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Donnerstag, 5. April 2012

Klassiker der Extraklasse: Das Appartement


»Wieso kann ich mich nicht in so etwas Nettes verlieben wie Sie?« - »Wie das Leben so spielt, Fortuna-mäßig«

Ein Appartement. Ein Heim wie auch ein Haus. Die letzte Zuflucht des maschinellen Arbeiters. Recht beschaulich. Aber lassen wir uns jenen Begriff nun nochmal in all seiner Deutlichkeit definieren. Im Grunde ist dies mehr als einfach, denn im herkömmlichen Sinne bezeichnet es ernüchternderweise nichts anderes als eine kleine Wohnung oder auch kleine Fluchten in Hinsicht des Hotels. Wie diese nun eingerichtet ist sei jedem selbst überlassen. Eindeutig ist bei dieser Formulierung dennoch nichts. Doch sei die Frage gestattet wie sieht es mit Billy Wilders " Appartement" aus dem Jahre 1960. Welchen Design lässt es sich hierbei zuschreiben der Postmoderne? Dem Bauhausstil? Oder gar dem Jugendstil? Wenn man mich fragen würde so würde ich Moderne schätzen. Aber das tut nichts zur Sache.


Denn Billy Wilder war bekanntlich kein Architekt oder etwa Designer wie Walter Gropius oder Wilhelm Wagenfeld. Nein Wilder war Regisseur. Einer der besten nebenbei gesagt. Und so dient die Betitelung »Appartement« als ein symbolisches Mittel. Währenddessen legt man viel Wert auf satirische Mittel und kritisiert die Geschäftsmoral und die Bereitwilligkeit des Einzelnen, wenn es um eine Beförderung ginge. Denn so benutzt der Angestellte C. C. Baxter sein Appartement um sich bei seinen Vorgesetzten beliebt zu machen. Diese nutzen es in seiner Vielfalt für ihre Schäferstündchen. So will der Zufall, das gerade Personalchef Sheldrake mit seiner heimlichen Liebe Fran anbändelt, und was nun tun?


Dabei begibt sich Wilder in einem so genannten »Status der Hochform« und ist insofern beileibe nicht mehr zu halten. Sein Film an Charme kaum zu toppen, wie so oft bei Wilder. Hierbei selbstredend auch wieder hintergründig von ihm beleuchtet und so übt er Kritik am Büroleben, schmackhaft und äußerst amüsant, dank seiner sehr hoch geschätzten satirisch-bissigen Seitenhiebe. Wie schafft das der Mann nur solch bitterböse Elemente so gleichauf federleicht und geradezu im höchsten Maße faszinierend zu machen, Wilder eben ein ganz Großer. Dabei wandelt man stets auf einem durchaus vergnügten Grundton, durchläuft funkelnd-böse angehauchte Passagen und so schwingt auch irgendwie letztlich ein Hauch Tragik mit wie auch eine unterschwellige Dramatik. Zudem aber stets charmant und liebenswert. Sarkastisch-schön. Wie so oft vordergründig eine immer noch göttliche Komödie, hintergründig aber wohl eine scharfe Abrechnung mit der Bürowelt. Tragisch-komisch. Edel wie grandios aufspielend auch die Darsteller, ob Jack Lemmon in seiner Paraderolle des schüchternden, stets sympathischen Baxter, der das Geheimnis des Erfolgs zu kennen scheint oder eine wie im Grunde immer bezaubernde Shirley MacLaine als dessen Schwarm und Fahrstuhlführerin Fran, welche Probleme für Baxter mit sich bringt. Sehr harmonisch auch das Zusammenspiel der Beiden. So gewinnt das Ganze glatt einen turbulenten Faktor. Des weiteren noch ein exzellenter Fred MacMurray als dominierender Personalchef. Was sie zusammenführt? Das Appartement. Ein herrliches Trio. Dazu sitzt jeder Dialog. Und man wird tiefgründig. Das Werk wird gar zur überraschenden Groteske. Das prägt die Faszination. Außerdem herausragend schön gefilmt. Da bekommt man glatt eine filmische Nostalgie-Sucht, traumhaft. Aber das gilt eh für den gesamten Film.


