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Freitag, 27. Dezember 2013

Ein kunterbunter Western über singende Holzfäller - Klassiker der Extraklasse: Eine Braut für sieben Brüder (1954)




Jetzt singen und tanzen sie schon im wilden Westen! Und wie wild das hier ist, verortet zwischen Bergen und Tälern, wo die Männer noch Bärte, wie Hauptfigur Adam, tragen und eine Frau für das Haus suchen. Viele sind aber verheiratet oder versprochene Bräute, aber letzteres stellt kein Problem dar, sie sind ja nicht verheiratet! So wird ohne viele Worte gleich die Heirat vorgeschlagen, denn die Zeit ist schließlich knapp bemessen. So bringt Adam schon bald ein Mädchen, namens Milly, mit nach Hause zu seinen sechs Brüdern, deren Namen (Benjamin, Caleb, Daniel, Ephraim, Franziskus, Gideon) chronologisch nach Geburtsjahr alphabetisch geordnet sind. Der Vater verfolgte damit das Ziel das vollständige Alphabet durch zu schaffen, was ihm leider misslang. Das sind rohe Männer, die sich prügeln, die bauernhaft leben und Holz fällen. Die Frau, die muss hier für alles sorgen, für Essen, Ordnung und die Wäsche. Die Ehe kommt für beide anders als gedacht: Die Frau ist doch kein Dienstmädchen! Nach großer Anstrengung, erzieht sie schließlich diese ungewaschenen Männer. Der Bart muss ab! Während der Mann sich immer noch gegenüber seinen Brüdern, als der Älteste im Brunde, beweisen muss.



Stanley Donen erzählt diesen musikalischen Western mit viel Munter- und Heiterkeit, verziert das mit der ein oder anderen Frivolität, kommentiert das Szenario doch äußerst ironisch und nistet sich in der Gemütlichkeit der Bilder ein, von denen man meint, dass sie von Heimat und Wohlbehagen sprechen würden. Hier regiert die pure Naivität! Aber man spürt, dass Donen natürlich mit dieser Falschheit, mit dieser überdeutlichen Künstlichkeit, die als Beispiel durch ein gemaltes Hintergrundbild ausgestellt wird, spielt, sodass man sich beinahe schon darin verlieren kann, in dieser absoluten Weltfremdheit, dieser dreisten Harmlosigkeit und dieser fröhlichen Ferne der Berge, durch welche ein Echo dringt. Das ist das Echo der schmissigen Lieder, zu denen getanzt und herumgewirbelt wird. Lassen wir Musical also einfach Musical sein. So hilft Milly den Brüdern ein eigenes Mädchen zu finden, mit Anstand und Höflichkeit. Und dann startet Donen erst richtig durch, es wird lebhaft, bunt und schwungvoll, dann wird leidenschaftlich für die Mädchen getanzt und ebenso gut ungestüm gekämpft. Das ist alles wunderbar choreographiert. Schon bald verfallen die Brüder auch dem Liebeskummer. Die Jahreszeit wechselt hier übrigens auch passend zu den Gefühlen der Protagonisten. Doch eine Alternative gibt es ja noch: Einfach die Frauen stehlen und zur Farm bringen, mit Pfarrer natürlich, wie bei den alten Römern! Allzu ernst sollte man Donens Film natürlich nicht nehmen, ihn eher mit einem Augenzwinkern hinsichtlich der Geschlechterrollen betrachten. Die Männer, die sind bei Donen unbeholfene und grobe Geschöpfe in der Liebe, die erst in sich gehen müssen, um zu erkennen, was sie eigentlich haben. So steht am Ende auch Versöhnlichkeit im Vordergrund. Ja, das ist schon ein kurioser wie auch wundervoller Film.



