aussage mit einigen Rechnungen im Rückstand ist, und fliegt daher kurzfristig in seine Heimatstadt Austin in Texas. gut, soweit wäre der Plot erklärt, und ich dachte beim Lesen wirklich, dass das eine Autobiographie wäre, doch prompt mit Seite 100 lässt Hooper den Plot einfach fallen und die Geschichte nimmt absurde, horrorlastige und auch gesellschaftskritische Züge an.

Ich will nicht zu viel verraten, denn was sich ab Seite 100 abspielt ist einfach so verrückt, dass man es eigentlich selbst gelesen haben muss. Nur so viel sei gesagt: seltsamer Weise verfallen mehrere Leute, die bei dem Screening waren dem Wahnsinn, bekommen merkwürdige Geschlechtskrankheiten oder planen plötzlich Selbstmordattentate. Und diese Welle schwappt mehr und mehr auf das ganze Land über, und so wird der Frühling/Sommer 2009 in den USA zu einer Art Bürgekrieg. Jetzt bleibt nur zu rätseln, inwiefern Hoopers Erstlingswerk etwas damit zu tun hat, und was Tobe unternehmen kann, um die USA zu retten....

Geschrieben ist das Buch, zugegebenermaßen, sehr gewöhnungsbedürftig. Das Geschehen wird immer aus der Sicht einer der beteiligten Personen geschildert, oder mehrere Seiten bestehen einfach nur aus fiktiven Twitter Nachrichten, Blog Einträgen, Artikeln von merkwürdigen Websites oder auch einem Protokoll eines wahnsinnigen Homeland Security Agenten. Auch die Wortwahl ist sicher nicht jedermanns Geschmack. Hooper verwendet oftmals satirische Übertreibungen und Vulgärsprache. Hat mich allerdings kein bisschen gestört. Ganz im Gegenteil. Dieses Buch hat mir gezeigt, dass Hooper einen herrlichen und absurden Sinn für Humor hat.

Man kann "Midnight Movie" vordergründig als reines Fun Buch für Horrorfans sehen, doch es ist auch eine satirische Schelte gegen Hollywood, sowie die Berichterstattung der Medien und Internetcommunity im Falle eines Ausnahmezustands. Doch das überlässt Hooper ganz fein dem Leser selbst.

Abschließend bleibt mir eigentlich nur zu sagen, dass mir das Buch sehr gefallen hat und Hoopers Status als "Heiliger", zumindest für mich, untermauert hat. Empfehlen will ich es aber trotzdem nur bedingt, da es sehr eigen ist und beileibe nicht jedem gefallen wird. Aber egal, ich fand es herrlich und segne es mal mit dem Status "Geheimtipp" ab.


8/10

Autor: MacReady

Mittwoch, 4. Juli 2012

"Keep repeating: It´s only a movie" - Klassiker der Extraklasse: Das letzte Haus links - The Last House On The Left

The Last House on the Left


»It´s rests on 13 acres on earth over the very center of hell...!« - Erneut ein kleiner »Time-Jump« in den, in letzter Zeit, häufig auftretenden zurück zu den Anfängen. Zum Beginn des modernen Horrorfilms - ganz im Stile meines derzeitigen Trends - etwas anderes sollte man demnach auch nicht erwarten. Für alle die, die schon immer wissen wollten - wie man einen Zusammenhang zwischen Wes Craven und Ingmar Bergman knüpft - den Vietnamkrieg und andere gesellschaftliche Probleme radikal filmisch thematisiert - und warum ich »Laserdisc-Trailer« in ihrer bescheidenen geistigen Qualität so liebe - die Antwort liefert das Frühwerk von Wes Craven »The Last House on the Left« aus dem Jahre 1972, mit welchem Craven zudem auch seinen Durchbruch in der Filmlandschaft schaffte und so auch einen umstrittenen, aber nicht minder revolutionären Vertreter des Genres schuf, der bis heute Maßstäbe setzte. Klingt zwar derweil recht plakativ, durch inflationäre Verwendung, jedoch es ist eine Tatsache, immerhin der im Grunde erste Vertreter des großen Terrorkinos.


The last House on the Left


Auch wenn mich das insofern noch einmal zu Ingmar Bergman zurückführt und seine Vorlage zum Film, welche »Die Jungfrauenquelle« bildet und so auch Craven die Ausgangslage bot, um daraus wie es mir scheint ein völlig anderes Konzept zu basteln, obgleich man auch Bergman gewisse revolutionäre Züge zuweisen muss, dies werde ich aber nochmal ausführlich an sich beleuchten müssen, sodass Craven bei »The Last House on the Left« Bergmans Film zunächst modernisiert um ihn dann in den zeitlichen Kontext der 70er Jahre zu setzten.

