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Freitag, 7. August 2015

Ein Indianer-Western in den Everglades - Klassiker der Extraklasse: Seminola (1953)



Ein Mann, ein junger Lieutenant (jung und hochpoliert: Rock Hudson) namens Caldwell, steht vor dem Gericht und erzählt seine Geschichte. Er erinnert sich. Budd Boetticher erzählt eine Geschichte über die Seminolen-Indianer. Der Lieutenant wird zum Fort King beordnet als Späher, da er Erfahrungen mit dem Seminolen und der Umgebung hat. Sein dortiger Major will als penibler Unsympath gezeichnet, der sein Kommando nach den Lehrbüchern führt, sowie er diese Lehrbücher auch selbst lebt. Die Indianer sind auf Kriegspfad, weil weil sie sich dem Befehl des Militärs verweigern in Reservate umzusiedeln. Sie verteidigen ihr Land. Für den Major steht damit fest, dass das Kampf bedeutet und seinem jungen Späher traut er nicht über dem Weg. Der Major ist eitel, unbarmherzig und stur auf sein Ziel bedacht, auf die Erfüllung seiner Aufgabe. Dabei misst er einer Waffe größere Bedeutung bei als einem Menschenleben. Er ist ein Mann von großer Hochmut. Der Häuptling der Seminolen Osceola (Anthony Quinn) hingegen, früher als Freund Caldwells John bekannt, ist ein Pazifist, der kein Blut vergießen will, solange es noch eine andere Möglichkeit gibt.



Boettichers Film ist ein Western, der sich auf die Seite der Indianer stellt, mit ihnen sympathisiert. Das ist, was ihn hervorhebt. Ebenfalls nicht uninteressant ist die (teils nachgebaute? Oder teils echte?) Kulisse der Everglades als tropischer Urwald zwischen Gräsern, Sträuchern, Bäumen, Palmen und den Sümpfen, was man als ungewöhnlich, aber überaus reizvoll, für einen Western sehen darf. Vereinzelt schneidet Boetticher auch reale Dokumentaraufnahmen von Tieren in die Szenen, umso die Facetten der Natur zu zeigen und um das Dargestellte glaubhaft erscheinen zu lassen. Ein Film, der zwar letztlich recht simpel gestrickt sein mag und darunter leidet, dass er seinen eigentlichen Konflikt viel zu hurtig zu Ende führt, ohne das Wesentliche seiner vorhergehenden Erzählung zu beachten (= den Major?), aber trotzdem einen prägnant vorgetragenen und unterhaltsam komprimierten Beitrag des Westerns darstellt.


6.0 / 10

Autor: Hoffman 

Donnerstag, 9. Februar 2012

Alte Schinken Edition- bzw. Klassiker der Extraklasse: Ein Pyjama für zwei

Das zweite große Treffen zweier Filmlegenden, nicht mehr und nicht weniger kann gesagt werden, wenn Day und Hudson aufeinandertreffen. Nicht Tag, nicht Fluss, um das klar zu stellen. Auch wenn hier eher weniger das Prinzip des ´Gemeinsam ist man stark´zutrifft als ´jeder ist sich selbst der Nächste´, so seien sie beide zum Kampf gerüstet für VIP. Wieder vereint nach "Bettgeflüster", in "Ein Pyjama für zwei" (somit fast ironisch, aber dennoch zum fürchten, der Titel) von Delbert Mann aus dem Jahre aus dem Jahre 1961.

Die Story wie immer simpel gehalten, aber doch voller "Espirit" und immer noch sehr charmant, mehr erwartet man bekanntlich auch gar nicht von Liebeskomödien, jedoch immerhin durchaus kritisch auf die große Welt der Werber bzw. Werbung oder auch der gesamten Konsumgesellschaft angelegt, sehr fein: Die Werbin Carol arbeitet hart um in ihren Geschäft zu überleben, hingegen ihr Konkurrent Jerry schnappt sich die Aufträge durch seinen Charme und einen Überfluss von Partys und Alkohol bzw. nicht zu vergessen jungen willigen Damen, um so die Kunden zu ködern, die Strategie geht auf. Carol gibt aber nicht auf und will Fuß fassen beim nächsten Auftrag und so entdeckt sie bald VIP (=was auch immer), hinter dem auch Jerry hinterher zu seien scheint, so bezirrts sie dessen Erfinder, ahnungslos, dass es Jerry ist um den es sich dabei handelt.

