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Freitag, 26. Februar 2016

Liebesgeschichte mit Leukämie - Kritik: Now is Good - Jeder Moment zählt (2012)


Die Geschichte beginnt. Jetzt fängt alles an. Alles ist klar. Es geht um ein blasses Mädchen (Dakota Fanning), dem die Zeit abläuft. Sie ist an Leukämie erkrankt, was dem Zuschauer in einer Radiosendung offensichtlich offenbart wird. Dort wird dann noch einmal alles enthüllt, was das Zuschauerchen braucht, damit er auch wirklich weiß, was hier für ein Hase herumläuft. Das Mädchen ist todkrank, hat ihre Chemotherapie abgebrochen und arbeitet nun eine Liste ab, auf der unter anderem Sex und Drogen als Punkte draufstehen. Anfangs wird das mitunter noch relativ dezent abgearbeitet, lädt aber bereits dort auch schon zum trüben Schmunzeln ein. Der Film trägt ein Korsett: Zu Beginn, wenn die Credits über den Bildschirm laufen, folgt gleich ein Popsong, der eine bunte Trickfilmsequenz, in der sich die Realität in einen Comic verwandelt, untermalt. Alles klar. Immerhin ein Hauch von trockenen Humor durchzieht das Ganze. Regisseur Ol Parker geht die Sache betont ruhig an, auch wenn das, was man sieht, klischiert ist. Es ist ein typischer Jugendfilm, der sich zunehmend in seine schablonenhafte Schiene des Teenagerdramas eingliedert. Was erwartet man von solch einem Jugendfilm, der das Thema und den Umgang mit dem Tod aufgreift?



Natürlich ist das erst einmal ein Wohlfühlfilm, dessen Protagonistin noch Lebensmut hat und demnach das Leben richtig genießen will, auch wenn sie es andererseits in kaum einer Szene schafft nicht auf ihre Krankheit zu verweisen. Das geht so weit, dass die Krankheit sogar ernsthaft instrumentalisiert wird, um Mitleid zu erzeugen, weil man geklaut hat. In solchen Szenen überbetont der Film diese Problematik zu plakativ. Ihre verpeilte Mutter (Olivia Williams) und ihr fürsorglich-konservativer Vater (Paddy Considine) sind geschieden und einen kleinen Bruder hat sie auch noch, dessen einziger Zweck zu sein scheint sie daran zu erinnern, dass sie bald sterben wird. Natürlich muss der Film mit anbiedernder Popmusik zugekleistert werden, wenn nichts mehr hilft. Wer braucht Gesten und deren schlichte Intimität? Wir haben Popmusik! Und natürlich muss es auch eine Liebesgeschichte geben, die den Film mehr interessiert als seine eigentliche Problematik, die er mit ausgeleierten Phrasen belegt, wie Sätzen, dass sie nicht will, dass es zu Ende geht.



Demnach fühlt sich der Film wie ein Kreisel an, der sich immer wieder um dasselbe Objekt dreht. Soviel zu dezent. Es fühlt sich wie eine aufgewärmte Geschichte an, der man müde geworden ist. Sie begegnet dem süßen Nachbarjungen (der Pferdejunge aus Spielbergs »War Horse«, jetzt mit Hipsterlocke: Jeremy Irvine), dem Strahlemann mit leuchtenden Augen und sie verlieben sich ineinander in glatt gebügelten und gebogenen Bildern. Da gibt es außerdem dann Mädchen auf Drogentrips in verlassenen Wäldern, fremde Menschen veralbern im Bus, auf irgendeiner Klippe gemeinsam auf einer Bank (die im Grunde im Nichts steht) sitzen und auf das Meer schauen, ein Zögern bis zum ersten Kuss, gemeinsam nachts baden gehen im Meer, gemeinsam Motorrad fahren, Kreditkarten oder Lipgloss klauen aus Spaß mit der besten Freundin, die auch noch schwanger ist und der man beisteht und mehr als das fällt dem Drehbuch dann aber auch nicht ein, außer vielleicht wieder ein kurzer Schwenk zur Krankheit. Es ist ein gefühlvoll-süßlicher, weicher, aber vor allem austauschbarer Film, der sich konventionell und bieder um eine behutsame Sentimentalität bemüht, aber auch nur durchweg wie ein chemisches Fabrikprodukt erscheint. Es ist ein Film, der immer mehr in die Kitschkiste greift. Am Ende mutiert der Film zu einem anstrengenden und teils geschwätzigen Tränenfluss seiner Figuren. Es folgen ein schwülstiger Sonnenuntergang, eine gemeinsame Fahrt auf dem Motorrad und dahinter wilde Pferde in Zeitlupe und das ist alles komplett ernst gemeint. Ja, das ist ein trauriger Film, beinahe schon ein wortwörtliches Trauerspiel.