Im Grunde würde ich meinen, dass man Billy Wilder-Filme eigentlich nur lieben kann. Bis in jedes kleinste Detail ausgearbeitet. Man kann und möchte nur von ihnen schwärmen. Eigentlich sind Wilders Werke gar einzigartig in ihrer Machart. So ist auch sicher, dass Wilders "Das Appartement" eindeutig ein herausragend gemachter All-Time-Classic ist. Für mich gibt es da keinen Zweifel. Bei solchen Filmen freut man sich doch regelrecht, dass es solch ein Medium wie Film überhaupt gibt.



                                                   9.0 / 10


Autor: Hoffman

Dienstag, 27. März 2012

Alte Schinken Edition: Gambit - Das Mädchen aus der Cherry-Bar


»Gambit«, schon mal von gehört? Selbstredend außerhalb des Schachmilieus. Eher nicht oder? Wenn doch wäre ich des weiteren positiv überrascht, trotz der drei Oscar-Nominierungen, die dieser Film erhielt. Kennen dürften ihn trotzdem die Wenigstens, jedenfalls bis jetzt. Denn wie das Schicksal so spielt wird wieder fleißig »geremaked«, das heißt uns erwartet nun also baldauf eine Neuverfilmung des Stoffes, sogar von den Coen-Brüdern. Insofern würde ich das fast als gute Idee bezeichnen, zwar ist das Original keinesfalls schlecht, doch der Film unbekannt genug, um wenigstens ein Remake zu rechtfertigen. Kommen wir aber von jenen eher zu den Fakten des Originalfilms "Gambit" von Ronald Neame aus dem Jahre 1966.


Zunächst beweist man dabei noch echten »Style«, gleichauf mit einem mysteriösen Charme und edler Verzierung und alles perfekt, zu perfekt im Sinne der Handlung und der Clou zu schnell verspielt. Denkt man, denn gerade im ersten (von vielen) Schachzügen enthüllt "Gambit" seine Intelligenz und so ist der Beginn mehr oder weniger, ein gelungenes, aber langgezogenes Intro mit Stil und alles gewesene zeigt sich als ausgeklügelter Gedankengang, es war zu schön um wahr zu sein. Und so muss Dieb Harry Dean schnell erkennen, die Realität zum perfekten Verbrechen, die kostbare Skulptur eines Multimillionärs zu stehlen, ist schwerer als gedacht. Witz findet man wieder, in dem der Gedanke ins ad absurdum geführt, allein in Hinsicht der Tänzerin Nicole, welche man sich schweigsam dachte, entpuppt sich als freundliche und gelehrte Nervensäge (bezaubernd: Shirley Maclaine) und dahin ist das Mysterium, welch Tragik. Ein junger Michael Caine zudem mittendrin, mit viel Style und Stil, zum gern haben, zunächst noch elegant-kühl, später (durch Nicole) genervt, aber Caine bleibt cool, versucht es jedenfalls. Weiteres Problem: Der Multimillionär (mit viel Freude und einer spürbaren Gelassenheit spielend: Herbert Lom) ist kein isolierter, einfältiger und altmodisch-kitschiger Trauernder, sondern ein echt moderner Mann der Zeit, mit einem Faible für High-Tech-Spielereien und bewandert in vielen Lebenslagen. Es wird brenzlig. Und so lebt Neames Film selbstredend von seinem leicht verdaubaren und spritzigen Humor, und der überraschenden Umstellungen der jeweiligen Situationen, dies alles meistert man klar in einer deutlichen Eleganz und einem hohen bzw. peppig-freudigen Unterhaltungswert mit ironischen Einfügungen, wobei besonders das Zusammenspiel des Trios Caine-/MacLaine-/Lom Freude bereitet.


Des weiteren noch geschliffene Dialoge, damit der Film sauber fließt und eine besonders charmante Farbenpracht in Hinsicht der exquisit gefilmten Bilder, passend untermalt von den Klängen des Scores eines Maurice Jarre, stimmig-schön gestaltet. Der große Clou ist wie so oft bei Heist-und Gaunerkomödien, der Trick. Die Wendung, der abschließende Twist und den beherrscht Neame mit Bravour, gespickt mit vielen davon und so stets wendungsreich im Erzählstil und letztlich hervorragend bis zum Schluss durchdacht, schlau und gekonnt inszeniert, auch wenn neben den vielseitigen Wendungen, die eigentliche Handlung eher unspektakulär daherkommt, was zählt ist Stil, doch so ist "Gambit" ein gelungenes, entspanntes und stilvolles Amüsement mit einem exzellent aufspielenden Star-Trio. Da darf man gespannt sein, was uns sonst noch die Zukunft bringt.



                                             7.5 / 10

Autor: Hoffman