Es beginnt idyllisch: Zwei Mädchen auf den Weg in die Stadt, in das Grauen. Vorahnung wird betont, jedoch missachtet. Dabei zeichnet (wie sich noch im späteren Verlauf seines Schaffens zeigen wird) seine Figuren als Abziehbilder der Gesellschaft, nach den Klischees der amerikanischen Kleinfamilie eingerichtet, umso auch im Verlauf seiner Geschichte mit dieser Gesellschaft abzurechnen - zynisch natürlich. So lässt er seine zwei weiblichen Protagonisten (Status: Einfältig), sich ihrem eigenen Unheil verantworten und jetzt die handgewandten Straftäter auf sie, welche sie bedrohen, sie peinigen, sie vergewaltigen und auf Widerstand auch mit Tod antworten. In dieser Szenerie weiß Craven natürlich harmonisch zu agieren und kompromisslos Regie zu führen wie auch den Terror zu definieren, in Form des erstmalig auftretenden Subgenres »Rape and Revenge«, welcher an sich schon die Grundsubstanz des Selbstjustizfilm festlegen sollte.

Und so schraubt Craven in Hinsicht seines Terror und der Angst die Spannung immer weiter an, überspannt sie kurzum und lässt die pure Gewalt eskalieren. Zwischendrin verzwickt er sich zwar in einer satirischen Abrechnung mit der Justiz und dem Gesetz (in Form von zwei unfähigen Polizisten), was so den kritischen Anteil seines Werkes erneut deutlich macht, aber im Bezug der Handlung auf mich fast unnötig wirkte, auch wenn ich seine Intention nachvollziehen kann, leicht-spöttisch. Schon hier manifestiert sich Cravens radikaler wie auch roher Stil (hervorgerufen durch Minimalismus), der Gewalt in all seiner Grausamkeit aufzeigt. Brutal und nervenzerrend, hierbei wieder mit überraschend passend-dualistischen Score und einem Soundtrack unterlegt, der wiederum einen gewissen Frieden und einen ruhige-entspannte Substanz bietet, was im Gegensatz zu Cravens Stil steht, was dem Ganzen somit einen ironischen Beiton gibt beim Paradoxon. Während Craven an sich auch immer einen seidenen Faden zwischen Gesellschaftssatire und purem und perversen Terror zieht, beides provokativ wie eigenwillig von ihm inszeniert.

Und so für mich auch doch im gewissen Maße gewöhnungsbedürftig, wenn überhaupt möglich. Als Beilage serviert Craven noch reichlich blutige Metaphern und setzt sich auch hier bereits mit den zeitlichen Missständen auseinander, von denen der Vietnamkrieg und dessen Aufbereitung wie auch das Traumas dieses nur einige Aspekte wären. Der Krieg ist Heim gekommen. Eine Abrechnung mit den Idealen des amerikanischen Traums. Und des weiteren entlarvt Craven im besonderen den Zuschauer in dem letzten Drittel seines Films, stellt eine bestimmte Ambivalenz her, er lässt die Peiniger selbst des Schicksals bittere Kraft spüren und wandelt das Bild meisterlich insofern, sodass »The Last House on the Left« sich nahezu einer perfiden und bitterbösen Groteske angleicht (an der radikalen Kettensäge mangelts nicht), hier sprüht nochmal einmal die Symbolik große Funken mit satirischer und überzogener Darstellung und so schlägt die Eskalation der Besinnungslosigkeit an. Es lässt einen doch ratlos zurück.

The last House on the Left



Es ist der blanke Terror, den Craven hierbei bebildert, ungeschönt und dreckig wird gefilmt, weshalb dadurch Wes Cravens Film »The Last House on the Left«auch eine bedrohliche und verstörende Intensität besitzt, welche wiederum Authentizität erschafft. Auch die Isolation von der Zivilisation durch die Kulisse des wuchernden Waldes ist hintergründig gewählt, denn so zeigt dies doch eine symbolische Verworrenheit im undurchsichtigen Dickschicht des Films selbst, dazu der Klang wie der Herzschlag der Protagonisten. Das verräterische Herz. So definiert man und das macht seinen Film so zu einer cleveren, wie auch perfiden Gesellschaftssatire, bei der Craven seine Qualitäten schon früh unter Beweis stellte. Ja, das ist bitterböses und subversives Terrorkino in Reinkultur.



