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Freitag, 22. Juli 2016

Dino-Tohuwabohu - Kritik: Jurassic Park III (2001)


Eigentlich muss man bei der Vorgeschichte der Handlung festhalten, in der ein Mann und ein Junge sich über das Wasser in Nähe der Islar Sonar einen Flug mit einem Fallschirm genehmigen, wie dieser Film infantil dieser Film schon zu Beginn ist (unglaublich ist außerdem, dass der sonst ganz andere Töne anschlagende Alexander Payne am Drehbuch beteiligt gewesen sein soll), wie einfältig die Dialoge sind und das Umschwenken von Spaß auf Ernst. Es sollte eigentlich schon da (und vor allem dort) klar sein, dass dieser Film dumpf ist und nach dieser Vorgeschichte, tritt dann auch Sam Neill in Erscheinung, die einzig strahlende Figur in diesem Film. Er, der einsame Paläontologe, die aussterbende Spezies, ist zurück in Action. Sein Trauma, die Velociraptoren, hat er immer noch nicht überwunden und wie es die Ironie des Schicksals so will, wird er zu einer Dinoinsel zurückkehren, zwar nicht zur Islar Nublar, dafür zur Islar Sorna. Denn er wird von einem vermeintlich reichen Ehepaar (William H. Macy & Téa Leoni), das sich als geschieden herausstellt, zu einem Überflug über die Insel überredet gegen eine Finanzierung seiner Ausgrabungen. In Wirklichkeit haben die es aber darauf abgesehen ihren Sohn (Trevor Morgan) zu suchen. Sie landen, sie fliehen und wollen abheben, stürzen ab und sitzen auf der Insel fest. Sam Neill ist der Motor des Films, der umzingelt ist von hohlbirnigen Kanonenfutter (das aber erfreulicherweise schnell das Zeitliche segnet), etwa hysterischen (Leoni) oder tollpatschigen (Macy) Eltern oder seinem farblosen Assistenten (Alessandro Nivola), die sich nacheinander als ein Haufen von Lügnern oder Betrügern herausstellen.


Joe Johnstons dritter Ableger der Dino-Reihe ist nun also temporeich erzähltes und vor allem kurzweiliges Fast-Food, ein Hollywood-B-Movie mit einer Prise Humor, das sich auf die Darstellung seiner Themenparkmonster besinnt, während die Menschen hilflos zwischen diese Giganten geraten, was sich wohl am deutlichsten in der Szene zeigt, in der Tyrannosaurus und Spinosaurus aufeinanderprallen. Überhaupt findet der Film mit dem Spinosaurus eine neue Größe unter den Dinos, die selbst den Tyrannosaurus in seine Schranken verweist und demnach in Johnstons Film dessen Platz einnehmen darf. Die Raptoren sind intelligenter geworden, könnten nun sogar untereinander kommunizieren (sind damit vielleicht sogar intelligenter als die meisten anwesenden Figuren) und im Sinne der gesamten Reihe gibt es auch wieder eine Herde von flüchtenden Dinosauriern, mit denen die Figuren davonlaufen. Die Menschen haben dagegen nichts gelernt und rennen zum Großteil des Films davon. Denn der Inhalt von Johnstons Film lautet schlichtweg nur überleben.


Sein Film ist ein einziger rasanter und abenteuerlicher Lauf über die Insel, in dem gerannt oder versteckt wird, den Johnston ansonsten atemlos voranprescht, ohne wirkliche Pausen, ohne wirklichen Ballast. Er lässt seine Figuren trottelig von einem Fettnäpfchen ins nächste treten, hetzt mit ihnen von hier nach da und erzählt reibungslos fließend den Übergang von Station zu Station und hat dabei sogar noch ein paar neue Kreaturen (u.a. Pteranodon) im Gepäck und auch sonst wirkt das Ganze irgendwie so schön traditionell. Johnston erzählt auch im drittem Teil - wie Spielberg vor ihm - von der Familie, von der Wiedervereinigung einer Familie, die wieder zusammengeschweißt wird durch dieses Abenteuer und mittendrin ist da eben noch Dr. Grant, Sam Neill, der einen durch dieses Film so tüchtig begleitet. Es mag also sein, dass Johnstons Beitrag der Reihe dumpf sein mag, was sich nicht leugnen lässt, aber er ist doch dabei irgendwie sympathisch.

6.0 / 10

Autor: Hoffman 

Mittwoch, 20. Juli 2016

Auf der Jagd nach dem Spektakel - Vergessene Welt: Jurassic Park (1997)


Spielberg spielt zunächst einmal wieder geschickt die Karte mit dem Kind aus, um den Zuschauer in seinen Film zu introduzieren. Während sich seine arrogant-reichen Eltern (natürlich Karikaturen) dem feinen Leben und Essen hingeben, geht ihr naives Mädchen auf Entdeckungstour auf der fernen Insel. Sie streunt herum und Spielberg tapst auf ihren Spuren. Fantastische Neugier wandelt sich in Schrecken und Spielberg lässt gleich darauf Ian Malcolm (Jeff Goldblum) ins Bild und in die Geschichte treten. Damit ist klar, dieses Mal ist er der Protagonist, der Spott geerntet hat, weil er die Wahrheit ans Licht bringen wollte. Seine Nebenfigur wird zu einer Hauptrolle. Damit einhergeht leider auch - wenngleich Jeff Goldblum ihr immer noch ihren Charme gibt - dass die Figur hier klar spröder erscheint. Er erfährt von der Existenz einer zweiten Insel, auf der die Dinosaurier frei hausen. Wieder gibt es eine Gruppe. Diese hier soll eine Expedition starten, observieren und dokumentieren, was auf der Insel vor sich geht. Und auch ein Kind, dieses Mal die Tochter von Malcolm (Vanessa Lee Chester), befördert Spielberg in die Handlung, das begierig staunen darf. Man könnte nun meinen, dass gerade durch sie Spielberg wieder versuchen würde das Ganze neu zu entdecken.


