Mittwoch, 26. März 2014

Die Angst vor dem Unbekannten nehmen - Klassiker der Extraklasse: Unheimliche Begegnung der dritten Art (1977)

Steven Spielberg finde ich immer dann am besten, wenn er sich dem Genrekino verpflichtet. Wenn er sich stattdessen mit historischen Begebenheiten befasst (LINCOLN oder SCHINDLER’S LIST), sind die Resultate formal zwar einwandfrei, geradezu schulmeisterlich, doch seine vormerklich naive Sicht aufs Weltgeschehen prägt diese Werke. Somit bin ich hingegen erfreut, wenn sich Spielberg mit peitschenschwingenden Archäologen, freundlich und feindlich gesinnten Außerirdischen oder prähistorischen Kreaturen austoben kann. Mit Sicherheit möchte ich meinen: Hier liegt seine wahre Könnerschaft, die sowohl kleine Jungen als auch betagte Menschen zu begeistern vermag.




CLOSE ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND reiht sich zum Glück in die Liga der aufregenden Science Fiction-Beiträge ein und wirkt stellenweise wie eine Blaupause zu E.T., nur sind es nicht bloß die unbekannten Lebensformen und vorbehaltlosen Kinder, die zu einer friedlichen und freundlichen Kommunikation fähig sind. Hier sind die Abgesandten von der Regierung keine gesichtslosen Unheilbringer, die lediglich ihre Forschung im Sinn haben. Für diese Haltung steht an erster Stelle Claude Lacombe (Nouvelle Vague Regisseur François Truffaut!), ein Mann, der noch vor seinen Forscherkollegen die Ereignisse vorwegnehmen kann. Aus dem kleinstädtischen Umfeld (selbstverständlich eine weitere Parallele zu E.T.) stammt der Familienvater Roy Neary (Richard Dreyfuss, siehe JAWS), der einen von wenigen Auserwählten darstellt, die telepathisch von den Außerirdischen kontaktiert wurden und diese Signale nur mühevoll deuten
kann. Sein Verhalten wird zunehmend obsessiver, sodass er sich von seiner Familie entfremdet, was letztlich (für ein Spielbergfilm ein radikaler Augenblick) darin gipfelt, dass er von ihnen verlassen wird. Eine solch einnehmende Paranoiavisualisierung findet sich ansonsten nur in DUEL, Spielbergs Debütfilm für Fernsehen. Diese beiden Männer sind die Hauptantriebskräfte für eine berufliche und persönliche Begegnung der dritten Art.




Die zahlreichen Academy Award-Nominierungen zu seiner Zeit (die abgesehen von der Auszeichnung für die beste Kamera auch Nominierungen blieben, denn ein anderer Film räumte berechtigerweise ab: STAR WARS) sind vor allem in den technischen Kategorien angebracht. Der Einsatz von Licht (strahlend von Flutmasten oder den Raumschiffen) setzt wirklich Maßstäbe, während heutige, flink daher kreierte CGI-Flugschiffe einmal mehr die Überzeugung bekrätigen, dass nichts über den ungepixelten Effekten steht (ein nahezu erschöpfter aber wichtiger Punkt). Der Director’s Cut ist womöglich die beste Fassung, denn selbst wenn die Inspektion des Raumschiffs nicht viel offenbart, so raubt sie doch etwas von der Unbekanntheit der extraterrestrischen Lebensformen. Ein Aufeinandertreffen, welches nicht zu viel ausformuliert und die Unbekannten auch unbekannt bleiben lässt, ist die vorzuziehende Wahl. Denn die Botschaft ist universal: Sie ist  pazifistisch und könnte auch für eine Begegnung der Völker, der Kulturen und Lebensauffassungen stehen. Das ist im Genrekontext fast schon einzigartig und wenn etwa Ripley oder R. J. MacReady eine kämpferische Art gegen die Außerirdischen ausleben, dann sollte es auch eine Alternative geben. Und Spielberg schenkt sie uns.

                                                                    8 / 10

Autor: DeDavid

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