Mittwoch, 27. Januar 2016

Die Geister können nicht ruhen - Kritik: The Devil´s Backbone (2001)


Guillermo Del Toros dritter - und in diesem Fall sogar von Pedro Almodóvar produzierter - Spielfilm ist zweifellos in die Nähe seines fünf Jahre später gedrehten Film »Pan´s Labyrinth« zu rücken (was Del Toro auch stets selbst untermauert), der natürlich radikaler und auch höher budgetiert war als noch dieses Frühwerk von Del Toro. Dieses Werk ist ein kleiner Film und spielt in einem kleinen Kosmos, einen abgeschiedenen Ort, um den herum der spanische Bürgerkrieg stattfindet. Das Land ist in Angst. Ein Junge kommt in ein Waisenhaus, das betreut wird von einem Arzt und seiner Frau, das entlegen auf dem Land liegt. Sein Vater ist tot, wovon er aber nichts weiß. Er ist ein aufgeweckter Neuling, der zunehmend in diese fremde Welt integriert wird, wenngleich er sich zu Beginn auch mit der Rivalität der anderen Jungen ausgesetzt sieht, die ihn missgünstig beäugen und deren Vertrauen er erst noch gewinnen muss. Del Toro stimmt diesen Film leise an, aber schon zu Anfang ist eigentlich klar, dass etwas unter der Oberfläche liegt, das ausgegraben werden muss von seinem Protagonisten. Es liegt etwas schattenhaftes, nebulöses und unheilvolles in dieser ganzen Szenerie und ihren Bildern, das aber dort noch nicht ausgesprochen wird, das man nie wirklich greifen kann. Man möchte es demnach auch nicht realistisch nennen, denn es ist eine Kinorealität, die der Film darstellt und dabei sehr bewusst mit der Überhöhung seiner Darstellung arbeitet. Da ist nämlich etwas, das zwischen den Zeilen mitschwingt, etwas, das man noch ehesten als gespenstisch nennen möchte. Der Film kreuzt »seine« (harte) Realität, die mehr im Hintergrund angesiedelt bleibt (anders als in »Pan´s Labyrinth«, wo sie auch deutlich und vor allem drastisch in den Film eindringt) mit dem »Horror« oder eben Übernatürlichen. 


Dieser Ort, in dem der Film spielt, ist einem nie ganz geheuer. Irgendetwas hat es mit ihm auf sich. Da liegt etwas verborgenes. das zunächst ungewiss ist und das reizt an dieser Geschichte, die Del Toro gemächlich erzählt und mit einer gewandten Kameraführung inszeniert. Ihm liegt dabei vor allem das Spiel mit der Dunkelheit, mit der Kälte, die in ihr steckt. Die schönsten Momente dieses Films gehören demnach auch der Nacht, die ein Geheimnis birgt und immer wieder heraufbeschwört. Es ist ein langsames Herantasten, das dann stattfindet. Es geht ein Geist umher seit dem Fall einer Fliegerbombe, einem Blindgänger (selbst eine Art geisterhafte Erscheinung), an diesem Ort. Ein Geist, der in seiner Erscheinung einem Skelett nahe scheint, von dem man nicht weiß, was seine Absicht ist. Del Toros Film ist natürlich im Kern die Geschichte einer vergangenen Tragödie, eine Geistergeschichte, von Geistern, die keine Ruhe geben können bis das Verbrechen gesühnt ist, das stattgefunden hat an diesem Ort und es ist gut, dass Del Toro diese Geistergeschichte auch mehr aus den Blick der Kinder betrachtet, womit sie sich wahrscheinlich auch erst entfalten kann. Denn durch die Augen der Kinder gewinnt die Dunkelheit und das, was in ihr lauert, an lockender Größe und Gefahr.



Auf der anderen Seite muss man auch sagen, dass das mit sich bringt, dass die Geschichte fast naiv erscheint. Denn während Del Toro das sanft Schauerliche gelingt, so ist er gerade bei der Betrachtung der Erwachsenen und ihrer Welt (wo sich der Film von seinem Blick der Kinder wiederum löst) zu vereinfacht. Zu bekannt und klischiert erscheinen mir dort die Muster, denen sich Del Toro bedient. Dort gibt es heimliche Liebschaften und einen zornigen Angestellten des Hauses (Eduardo Noriega), ein ehemaliger Waise, der klare Antagonist und ein cholerischer Unsympath, die einzig wirklich durchweg negativ konnotierte Figur, die es auf das Gold, das im Waisenhaus versteckt liegt, abgesehen hat. Del Toro zieht diese Seite des Films in Teilen fast schon wie ein Fragment aus einem Liebesmelodram auf. Damit macht es sich Del Toro dann doch zu einfach, gerade, weil diese Figur tut, was man von ihr erwartet, weil sie schlichtweg zu durchsichtig ist. Die Geschichte der Kinder und der Erwachsenen entwickelt sich dabei auch separat voneinander bis zu einer Explosion, einer einschneidenden Wende in der Geschichte, die dann eine neue Linie des Films zieht. Del Toros Film mag zwar eine konventionell geschilderte Geistergeschichte sein, die in einem allgemeinen Rahmen abläuft, die Del Toro aber weiß betont emotional und vor allem auch stimmungsvoll zu erzählen und zu bebildern.



7.0 / 10

Autor: Hoffman 

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