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Freitag, 25. Oktober 2013

Zu viele mutige Mutanten - X-Men: Der letzte Widerstand (2006)



...und wenn der Postmann dreimal klingelt, dann weiß Mensch wie Mutant, das Wort zur Woche heißt Trilogie. Wie komme ich bloß auf so etwas?! Ich möchte das eigentlich sofort editieren und aus dieser Welt schaffen, aber ich kann es nicht. Es ist wie ein Autounfall, man einfach nicht wegschauen oder es auslöschen. Man möge mir verzeihen. Dafür gibt es hier nun statt Singer eben Ratner, ob das ein gelungener Tausch war, bezweifle ich ein bisschen. Denn so muss sich Ratner selbst einmal neu in den Filmstoff der X-Men finden und gerade das im finalen Akt, das ist schon etwas problematisch zu betrachten.



Naja er versucht immerhin das Beste aus dem finalen Kampf der X-Men zu machen, auch wenn es da klare Startprobleme gibt, denn zunächst wird die im Grunde genommen recht dünne Handlung regelrecht mit einzelnen Handlungssträngen, Charakteren und Konflikten überladen, was gegenüber dem Film einen negativen Beigeschmack hervorruft. Immerhin versteht es Ratner dabei die Elemente miteinzubringen, die für ein großes Blockbusterfinale dem Schein nach durchaus von Nöten sind, da gibt es Pathos und einen spektakulären und großen letzten Kampf. Dafür fährt er weiterhin aber auch das Potenzial der hintergründigen und kritischen Ansätze zurück und lässt sie größtenteils ungenutzt.

Anfangs macht Ratner aber auch die Fehler von Singer, wie jener bei seinem Erstlings X-Men. Er führt neben den bisher halbwegs lieb gewonnenen alten Charakteren eine unzählbare Schar an neuen Mutanten ein, wobei nicht mal die Hälfte wirklich im Sinne der Handlung zu gebrauchen sind, das heißt, dass man schnell den Überblick verliert. Und diese Figuren zumeist absolut blass bleiben, wie die Figur von Ben Foster. Viele Rollen werden wohl nur als Mittel zum Zweck eingeführt. Ich möchte fast sagen, dass so mancher Charakter dabei förmlich verkümmert. Dennoch kann auch glänzt werden. Immer noch altbewährt und großartig aufspielend sind da natürlich Ian McKellen als finsterer Magneto. Übrigens macht McKellen hier wirklich einen großen Teil der Sympathie gegenüber dem Film meinerseits aus. Er hat einfach Charisma, wenn er die Rolle des Magneto spielt, während neben ihm auch Patrick Stewart weise und zuverlässig den Dr. Xavier gibt. Hugh Jackman ist sogar noch bärtiger und behaarter als beim letzten Treffen. Halle Berry scheint endlich ihren Rhythmus in der Rolle der Storm gefunden zu haben, vielleicht auch weil man jenem Charakter auch endlich mal einen Hauch von Tiefe schenkt. Und James Marsden darf kurz einen Depri-Cyclops geben, besonders erwähnenswert ist das nicht. Relativ ungenutzt bleiben da neben Vinnie Jones, Cameron Bright, Ellen Page, die aber auch wenig Forderung bei ihrer Rolle zu spüren bekommen und  Bill Duke, der wohl irgendwie 80er-Jahre-Charme verbreiten soll. Das mag nach viel klingen, es gibt aber in Wirklichkeit noch viel mehr, so viel zur Austauschbarkeit von Charakteren. So werden viele Themen, Konflikte, Interessen eben nur angerissenen.




Doch immerhin lässt mich die Besetzung über viele Schwächen, die Ratner beim Verlauf seiner Geschichte macht, hinwegsehen, um das nochmal zu verdeutlichen, auch wenn er seinen Film innerhalb der Geschichte seines "X-Men"-Universums überlädt. So wäre ihm positiv vorzuhalten, dass er zumindest die Fähigkeit hat daraus ein temporeiches Blockbusterspektakel zu machen. Sehr ansehnlich sind auch die Effekte. Die letzte fulminante Schlacht wird dann gezimmert mit knalliger Action, einer fliegenden Golden Gate Bridge wie auch einem kraftvollen McKellen und Alcatraz als symbolisch zu deutender Ausgangspunkt der Handlung, das wird mit einem stets dramatischen Score untermalt, um dieses letzte Gefecht noch mal in ein tragisches Gewand zu tauchen. Insofern besitzen gerade letztere Sequenzen des Films eine gewisse ironische Note und ein durchaus charmantes Gesicht, aber nur in Anbetracht von McKellen.


