Mittwoch, 9. Dezember 2015

Hat das Biss? - Kritik: Der Biss der Schlangenfrau (1988)



Ken Russell interpretiert Bram Stokers »Lair of the White Worm« mit durchblitzender Ironie beziehungsweise Selbstironie, welche fließend übergeht in Ernst, Grusel und Grauen oder eben andersherum. Es geht Russell um alte Mythen, um das Heidentum, um Bisse von Schlangen und Frauen und um die sexuelle Begierde. Und auch auf den Begriff des Vampirismus (= der natürlich mit  Wiedergeburt und Unsterblichkeit verbunden ist) wird sich hier berufen. Anfangs gibt hier schattige Wälder, welche unheimlich anmuten und in denen das Unheil umhergeht (= ein Auto, welches nur mit Standlicht herumfährt!) was Russell aber gleichzeitig auch humorvoll kommentiert. Dabei kann man in solchen Nächten auch nebulös-schimmernde Blautöne in den Bildern erkennen. Das Auto wiederum gehört einer mysteriösen-verführerischen Lady (Amanda Donohoe), die bei ihrem ersten Auftritt in weiß gekleidet ist und kurze Zeit später unbemerkt Schlangengift auf Jesuskreuze speit, wie blasphemisch von ihr!  So werden auch einfältige Pfadfinderjungen erst mitgenommen, um auf spezielle Weise entjungfert und schließlich den Göttern geopfert zu werden.



Russells gepflegt inszenierter Film ist eine lustvoll-spielerische Interpretation des Stoffes, welche aber auch nie mehr als das ist. Dafür ist die allzu schlichte Dramaturgie zu flatterhaft, die Protagonisten zu farblos, mal angesehen von Hugh Grants Rolle eines unbeholfen-blasierten Lords und Nachfahren eines Drachentöters, und der Grusel teils zu träge. Viel eher ergötzt man sich dann doch an Russells beschaulicher Exzentrik, die hemmungslos-psychedelische und aggressiv attackierende Halluzinationen wie auch bizarre Traum- bzw. Alptraumsequenzen (in Flugzeugen) mit sich bringt. Denn dann kennt Russell kein Halten mehr, dann wird er angriffslustig mit Visionen von Jesus am Kreuz, Schlangen, Feuer und Römern! Und zudem ist das angefüllt mit ausgefallenen Phallussymbolen. So ist Russells Film insgesamt doch ein irgendwie liebenswerter und schrulliger Vertreter des Genres mit einer knuffig-gigantischen Riesenschlangen (die auch als riesiger verschlingender Phallus interpretiert werden könnte).

6.5 / 10

Autor: Hoffman 

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