Freitag, 30. Dezember 2016

Ho, ho, ho! - Kritik: Christmas Evil (1980)

Das Weihnachtsfest 2016 ist bereits vorbei und was gibt es da besseres als ein übersehenes Kleinod der 80er, das den jährlichen Trubel aus einer etwas anderen Perspektive zeigt. Nein, gemeint ist nicht die des Weihnachtsmannes, sondern die seines wahrscheinlich größten Fanboys: Harry Stadling musste als kleiner Junge mit festem Glauben an Santa erschüttert feststellen, das dieser insgeheim seine Mutter begehrt. Nun ja, im Kostüm steckte strenggenommen sein Vater, aber was richtet ein derartiger Anblich mit einem Kind an? Eine klaffende Schnittwunde besiegelt das Kindheitstrauma, welches ihn nie wieder loslassen wird. Selbst als Erwachsener ist seine Wohnungswand mit Santa-Deko übersät. Außerdem verzeichnet er die Namen der braven und weniger artigen Nachbarskinder in ein Heftchen, so wie es der echte Weihnachtsmann tun würde. Sein Job in einer Spielzeugfabrik passt ebenso gut ins Bild. Doch die täglichen Demütigungen des Alltags fordern ihren überfälligen Tribut, wie sich schließlich an einer selbstständigen Bescherungsrunde im Kostüm konstatieren lässt. Der arme Tropf ist nicht nur von Santa besessen, er hält sich sogar für den beleibten Mann mit Rauschebart. Dementsprechend zieht er um die Häuser, hinterlässt Geschenke, tötet...





Ja, genau. Das spottende Pack wird auch schon mal auf Kirchenstufen mit einer Axt zerstückelt. Spätestens hier müsste der Übergang zu den gängigen Slashern des Jahrzehnts stattfinden. Das dissonante Klanggerüst könnte jedenfalls auch von anderen Vertretern des (Sub-)Genres stammen. Dennoch unterscheidet sich CHRISTMAS EVIL in diversen Punkten von den Horrorfilmen, die sich mit dem Festtag beschäftigen. So ist er weniger stumpf als der vier Jahre später erschienene SILENT NIGHT DEADLY NIGHT (und natürlich dessen Sequels), was sich besonders in der Empathie zur Hauptfigur äußert. Dieser ist ein Getriebener, der von den Perversionen des Festes zum Mörder wird. In die Welt der Erwachsenen passt er so gar nicht, dafür akzeptieren ihn nur die Kinder, die ihm sogar zum Schutz eilen, als der wütende Mob ihn bereits (mit Fackeln!) stoppen will. Es gibt so manche Filmmonster, die Mitleid und die Sympathie der Rezipienten für sich gewinnen können. Erwähnenswert sind jene von Universal (Frankenstein, der Schrecken vom Amazonas), die in erster Linie schlichtweg missverstandene Außenseiter der Gesellschaft darstellen. Hier darf sich Harry Stadling einreihen, der in seiner Fantasie für alle Ewigkeit mit dem Schlitten davonfliegen wird, in eine bessere Welt, die noch auf den Weihnachtsmann wartet. In einer solchen dürfte sich auch der Bad-Taste-Papst John Waters befinden, der ein glühender Verehrer des Films ist.Von Weihnachten sowieso.

                                               6/10

Autor: DeDavid

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