 Wirklich so ist es aber dann doch nicht - auch weil ihr Charakter dafür viel zu rohschnittartig, viel zu sehr an den Rande gedrängt, erscheint. Zwar deutet Spielberg zu Beginn einen Vater-Tochter-Konflikt an, der auch freilich absolut in sein Schaffen gepasst hätte, an, von einem Vater, der nicht da ist und einer Tochter, die bei ihm sein will, wirklich interessieren scheint es ihn dieses Mal aber nicht. Man könnte dahingehend auch noch weiter ausholen und meinen, dass es sich bei »Lost World« um einen Familienfilm handelt. Denn die stärksten Figuren zu Beginn sind zumindest diejenigen, die direkt um das Universum von Ian Malcolm kreisen wie seine Tochter oder die Paläontologin Sarah (tough: Julianne Moore, die versucht wie eine Kriegsfotografin zu nah wie möglich an die Dinos zu kommen), einer Ex-Freundin, mit der Ian scheinbar noch in Kontakt steht. Das heißt, dass Ian in dieser Konstellation den Vater darstellt, Sarah die Mutter und Kelly das Kind. Aber auch das wird recht schnell unter den Tisch gekehrt. Der Großteil der restlichen Figuren bleibt dagegen zum vergessen oder wird von Spielberg auch tatsächlich vergessen. Vielleicht ist das aber auch nur im Vergleich zum Vorgänger so auffällig. Worin aber diese Fortsetzung mit ihrem Vorgänger aber wieder übereinstimmt, das sind Antagonisten, die auch hier wieder Skrupellose, Ausbeuter und Kapitalisten sind. Wieder ist ein Konflikt des Films das Aufeinandertreffen von Forschern und Geschäftsmännern, die wollen, dass der Dino-Zoo nun zu ihnen kommt und sie die Dinos fangen (an dieser Stelle zitiert Spielberg deutlich Howard Hawks »Hatari!«), um sie auf das Festland zu bringen. Dabei lässt Spielberg das Spiel um Jäger und Gejagte wechselhaft durchspielen. Aber der wirkliche Thrill fehlt diesem Werk. Vielleicht weil die Dinosaurier immer und überall sind und in Scharren durch diesen Film stampfen. Etwas besonderes wohnt ihnen nicht mehr inne. Der Schauplatz des Films ist größtenteils die grüne Natur der Insel. Wo der Vorgänger auf Verdichtung setze, bricht die Fortsetzung nun aus, weitet und fährt breit aus und bebildert diese große und weite Welt. Worin liegt also der Reiz an den Dinosauriern bei dieser Redundanz, wo doch der Vorgänger genau das Gegenteilige tat und sie nur in einzelnen und wohl dosierten Höhepunkten im Film auftreten ließ? Es fehlen die Bedrängung und die Anspannung, die sich nur spärlichen Einzelmomenten wiederfinden lassen, die sonst der ermüdenden Redundanz weichen müssen. Ein einschneidender Moment, wie, wenn der Van langsam über die Klippe zu schlittern droht, den Spielberg so schön ausstaffiert mit Nacht, Regen und Matsch (natürlich auch ein Schema, den schon der Vorgänger buchstabierte) und die Situation zuspitzt, die Lage sich wieder verbessert, um kurz darauf wieder zu kippen. Und der einzige Dinosaurier, das einzige Ungetüm, bei dem bis zum ersten Auftritt noch Spannung aufgebaut wird, wie schon im letzten Teil, ist der Tyrannosaurus Rex, um den sich daraufhin auch bis zum Ende auch alles zu drehen scheint, dadurch eindeutig mehr Leinwandpräsenz erfährt und eigentlich die Haupattraktion des Films darstellt.  



Der Film ist in jedem Fall die logische Konsequenz, die die meisten Fortsetzungen innehaben. Er zeigt und beweist das in jeder Pore seines Seins. Besonders am Ende noch einmal, wenn der Tyrannosaurus, der ebenfalls im Übermaß zum Einsatz kommt, dann in die Zivilisation eindringt, durch die Stadt streift, wütet, sich Drehbuchautor David Koepp selbst fressen lässt und ein Chaos anzettelt. Natürlich birgt auch »Lost World« ein Abenteuer in sich, zu dem John William seiner Musik auch durchaus neue Impulse verleiht und dahingehend handelt es sich selbstredend auch um einen gefälligen Film, den Spielberg temporeich erzählt. Er macht kurzen Prozess und reißt somit vieles hintereinander ab. Er wiederholt aber auch viele Schemen (erinnert die austauschbare Figur von Peter Stromare im Verlauf nicht der von Bob Peck im Vorgänger?), wiederholt Tricks (Velociraptoren?) oder gar einzelne Momente des Vorgängers, die er modifiziert. Spielberg sucht das große Spektakel bei diesem Film, verliert aber seine Figuren aus den Augen, die dahinter zurückstehen müssen und schlichtweg blass erscheinen. Es fehlt ihnen das Markante. Spielberg lässt sie aus den Händen gleiten, weshalb viele von ihnen fade bleiben und als Köder für die Bestien verkommen (wie bei diesem Hippie-Wissenschaftler, bei dem man das Gefühl hat, das mehr in seiner Figur hätte stecken können, aber dessen einziger Zweck letztlich nur ist kurz einmal über die Dinos aufzuklären). Der Film ist schlichtweg zu dünn und zu dürftig (was die dadurch leicht albern geratene Aktion von Kelly, die aus der Turnmannschaft flog, belegt, wenn sie den Velociraptor mit einem Schwung aus einem Haus herauskatapultiert) in seiner Ausarbeitung und Entwicklung. Damit kann man »Lost World« als oberflächliche Kurzweil werten. Aber immerhin erkennt man durch dieses Sequel auch die ganze Größe des Originals und was man eigentlich alles an ihm hatte. 


6.0 / 10





Autor: Hoffman 

Mittwoch, 29. Juni 2016

Short Cuts: Steven Spielberg (#1)


Die Farbe Lila (1985)


Spielbergs Werk ist ein in sich gespaltetener Film, der sich einerseits als Melodram, Gefühlskino, Kitsch versteht, das sich ganz den Gefühlen hingibt, andererseits schildert Spielberg diese Geschichte überaus naiv, im gewissen Maße sogar zu leichtfüßig und fröhlich, reichert seinen Film mit illustrer Komik an, lässt Antagonisten zu Karikaturen werden, die ihre Gewalt verlieren, lächerlich werden.
Das ist zu komisch. Überhaupt wird die Drastik, das Gefängnis, in dem sich Celie wähnt, nie wirklich gezielt und spürbar entfaltet, sondern nur in einzelnen (natürlich auch viel erzählenden) Einstellungen angetippt. Spielberg bleibt sehr sanft, sehr versöhnlich und lässt seine Protagonisten nie ihren Lebensmut verlieren, ist stets bestrebt das Gute zu betonen und hervorzuheben. Damit vereinfacht er die Situation (und die Figuren) natürlich auch. Darauf muss man sich einlassen. Es ist schlichtweg ein herzlicher Film, der einen eben herzlichen Umgang mit seinen Figuren pflegt (seinen Antagonisten vielleicht sogar vergibt). Es ist ein Film über Freundschaft und über Liebe, von denen Spielberg hier so süßlich erzählt, ein Film über die Kraft der Liebe, der aber auch - mag das vielleicht an seiner Leichtigkeit liegen oder vielleicht auch an seinen schnell wechselnden Jahreszeiten? - bündig wirkt. Es ist ein traditionell inszeniertes Melodram, das manchen Stellen beinahe so wirkt, als hätte Spielberg diesen naiven Hollywoodfilm in den 50er- oder 60er-Jahren gedreht (es kommen bisweilen Erinnerungen an Raoul Walshs »Band of Angels« herauf) und würde ihn genauso durchdacht inszenieren, denn natürlich liegt in seinem Handwerk eine merkliche Souveränität, die man seinem Film nicht absprechen kann und da ist natürlich noch ein anderer Punkt, den man Spielberg zugute halten muss, denn er schildert seine Geschichte vor allem mit menschlicher Wärme.