Wenn man mich also letztlich fragen würde, ob ich "X-Men: Der letzte Widerstand" als einen würdigen Abschluss der Reihe sehen würde. So hätte ich Schwierigkeiten dazu wirklich eindeutig Stellung zu beziehen, ich würde wohl eher zu der Verneinung tendieren, weil ich nur schwerlich wüsste, was ich als positive Argumentation hervorheben sollte. Vielleicht den hochwertigen Cast, die doch stimmige Blockbusteraction oder das Tempo des Films, welches mich unterhielt? Ja, irgendwie ist er ja schon zu gebrauchen, eben im Sinne eines als Durchschnittsfilm, den man zufriedenstellend findet, bis man die restlichen Schwächen bemerkt.



5.0 / 10

Autor: Hoffman




Samstag, 19. Oktober 2013

Mutige Mutanten - Kritik: X-Men - Der Film (2000)



»In drei Worten: Sind Mutanten gefährlich?«

Ich erinnere mich noch an jene Tage, wo nicht jede Woche eine scheinbar neue Comicverfilmung gedreht wurde, ein zweiter Teil davon oder irgendwas anderes in die Richtung. Das waren noch Tage. Da war sich noch niemand bewusst, dass das zu einem echten Trend ausarten würde. Ja, ich mag und mochte die X-Men, wobei ich im Grunde niemals in meiner Kindheit die dazugehörigen Comics las und mich mit der Materie auch nie wirklich auskannte, ich mag die trotzdem. Jedenfalls rede ich hierbei ja auch über die "X-Men" von Bryan Singer aus dem Jahre 2000. Da fand ich das noch interessant Comics zu verfilmen, jetzt nicht mehr. Jetzt soll es einfach nur aufhören.


Nun gut einen Großteil wird für mich eh insofern von gut gewählten Cast des Werkes bewerkstelligt. Auch wenn darin wieder steigende und fallende Leistungen entsprechend zu beobachten ist. Dabei lebt Singer erster X-Men-Teil im größten Teil von seinen beiden Giganten (das ist eine persönliche Wertung), welche er hierbei aufeinandertreffen lässt: Stewart vs. McKellen. Welche mit viel Eleganz und Stil ihren Figuren Profil und Stärke verleihen, während Patrick Stewart dabei noch den hilfsbereiten Gutmenschen gibt, was ihn sympathisch erscheinen lässt, agiert Ian McKellen zunächst ungewöhnlich, aber stets souverän-diabolisch und mit stilvollen Unterton, mich fasziniert McKellen´s Magento.

Hervorzuheben wären so aber auch die gemeinsamen Momente beider Akteure, welche dadurch mit präzisen Schauspiel und kühlen Worten aufwahrten. Daneben gibt auch Hugh Jackman den Einzelgänger Wolverine gekonnt, mit viel Dominanz und Charisma, ja richtig charmant und natürlich etwas kratzig. Famke Janssen und Halle Berry gliedern sich dazu noch recht beschaulich in den Cast ein, wobei Berry so blass bleibt wie die Frisur ihrer Rolle und James Mardsen ist irgendwie auch mit an Bord. Wobei der Hauptpunkt dieses Teils sich noch auf das Wunderkind, unter den Mutanten, Rouge (unschuldig: Anna Paquin) beruft, welche von beiden Parteien (Gut [Stewart] und böse [McKellen]) gesucht wird, um ihre Fähigkeiten zu nutzen oder ihr gar zu helfen. Im Grunde ist Singers erster "X-Men"-Film nichts anderes als eine nette Einführung der unzähligen Charaktere, wobei hier gerade das Problem des Films zu suchen ist, denn viele Charaktere werden eingeführt, trotzdem kommt es nicht zu einer tieferen Charakterisierung jener Figuren, insofern bleiben leider viele Figuren nach diesem Motiv recht blass und oberflächlich für mich gestaltet.



Doch man bemerkt schnell, auf welche Charaktere man im späteren Verlauf eingehen möchte: Hierbei ist die Beziehung zwischen Wolverine und Jean Grey (Janssen) hervorzuheben und man darf auf eine Dreiecksbeziehung spekulieren. Zusammengefasst wird mir hier viel zu viel angerissen ohne es schließlich konsequent zum Abschluss zu führen, was die größte Schwäche des Films wie auch des Drehbuchs ausmacht. Technisch ist er aber recht anschaulich gestaltet, Singer erzählt rasant wie auch temporeich, auch wenn dies hierbei noch recht konventionell verpackt ist und so auch mit Effekten protzt, welche aber an sich auch überzeugen können, während die recht einfache gehaltene Story linear auf das große Finale, nochmal mit einem großen, dramatischen und hübschen Knall, hinsteuert, als Höhepunkt des Films würde ich es trotzdem eher weniger betrachten, das ist, wenn Magneto die Polizeiautos fliegen lässt. Immerhin ist dieses Finale aber auch ordentlich gehandhabt worden und als leicht-pathetische Metaphorik (= wir kämpfen auf der Freiheitsstatue für unsere Gleichberechtigung) zu verstehen, insofern der Höhepunkt, ja, trotz Bosskampf-Schema.