7.5 / 10

Autor: Hoffman

Samstag, 23. Juni 2012

Jetzt wird weiter gesägt - im grotesken Stile! - Kritik: Tobe Hoopers Texas Chainsaw Massacre 2



»It´s the devils playground!« - Oftmals wird Tobe Hooper in seiner gesamten Film-Laufbahn eigentlich stets auf zwei differenziert zu betrachtende Filme reduziert. Zur einen Seite auf sein legendäres »Texas Chainsaw Massacre« aus dem Jahre 1974, zum anderen auf die satirische Geisterachterbahnfahrt und »Poltergeist« (1982), wobei jener im besonderen unter dem Einfluss von Steven Spielberg stand. Jedoch ist ist dieses systematische Prinzip fehlerhaft, denn (Betonung auf »denn«) Tobe Hooper drehte so auch die Fortsetzung zu seinem kulturell wertvollen und kultigen Blutgericht. Rekapitulieren wir nun also erneut die Ereignisse mit denen Hooper - mit minimalistischen Mitteln (einem geschätzten Joker-Budget von 60.000 Dollar) - seinen persönlichen Beitrag zum Terrorkino der 70er Jahre ablieferte und somit auch wahrscheinlich einer seiner bedeutendsten und radikalsten Vertreter in seiner Ausübung. Fast 12 Jahre später versuchte sich nun Genreveteran Hooper erneut an seiner Legende und daraus entstand schließlich die berüchtigte und verkannte/riskante Fortsetzung "Texas Chainsaw Massacre 2" aus dem Jahre 1986, welcher wiederum im Gegensatz zu seinen Vorgänger im rapiden Sinne als Flop verzeichnet werden sollte, auch wenn der Titel derselbe war bloß mit einer »2«, aber die mochte ja noch niemand.

Dennis Hopper unentschlossen. Eine Frage, die über Leben und Tod entscheiden könnte. Welche der beiden Kettensägen schneidet effizienter? Welche trägt das hübschere Design beim Rache-Motiv? Wie wird er urteilen?


Dabei spürt man eigentlich von Vornherein schon, dass "TCM 2" einen völlig anderen Pfad einschlägt als sein Vorgänger, was sich auch darin bestätigt, dass dieser zunächst als Persiflage auf das Original gedacht war, dennoch nicht als solche umgesetzt wurde. Trotzdem scheint dieser Grundgedanke bei Hooper erhalten geblieben zu sein, besonders anfangs spürt und entdeckt man die grotesken Formen, höchst ironische und die durchgeknallte Ader von Hoopers Film, der an sich eh hierbei den humoristischen Mitteln einen wesentlich größeren Stellenwert reinräumt als noch in seinem Vorgänger. So ähnelt "TCM 2" zwar dabei durchaus eher einer überdrehten Horrorkomödie, in der Hooper seinen Terror nun mal mit Humor paart, wie er es in satirischer Anlage bereits beim Original tat, aber geht dabei hierbei noch eine Spur weiter, auch wenn das Spektakel dabei auch in gewisser Weise platter sein möge in seinen politischen Ambitionen, die Hooper trotzdem weiß gefügig zu präsentieren, wenn auch herrlich bissig in seinem Tonfall und trotz der Tatsache, dass das Ganze zunächst inszenatorisch unspektakulärer daherkommt, doch insgesamt eine präzise Komposition der verschiedenen Stilmittel, harmonisch von Regie bis Score (teils von Hooper selbst komponiert) in seiner gespenstischen Art zwar leicht amateurhaft, aber zugleich atmosphärisch und suggestiv eingesetzt mit unheimlichem Gefühl hinterher, was aber gleichzeitig auch die überzogene Note des Films verdeutlicht. Man könnte demnach meinen Hooper finde hierbei ein gewisses Amüsement im Terror, was zwar weniger schockierend oder gar nervenzerrend sein mag, dafür aber durchaus amüsant auf seine Art. Hoopers Film taugt insofern auch eher als Groteske des ersten Teils, als denn als leibhaftiges Terrorkino im Stile dessen, obgleich "TCM 2" zudem auch nicht selbige atmosphärische Stimmung aufbauen kann wie sein Vorgänger oder dabei so teuflisch an geheizt wirkt, was aber auch Hoopers politischer Aussage geschuldet sein muss.