6.0 / 10


Der Soldat James Ryan (1998)




Wenn Spielberg sich mit Geschichte beschäftigt, dann lastet seinen Film etwas mythisches an. Das ist auch bei diesem Werk der Fall, was wohl auch nicht unproblematisch ist. Spielberg hält eine subjektive Erinnerung, einen Eindruck vom Krieg fest. Besonders zu Beginn, wenn er sich eindringlich in die subjektive Schilderung des D-Days begibt durch die Handkamera, ein Mittendrin erzeugt, ein körperliches Kino, in dem er auch Grausamkeiten nicht ausspart, ist sein Werk von einer eruptiven Kraft, einer erschütternden Kraft, die einen mit der ganzen Brutalität des Krieges konfrontiert. Danach wird Spielberg konventioneller, biegt sich eine Heldengeschichte aus amerikanischer Perspektive zurecht, in der der letzte Teil (= der jüngste Bruder und Sohn) einer Familie zurück zu ihr gebracht werden muss, zurück in die warmen Hände der Mutter in der Heimat (natürlich kann man auch sagen, dass der Film die Mutter und die Heimat gleichsetzt). Es ist ein Auslöser, der Spielbergs Familien-und Versöhnungs-Ideologie sehr gut deutlich macht, dafür muss man aber auch äußerst gutgläubig mit dem Film sein, um ihm das abzukaufen. Spielberg schildert danach also eher eine geradlinige und formal glattere, folglich auch konventionellere Kriegsodyssee, die ihren Sinn bekommt (und darin liegt ja auch der Widerspruch des Films, dass er damit auch sein gesamten Einstieg und dessen Aussage negiert), in der es um die Menschlichkeit geht, ein Leben zu retten, um jeden Preis. Ärgerlich ist daneben an diesem Film aber vor allem sein dumpfes Gut-und-Böse-Schema, das der oft genug Film betont (Ich habe tatsächlich ein Problem mit dem Deutschen, der aussieht wie das amerikanische Klischee eines Russen [siehe: Indiana Jones  and the Kingdom of the Crystal Skull], und der nachdem er empathisch freigelassen wurde, wieder zu denjenigen am Ende zählt, die kaltblütig mit dem Krieg weitermachen und niemanden verschonen; folglich war die Begnadigung ein Fehler, Mitleid für den Deutschen falsch und nur ein Amerikaner darf Gott spielen, über Leben und Tod entscheiden).

6.5 / 10


Gefährten (2011) 


Fraglos kann man wohl sagen, dass »War Horse« (sofern man den vierten Teil der Indiana Jones Reihe ausklammern mag) der am meisten gescholtene Spielberg der letzten Jahrzehnte ist, immer etwas stiefmütterlich behandelt wird, was wohl schlicht daran liegt, dass so genannte »Pferdefilme« vielleicht einfach nicht mehr mit ihrer hemmungslos treuherzigen und blauäugigen Gesinnung in diese Zeit passen. Nur noch einer scheint daran zu glauben und das ist Steven Spielberg. Bei diesem Film bewegt sich Spielberg auf dünnem Eis. Er erzählt eine Boy-meets-Horse-Story, in der es um Freundschaft zwischen einem Pferd und einem idealistischen Jungen geht, bei dem er das alte Hollywood (oder überhaupt ein traditionelles Kino der "epischen" Geschichtenerzähler) wieder aufleben lassen will, wie es einst Ford (How Green was my Valley) oder David Lean produzierten, die Spielberg offenherzig zitiert. Man kann eigentlich sagen (auch wenn der Film auf britischen Boden spielt und von einem amerikanischen Filmemacher umgesetzt wurde), dass der Film so ein bisschen eine Heimatfilm-Ideologie bis zu einem bestimmten Grad wieder heraufbeschwört. Er beginnt mit verspielter Frohmut, was John Williams mit leichtfüßigen Klängen begleitet, bevor Spielberg den Stoff langsam zu dramatisieren beginnt. Es ist eine Routinearbeit, die Spielberg mit diesem Film abgeliefert hat, die er wieder ganz der Naivität anvertraut. Er bedient wieder einmal geschickt die Klaviatur, um Emotionen zu wecken, wozu John Williams einen wesentliche Teil mit seiner erhabenen Musik beiträgt. Spielberg hält den Stoff leicht bekömmlich, sein Film ist dabei aber teils erschreckend banal (z.B. die Sache mit dem Pflug) und durchschaubar. Wenn Spielberg dann sein Pferd von seinem Jungen trennt und in den ersten Weltkrieg schickt, wo es von Besitzer zu Besitzer wechselt, die zum Großteil relativ austauschbar erscheinen, die es auch alle gut mit dem Tier meinen, dann wird der Film mehr und mehr fade. Interessant dabei ist aber, dass das Pferd stets Begleiter bleibt und Spielbergs Fokus oft immer mehr auf die Menschen gerichtet ist. Spielbergs Film funktioniert eigentlich "nur" als sentimentales Überwältigungskino, etwas das bei mir nun schlichtweg nicht funktionierte, weil der Film mehr vom Moment als von (wie gesagt eher blassen) Figuren lebt. Wobei man wenigstens sagen muss, dass Spielberg hier einen vergleichsweise angenehmen, wenn dabei auch insgesamt harmlos dahinstreifenden, und historisch orientierten Vertreter des »Pferdefilms« (sofern man diese Einordnung überhaupt akzeptieren will) kreiert hat, bei dem Spielberg wie immer weniger um die konkrete Historie an sich geht, sondern mehr um die Emotionalität des Mythos, den er anhand seines heroischen Pferdes beschreibt. Aber die Abschlussbilder, bei denen Spielberg "Vom Winde verweht" zitiert, die Silhouetten im Sonnenuntergang, die sind unter anderem, das muss man wirklich sagen, wirklich phänomenal.

5.5 / 10

Autor: Hoffman  

Mittwoch, 22. Juni 2016

Zurück ins Nimmerland - Kritik: Hook (1991)


Jeder kennt seine Geschichte. Die Kinder lauschen gespannt und starren mit offenen Mündern auf die Bühne, wo sein Stück gespielt wird. Es ist fast so, als würden sie den Atem anhalten. Steven Spielberg denkt mit oft dem gescholtenen »Hook« die Geschichte des ewigen Jungen weiter und dichtet sie um. Er denkt dabei an einen Erwachsenen Peter Pan (jetzt: Banning und mit Robin Williams besetzt), einen spießigen Anwalt, der ständig an seinem Telefon hängt. Der fliegende Junge, der als Mann nun Angst vor dem Fliegen hat. Der Junge, der jetzt als Mann keine Zeit mehr für seine Kinder hat und das Baseballspiel seines Sohnes von einem Mitarbeiter mitfilmen lässt. Er ist ein Vater, der nicht da ist, lieber mit seiner Arbeit liebäugelt und seinen Kindern ins Gesicht schmettert, dass sie erwachsen werden sollen. Und Steven Spielberg erzählt hiermit mit einer kindlichen Naivität und Leichtfertigkeit ausgestattet wie wieder das Kind in ihm erwacht. Es ist die Suche nach Peter Pan, der sich hier nun selbst finden muss. Weiterhin ist es natürlich auch eine Geschichte über Familie, die am Anfang bröckelt durch den egoistischen Peter und die bei Spielberg wieder zusammenfinden muss. Zuerst macht Spielberg aber den Mythos von Peter Pan seinen Zuschauern wieder schmackhaft, wenn Peter mit seiner Familie zu Wendys Haus zurückkehrt, die nun eine alte Dame ist, die meint, dass Peter nun selbst ein Pirat geworden sei. Spielberg lässt (durchaus auch gewitzt) den Blick durch das Haus schweifen, an den bestimmten Ort der Erzählung, das Kinderzimmer, sieht die illustrativen Bilder an den Wänden, lässt seine Figuren sich erinnern und erzählen. Dieser (zauberhafte) Beginn, für den John Williams auch motivierende und treffende Musik findet, macht Lust auf die Magie des Abenteuers.