4.0 / 10

Autor: Hoffman 

Mittwoch, 17. Februar 2016

Shakespeare im Gewand von »Walhalla Rising« - Kritik: Macbeth (2015)


Eigentlich könnte man fast meinen, würde man es nicht besser wissen, dass die neuste Verfilmung von Shakespeares »Macbeth« von Justin Kurzel, die auch wieder bei den Dialogen treu der Vorlage folgt, auch hätte von Nicolas Winding Refn hätte stammen können, denn unübersehbar schwingt in Kurzels »Macbeth« auch noch die düstere und irgendwo auch mystische Stimmung eines »Wahalla Rising« mit und das nicht zu kurz. Kurzels Version von Shakespeares Geschichte zeichnet sich vor allem als audiovisueller Film aus, ein Film, der ein ästhetisches Zusammenspiel aus Bildern und Klängen arrangiert. Sein Film arbeitet - besonders in seinen bemerkenswerten Kämpfen, die wie Schlachtengemälde anmuten - mit extremer Stilisierung des Geschehens und der Gewalt, die Zeitlupe steht der Geschwindigkeit gegenüber. Das Ganze wirkt somit auch ritualisiert, von den schmutzigen Kämpfen, in denen sich die Figuren auch mit Kriegsbemalung rüsten für die Schlacht bis zur Musik. Die Inszenierung ist geradezu überhöht, findet damit aber auch kraftvolle und markante Elemente, um der Vorlage noch einmal neue Bilder abgewinnen zu können.



Denn Macbeth ist hier - so wie es wohl auch bei Refn gewesen wäre - deutlicher denn je ein Krieger, ein Mann des Krieges, von den man weiß, dass die Kriege und Kreuzzüge ihn verroht haben. Der Krieg scheint sein Lebenssinn zu sein. Denn seine Augen, das sind die Augen des Krieges, Augen, die nicht vergessen können und die das (unterschwellige) Trauma der Figur begründen. Michael Fassbender gibt diesen Macbeth lakonisch (in dem Sinne, in dem das die Sprache Shakespeares überhaupt zulässt), in sich gekehrt, verschlossen und stoisch. Seine Frau (Marion Cotillard) ist dagegen eine Verführerin, die diesen (passiven) Mann zunächst dazu überreden muss (= mit ihm Sex haben muss), um ihn von seiner Mission, den König Duncan zu töten, zu überzeugen, um selbst König zu werden. Aber auch sie leidet unter einem Trauma, dem Verlust eines Sohnes. Umso interessanter ist es auch später zu sehen, dass es Lady Macbeth ist, die, als ihr Mann die Macht ergriffen hat, in die Opferrolle von ihm gedrängt wird. Dann ist sie nicht mehr die Souveräne, sondern beginnt ihren Mann zu fürchten, ihn als Gefahr für sie zu sehen (immerhin bedroht er sie unterschwellig mit einem Dolch, das er auf - natürlich symbolisch zu verstehen - ihren Bauch richtet). Er wird zum Tyrannen, der sogar eine Art Hexenverbrennung vor seinem gesamten Volk vollführt, eine Hinrichtung gegen Frau und Kinder seiner Widersacher und jeder kann es sehen. Dieser Film - und damit wären wir erneut bei Refn - ist auch ein Werk über Männlichkeit, über Väter und Söhne (denen am Ende des Films Kurzel noch einmal einen markanten Epilog mit seinen originellen Bildern schenkt), über Väter, die ihre Söhne (oder im Falle Macbeths: Ihre im übertragenen Sinne Söhne. Denn markant scheint, dass Macbeth einen mysteriösen Jungen zu Beginn zum Kampf vorbereitet, der im Kampf stirbt, aber immer wieder in Macbeths Wahnvisionen auftaucht) verloren haben oder an ihren Söhnen hängen. Und die Jungen wiederum müssen (besonders das Ende scheint das zu belegen) zu Männern werden und das Werk ihrer Väter weiterführen. Es scheint wie ein endloser Kreislauf aus Leben und Sterben, Krieg und Tod, aus denen sich die Figuren scheinbar nicht (mehr) lösen können.