Da sich dieses Mal die Familie um Kettensäger Leatherface aus ihrer eigenen verfallenen und entlarvten Gesellschaft in die neue Zivilisation begibt, um sich dort einzugliedern. Recht logisch setzt dabei Hooper im Grunde direkterweise explizit beim Vorgänger an und spinnt die Geschichte des Leatherface weiter. Hooper selbst sucht dabei in der Geschichte oft genug Referenz zum eigenen Vorgänger einzubinden und zitiert diesen wie auch einige popkulturelle Erscheinungen gekonnt. Sogar eine extravagante und absolut überdrehte Star Wars-Referenz lässt sich im Abschluss darin nicht verbergen. Herrlich! Und dann noch Dennis Hopper, im Grunde das Beste was Hoopers Fortsetzung in Hinsicht kapitalistischer Absichten passieren konnte - naja oder eben nicht - als traumatisierter Sheriff »Lefty«, der seit dem Tod seines Neffen (Anspielung auf das Original!) durch das Texas Chainsaw Massacre auf Vergeltung sinnt. Wieder einmal ist es erstaunlich wie Hopper es schafft seinen eigentlich absolut überzogenen wie klischeehaften Charakter eine gewisse Ernsthaftigkeit und Sympathie zu verleihen, großartig. So ist es an sich auch kein Wunder, dass an sich Hoopers Film wieder recht  spielfreudig mit seinen charakteristischen Klischeebildern spielt und sie so zu sagen wieder ins absurde teils abdriften lässt, was an sich sichtlich freudig zu betrachten ist, obgleich auch erneut Hoopers Rotkäppchen-Motiv hierbei zusammen mit der Emanzipation der Frau zugleich noch wesentlich deutlicher wird. Intelligent wie satirisch gehandhabt auch Hoopers Reflexion der Außenseitergesellschaft, welche versucht sich in die Zivilisation einzugliedern, jedoch aber an ihrem eigenen Staus und Lebensweisen, welche die Gesellschaft in ihrer obskuren Weise nicht akzeptiert, scheitert.

»When a Leatherface loves a Woman«


Wunderbar symbolisch und ironisch eingefangen von Hooper und natürlich mit perfiden und bösartigen Charme an politischen Komponenten und Intentionen. Und Romero gar nicht so unähnlich in der Aussage, da die Gesellschaft mit Verachtung, Abstoß und Angstgefühlen gegenüber den Außenseiter reagiert, da diese nicht in ihr Klima passen. Auch faszinierend bleibt dabei der sexuelle Subkontext, wobei Hooper in Hinsicht seines schwarzhumorigen Albtraums zugleich auch völlig neues Terrain beschreitet, nicht nur wegen einem neuen (perfekt gewählt) Dinner, sondern auch weil er hierbei die Tragik des Monsters wesentlich effektiver zur Schau stellt - mit vielseitigen Märchenanleihen auch im Sinne von »Die Schöne und das Biest« - und kraftvollen Gegenentwürfen und Referenzen zum Vorgänger. Damit macht das "Texas Chainsaw Massacre 2" zu einem eigentlich gelungenen Versandpaket, ausgeprägter in der ironischen wie schwarzhumorigen Groteske, zugleich routinierter in der Inszenierung. Aber immer noch äußerst schmackhaft in solcher Verpackung.



7.0 / 10

Autor: Hoffman

Dienstag, 5. Juni 2012

"Die Glücklichen sterben zuerst" - Kritik: The Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen



»Ihr habt uns zu dem gemacht, was wir geworden sind!« - Nun da ich jetzt den Vergleich habe, ist der Prozess über Sinngebung und Eingebung eines Remakes natürlich gefragt. Immerhin ist es mir so möglich wirklich zwischen den beiden Filmen zu distanzieren, obgleich ich vorher erst immer gespalten zum Thema »Remake« hierbei stand, doch auch werte Dokumentationen und Wohlgesinnte des Films brachten mich letztlich dazu eben diesem noch eine Chance zu geben und so vielleicht sogar aus anderen Perspektiven zu sehen, so kann sich also das Sehverhalten von heute auf morgen ändern und auf einmal ist man auf solche Remakes gespannt wie bei dem von "The Hills Have Eyes", obgleich natürlich der Franzose Alexandre Aja dahinter an sich nun kein Grottenregisseur ist - trotz Spaltung optimistisch und aufgeschlossen (eine Seltenheit meinerseits) bei Ajas Remake aus dem Jahre 2006 von Wes Cavens genreprägenden Klassiker aus den 70er Jahren. Es mag insofern wohl mehr als für das Remake sprechen, dass immerhin »Master of Horror« Wes Craven selbst als Produzent fungierte und auch am Drehbuch mitwirkte, was sich deutlich in dem Film selbst aufzeigt, nicht nur qualitativ.



