Mittwoch, 25. Juni 2014

Auch Käpt´n Ridley fällt mal ins Wasser - Kritik: White Squall - Reißende Strömung (1996)



Ridley Scott schickt nun also knackige Jungen auf das große Meer mit einem Schiff namens Albatross und Jeff Bridges als Weisheiten fressenden Seebären, um aus den Jungen Männer werden zu lassen. Das soll also so etwas wie ein Coming-of-Age-Film sein, der in den 60ern spielt und auf wahren Ereignissen beruht. Scott lässt die Burschen athletisch ins kalte Wasser springen und zeigt daneben auch Konkurrenzkämpfen und Prügeleien zwischen den Jungen, während Bridges daneben versucht Disziplin zu predigen und eine Gemeinschaft unter den Jungen zu schaffen. Deshalb nimmt er sie auch hart ran. Sie müssen lernen zusammen zu arbeiten. Er versucht ein Miteinander zwischen den Jungen zu erreichen, bis es heißt einer für alle und alle für einen. Da ist sich Ridley Scott auch nicht für den ein oder anderen unbeholfen-dramatischen Zwischenfall zu schade. Die Charaktere, die Scott versucht zu skizzieren, sind allesamt Stereotypen, die ihre Problemchen und Wehwehchen haben, wie ein Angsthase, der an seinen verstorbenen Bruder denken muss, wenn er zu hochklettert, ein unbelichteter Bad Boy, ein Junge aus reichem Hause mit schnöseligen Vater und ein Niemand (natürlich auch gerade der Erzähler der Geschichte: Scott Wolf). Und daneben gibt es noch viele Schauspieler, die eigentlich viel zu alt für die Rolle von 15(?)-Jährigen wirken, das aber nur als kleine, unbedeutende Anmerkung. Jeff Bridges lehrt ihnen allen: Die Angst zu bewältigen und sie in den Griff zu bekommen, denn Angst hat jeder, das ist einer dieser altklugen Sprüche, die den Film zimmern.



Darüberhinaus ist Scotts Film eher unspektakulär, wenngleich er pathetisch und sentimental (bestärkt durch die austauschbare Musik) erzählt ist, während die ausgedehnte Handlung sowieso altbekannten Schemen folgt. Immerhin ist das visuell noch ganz interessant, sodass die schimmernden Konturen von Licht und Schatten hervorstechen. Einen Sonnenuntergang illustriert Scott sogar recht hübsch. Daneben tendiert er aber auch oft zum unfreiwillig komischen, wenn Delphine Opfer angestauter jugendlicher Wut werden und böse Kubaner den Weg des Schiffs kreuzen. Und im letzten Drittel wird natürlich (auch mal wieder) der Kampf gegen die Natur gefochten, der herbe Verluste mit sich bringt. Abenteuerlust kommt keine auf, eher wünscht man sich, dass es schnell vorbei ist. Ist es aber nicht. Ich halte es für richtig zu sagen, dass das ein gescheiterter Versuch ist »Der Club der toten Dichter«(zu dem der Film sowieso einige (dramaturgische) Parallelen aufweist) ins Meer stechen zu lassen. Ridley Scott kentert mit diesem Film.


4.5 / 10

Autor: Hoffman 

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