Wenn Peter dann wieder durch die Hilfe von Glöckchen im Nimmerland landet, wird dort Spielbergs Film dann zu einem pompösen und zügig erzählten Märchen, das keine (wirkliche) Ruhe mehr kennt, bei dem Spielberg zu einer herzhaften Sentimentalität neigt und er sich auch zu affigen Blödsinn hinreißen lässt. In diesem Sinne ist sein Film zweifelsohne infantiler und kindischer Unfug, eine Schelmerei, der er sich hingibt und auch ein buntes und vor allem auch putzmunteres Brimborium. Es ist so, als würde dort im Nimmerland Spielberg eine Mottenkiste plündern und allen möglichen Krempel und Krimskrams herausschmeißen. Somit könnte man auch sagen, dass Spielberg selbst wie ein Pirat oder Räuber ist, der hier alles mögliche aus seiner Schatztruhe zu ziehen scheint. Oder noch anders gesagt: Er ist wie ein Zauberer, der jede Menge (irgendwie bezaubernden) Plunder aus seinem Hut zieht. Denn so deutlich auch die tradierte Studiokulisse hervorscheinen mag, so hat diese doch auch etwas liebenswert-altmodisches, etwas, das man heute wohl nicht mehr in einem (aktuellen) Film vor Augen bekommen würde.


Natürlich muss man auch sagen, dass Spielbergs Film in einem gewissen Rahmen auch einen überladenen und ulkigen Pomp darstellt, der oft auch zu plumpen und albernen Klamauk wird, der aber auch seine Vorzüge hat. Denn mit welch schillernder Entzückung Dustin Hoffman diesen Bösewicht, diesen Hook, der Angst vor den tickenden Uhr hat, die verkünden, dass seine Zeit bald abgelaufen ist, interpretiert, das ist eine helle Freude ihm dabei zu zusehen. Demnach möchte man »Hook« als quietschendes und doch charmant-harmloses Trödelstück betrachten, als einen Film, den man vielleicht aus den Augen eines Kindes (wieder) sehen muss, um seine Faszination zu begreifen.

6.5 / 10

Autor: Hoffman 

Mittwoch, 15. Juni 2016

Come fly with me - Kritik: Catch me if you can (2002)



Zwar handelt Steven Spielbergs »Catch me if you can« von Jäger und Gejagten (und sein Protagonist wird an einer Stelle als ein James Bond der Lüfte bezeichnet, an anderer Stelle sogar »Goldfinger« zitiert), aber nichtsdestotrotz wird sein Film nicht von Hektik bestimmt, sondern stellt im Grunde gediegenes und damit fraglos geradezu altmodisches Erzählkino dar, das eher entspannend scheint. Das heißt aber nicht, dass Spielbergs Film eben kein Film ist, der die Bewegung sucht, denn genau das tut er. Die Inszenierung bleibt betrieblich, immer auf der Suche, versucht zu erfassen, versucht in gewisser Weise auch durch ihr äußeres Umrunden der Figuren sie zu erforschen. Aber es ist des weiteren ein Film, der sich - wie soll man es anders formulieren? - Zeit nimmt, um seine lockere und auf unglaublichen Tatsachen beruhende Geschichte auszubreiten. Es ist das Spiel des Lebens, das Spiel um Gewinn und Verlust, von dem Spielberg erzählt. Und gleichzeitig kann sein Film auch irgendwie als ein ironischer Bruch mit dem American Way of Life gelesen werden. Es ist im Grunde eine typische Aufstiegs- und Fallgeschichte, die aus zwei Perspektiven erzählt, vom Jäger und dem Gejagten, die Beide, trotz ihrer unterschiedlichen Ansichten etwas verbindet. Beide sind sie einsame Männer, die ihre Familie und Liebe hinter sich gelassen haben, der eine für die Flucht, der andere für die Suche, und die zu jedem Weihnachtsabend gemeinsam einsam sind.



Spielbergs Werk ist ein mit Leichtigkeit arrangierter Film, der in ein nostalgisch-warmes Licht getaucht ist, das durch die Fenster in die Welt der Protagonisten hineindringt, sodass in den Bildern ein illusionärer Zauber liegt. Denn Spielbergs Film ist natürlich auch ein Werk über Schein und Sein, Wahrheit und Lügen, mit denen es sich für seinen Protagonisten Frank Abagnale jr. leichter leben lässt. Spielberg nimmt sich Zeit, um diesen Protagonisten geschmeidig zu etablieren. Er zeigt Empfindsamkeit gegenüber seinen Figuren. Sein Fokus liegt - wie so oft - auf der Familie. Durch diesen Schlüssel betritt Spielberg diese Welt seines Films. Der junge Frank bewundert seinen Vater (Christopher Walken), der selbst ein charmanter Ganove ist, die Maus, die die Milch versucht zu Butter zu machen. Doch die Familie zerbricht und das ist der Auslöser für Frank zu fliehen, weil er es nicht akzeptieren kann. Er flüchtet sich in die Welt des Scheins und legt sich folglich eine andere Identität zu. Er ist ein verlorener Junge, der seinen Ängsten, seiner Identität versucht auszuweichen, sich im Schein in Sicherheit fühlt. Am Ende sehnt er sich aber auch nach nichts anderem als nach einer Familie, zu der er gehören kann. Auf der anderen Seite steht der pedantisch-tollpatschige Carl Hanratty (Tom Hanks), der seine Familie für seinen Beruf bereits hinter sich gelassen hat, sich aber sich trotzdem nicht von ihr trennen kann (er trägt seinen Ehering immer noch, trotz der Tatsache, dass er geschieden ist). Es liegt dabei eine gewisse Naivität und lockere Fröhlichkeit in der Betrachtung dieses Stoffes, der nie zu schwer wird, sondern sich eben ganz und gar nonchalant entwickelt. Spielbergs Film ist schlussendlich ein gemächliches und kurzweiliges Katz-und Mausspiel, eine illustre Schnitzeljagd, elegantes Stilkino, ein sanft-liebenswertes und warmherziges Ganovenstück, das eine ehrliche Sympathie für seine beiden Protagonisten hegt.



