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Freitag, 27. September 2013

Sie sind unter uns! - Kritik: The World's End



Alleine diesen Sommer gab es zwei Filme, die sich auf komödiantische Weise mit dem Untergang der Welt auseinandersetzten. Zum einen gibt es da THIS IS THE END, der in James Francos Keller angesiedelt ist, bei dem derzeitige Köpfe der Hollywoodkomödie wie Seth Rogen oder Jonah Hill sich selbst verkörpern und der ähnlich aufs männliche Genital fixiert zu sein scheint wie es der zeitgenössische Trend eben erfordert. Die ungleich viel versprechende Alternative bietet der britische Regisseur Edgar Wright, womit seine Cornetto- (oder Blood & Ice Cream-)Trilogie ihren Abschluss findet. Die beiden irrsinnig lustigen Genre-Hommagen SHAUN OF THE DEAD und HOT FUZZ erfreuen sich zurecht hoher Beliebtheit, zählen vielleicht sogar zu den besten ihrer Art. Nach einer Zombieepidemie im Geiste Romeros und Actioneinlagen in Buddy-Manier widmet sich Wright nun den Alien-Invasionsfilmen der fünfziger Jahre. Viele Vorzeichen lassen auf  ein großartiges Finale hoffen: Das Setting ist wieder ein englisches Örtchen, Simon Pegg verkörpert wieder eine Figur, die große Schwierigkeiten mit dem Erwachsenwerden hat (namentlich Gary King) und Bier wird auch reichlich fließen. In natura stellt sich das alles dann als ein wenig abgenutzt heraus. 
 





Zwar sind einige Reaktionen der Figuren erneut herrlich irrational (der pub-crawl wird fortgesetzt obgleich man sich im Angesicht der außerirdischen Eindringlinge in unmittelbarer Gefahr befindet / dem urplötzlich äußerst verdächtig agierenden Kameraden wird teils bedingungslos vertraut), doch haben ja schon Shaun und Ed den Untoten im Hintergarten unbeholfen mit der eigenen Plattensammlung zugesetzt. Dies ist noch als amüsantes Plus zu verzeichnen. Auch andere Ideen, wie das die in den letzten Jahrzehnten rapide zunehmende globale Vernetzung ein Werk der Invasoren sei, sind kreativ. Auf der anderen Seite ist eine bedenkliche Einfallsarmut zu verzeichnen: Von Pub zu Pub geht es in leichter Variation voran, hier wird mal zusammen ein Pint geleert, da wird über alte Zeiten und unvermeidliche Veränderungen gequatscht, dann muss eine Gruppe Außerirdischer (die sich als erstaunlich schwach herausstellen) verdrescht werden, dass die blaue Körperflüssigkeit nur so umher spritzt. Auch die Verweise auf stilbildene Science-Fiction-Filme wie am stärksten beansprucht INVASION OF THE BODY SNATCHERS halten sich stark in Grenzen, zumal sich unter anderem Robert Rodriguez 1998 mit THE FACULTY ohnehin schon an einer parodistischen Gestaltungsform versucht hat. Selbst Gastauftritte von Pierce Brosnan oder Mark Heap (sagt einem der Name überhaupt was, wenn man SPACED nicht kennt?) können das getrübte Gesamtbild nicht wirklich aufbessern. Somit ist THE WORLD’S END zwar kein schlechter Film, eine Enttäuschung ist er leider allemal. 




                                            5 / 10

Autor: DeDavid

Freitag, 5. Juli 2013

Über die Nebelberge weit in den CGI-Sumpf - Kritik: Der Hobbit (2012)

Es ist zwar schon einiges richtiges und wichtiges zum Start der Tolkien-Adaption-Prequel-Trilogie gesagt worden, doch angesichts einer derart gewaltigen Anhängerschaft, die natürlich schon lange bevor sie den Film überhaupt erst gesehen haben, wussten, wie toll die nächste Reise nach Mittelerde wird, kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, wie Peter Jackson sein Erbe in den Sand gesetzt hat.

Ein Kinderbuch wird also zur opulenten, dreiteiligen Fantasyoper aufgeblasen. Um Leerlauf (den es selbstverständlich trotzdem gibt) zu verhindern, stehen ja glücklicherweise noch die Anhänge aus den anderen Büchern zur Verfügung. Damit das Fanherz aufjauchzen kann, gibt es implementierte Auftritte gestandener Lord of the Rings-Größen wie Elijah Wood, Christopher Lee oder Cate Blanchett. Hauptsache der dürftige Inhalt kann somit ausgeweitet werden. In der Praxis beginnt das dann mit einer viel zu ausladenden Exposition, Zwergenparty inklusive. Dass all die einzelnen Zwerge nur schwer voneinander zu unterschieden und fast durchweg völlig austauschbar sind, sei nur mal nebenbei erwähnt. Mit steigender Zwergenzahl, potenziert sich gleichfalls der Anteil dümmlicher Slapstickmomente. Man könnte dem jetzt widersprechen und argumentieren, dass es "eben eine Verflimung eines Kinderbuchs sei" und Jackson "gute Arbeit geleistet hat". Doch was der erste Trailer noch an andächtiger Abenteuerlust versprach, verkam schon beim ausgedehnten zweiten zur albernen Fantasy-Sause. Alles gar nicht mal SO übel.

                                                    




[Edit: Aus einer Weigerung der Autors heraus, von der visuellen Qualitäts des Fims etwas zu verbreiten, gibt es diesmal nur ein eigenes künstlerisches Erzeugnis zu sehen. Minimalismus ist Trumpf! ]


Was nämlich am Unangenehmsten ins Auge springt, ist die unsägliche Optik. Damit ist nicht die - völlig uninteressante - 48 fps-Variante gemeint, sondern der absolute Überschwall an CGI. Es fällt nicht leicht, überhaupt etwas zu entdecken, was nicht technisch modeliert und daher verunstaltet wurde. Ganze Goblin- und Orkshorden könnten genau so gut einem zeitgemäßen Computerspiel entsprungen sein. Doch um dem einen draufzusetzen, sind sogar Tiere (bspw. die Hasen des unfassbar nervenden Radagasts), ganze Hintergründe oder einzelne Gegenstände schlichtweg unecht. Faszinierend wie ein eskapistisches Filmgenre immer wieder so artifiziell sein muss. Und wieso zur Hölle sieht das hässlicher aus als zu Zeiten der Gefährten, der zwei Türme und des Königs? Eine Ausnahme gibt es dann allerdings schon: Andy Serkis, der seine Motion-Capture Paraderolle sichtbar verinnerlicht hat, verhilft dem Film zu einer kammerspielartigen, fast brillanten Szene, die den Gesamteindruck aber nur wenig aufbessern kann. Die Lust, den neuen Gefährten auch weiterhin auf ihrer Reise beizuwohnen, hält sich doch arg in Grenzen, zumal der Trailer zu THE HOBBIT: THE DESOLATION OF SMAUG keine Besserung verspricht...ganz im Gegenteil. Vorsichtig gesagt wäre es vielleicht besser gewesen, Guillermo del Toro hätte das Führungsruder in der Hand behalten und Jackson würde nicht mit diesem öden Auswuchs, sondern mit der schelmhaften Energie seiner Anfangszeit als Regisseur, der Neuseeland von Untote oder Außerirdische unterwandern ließ, assoziiert werden.

                                                  4 / 10

Autor: DeDavid