Interessant bleiben immerhin noch die kritischen Ansätze, die Singer geschickt ausspielt, so bildet der Ausschluss der Mutanten gleichauf eine kleine Parabel über Rassismus und Diskriminierung, auch wenn Singers Ansätze hier noch eher harmlos sind, es bleibt hier nur auf der netten Grundidee, die dem Comic zu zurechnen ist, behaftet. Mehr nicht. Alles in allem bleibt Singers Film trotzdem ein für mich netter und ja unterhaltsamer Einstieg in das filmische Universum der X-Men.



6.0 / 10

Autor: Hoffman


Freitag, 5. Juli 2013

Über die Nebelberge weit in den CGI-Sumpf - Kritik: Der Hobbit (2012)

Es ist zwar schon einiges richtiges und wichtiges zum Start der Tolkien-Adaption-Prequel-Trilogie gesagt worden, doch angesichts einer derart gewaltigen Anhängerschaft, die natürlich schon lange bevor sie den Film überhaupt erst gesehen haben, wussten, wie toll die nächste Reise nach Mittelerde wird, kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, wie Peter Jackson sein Erbe in den Sand gesetzt hat.

Ein Kinderbuch wird also zur opulenten, dreiteiligen Fantasyoper aufgeblasen. Um Leerlauf (den es selbstverständlich trotzdem gibt) zu verhindern, stehen ja glücklicherweise noch die Anhänge aus den anderen Büchern zur Verfügung. Damit das Fanherz aufjauchzen kann, gibt es implementierte Auftritte gestandener Lord of the Rings-Größen wie Elijah Wood, Christopher Lee oder Cate Blanchett. Hauptsache der dürftige Inhalt kann somit ausgeweitet werden. In der Praxis beginnt das dann mit einer viel zu ausladenden Exposition, Zwergenparty inklusive. Dass all die einzelnen Zwerge nur schwer voneinander zu unterschieden und fast durchweg völlig austauschbar sind, sei nur mal nebenbei erwähnt. Mit steigender Zwergenzahl, potenziert sich gleichfalls der Anteil dümmlicher Slapstickmomente. Man könnte dem jetzt widersprechen und argumentieren, dass es "eben eine Verflimung eines Kinderbuchs sei" und Jackson "gute Arbeit geleistet hat". Doch was der erste Trailer noch an andächtiger Abenteuerlust versprach, verkam schon beim ausgedehnten zweiten zur albernen Fantasy-Sause. Alles gar nicht mal SO übel.

                                                    




[Edit: Aus einer Weigerung der Autors heraus, von der visuellen Qualitäts des Fims etwas zu verbreiten, gibt es diesmal nur ein eigenes künstlerisches Erzeugnis zu sehen. Minimalismus ist Trumpf! ]


Was nämlich am Unangenehmsten ins Auge springt, ist die unsägliche Optik. Damit ist nicht die - völlig uninteressante - 48 fps-Variante gemeint, sondern der absolute Überschwall an CGI. Es fällt nicht leicht, überhaupt etwas zu entdecken, was nicht technisch modeliert und daher verunstaltet wurde. Ganze Goblin- und Orkshorden könnten genau so gut einem zeitgemäßen Computerspiel entsprungen sein. Doch um dem einen draufzusetzen, sind sogar Tiere (bspw. die Hasen des unfassbar nervenden Radagasts), ganze Hintergründe oder einzelne Gegenstände schlichtweg unecht. Faszinierend wie ein eskapistisches Filmgenre immer wieder so artifiziell sein muss. Und wieso zur Hölle sieht das hässlicher aus als zu Zeiten der Gefährten, der zwei Türme und des Königs? Eine Ausnahme gibt es dann allerdings schon: Andy Serkis, der seine Motion-Capture Paraderolle sichtbar verinnerlicht hat, verhilft dem Film zu einer kammerspielartigen, fast brillanten Szene, die den Gesamteindruck aber nur wenig aufbessern kann. Die Lust, den neuen Gefährten auch weiterhin auf ihrer Reise beizuwohnen, hält sich doch arg in Grenzen, zumal der Trailer zu THE HOBBIT: THE DESOLATION OF SMAUG keine Besserung verspricht...ganz im Gegenteil. Vorsichtig gesagt wäre es vielleicht besser gewesen, Guillermo del Toro hätte das Führungsruder in der Hand behalten und Jackson würde nicht mit diesem öden Auswuchs, sondern mit der schelmhaften Energie seiner Anfangszeit als Regisseur, der Neuseeland von Untote oder Außerirdische unterwandern ließ, assoziiert werden.

                                                  4 / 10

Autor: DeDavid