7.0 / 10

Autor: Hoffman

Freitag, 23. Mai 2014

Die Suche nach der Wahrheit? - Kritik: JFK - Tatort Dallas (1991)



»Haben sie keine Angst. Niemand erfährt je ein Wort wovon wir hier reden.« - »Sie sind so naiv.« -Immer wieder aufs neue fühle ich mich regelrecht von diesem Film von Oliver Stone erschlagen. Es geht um die Ermordung von John F. Kennedy. Stone scheut weder Rast noch Ruhe, noch recherchieren und verliert im Film selbst keine Sekunde - konfrontiert mit den Geschehen! Man selbst ist mittendrin! Sofort setzt Stone den Zuschauer ins Bild, informiert zügig und kompakt, vermischt mit einem tosenden Bilder- und Schnitterausch. Dann rekonstruiert Stone die wenigen Minuten vor dem Atttentat bis zum Schuss. Schon hier verknüpft er meisterhaft Spielfimsequenzen (sogar in Schwarz-Weiß) mit Originalaufnahmen, wüst mag das anfangs wirken, aber in präziser Betrachtung ist das zugleich in seiner Intensität der Schnittarbeit einzigartig bewerkstelligt, als wäre man direkt im Geschehen. Die Täuschung ist vollendet. Doch für Stone war dies gerade erst der Startschuss um vollends durchzustarten: Die Figur des Staatsanwaltess Jim Garrison (Kevin Costner mit Pfeife, durch dessen Brillengläser der pure Enthusiasmus blitzt), frei interpretiert nach der wahren Persönlichkeit des Garrison, wird zum fraglosen Symbol für das Gefühl des skeptischen Amerikaners gegenüber der Ermordung Kennedys, aber auch zur Sympathiefigur. Dabei hervorstechend bei den Bildern ist das grandiose Spiel mit den Licht- und Schattenbeleuchtung wie auch den Kontrasten dazwischen, um die Vergangenheit zu beleben. Es folgen Medienberichte über Attentat und Schuldigen, Stone spinnt seine Fäden und beweist Stil mit der Kombination jener einzelnen Faktoren, von Bild und Schnitt in Verbindung mit der Montage von Realität und Fiktion, wechselnden Formaten und Perspektiven. Jack Ruby ermordet Oswalt und schon fällt der erste Stein.



Walter Matthau bringt das Rad dann schließlich zum laufen, das Getriebe Costner läuft zur Höchstform auf. Sein Team: Wayne Knight, Jay O. Sanders und Michael Rooker. Nun also verdichtet Stone immer weiter das Netz zwischen Wahrheit und Trug, bis die Grenzen kaum auszumachen sind, wenn Stone auch noch zu geschickten Rückblenden greift. Sie suchen die Zeugen, Staub (mit großen Stars) wird aufgewirbelt. Die Zeugen befragt: Jack Lemmon gibt dann das Stichwort, gibt sich verschlossen. John Candy warnt davor der Hahn zu werden nach dem niemand mehr Krähen wird. Man selbst wird zugeschmissen mit Informationen und Theorien, die energisch präsentiert werden. Apropos: Kevin Bacon gibt es in einer Paraderolle. Wilde Theorien werden nun aufgestellt, weiter verfolgt, beleuchtet und genau untersucht, um zu verwerfen, um zu entmachten und um sie wieder aufzugreifen, erneut aus einer vielleicht anderen Betrahtungsweise. Überall gibt es Verstrickungen und Verschwörungen, nicht immer logisch, teils interessant, teils banal. Überall dem scheint die zwielichtige, präsente Gestalt des Clay Shaw (exklusiv: Tommy Lee Jones) zu schweben. Ein Strippenzieher? Er ist auf jeden Fall Geschäftsmann. Und mittendrin im Strudel der Verschwörungen, ein Joe Pesci zwischen den Gefühlen, cholerisch oder verängstigt und unter großem Druck, zugleich paranoid, der qualmt wie kein anderer und vielleicht ist auch er ein Wissender des Rätsels. Dann aus dem Nichts ein Informant, ein Mr X., Donald Sutherland ist dieser mysteriöse Mann.



Die richtigen Fragen werden gestellt: Denn wieso? Wieso wurde Kennedy ermordet? Wer proftierte? Und wer hatte die Macht? Dieses Gespräch zwischen Mr. X und Garrison ist eines der großen Höhepunkt in Stones Werk. Gerade hier wird einem doch aufs neue bewusst wie virtuos Stone mit Bild, Ton und Schnitt arbeitet. Stone filmt etwa nicht nur den Dialog zwischen Costner und Sutherland, sondern involviert den Zuschauer in das Geschehen durch Visualisierung, in dem er die Worte Sutherlands durch eine Kombination von Originalaufnahmen, eigenen (meist) schwarz-weiß Sequenzen oder Archivbilder unterstützt, was demnach rauschhaft wirken dürfte. Dann folgt die These: »Politik ist Macht.« - Der Fall Kennedy ist ein Königsmord. - Garrison bleibt fassungslos. Prozess, Diskussionen und patrotische Reden folgen, mit Schlagkraft und Überzeugung. Das Ende bleibt der Anfang. Eine verinnerlichte Verfolgung am Stück so gut wie unmöglich. Zugegeben: Stone manipuliert, aber wie er manipuliert bleibt fraglos brillant. Ja, Stone wickelt einen ein und lässt einen nicht los, doch mal ganz abseits davon, bleibt Stones Film in aller erster Linie ein wohlgemerkt reißerischer Polit-Thriller. Stone nahm sich dabei also auch viele Freiheiten mit dem Stoff, fügte Charaktere hinzu, änderte Charaktere und stellt Garrison selbst als makellose Sympathiefigur und Patrioten dar, in der Realität sah das vielleicht ganz anders aus. Doch ist dabei wie gesagt zu beachten, dass Stone´s Garrison zwar einer realen Persönlichkeit nachempfunden sein mag, er ist und bleibt aber schlussendlich eine Filmfigur. Dies gilt übrigens auch für Stone´s gesamten Film, ob dies Manipulation oder Fälschung ist, bleibt irrelevant, denn Stone versteht es eben diesen Stoff für das Kino zu schmackhaft zu bearbeiten und zu präsentieren. Insofern funktioniert »JFK« zwar auf mehreren Ebenen, der Realismus dahinter bleibt aber dennoch sekundär. Nur die Einstreung der familären Verhältnisse von Garrison steht weiterhin unter kritischer Beobachtung. Sie mag durchaus dazu dienlich sein Garrison tiefer zu charakterisieren, doch werden die familären Konflikte meist oberflächlich abgehandelt. Das wirkt auf mich etwas deplatziert und unpassend, besonders wenn Sissy Spacek als Ehefrau auf einen hysterischen Status Quo reduziert wird. Wenigstens präsentiert Stone auch das hochspannend - wie bereits alles davor und danach in »JFK«.