Nicht nur, dass insofern Aja selbst auch Cravens Original zunächst mal würdig referiert. Und eines hat so gesehen das Remake von Aja dem Original in der Synchro vorraus, es gibt keine bescheuerten Außerirdischen als Gegenentwurf. Schon in den ersten Minuten zeigt sich dabei aber auch auf was Aja in seinem Film hinsteuert und wie er seine Karten geschickt ausspielt. Ich finde es hierbei mehr als vorbildlich, dass Aja soweit auch die politische Note und die kritische Seite von Cravens Film teils beibehält, auch wenn seine Intention vielleicht dabei sogar noch eine etwas andere sein mag, da er hierbei eine deutliche politische Stellung bezieht und auch Kritik an der Atompolitik übt, wie bei Craven mit vielerlei blutigen Metaphern und symbolischen Andeutungen, wobei besonders letzterer Punkt der Atompolitik bei Aja sich wesentlich deutlicher abzeichnet, wo Craven noch andeutete - das beweist allein der begnadete Einstieg und so schildert er auch hintergründiger die Möglichkeiten jener Entstehung in den unheilvollen Hügel. Nach W-Fragen-Prinzip geordnet: Wieso? Weshalb? Warum? Wo Craven bekanntlich noch den Zuschauer selbst urteilen und überlegen ließ, wobei er somit ihm auch mehr Freiheiten bei eben jener Interpretation des Werkes gab, obgleich dies vielleicht demnach auch den zeitlichen Umständen geschuldet wäre. In jedem Fall ist Ajas Remake so selbstredend den heutigen Sehgewohnheiten angepasster. Andererseits setzt aber Aja gleichzeitig auch auf viele bekannte Motive von Cravens amerikanischer Filmfamilie, wie schon bei Craven selbst: Das prototypiserte, perfekte Bild einer amerikanischen Arbeiterfamilie. Familienoberhaupt "Big Bob" (dominant-republikanisch: Ted Levine) pensionierter Polizist und fahnenschwingender, waffenfreudiger Republikaner, mit traditionellen Familienwerten und so zeichnet auch Aja seine Charaktere als Extremklischees und Stereotypen der Gesellschaft, verknüpft dies aber gleichzeitig mit seinen politischen Ambitionen und mancherlei moderner Konvention in Hinsicht der Jugend. Im Vordergrund steht dabei besonders der Konflikt zwischen Vater Bob (Republikaner) und seinem Schwiegersohn Doug (Demokrat), der wiederum nicht an die Waffengewalt zunächst glauben mag, ohne jegliches Ziel, was Aja auch mit einem kurzen Ausspruch klarstellt, auch wenn er sich dadurch keineswegs von den Charakteren Cravens distanziert.



So strebt er doch insofern auch eine gewisse Modernisierung (mit klischeehaften Attributen jener, auch wenn sie Aja weniger gelungen überspitzt als Craven) dieser an wie auch der Handlung, welche in die heutige Zeit transferiert wird, wodurch er wie viele andere Remakes in die Schleife der wenigen Innovationen hineinschreitet. Und ich mich so teils fragte, inwieweit Aja überhaupt dem Original etwas hinzu zu fügen weiß, in Anbetracht dieses Denkens folgt Aja recht linear der Handlung (»In der Wüste strandet Arbeiterfamilie mit Wohnmobil und wird bedroht von degenerierten Mutanten«) und deren Zügen des Originals (wenn auch präziser geschildert), obgleich ihn letztlich aber doch der Sprung glückt und sich so von Cravens Film gekonnt lösen kann, um eigene Stilmittel miteinzubinden, wenn selbst der Demokrat zum Patriot wird und sich die hell aufleuchtenden Metaphern überschlagen, dass man es fast als schwarzhumorig bezeichnen möchte. Es sind die kleinen Details, die Ajas Film insofern strahlen lassen. Daneben noch ausgerüstet mit Kamera und furioser Optik, die diese stilistischen Kleinigkeiten betont und dazu eine gewisse Ästhetik zeigt, was zwar etwas glanzvoll sein mag und durchaus etwas fragwürdig in Bezug auf die Erzeugung von Terror, aber doch zeigt Aja so seine persönliche Note - die rohe, trockene und dreckige Atmosphäre ist zudem eh zu Genüge vorhanden und spiegelt doch wunderbar das Gefühl des Originals wieder, was Aja auch deutlich und angemessen in Hinsicht des Soundtracks (»California Dreamin´«) erkennen lässt und so wird zitiert und sich nahezu vor ihm verneigt. Was Ajas Regie selbst angeht, so muss ich doch sagen, dass es mich insofern überrascht, dass sich Aja gar nicht mal so weit im Verlauf von der Cravens distanziert, auch er beginnt gediegen und lässt (wenn auch verstärkter) Unheil sähen, hierbei profitiert er enorm von der geschaffenen Atmosphäre und den exzellenten Kamerafahrten wie auch den präzisen Schnitten. Bevor er den Terror entfesseln lässt, dass dieser dann wesentlich härter, blutiger, angepasster und brutaler in der Ausführung daherkommt ist mehr als plausibel, wenn auch jeweils den zeitlichen Umständen und den heutigen Sehgewohnheiten geschuldet. Wo Craven seine Möglichkeiten seiner Zeit bereits vollkommen ausarten ließ, darf Aja noch einen Schritt weitergehen, während sein Film von einem unterschwelligen Score untermalt wird.




