Mittwoch, 9. Juli 2014

Melancholisches Verweilen im Moment - Kritik: Rumble Fish (1983)





Ein zweites Mal verfilmte Francis Ford Coppola mit »Rumble Fish« einen Roman von S.E. Hinton, der noch im selben Jahr gedreht wurde wie der vorhergehende Film »The Outsiders«. Coppola war wohl auf den Geschmack gekommen, was Coming-of-Filme betraf. Anders aber als die farbenprächtige Hommage an die Kinorebellen der 50er und 60er Jahre,  womit die Filme von Ray und Brando gemeint sind, ist dieser Film hier in ein ästhetisches Schwarzweiß gekleidet. Von Ray und Jimmy Dean hat das nichts, es können aber durchaus noch Parallelen zu Brando und dessen »The Wild One« gezogen werden. Dieses Schwarzweiß präsentiert sich zwischen bitterer Realität und Nostalgie, zwischen Träumerei und Wirklichkeit, was Coppola unter anderem auch noch durch einige weitere ästhetische Spielereien, wie den vorbei ziehenden Wolken und einer Seele, die fliegt und wieder in den Körper zurückkehrt, darstellt.



Anfangs geht es hier wieder »nur« um Jungen, die prahlen, ihre Lässigkeit ausstellen und auch übermütig sein können, die gegeneinander kämpfen, sich prügeln und Schlägereien liefern aus unbekannten Gründen, wenn es überhaupt welche geben sollte. Doch die Zeit der Gangs ist vorbei, sie sind aufgelöst. Man sieht einen dieser Jungen, Rusty James (Matt Dillon), der seinen Bruder nacheifert, wie er sein will, ihn bewundert und doch gegenüber seinen Freunden nicht über ihn sprechen will. Sein Bruder (Mickey Rourke), der Motorcycle-Typ, der farbenblind und teils taub ist, kehrt zurück. Er verbirgt seine Gedanken tief in sich, er wirkt desillusioniert und erschöpft, wie die gebrochene Variation des motorradfahrenden Brandos.

Im Grunde ist »Rumble Fish« die logische Konsequenz aus dem, was »The Outsiders« schilderte. Diese Zeiten sind vorbei und vergangen, eine bloße Erinnerung. Das was hier ist, das ist schmerzlich und betrüblich, wird von Coppola aber auch mit Feingefühl erzählt. Zwar wird hier kurz geliebt, gefeiert und geträumt, doch auch der randalierende Rusty James ist kaputt und hat Probleme mit der Schule oder mit der Freundin. Die Wohnung ist heruntergekommen und Dennis Hopper gibt den abgehalfterten Vater mit schmierigen Haaren, einem kleinen Hütchen, dem Alkohol unter dem Arm und einer Zigarette im Mund. Man könnte meinen diese Charaktere, der Bruder und der Vater, wären Träumer gewesen, die ihre besten Zeiten hinter sich haben, die von dem Leben oder Welt eingeholt wurden. Das wirkt ernüchternd.



Coppola zeichnet das Porträt das zweier Brüder, die vielleicht als Sinnbilder für zwei Generationen und die Jugend stehen, irgendwo zwischen den 70er und 80er Jahren, und stellt sie gegenüber. Für Rusty James bleibt sein Bruder ein Vorbild, der jedoch hat längst bemerkt, dass das große Verantwortung mitsichbringt, der kein Held sein will und als Verrückter gilt. Rusty James will dennoch genauso werden wie er, was die Anderen verneinen, was ihn aufstachelt. Er will sich vor seinem Bruder beweisen und zeigen, was er kann, der wiederum erkennt die Gefahr. Der Motorcycle-Typ wirkt wie beinahe schon wie ein Relikt, wie jemand, der nicht (mehr?) in diese Zeit passt. Man könnte Coppolas Film als melancholisches Verweilen in diesem Moment beschreiben. Das Einzige, was hier Farbe hat, das sind die »Rumble Fish«, Kampffische, die sich gegenseitig versuchen umzubringen. Sie strahlen in Rot und Blau und sind wahrscheinlich noch das Einzige, was den Motorcycle-Typen wirklich fasziniert. Da steht abschließend nur die Frage im Raum, ob das Ende das selbstständige Auflösen einer Ära gleichzeitig der Anfang einer neuen Ära oder ein absoluter Neuanfang, sodass man aus den Schatten der Vergangenheit trete und sie hinter sich zu lasse und damit eine Aussicht auf Zukunft, auf eine Chance ein besseres Leben zu führen, gegeben ist? Was aber für mich feststeht ist, dass dieses Ende Aufbruch bedeutet.


7.0 / 10

Autor: Hoffman

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