8.5 / 10

Autor: Hoffman

Mittwoch, 26. März 2014

Die Angst vor dem Unbekannten nehmen - Klassiker der Extraklasse: Unheimliche Begegnung der dritten Art (1977)

Steven Spielberg finde ich immer dann am besten, wenn er sich dem Genrekino verpflichtet. Wenn er sich stattdessen mit historischen Begebenheiten befasst (LINCOLN oder SCHINDLER’S LIST), sind die Resultate formal zwar einwandfrei, geradezu schulmeisterlich, doch seine vormerklich naive Sicht aufs Weltgeschehen prägt diese Werke. Somit bin ich hingegen erfreut, wenn sich Spielberg mit peitschenschwingenden Archäologen, freundlich und feindlich gesinnten Außerirdischen oder prähistorischen Kreaturen austoben kann. Mit Sicherheit möchte ich meinen: Hier liegt seine wahre Könnerschaft, die sowohl kleine Jungen als auch betagte Menschen zu begeistern vermag.




CLOSE ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND reiht sich zum Glück in die Liga der aufregenden Science Fiction-Beiträge ein und wirkt stellenweise wie eine Blaupause zu E.T., nur sind es nicht bloß die unbekannten Lebensformen und vorbehaltlosen Kinder, die zu einer friedlichen und freundlichen Kommunikation fähig sind. Hier sind die Abgesandten von der Regierung keine gesichtslosen Unheilbringer, die lediglich ihre Forschung im Sinn haben. Für diese Haltung steht an erster Stelle Claude Lacombe (Nouvelle Vague Regisseur François Truffaut!), ein Mann, der noch vor seinen Forscherkollegen die Ereignisse vorwegnehmen kann. Aus dem kleinstädtischen Umfeld (selbstverständlich eine weitere Parallele zu E.T.) stammt der Familienvater Roy Neary (Richard Dreyfuss, siehe JAWS), der einen von wenigen Auserwählten darstellt, die telepathisch von den Außerirdischen kontaktiert wurden und diese Signale nur mühevoll deuten
kann. Sein Verhalten wird zunehmend obsessiver, sodass er sich von seiner Familie entfremdet, was letztlich (für ein Spielbergfilm ein radikaler Augenblick) darin gipfelt, dass er von ihnen verlassen wird. Eine solch einnehmende Paranoiavisualisierung findet sich ansonsten nur in DUEL, Spielbergs Debütfilm für Fernsehen. Diese beiden Männer sind die Hauptantriebskräfte für eine berufliche und persönliche Begegnung der dritten Art.




Die zahlreichen Academy Award-Nominierungen zu seiner Zeit (die abgesehen von der Auszeichnung für die beste Kamera auch Nominierungen blieben, denn ein anderer Film räumte berechtigerweise ab: STAR WARS) sind vor allem in den technischen Kategorien angebracht. Der Einsatz von Licht (strahlend von Flutmasten oder den Raumschiffen) setzt wirklich Maßstäbe, während heutige, flink daher kreierte CGI-Flugschiffe einmal mehr die Überzeugung bekrätigen, dass nichts über den ungepixelten Effekten steht (ein nahezu erschöpfter aber wichtiger Punkt). Der Director’s Cut ist womöglich die beste Fassung, denn selbst wenn die Inspektion des Raumschiffs nicht viel offenbart, so raubt sie doch etwas von der Unbekanntheit der extraterrestrischen Lebensformen. Ein Aufeinandertreffen, welches nicht zu viel ausformuliert und die Unbekannten auch unbekannt bleiben lässt, ist die vorzuziehende Wahl. Denn die Botschaft ist universal: Sie ist  pazifistisch und könnte auch für eine Begegnung der Völker, der Kulturen und Lebensauffassungen stehen. Das ist im Genrekontext fast schon einzigartig und wenn etwa Ripley oder R. J. MacReady eine kämpferische Art gegen die Außerirdischen ausleben, dann sollte es auch eine Alternative geben. Und Spielberg schenkt sie uns.

                                                                    8 / 10

Autor: DeDavid

Samstag, 29. September 2012

Krieg als Entertainment - Kritik: Der Soldat James Ryan




Heute mal ein Film, der mich vor einigen Jahren, als ich, sagen wir mal, jünger war, begeistert hat, aber bei dem ich mittlerweile nur noch den Kopf schütteln kann: "Saving Private Ryan". Ja, Kriegsfilme und Antikriegsfilme gibt es zu Hauff, und darunter befinden sich einige Meisterwerke, auf die ich nicht viel kommen lasse, doch in fast jeder ominösen "Beste Antikriegsfilme" Liste taucht auch immer wieder Steven Spielbergs Kriegsactionabenteuer "Saving Private Ryan" auf. Meiner Meinung nach völlig unberechtigt, da dieser Film für mich nichts von einem Antikriegsfilm hat, eher das komplette Gegenteil ist der Fall. Dieser Film ist für mich nichts weiter als der kommerziell erfolgreichste, bekannteste und mit Lorbeeren am meisten überschüttetste Prokriegsfilm, den es gibt. Aber trotzdem, ich kann es nicht leugnen, habe ich diesen Film schon ziemlich oft gesehen und er hat mir auch bis vor ein paar Jahren noch richtig gut gefallen. Ganz großes Kino. Pures Entertainment. Spielberg halt. Es ist ja auch ein großer Film, wenn man ihn mal nur als Film betrachtet: sauber inszeniert, John Williams steuert den Score bei und Tom Hanks spielt die Hauptrolle. That's Hollywood. That's Entertainment. But, that doesn't means it's a Anti-War Movie!
Naja, genug Englisch, wieder zurück in die Sprache des bösen, hinterhältigen und sadistischen Feindes: Deutsch. Diese verdammten Krauts, ich würde sie am liebsten alle töten...


Nun ja, zurück zum Wesentlichen: "Saving Private Ryan" hat unglaubliches Potential zu einem der ganz großen Klassiker des Antikriegsfilms zu werden, und zu beginn des Films sieht alles genau danach aus. Die Eröffnungsszene am Omaha Beach ist schlichtweg grandios, Spielberg zeigt hier kompromisslos die Schrecken des Krieges. Junge Männer werden in stählerne Transportschiffe gesteckt, werden bei widrigsten Verhältnissen über den Ärmelkanal geschifft, aus den Botten geworfen und müssen den Strand stürmen, während sie gnadenlos und erbärmlich niedergemäht werden. Für einen Hollywoodfilm eine erstaunlich pessimistische Sichtweise, der Film bietet zu beginn keinerlei Kompromisse. Er ist nicht nett zum Zuschauer, er konfrontiert ihn mit sinnlosem Massensterben. Auch wenn das merkwürdig klingt: so etwas will ich sehen - bei einem Antikriegsfilm zumindest. Wirklich eine Eröffnungsszene, die mich auch nach der x-ten Sichtung nicht kalt lässt. Einfach grandios und sie hat zu Recht Filmgeschichte geschrieben. Ein wirklich nahezu perfekter Start und man könnte wirklich meinen, hier wird gnadenlos mit dem menschenverachtenden und furchtbaren Verbrechen, welches Krieg ist, knallhart abgerechnet. Ich komm kaum aus dem Schwärmen über diese - für einen Antikriegsfilm - perfekte Eröffnungsszene heraus. Einfach top. Wäre der Film nach einer Viertelstunde aus, er hätte die volle Punktzahl bekommen. Denn was dann passiert ist rätselhaft und macht "Saving Private Ryan" zu einer ziemlichen Katastrophe. Gut, die Grundidee hat ja was und meines Wissens nach hat das US Militär tatsächlich eine solche Regelung gehabt, dass man, falls die restlichen Brüder fallen, den letzten nach Hause schickt. Hier hätte man was draus machen können. Ein versprengter Trupp begibt sich auf eine Odyssee hinter feindliche Linien, hinein in das Grauen, den Wahnsinn und die Sinnlosigkeit des Krieges. Fast so wie in "Apocalypse Now". Doch Spielberg entscheidet sich nicht dafür, er lässt den Film zu einem Pro-Kriegsfilm verkommen - und das trotz der phänomenalen Eröffnungsszene!