Gerade diese Brechung im letzten Drittel lässt Ajas Remake also aus dem Schatten seines Originals treten und seinen eigenen perfiden wie auch konsequenten Charme daran entwickeln und somit doch zu einem eigenständigen Werk werden, dass wie ich es immer meinte, gar nicht so unsinnig seie dieses zu produzieren. Denn glücklicherweise schafft es Aja seine ganz eigene Variation des Terrors zu kreieren, jedoch im Sinne Wes Cravens, und dabei seine politischen wie kritischen Phrasen interessant zu verpacken, wie auch seine stilistischen Stärken zu fördern. Im heutigen Genreverfallssumpf schon etwas besonderes, nicht nur weil sich Alexandre Ajas "The Hills Have Eyes" auf die Grundsubstanz des Terrorkinos beruft, sondern auch weil er sie angemessen zitiert und das macht ihn wohl zu einem durchaus gutem Remake. Eine echte Rarität.



7.0 / 10

Autor: Hoffman 

Donnerstag, 3. Mai 2012

Das Schlachtfeld des atomaren Wahnsinns- Klassiker der Extraklasse: Hügel der blutigen Augen - The Hills have Eyes



Im Grunde gibt es genau zwei Dinge, von denen ich meinen würde, dass sie mich nach der neusten Ansicht von "The Hills have Eyes" wirklich störten, im Nachhinein. Einmal, dass mir wieder vor Augen geführt wurde, welch brillanter und kritischer Wes Craven, doch einst war, seine derzeitigen Werke halte ich größtenteils eher für durchwachsen und in Anbetracht eines Regisseurs wie Craven gar irgendwie enttäuschend. Andererseits die Tatsache, dass die deutsche Synchro (dies muss ich einfach erneut erwähnen) eine Verfälschung dieses Werkes darstellt und auf mein Raten absolut zu meiden wäre, außer man möchte sehen, wie eine einzige Synchro einen gesamten Film in fast jeder Intention zerstören kann. Das passiert wenn die deutsche Synchro zu Werke geht und aus von der Gesellschaft missachteten und von der Regierung im Stichgelassenen wie auch degenerierte Mutanten auf einmal Außerirdische werden, dies bestätigt auch wieder der deutsche Trailer und ich wiederhole es in aller meiner Deutlichkeit, wer diesen Film in jener Synchro schaut, ist bei "The Hills Have Eyes" von Wes Craven aus dem Jahre 1977, letztlich selber Schuld.




Denn so übersieht man auch hier schnell den zeitlichen Kontext und den kritischen Anteil jenes Films wie auch die brisanten Eigenschaften der Handlung, wobei Craven so abgeklärt ist, das er sich zunächst erstmal einer dieser perfekten Klischeebilder der amerikanischen Arbeiterfamilie zur Seite legt, vom pensionierten Polizisten in der dominierenden Rolle des Vaters, bis zu den rettenden Schäferhunden. Des Menschen Freund und Helfer. Grandios. Reihenweise werden Klischees hierbei durchexerziert, wobei so Cravens Charaktere einen überspitzen Charme beinhalten und als Zuspitzung des Ganzen werden uns jene Mutanten präsentiert, wobei Craven auch in deren Gestaltung Humor und kritische Ansätze beweist und man so bei genauerem gemeinsamen philosophieren sogar durchaus faszinierende Parallelen zum Vietnamkrieg wie auch jene Methode dessen ziehen kann. Zugleich geht aber Craven auch kritisch ins Gericht mit der amerikanischen Regierung wie auch der Atompolitik Amerikas, in  jenen Zeiten, wodurch sich dies auch auf das Verhalten und den Hass der Entstellten auswirkt. Von jeglicher Hilfe entbehrt und so nach dem Blut jener dürsten, um ihren inneren Kannibalismus zu näheren und ihre Wut zugleich zu stillen, wobei sich Craven dabei auch von der Geschichte des Alexander "Sawney" Bean und seiner Familie scheinbar inspirieren ließ. Geschrieben steht Satire, immer wieder mit teils amüsanten, teils faszinierend-blutigen Metaphern und einer durchaus hintergründigen Symbolik. Insgesamt erschreckend und im zeitlichen Kontext mehr als brisant. Die Folgen der atomaren Versuchung. Dabei rüstet er sich erneut gegen die Konventionen des damaligen Hollywoodkinos und bleibt seinen minimalistischen Erzählstil doch treu, obgleich nochmal besonders der Abschluss des Films dieses Brechung der Konventionen verdeutlicht, wenn sich im Sinne des Zuschauers das Bild sich in ein rotes Gewand verwandelt und man beginnt die grausamen Ereignisse jener groben und intensiv gefilmten Bilder zu verarbeiten. Obgleich Cravens "The Hills Have Eyes" doch eine gewisse Zeit braucht um seinen Terror vollkommen zu entfesseln und gerade dies ist für heutige Sehgewohnheiten doch gewöhnungsbedürftig, dennoch stilecht setzt Craven seine wohl dosierten Schockmomente ein, jedenfalls meinerseits wirkungsvoll zu Tage gebracht, bevor er kurzum erneut zeigt in der Gewalt liegt der Terror und stellt diesen in einem fast schon zynischen Ton-  rau und ohne Kompromisse - dar. Ernüchert in Hinsicht des Terrors, statt ihn wie heutige Genrekollegen zu glorifizieren und darin lag für mich gerade die Faszination des Grauens, obgleich mein Interesse allein schon des kargen und steinigen Settings in den unheilvollen Hügeln geschuldet ist, was Cravens Film aufgleich eine besondere Intensität in der Ausführung gibt, die Kamera (Eric Saarinen) leistet insofern ganze Arbeit und die Atmosphäre wird stimmig in Szene gesetzt. Effektiv wird auch der nervenzerrende wie auch drastische Score zum Einsatz gebracht, welcher jenen einnehmenden Stil erneut bestärkt. Wobei Wes Craven in seiner Konsequenz das Grauen gleichauf reflektiert mit schonungsloser Gewalt, welche mich bis zum Schluss nicht losließ und auf eine drastische Art den Zuschauer (somit mich) verstört und letztlich irgendwie ratlos zurücklässt mit den schockierenden Bildern, seiner Zeit beileibe revolutionär inszeniert, obwohl dies für vielerlei wahrscheinlich aus heutiger Sicht schwer zu betrachten ist oder gar zugänglich. Verständlich, dennoch meine ich sollte man Cravens Werk nicht mit dem Horrorkino der heutigen Zeit vergleichen, aus meiner Sicht wäre dies absurd.