Die Welt, in der diese Figuren leben, ist auch eine archaische, mag das Christentum auch schon deutlich in dieser Welt Einzug gehalten haben. Es gibt ein einziges Schloss im Film, sonst bestehen die Behausungen von Macbeth und seinen Leuten aus (durchaus ansehnlich eingerichteten) Zelten oder Baracken. Sie wirken damit wie Nomaden, wie Wanderer, wie Heimatlose, die von einem Ort zum nächsten ziehen, vielleicht nicht mal das Wort Heimat kennen. Die Szenerie spielt in der schottischen Landschaft, die eingehüllt ist von Nebel. Es liegt dabei eine erfrorene Gewalt in dieser Landschaft, die von einem kühlen Wind durchzogen wird. Mit dieser unbarmherzigen Umwelt scheinen sich die Figuren abgefunden zu haben, scheinen ein Teil von ihr zu sein. Es ist ein wahrlich rauer und knurriger Film, in dem Ernst und Schwermut das Geschehen tragen und die kraftvollen Naturbilder dazu bedeutungsschwer sind. Das Archaische ist durchweg präsent. Kurzels geradlinig geschilderter Film ist damit auch ein veräußerlichter Film, dessen Emotion darauf basieren wie (und in diesem Fall vornehmlich durch das audiovisuelle) er den Inhalt vermittelt.


6.5 / 10

Autor: Hoffman 

Freitag, 27. September 2013

Sie sind unter uns! - Kritik: The World's End



Alleine diesen Sommer gab es zwei Filme, die sich auf komödiantische Weise mit dem Untergang der Welt auseinandersetzten. Zum einen gibt es da THIS IS THE END, der in James Francos Keller angesiedelt ist, bei dem derzeitige Köpfe der Hollywoodkomödie wie Seth Rogen oder Jonah Hill sich selbst verkörpern und der ähnlich aufs männliche Genital fixiert zu sein scheint wie es der zeitgenössische Trend eben erfordert. Die ungleich viel versprechende Alternative bietet der britische Regisseur Edgar Wright, womit seine Cornetto- (oder Blood & Ice Cream-)Trilogie ihren Abschluss findet. Die beiden irrsinnig lustigen Genre-Hommagen SHAUN OF THE DEAD und HOT FUZZ erfreuen sich zurecht hoher Beliebtheit, zählen vielleicht sogar zu den besten ihrer Art. Nach einer Zombieepidemie im Geiste Romeros und Actioneinlagen in Buddy-Manier widmet sich Wright nun den Alien-Invasionsfilmen der fünfziger Jahre. Viele Vorzeichen lassen auf  ein großartiges Finale hoffen: Das Setting ist wieder ein englisches Örtchen, Simon Pegg verkörpert wieder eine Figur, die große Schwierigkeiten mit dem Erwachsenwerden hat (namentlich Gary King) und Bier wird auch reichlich fließen. In natura stellt sich das alles dann als ein wenig abgenutzt heraus. 
 





Zwar sind einige Reaktionen der Figuren erneut herrlich irrational (der pub-crawl wird fortgesetzt obgleich man sich im Angesicht der außerirdischen Eindringlinge in unmittelbarer Gefahr befindet / dem urplötzlich äußerst verdächtig agierenden Kameraden wird teils bedingungslos vertraut), doch haben ja schon Shaun und Ed den Untoten im Hintergarten unbeholfen mit der eigenen Plattensammlung zugesetzt. Dies ist noch als amüsantes Plus zu verzeichnen. Auch andere Ideen, wie das die in den letzten Jahrzehnten rapide zunehmende globale Vernetzung ein Werk der Invasoren sei, sind kreativ. Auf der anderen Seite ist eine bedenkliche Einfallsarmut zu verzeichnen: Von Pub zu Pub geht es in leichter Variation voran, hier wird mal zusammen ein Pint geleert, da wird über alte Zeiten und unvermeidliche Veränderungen gequatscht, dann muss eine Gruppe Außerirdischer (die sich als erstaunlich schwach herausstellen) verdrescht werden, dass die blaue Körperflüssigkeit nur so umher spritzt. Auch die Verweise auf stilbildene Science-Fiction-Filme wie am stärksten beansprucht INVASION OF THE BODY SNATCHERS halten sich stark in Grenzen, zumal sich unter anderem Robert Rodriguez 1998 mit THE FACULTY ohnehin schon an einer parodistischen Gestaltungsform versucht hat. Selbst Gastauftritte von Pierce Brosnan oder Mark Heap (sagt einem der Name überhaupt was, wenn man SPACED nicht kennt?) können das getrübte Gesamtbild nicht wirklich aufbessern. Somit ist THE WORLD’S END zwar kein schlechter Film, eine Enttäuschung ist er leider allemal. 




                                            5 / 10

Autor: DeDavid