Spielberg inszeniert den Auftrag der Soldaten nicht als eine sinnlose Reise ins Verderben, die dem Zuschauer die Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Krieges zeigt. Nein, ganz im Gegenteil, er gibt Krieg einen Sinn. Er stellt ihn als ehrenhaftes Abenteuer dar. Er macht aus Krieg pures Popcorn Entertainment. Anstatt kalten Nihilismus, der bei einem Antikriegsfilm angebracht wäre, sind die Rollen schon längst vergeben. Der Zuschauer begleitet Spielbergs ritterliche US Boys auf einem Feldzug gegen die Deutschen, die bösen Deutschen natürlich. Aber upsalla, irgendwie sind da alle deutschen Soldaten kranke, hinterhältige Untermenschen, die nur darauf aus sind Amerikaner zu töten. Apropos Amerikaner: Ich will zwar nicht pingelig sein, aber sofern ich mich an den Geschichtsunterricht erinnern kann, haben noch andere Nationen damals in Frankreich gegen das Dritte Reich gekämpft. "Alliierte" haben die sich glaub genannt. Aber egal, es ist Amerika. Die sind top, die sind gut, die brauchen keine Verbündeten. U-S-A! U-S-A! U-S-A!
Nun gut, das kann man natürlich vergessen. War zum Zeitpunkt der Entstehung des Films ja auch schon ne Weile her, da kann man schon vergessen, dass es da noch sowas wie Verbündete gab. Juckt ja heute auch keine Sau mehr, wird im historischen Kontext eh wichtiger gemacht, als er ist, dieser Zweite Weltkrieg. Nicht wahr Mr. Spielberg? Nun gut, Schwamm drüber... Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, die Deutschen. Also mal ehrlich, jeder Zuschauer, der halbwegs bei Verstand und aufgeklärt ist, wird wissen, dass das Dritte Reich ein unmenschliches System war, doch trotzdem waren die deutschen Soldaten zu dieser Zeit auch noch Menschen. Doch bei "Saving Private Ryan" nicht. Hier wird dem Zuschauer vermittelt, wie die glorreichen neun Amerikaner gegen die degenerierten Bestien, aka deutsche Soldaten, für Friede, Freude, Eierkuchen in den Krieg ziehen. Natürlich könnte es sich hierbei auch um eine Referenz zu Wes Cravens Terrorklassiker "The Hills have Eyes" handeln, bei dem Klischeeamerikaner irgendwo in der Pampa gegen degenerierte Bestien kämpfen, aber gut, lassen wir das... Sicher, wir können heute darüber froh sein, dass der Zweite Weltkrieg mit einer deutschen Niederlage endete. Doch es ist und bleibt Krieg und Krieg ist - für mich zumindest - immer falsch. Krieg kann niemals die richtige Entscheidung sein, auch wenn man, wie im Falle des Zweiten Weltkriegs und aus Sicht der Alliierten und Amerikaner, von einem Aggressor angegriffen wird. Man muss trotzdem zeigen, dass Krieg nichts weiter als ein sinnloses Verbrechen an der Natur und der Menschlichkeit ist. Man darf ihm keinen höheren Sinn, eine Legitimation, geben. Gut, das ist nahezu unmöglich, irgendwie ist immer auch Pathos bei den meisten Filmen, die sich mit Krieg auseinandersetzen, mit drin. Gerade beim Zweiten Weltkrieg, der den Sturz eines der wohl menschenverachtendsten Systeme überhaupt zum Ergebnis hatte. Wenn es sich in Grenzen hält und der Krieg als solches noch immer als sinnlos  dargestellt wird, kann ich darüber hinwegsehen - gutes Beispiel "Band of Brothers", da hat es Spielberg viel besser gemacht.




Doch hier kann ich einfach nicht darüber hinwegsehen. Mit zunehmender Laufzeit wird "Saving Private Ryan" für mich einfach zu einem furchtbaren Pro-Kriegsfilm, der mich mittlerweile regelrecht anwidert. So kommt es, dass das Geschehen bis zum großen finalen Kampf an der Brücke vor sich hindümpelt. Natürlich ist es nach wie vor gut gefilmt usw... Aber ist mir jetzt ziemlich wurscht. Gut, kommen wir zum großen Finale. Hier macht Spielberg es auch dem Letzten klar, dass das hier ein Pro-Kriegsfilm ist:



Einer der Amerikaner erschießt den "Steamboat Willy" (der Deutsche, dem er erst vertraut hat, der aber auch nichts weiter ist als eine degenerierte Bestie, so wie alle Deutschen...), obwohl dieser sich ergeben hat. Eigentlich noch mal eine Chance für Spielberg hier einen Anti-Kriegs-Akzent einzubringen. Doch was macht er? Anstatt diese Szene als sinnlosen Akt der Rache darzustellen untermalt er sie mit pathetischer, heldenhaften John Williams Musik. (Nichts gegen Williams, aber diese Szene ist einfach nur grauenhaft) Gut, auch diese Chance grandios vertan. Und dann natürlich der absolute Gipfel. Der im sterben liegende Tom Hanks sagt zu James Ryan, er müsse beweisen, dass er es wert war, gerettet zu werden. Hallo? Geht's noch? Das ist immer noch ein menschliches Leben und das ist es immer wert, gerettet zu werden. Was soll er denn machen, um zu beweisen, dass er es wert ist? Mindestens 100 Tigerpanzer samt Besatzung in die Luft jagen? Furchtbare Szene, die diesem Machwerk seine hässliche Pathoskrone aufsetzt. Hätte Hanks James Ryan (Matt Damon) wenigstens nicht klar machen können, dass es in diesem bestialischem Massensterben auf sein Leben nicht wirklich ankommt? Ich wäre (klingt komisch) zufrieden gewesen. Damit hätte man die Irrationalität und die Sinnlosigkeit des Krieges noch ein mal verdeutlichen können.



Aber gut, sei's drum. Was bleibt vom "Saving Private Ryan"? Die Antwort ist klipp und klar: die Eröffnungszene. Den Rest brauche ich nicht und will ich nicht, mehr Pro-Krieg geht kaum! Mir ist es wahrlich ein Rätsel, warum dieser Film so mit Auszeichnungen überschüttet wurde. Er kommt auf den ersten Blick zwar ganz groß daher und optisch ist er es auch nach wie vor, doch von seiner Aussage her ist dieser Film für mich nichts weiter als hurrapatriotischer Dünnpfiff, der zum Himmel stinkt und weiter davon entfernt ist, ein Anti-Kriegsfilm zu sein, als Freddy Krueger von einem Job als Grundschullehrer.