In meinen Augen insofern ein prägendes Stück Terrorkino, was Wes Craven mit "The Hills Have Eyes" schuf. Auch hier schafft er es mit einfachsten Mitteln das pure Grauen zu kreieren und nebenbei noch eine clever-satirische Auseinandersetzung mit den zeitlichen Konflikten, Themen und Interessen der siebziger Jahre darzustellen, demnach gepflastert von faszinierenden Metaphern. Dennoch heutzutage gewöhnungsbedürftig in der Erzählstruktur, aber doch von langer Nachwirkung geprägt, so wie auch letztlich mehr als sehenswert.


7.5 / 10

Autor: Hoffman

Sonntag, 22. April 2012

Die Kettensäge schwingt - Klassiker der Extraklasse: Texas Chainsaw Massacre



»The events of that day were to lead to the discovery of one of the most bizarre crimes in the annals of American history, The Texas Chain Saw Massacre.« - mit diesen und den Worten: nach wahren Ereignissen warb man schon oft und oft reißerisch, beileibe möge der Großteil davon auch häufig mehr der Fiktion entsprechen, denn der Wahrheit, doch stets ein schlauer Schachzug um die Erwartungen der Zuschauer ins Kino zu bannen. Reißerisch, aber effektiv wie auch im Falle von Tobe Hoopers bahnbrechenden und umstrittenen Genrekultfilm "The Texas Chainsaw Massacre" aus dem Jahre 1974, bei welchem sich Hooper von dem Vorbild des Ed Geins inspieren ließ, und so heftige Kontroversen und viel strittigen Stimmen zu Wort kamen, das Publikum zeigte sich gespalten und doch gilt Hoopers Film bis heute als nahezu revolutionär auf der einen Seite, andere mögen ihn teils verspotten als billiges Machwerk, zu Unrecht für mich verschmäht. Wirklich über Hoopers Werk zu urteilen ist schwer, doch wenn man es hintergründig betrachtet, zeigt er uns doch gleichauf eine Reflexion einer verfallenen Gesellschaft auf. Es beginnt mit einem heißen Sommertag in Texas. Doch in jeder Lüge, liegt ein Körnchen Wahrheit.