Und wie bereits angedeutet steht die Besetzung für großes. Mit einem grandiosen Duo/Trio, bleiben wir bei Trio. So weiß zunächst natürlich Doris Day, wie der Tag selbst, zu verzaubern oder hierbei auch zu amüsieren als Werbefrau Carol zwischen biestisch-dominant und liebevoll-verliebt, irgendwas dazwischen, aber eine echte Kämpferin, für ihre das Produkt (immer noch VIP) und auch die Liebe. Und auf der anderen Seite und Nummer zwei im Pyjama, sofern man dem deutschen Titel folgen würde, selbstredend der große Charmeur Rock Hudson als gewitzter Werbefachmann Jerry, dem kein Trick zuwider ist, um an sein Ziel zu kommen. Hudson dabei sowohl rasiert, als auch mit Bart und Fischerhut, aber stets überzeugend, ein echter Gentleman und somit das perfekte Feindbild für Day. Ein grandioser Geschlechterkampf wie auch ein harmonierendes Traumpaar. Wundervoll. Komplettiert wird das Duo aber erst durch den einmaligen Tony Randall als neurotischer und unsicherer Konzernchef (auf Jerrys Seiten) Peter Ramsey, der gegen seine Komplexe versucht anzukämpfen, Randall selbst wie in "Bettgeflüster" geradezu das Tüpfelchen auf dem "I", mit viel Spaß am Spiel, serviert(e) er einem bzw. somit mir einige wunderbare Gags und Anspielungen und Neurosen, einfach herrlich zu beobachten.

Außerdem ist die Regiearbeit gelungen bzw. genauso gut könnte man routiniert sagen, zwischen locker und leicht verdaulich, und bezaubernd und nun mal so amüsant, wie es sich für eine herzliche Komödie, klassischer Machart, gehört. Dabei durchaus mit kritischen wie auch sexuellen Anspielungen angereichert, was dem Ganzen noch mehr "Pepp" und Energie verleiht, auch wenn das Werk an sich dabei nie besonders tiefschürfend wird, aber immerhin wunderbare Unterhaltung. Somit wird natürlich auch nicht der Humor vergessen, sprunghaft-schön (wie Randalls Performance) und federleicht, einfach amüsant, lebt aber gerade durch sein toll zusammengeführtes Darsteller-Trio. Das kann selbstredend im nostalgisch-schönen Gewand gefilmt.

Dazu noch mit überzeugenden Dialogen angereichert, mit klassischem Wortwitz verziert, und interessant wie auch genauso humorvoll gestalteten Charaktere, mit viel Liebe und VIP gemacht. Jedenfalls so was in der Richtung.

Abschließend bleibt mir dann nur noch zu sagen, dass "Ein Pyjama für zwei" doch eine sowohl romantische bzw. charmante als auch amüsante-herzliche Liebeskomödie ist, durchaus kritisch angehaucht, mit einem großartigen Trio, zum zweiten Mal vereint, und so in jedem Fall sehr empfehlenswert für alljene, die VIP lieben und endlich wissen wollen warum es so unsagbar erfolgreich ist oder Personen, die nichts über dieses Produkt wissen. Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Hoffman (es gibt nur einen), also nicht oder sofort den Experten, der nicht existent ist.



7,5 / 10

Autor: Hoffman

Dienstag, 6. Dezember 2011

Klassiker der Extraklasse: Was der Himmel erlaubt



Was der Himmel uns erlaubt, möge es die Liebe sein oder die Freundschaft, so findet sich doch stets in uns etwas einsames, gefestigt durch Misstrauen und Arroganz, doch möge die Liebe uns vereinen, ewig in ihr blühen, die Anderen ignorieren, der Himmel strahlt über uns doch sind wir ihm so fern. Was bleibt ist die Tragik des Seins. Doch das Herz bleibt, denn wir sind nun endlich Heim gekommen - Nun aber genug von Hoffmans Versuch irgendwie intellektuell zu wirken, denn das ist er nicht. Aber wohin nun? In die warmen und herzlichen Arme des Meisters der großen Gefühlsebenen. Dem Gott der Melodramatik. Hin zum großen Douglas Sirk und seinem Film "Was der Himmel erlaubt" aus dem Jahre 1955 nach dem Roman von von Edna und Harry Lee.



