Donnerstag, 25. Mai 2017

Suche nach dem verlorenen Paradies - Kritik: Alien: Covenant (2017)



“Covenant” ist wieder einmal zu einem typischen Spätwerk von Ridley Scott geworden ist. Das heißt, es ist ein Film, der seinen Reiz vor allem aus den Widersprüchen, den Schlampereien und Plumpheiten generiert. Es ist ein redundant-dünnhäutiges Werk, das zwar straff sein Programm durchzieht, aber in dem das eigentliche Alien zu einem Alibi in der Geschichte verkommt. Scott spinnt seinen Schöpfermythos aus “Promtheus” weiter und macht sichtliche Umschweife, um den Weg, den “Prometheus” vorgab zu korrigieren. In “Covenant” steckt eine andere Ideologie, eine andere Ausrichtung, wohin das Ganze gehen soll. Der Film steckt aber auch wieder, wie “Prometheus”, voller biblischer Verweise und Versatzstücke, die Scott sogar noch größer denkt als in seinem Vorgänger. Dafür hält allein dieser seltsam-sterile Prolog her, in dem Guy Pearce als Weyland (anzusiedeln noch vor den Ereignissen aus “Prometheus”) seiner Schöpfung seinen Namen wählen lässt beim Anblick von Michelangelos “David” und ihn auch noch Wagners “Einzug der Götter in Walhall” am Klavier spielen lässt. Für einen Blockbuster dieser Größenordnung wie es “Covenant” ist, ist das ein befremdlicher Einstieg in das Werk, wirkt er doch so mehr wie eine kühle Versuchsanordnung vom Gott-und-Schöpfungsmotiv. Aber das macht diesen überladenen Film auch so spannend, der als konventioneller “Alien-Film” nicht so wirklich funktionieren will. 


In diesem Sinne ist “Convenant” dann auch ab seinem zweiten Drittel mehr ein Action- denn Horrorfilm. Vorher ist der Film überraschend bedächtig, Ridley Scott schwelgt in seinen ästhetisch-gewaltigen Bildern, zelebriert genüsslich ihre Imposanz. Diese Bilder, die wir aber dort in dieser ersten Hälfte zu Gesicht bekommen, sind aber auch nur Wiederholungen und Zitate, nicht nur aus dem Alien-Universum, sondern aus dem gesamten Topoi des Genres. Trotzdem strahlen auch diese Bilder etwas eindrückliches aus, wenngleich man sie auch anders lesen muss als zum Beispiel die von “Alien”. Diese opulenten Bilder suchen die Größe, das Erhabene, was thematisch schließlich auch näher liegen mag. Im Vergleich zu “Prometheus” wirkt dieser neuste Scott aber deutlich kälter, die Farben sind entsättigter, die Bilder finsterer, mehr von einer mystischen Dunkelheit eingehüllt. Ansonsten lässt sich der Film sehr klar in drei Teile einteilen: Der Erste führt die neue Crew und ihre Figuren ein, ihre Siedler-Mission, die natürlich auch im Sinne einer Variation im Alien-Universum nicht uninteressant ist. In diesem Film geht es um Menschen, die nach einer neuen Heimat in den Fernen des Universums suchen, nach einem neuen Planeten, wo man sich eine neue Zivilisation aufbauen möchte (oder auch nur ein eigenes Haus). Es ist die Suche nach dem Paradies (ein Gedanke, den der Film aber auch nur in wenigen Sätzen abhandelt und ansonsten die empirische Kamera das Thema für sich sprechen lässt), die schließlich in einer Art Hölle landet. 


Im zweiten Teil geht es Scott dann darum, die Mythologie des Franchises weiterauszubauen. Somit wirkt dieser sehr theoretisch verhandelnde Part auch am eigenständigsten, am faszinierendsten, damit am befremdlichsten, aber auch gleichzeitig am weitesten entfernt vom eigentlichen “Alien”. Dafür rückt er Fassbenders Andriod(en) in sein Zentrum, erzählt in einer merkwürdig-faszinierenden Tonalität, die mit literarischen Vorlagen befeuert wird, von Erschaffer, Erschaffung und Hybriden, die den Fortschritt bringen sollen. Der dritte und letzte Teil des Films dagegen wirkt nur wie ein Fan-Service, wie ein immerhin sehr physisch inszenierter Pflichtakt. Der ist nämlich eine herumwildernde Momente-Variation aus den vorhergehenden Alien-Werken, die wohl vornehmlich den Fans des Films das geben soll, was sie erwarten. Dort reagiert dann das Spektakel, das aber ein bisschen drangesetzt wirkt. Es wird alles kurz und knapp (man könnte es auch hektisch nennen) erzählt. Dazu ist der Film aber an sich schon krude genug, weil man zwar vieles aus ihm bergen kann, aber diese verschiedenen Ansätze zumeist nur Ideen bleiben in einem großen Kosmos. Interessante Momente gibt es in diesem “Alien” aber auf jeden Fall: Momente, die irritieren oder die uns widersprüchlich erscheinen. Ein Höhepunkt davon zeigt – wie ein Traum oder mehr eine Vision, die nicht näher erklärt wird, was diesen Moment im Vergleich zum Restlichen so hervorhebt - David wie einen Gott, der über das Schicksal dieser menschenähnlichen Wesen, den Ingenieuren, richtet, mit dem Alien-Raumschiff über dem fremden Planeten der Wesen, die an alte kahlrasierte, bloß dezent blaue Griechen erinnern, schwebend, im Bewusstsein diese fremde Rasse auszurotten und eine Plage auf ihre Erde zu schicken; ein Moment, der so erscheint, als hätte ihn Ridley Scott direkt aus seinem “Exodus” exportiert. Eine nähere Erklärung, dieser so seltsam losgekoppeltesn Sequenz, findet man übrigens in den vorab im Internet veröffentlichen “Prologen”. 


Ein Prolog stellt die Crew der “Covenant” in einem kurzen Clip vor, der Andere schließt zumindest im Ansatz die Lücke zwischen “Prometheus” und “Covenant”, widmet sich als Fragment kurz David und Elisabeth Shaw, um dann dort zu enden, wo dieser oben beschriebene Augenblick seinen Anfang tut. Innerhalb des Films selbst bleibt dieser Moment aber eine Irritation und das obwohl der Film oft genug einen Erklärmodus ansetzt, oft genug das korrigiert, was man nach dem Ende von Prometheus erwartet hätte. 


Zumindest die Figuren, wenngleich sie nicht weniger hohl sind als im Vorgänger, sind erträglicher geworden (wenn im Gegenzug dazu hysterischer). Die meisten Figuren, die im Verlauf der Geschichte hervortreten (Katherine Waterson, Billy Crudup & Danny McBride), werden durch ihren Verlust definiert. Der Film scheint seine Figuren zu motivieren, in dem er ihnen etwas nimmt. Zumindest gilt das für diejenigen, an denen Scott noch Interesse hat, was nicht für wirklich viele Figuren gilt. Die Gruppendynamik interessiert ihn kaum noch. Nur einzelne Figuren werden hervorgehoben, das Relevante betont, der Rest verschwindet. Am Ende bleibt “Covenant” ein bizarrer, gewiss oft düster-grobschlächtiger Blockbuster, den man aber vielleicht nicht zu engstirnig bewerten sollte, denn in ihm schlummert etwas faszinierend-eigenartiges begraben, wenn man nur danach forscht. Da ist nämlich letztlich etwas, das einen an diesem Film nicht mehr loslassen will. Wie gesagt: Ein typisches Spätwerk von Ridley Scott. 


6.0 / 10 

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