Der Herr Hooper zeigt sich gewitzt und clever, denn zunächst bilden seine fünf Hauptprotagonisten (bestehend aus drei männlichen wie zwei weiblichen Teenagern) einen hintersinnigen Gedankengang , welche er als eine Art Karikatur ihrer Selbst anlegt und insofern auch die Klischees feinsinnig überspitzt, so mögen diese zumeist einfältig und gerade zu dümmlich agieren. Kurzum: Ein perfektes Fressen für die Bestie und doch letztlich irgendwie sympathisch, anders als man es gewohnt ist. Außerdem insofern auch passend besetzt. Irgendwie in dieser Weise fast schräg. Eines von vielen Details, auf welche Hooper setzt. Denn auch er lässt den grausamsten aller Autoren sein perfides Spiel treiben, die eigene Vorstellung des Menschen selbst, denn nach dem einfallsreichen Prinzip ( »umso weniger man zeigt, umso effektiver der Thrill.«)  zieht Hooper die Spannung an. Dreht die Schraube immer und immer weiter auf, dabei lebt sein Film besonders in der ersten Hälfte von seiner unheimlichen, bedrückenden wie auch hitzigen Atmosphäre, in dreckigen und ungereimen Bildern, welches das Szenario des puren Grauens beeindruckend festhalten und dies mit den einfachsten Mitteln, sodass ich es fast als stilistisch einzigartig wahrnahm und außerdem im Sinne des Grauens, abseits von dem kritischen Untertöne, beruft sich Hooper auf die Urängste des Menschen und konfrontiert sie schonungslos damit, allein der erste Auftritt von "Leatherface" zeigt diese Einfachheit um ein vielfaches, denn so befindet man sich geradezu in einen Schockzustand, einerseits angsterfüllt von der Figur und der kompromisslosen Gewalt, aber doch faszinierend man möchte mehr erfahren. Man will mehr wissen, doch Hooper belässt es bei den eigenen Interpretationen des Zuschauers und »schließt die Tür«, hierbei setzt er dies wirkungsvoll in Szene. Absolut erstaunlich in Hinsicht Hoopers minimalistischer Inszenierung, inwieweit er es darin vermag solch ein Schock-Gefühl auszulösen, das man sich nicht mehr von ihm losreißen kann, wie ich es meine und so vermittelt er doch gleichzeitig Realismus durch jenen Minimalismus. Ab da an hält Hooper nichts mehr und lässt die Kettensäge zum Einsatz kommen, welche spätestens bei einem der Höhepunkte des Films, der brillant, finsteren und erschreckenden Verfolgungsjagd Leatherfaces, ihre Vollendung findet und auch hier, einfach gehalten, aber absolut effektiv nachwirkend. An sich sind es nebenher auch die Charaktere, welche Faszination mit sich bringen, hier komme ich auch nochmal im besonderen auf die Schreckensfigur »Leatherface« zu sprechen. Denn es wird, wie ich vermute doch viele geben, die sich fragen würden. Was ist das eigentlich? Wie lautet seine Geschichte? Wie ist er dazu geworden? Warum tut er das? Hierbei lässt Hooper viel Platz für eigene Interpretationen stellt aber zugleich deutlich dar, gar ein Produkt einer kranken Gesellschaft. Hooper entwirft also zunächst ein Schreckensszenario, in drei Gedankenstücken seinerseits aufgeteilt: »Jugendliche, Isolation und einen leeren Benzintank« - so das Gundstruktur und auch darin lassen sich wieder zeitliche Referenzen finden, was er damit erschuf war der filmische Albtraum in all seiner Faszination. Hooper ist halt unberechenbar, so auch sein Film. Beeindruckend ist auch allein der Gedanke, dass "Texas Chainsaw Massacre" genauso gut auch als Reflexion der amerikanischen Gesellschaft funktioniert, teils satirisch, teils überspritzt, aber immer konsequent in der Ausführung, wobei dies auch weiterhin an den kranken Figuren der einheimischen Familie erkennbar ist und zeugt zweifelsfrei von verstörender Nachwirkung und somit furchteinflößend. Dies wird schon spürbar in den ersten Minuten von "Texas Chainsaw Massacre", die einen wie mich vollkommen in ihren Bann zogen durch die besondere Intensität der groben und körnigen Bilder. Verfeinert mit suggestiv scheinenden wie auch derweil verstörenden wie auch nervenzerrenden Soundklängen, das einem fast einen kalter Schauer über den Rücken jagt.


Insofern kann man demnach auch behaupten, dass Tobe Hoopers "Texas Chainsaw Massacre" ein von Anfang bis Ende perfekt durchdachter Alptraum, dessen Stellung auch man im zeitlichen Kontext betrachten sollte, und so auch ein abgründiger Trip ins Grauen ist, zugleich dadurch aber auch stark geprägt durch Hoopers Gesellschaftskritik. Mit den einfachten Mitteln reflektiert er die Urängste der Menschen, von einer einnehmenden und wirkungsvollen Atmosphäre gezeichnet. Erschreckend, schockierend und ich würde nicht zögern es nahezu visionär zu nennen. Der Beginn und ein unverwüstlicher Meilenstein des Terror-Kinos.



8.5 / 10

Autor: Hoffman