Die Story wie immer eine in erster Linie bezaubernde und emotional packende Liebesgeschichte, doch hierbei sei gesagt, dass sie hier hintergründiger angelegt wurde als man zunächst denken könnte, sogar regelrecht kritisch auf das Bürgertum der 50er Jahre bezogen, in ihrer vollen Arroganz und ihrem Materialismus: Seit Jahren lebt die Witwe Cary, nach dem Tod ihres Mannes, in tiefer Enthaltsamkeit. Genauso wie eine Witwe leben sollte. Hoffnung findet sie bei ihren Kindern, diese studieren. Doch frisst sie die innere Trauer, bis sie sich plötzlich in den weitaus jüngeren Gärtner Ron verliebt. Er erwidert ihre Liebe. Doch ihre Freunde der hohen Gesellschaft sind geradezu geschockt von dieser Liebe.

Dabei setzt Sirk hierbei auch erneut wieder einerseits auf eine erstklassige  Besetzung bzw. sein Darstellergespann, wie so oft und wie immer perfekt besetzt in der Rolle, Rock Hudson als einfacher und naturliebender bzw. stets freundlicher Gärtner Ron, Hudson zeigt sich wieder Hochform und vermag eine ganze Bandbreite an Gefühlen hervorzurufen, dass man ihn dafür eigentlich nur bewundern kann. Man bemerkt schnell seine Liebe zum Spiel und genauso überzeugt er. Und auch Jane Wyman weiß als reiche Cary Scott, aus deren Leben zunächst ein Wort wie Liebe verschwunden zu seien scheint, und durch Ron endlich ihr Glück findet, hin und her gerissen zwischen ihm und dem Country-Club,  zwei Pole, die man nicht vereinen kann, herzzerreißend von ihr gespielt, einfach grandios. Gemeinsam bilden beide ein wunderbar agierendes Gespann, das zu harmonieren weiß. Ein perfektes Filmpaar und auch sonst insgesamt exzellent gespielt.



Zudem ist Sirks Regie wohl so gesagt erneut himmlisch, für mich eindeutig einer seiner besten Arbeiten, zusammen mit "In den Wind geschrieben", inszeniert er hier wieder großes Kino. Zu Gute kommt dem besonders die Länge von ca. 90 Minuten, da ich bei Sirk stets die Kürze schätze, da in der bekanntlich auch die Würze steckt, wobei man so die grandiose und unfassbare Wucht der großen Gefühle besser verarbeiten kann, so geht es mir jedenfalls, und so riss hier meine Faszination für das Werk nicht ab bzw. ich wurde über vollständig gepackt. Brillant gemacht, zwar recht lebensfern, Kitsch in seiner schönsten und perfektesten Form, aber um es so zu sagen einfach wundervoll, so was kann man im Grunde genommen nicht nachmachen, immerhin beeinflusste Sirk durch seine Arbeiten, wie diese hier, viele große Regisseure von Fassbinder bis Lynch und ja auch Tarantino. Weiterhin von ihm wie gesagt gesellschaftskritisch angelegt, präzise und scharf, zwischen jenem und einem sentimentalen Melodram, kreiert er seiner große Gefühlsoper, tragisch, hochdramatisch und absolut konsequent dabei.Außerdem noch eine brillante Kameraarbeit, diese erschafft großartig und imposant anzuschauende Bilder, famos gefilmt, mit prächtigen Farben ausgestattet und die Natur-bzw. Schneekulisse an sich schon ein echter Traum, auch wenn ich hierbei ins schwärmen gerate: Schön. Wunderschön. Betörend. Und die Kamera an sich eh einmalig in ihrer Ausführung.



Letztendlich möchte ich dann nur noch sagen, dass "Was der Himmel erlaubt" ein brillant eingefädeltes, wundervoll bebildertes und hintergründig-melodramatisches Meisterstück von Douglas Sirk ist. Gefühlskino in seiner schönsten und besten Form.



9.0 / 10

Autor: Hoffman