7.0 / 10


Autor: Hoffman 

Donnerstag, 5. September 2013

Im Bann des gespenstischen Hill Houses - Klassiker der Extraklasse: The Haunting - Bis das Blut gefriert (1962)



Robert Wise möchte eine Geschichte nach Shirley Jackson erzählen, also gut zu hören, Kinder! Vielleicht ist es für manchen sogar die Erfüllung seiner (Alp)träume: Ein unentdecktes Land, friedhofsstill und verlassen, in dem etwas umgeht. Ein Ort gezeichnet von Tragik und Düsternis. Es wird Zeit für Geisterhaus-Geschichten! Eine alte Legende, ganz nach klassischen Vorbild geformt, über das Anwesen Hugh Cranes. Eine Geschichte, die von Tod und Selbstmord berichtet, von einen dunkler Ruf, der voraus eilt und Toten, die keinen Frieden geben können. Wise möchte ein Mysterium um dieses Geisterhaus schaffen, das Haus als das Böse, als Haus des Hades aufzeigen, er personifiziert das Anwesen als ein Monstrum, als lebendiges Etwas, mit Augen (= das Haus in der Großaufnahme), die starren! Dies wird unterstützt durch die expressiven Schwarzweißbilder, in Nacht und Dunkelheit, bei welchem Wise besonders großen Wert auf die Wirkung von Licht- und Schattenkonturen legt. Effektiv entwickelt Wise seinen subtilen Grusel im stilvollen (wie auch isolierten) »Hill House« mit seinen Ornamenten und edlen Verzierungen, mit seinen unheimlichen Statuen, Spiegeln und unbeständigen Wendeltreppen, detailreich lässt Wise dieses Haus filmen und nutzt auch die teils subjektive und flexible Kamera um unterschwellig eine schauerliche und unheilvolle Atmosphäre aufzubauen, die deutlich untermauert wird durch die geheimnisvolle Sprache und Dynamik der Bilder, bei der Wise auch auf gewisse Verzerrungen setzt, das Haus selbst als einen kleinen Irrgarten bezeichnen lässt, auch wenn dieser Aspekt nur anfangs kurz aufgegriffen wird und später nur noch peripher interessiert. Ein eigentlich spannender Aspekt, der vielleicht noch einen konsequenteren Gebrauch hätte erfahren können.



So lädt ein Professor der Parapsychologie seine drei Gäste, einen skeptischen, jungen Angehörigen der Hausbesitzerin und baldigen Erben (Russ Tamblyn) und zwei Damen, die bereits Erfahrungen mit dem Übernatürlichen machten, zum Experiment in dieses Haus ein. Es ist ein Kampf zwischen der rationalen Wissenschaft und dem Metaphysischen, der sich auch in den Figuren und ihrer Haltung gegenüber den Geschehnissen niederschlägt. Wise interessiert sich hier für den Grusel hinter den Türen, er spielt mit den Elementen von Subjektivität, Schein und Einbildung, wie es sich in der unerklärlichen Kälte aufzeigt, es sind demnach illusorische Bilder, welche Wise präsentiert. Während er sich auf der anderen Seite psychologisch den Urängsten und der Furcht der Menschen, in gewisser Weise auch der existenziellen Angst vor Einsamkeit, was auch einen interessanten, gruppendynamischer Aspekt des Films darstellt, widmet. Der Off-Kommentar der Hauptfigur Eleanor ist dazu zwiespältig zu betrachten, er mag zwar vieles ausbuchstabieren, doch unabdingbar ist er nicht, er erleichtert es diese Figur zu verstehen, er erforscht sie und macht erst dadurch ihr fragiles Wesen an sich, ihre Unsicherheit und ihre Nervosität gegenüber der Situation greifbarer; darüberhinaus verdeutlicht der Off-Kommentar in gegebenen Szenen auch die menschlichen Ängsten, schildert die Gedanken und bangenden Fragen, welche den Protagonisten in diesem Momenten durch ihre Köpfe spuken. Er kristallisiert sich dabei aber auch (und die Figur der Eleanor) heraus, er hat so eine abschweifende Wirkung vom Schauer, bei der ich nur schwer sagen kann, ob das effizient oder nicht ist, in vereinzelten Momenten wirkt er somit im Ganzen etwas platt. Durchaus treffen Zauber und Bann des Hauses sowohl Zuschauer als auch Protagonisten, aus Faszination wird bei letzteren anziehende Bestimmung, die Erfüllung ihres persönlichen Glücks; so ist es auch nur konsequent, dass Wise den Zuschauer ohne Erklärung aus dieser Geschichte entlässt, denn in einer modernen Welt muss es eben auch noch Mythen und Geistergeschichten geben und wo sind diese besser aufgehoben als im Kino?



8.0 / 10


Autor: Hoffman