3,0/10

Autor: MacReady

Dienstag, 26. Juni 2012

Do you see the light? - Klassiker der Extraklasse: Unheimliche Begegnung der dritten Art



»Ladys und Gentlemen, das ist eine fliegende Untertasse. Sie ist aus festem Zinn und made in China. Eines meiner Kinder hat es mir vor die Kamera geworfen.« - Um meine Einschätzung des Films vorab völlig verstehen zu können sollte ich wohl zunächst noch einmal mehr erwähnt haben, dass ich seit meiner frühen Kindheit großer Science-Fiction-Film-Fan bin. Zu Steven Spielbergs "Unheimlicher Begegnung der dritten Art" aus dem Jahre 1977 kam es jedoch bis dato nie. Das mag vielerlei Gründe gehabt haben: erstmal weil ich Filme, die von der Ankunft fremder Lebensformen erzählen schlichtweg oftmals klischeebeladen, naiv und plakativ fand und andererseits, weil sie so herkömmlich gekocht werden wie ein Einheitsbrei. Doch erst neulich weckte irgendwas an diesem Streifen als ich das Cover sah Interesse - vielleicht auch eben »nur« das Interesse daran, vielleicht nicht mehr - ok, es war der Name des Nouvelle Vague-Gottes Truffaut in der Darstellerliste und schon bin ich angelangt, wo ich jetzt schreibe. Bei Spielberg und seinem prototypisierten Sci-Fi-Märchen - ein Markenzeichen seiner Frühwerke.





Gleich zu Beginn weckt dabei Spielberg durch das Element des Mysteriums Interesse und stellt von Anfang an bedeutende Fragen für den Verlauf seiner Geschichte, wobei er sie sichtlich nicht alle beantworten wird: Was ist das? Woher stammt es? Worum geht es hierbei? Was geht hier vor? Zugeben da zwar noch etwas schemenhaft in der Anfertigung, aber doch interessant. Was dabei zunächst mir auffiel, dass Spielbergs Erzählstil etwas von kindlichem Charme hat - mal mehr, mal weniger - festigt sich dieser Gedanke als würde Spielberg mit und für Kinderaugen erzählen, was gleichauf wahrscheinlich die Familientauglichkeit seines Films deutlich damit unterstreicht. Was vielleicht auch die Naivität seiner Charaktere und deren Klischhees in der Zeichnung erklärt. Zwar könnte man diese teils auch Entlarvung der amerikanischen Familie sehen, doch ehrlich Spielberg traue ich selbst in jungen Jahren nicht solche perfiden Pläne zu, wobei sein Werk ja zuversichtlicherweise durchaus seine ironischen Momente hat. Eigentlich ja Familienkino. Somit mag eine gewisse Beugung der Konventionen berechtigt sein, zumindest zählte Spielberg ja selbst zu den Regisseuren des New-Hollywood-Kino und dazu noch das Attribut der Familientauglichkeit und schon mag eigentlich die Schlichtheit und Naivität der Handlung irgendwie plausibel erscheinen, auch wenn eben diese Vorhersehbarkeit der Geschichte irgendwo störend sein mag, obgleich es heutzutage (aus welchen Maßen ich Spielbergs Film ja nur beurteilen kann) der Fall ist, dass Spielbergs Film ja sicherlich diese ganzen Klischees prägte und oftmals sichtlich und ausdrücklich (in tausender Schritten) zitiert und gehuldigt wurde. Und somit schlichtweg als Inspiration für viele weitere Werke dieser Art diente, auch wenn das Prinzip des Films berechenbar sein möge. Er war prägend. Aber macht das trotzdem die Figuren, deren Tiefgang ziemlich einfältig ist, hintergründiger? Nein, aber zeitgemäß um das festzuhalten und um weitere meiner Worte wirklich nachvollziehen zu können. Dazu gibt Richard Dreyfuss den Ufo-Sichter und Familienvater engagiert, seine Figur trotzdem schwammig und Teri Garr gibt ihre Rolle auch wunderbar wie gefühlsbetont. Passt also.



Und irgendwie fiel es mir doch schwer Spielbergs phantastisches und fantasievolle Mär in dieser Hinsicht nicht zu mögen, das mit dem Genre erwähnte ich bereits. Und wie gesagt es manifestiert sich immer wieder aufs neue der Gedanke, dass Spielberg seinen Film nahezu aus kindlichen Augen betrachtet. Dazu leistet auch die Kamera ihre Arbeit, mit zwar berechenbarer Größe mancher Szenen, aber doch voller ausdrucksstarker und kraftvoller Aufnahmen. Wirklich blendend gefilmt. Wortwörtlich. Und um es dies stilistisch natürlich in harmonischen Einklang mit Spielbergs Dramaturgie zu bringen ein teils sanfter, teils temporeicher wie vielseitiger und zutiefst faszinierender Score von John Williams. Niemand wäre passender. Bild für Bild, Williams untermalt stilecht, während Spielberg spielerisch aufblickt. In solchen Momenten wird das Herz und die Seele von Spielbergs Film spürbar. Des weiteren noch ein charismatischer Francois Truffaut als Sprachwissenschaftler - Truffaut war halt ein Multitalent - der die Sache in Sang und Klang bringt und wie ein goldiger Bonbon nachwirkt. Bonuspunkt an Spielberg. Besonders in der zweiten Hälfte wirkt dabei "Unheimliche Begegnung der dritten Art" wesentlich schnörkelloser Inszenierung und strukturell ausgereifter in seiner Dramaturgie, was nur zur Folge hatte das mich Spielbergs Film in seinen Film wirklich fesselte und die Klischee daher auch wesentlich behutsamer verpackt werden. Truffaut hat auch mehr Screentime also.



Und nun endlich erzeugte Spielberg auch dieses Gefühl, was schon die ganze Zeit hatte versucht zu erzeugen: Die wunderbare Nostalgie des Kinos. Mit ihren Helden. Mit ihren Stereotypen und mit ihrer Schönheit. Faszinierend. Herzerwärmend wie harmonisch in der Umsetzung, die strukturellen Schwächen zwar immer noch vorhanden, aber nun eben ansprechender verpackt für mich. Außerdem die Effekte eines Douglas Trumbull (Gott) - mit folgenden Worten nur zu beschreiben: außergewöhnlich, sensationell, das sind wahre Effekte. Was Spielbergs eigentlich wiederum recht naives Finale, mehr als imposant wirken lässt. Sogar mit politischer Metaphern und der darausfolgenden Reflexion des zeitlichen Klimas in der Politik. Eine Zeit der Versöhnung. In seiner idealistischen Absicht der Appelierung der friedlichen Kommunikation, zwar einfältig, immerhin utoptisch. Aber ich mag ja Utopien und ehrlich wer kann schon einem nostalgischen, prägenden und doch recht naiven Science-Fiction-Märchen mit Francois Truffaut widerstehen? Ich zumindest nicht.



7.5 / 10

Autor: Hoffman