Die Geschichte beginnt. Jetzt fängt alles an. Alles ist klar. Es geht um ein blasses Mädchen (Dakota Fanning), dem die Zeit abläuft. Sie ist an Leukämie erkrankt, was dem Zuschauer in einer Radiosendung offensichtlich offenbart wird. Dort wird dann noch einmal alles enthüllt, was das Zuschauerchen braucht, damit er auch wirklich weiß, was hier für ein Hase herumläuft. Das Mädchen ist todkrank, hat ihre Chemotherapie abgebrochen und arbeitet nun eine Liste ab, auf der unter anderem Sex und Drogen als Punkte draufstehen. Anfangs wird das mitunter noch relativ dezent abgearbeitet, lädt aber bereits dort auch schon zum trüben Schmunzeln ein. Der Film trägt ein Korsett: Zu Beginn, wenn die Credits über den Bildschirm laufen, folgt gleich ein Popsong, der eine bunte Trickfilmsequenz, in der sich die Realität in einen Comic verwandelt, untermalt. Alles klar. Immerhin ein Hauch von trockenen Humor durchzieht das Ganze. Regisseur Ol Parker geht die Sache betont ruhig an, auch wenn das, was man sieht, klischiert ist. Es ist ein typischer Jugendfilm, der sich zunehmend in seine schablonenhafte Schiene des Teenagerdramas eingliedert. Was erwartet man von solch einem Jugendfilm, der das Thema und den Umgang mit dem Tod aufgreift?
Natürlich ist das erst einmal ein Wohlfühlfilm, dessen Protagonistin noch Lebensmut hat und demnach das Leben richtig genießen will, auch wenn sie es andererseits in kaum einer Szene schafft nicht auf ihre Krankheit zu verweisen. Das geht so weit, dass die Krankheit sogar ernsthaft instrumentalisiert wird, um Mitleid zu erzeugen, weil man geklaut hat. In solchen Szenen überbetont der Film diese Problematik zu plakativ. Ihre verpeilte Mutter (Olivia Williams) und ihr fürsorglich-konservativer Vater (Paddy Considine) sind geschieden und einen kleinen Bruder hat sie auch noch, dessen einziger Zweck zu sein scheint sie daran zu erinnern, dass sie bald sterben wird. Natürlich muss der Film mit anbiedernder Popmusik zugekleistert werden, wenn nichts mehr hilft. Wer braucht Gesten und deren schlichte Intimität? Wir haben Popmusik! Und natürlich muss es auch eine Liebesgeschichte geben, die den Film mehr interessiert als seine eigentliche Problematik, die er mit ausgeleierten Phrasen belegt, wie Sätzen, dass sie nicht will, dass es zu Ende geht.
Demnach fühlt sich der Film wie ein Kreisel an, der sich immer wieder um dasselbe Objekt dreht. Soviel zu dezent. Es fühlt sich wie eine aufgewärmte Geschichte an, der man müde geworden ist. Sie begegnet dem süßen Nachbarjungen (der Pferdejunge aus Spielbergs »War Horse«, jetzt mit Hipsterlocke: Jeremy Irvine), dem Strahlemann mit leuchtenden Augen und sie verlieben sich ineinander in glatt gebügelten und gebogenen Bildern. Da gibt es außerdem dann Mädchen auf Drogentrips in verlassenen Wäldern, fremde Menschen veralbern im Bus, auf irgendeiner Klippe gemeinsam auf einer Bank (die im Grunde im Nichts steht) sitzen und auf das Meer schauen, ein Zögern bis zum ersten Kuss, gemeinsam nachts baden gehen im Meer, gemeinsam Motorrad fahren, Kreditkarten oder Lipgloss klauen aus Spaß mit der besten Freundin, die auch noch schwanger ist und der man beisteht und mehr als das fällt dem Drehbuch dann aber auch nicht ein, außer vielleicht wieder ein kurzer Schwenk zur Krankheit. Es ist ein gefühlvoll-süßlicher, weicher, aber vor allem austauschbarer Film, der sich konventionell und bieder um eine behutsame Sentimentalität bemüht, aber auch nur durchweg wie ein chemisches Fabrikprodukt erscheint. Es ist ein Film, der immer mehr in die Kitschkiste greift. Am Ende mutiert der Film zu einem anstrengenden und teils geschwätzigen Tränenfluss seiner Figuren. Es folgen ein schwülstiger Sonnenuntergang, eine gemeinsame Fahrt auf dem Motorrad und dahinter wilde Pferde in Zeitlupe und das ist alles komplett ernst gemeint. Ja, das ist ein trauriger Film, beinahe schon ein wortwörtliches Trauerspiel.
4.0 / 10
Autor: Hoffman