Mittwoch, 8. März 2017

Kritik: Timm Thaler oder das verkaufte Lachen (2017)


Andreas Dresen beschreitet mit seinem neusten Kinofilm ein für ihn neues Terrain. Einerseits, da ist dieser »Timm Thaler« ein Kinderfilm, etwas, das man bisher noch nicht in Dresens Schaffen finden konnte, mag sich sein vorhergehender Film »Als wir träumten« mit seinen jugendlichen Protagonisten und der Thematisierung ihrer Freundschaft auch zumindest in diese Richtung bewegen.
Andererseits ist dieser Film ein nicht gerade gering budgetierter (immerhin kostete das ganze Unterfangen 8 Millionen Euro) Blockbuster, den Andreas Dresen, der sonst eigentlich reduziert arbeitende Alltagsfilmer, auf die Leinwand bannt. Was ist da nun also entstanden bei diesem Werk, in dem es um einen Jungen geht, der für ein bisschen Glück sein Lachen an einen dubiosen Geschäftsmann (Justus von Dohnányi) verkauft? Zunächst einmal muss man festhalten, dass Dresens Film auch im Angesicht seines Budgets ein schmuckvoller und adrett verzierter Kinofilm ist, der natürlich in den Konventionen seines Genre (dem Kinderfilm) funktionieren will. Das heißt, das ist ein bisweilen recht seichter und harmloser Film, der seine heiteren Scherze macht auch seine einfältig-albernen Gags (meist dafür zuständig: Axel Prahl und Andreas Schmidt als tölpelhafte Dämonen) hat. Aber man muss auch sagen, dass das im Vergleich zu dem, was man dieser Tage sonst so im deutschen Kinderfilm geboten bekommt (insbesondere bei einem gewissen Detlev Buck) bei Dresen dezenter ist. Es liegt Dresen gar nicht so viel daran das Komödiantische oder gar Groteske so auszuinszenieren wie es Andere tun.


Man hat mehr das Gefühl, dass der Humor dieses Films nur ein Beiwerk ist, um den Film auch für ein junges Publikum leicht und empfänglich zu halten. Dresens Stärke nämlich liegt bei diesem Film, was wenig verwunderlich ist, darin wie er seine Figuren schildert in diesem anachronistischen Kinomärchen, das vor allem darauf ausgelegt zu sein scheint, etwas zeitloses zu transportieren. Dresen erteilt mit diesem Film diesem überkandidelten Kinderkino, das sich in hyperaktive Hohlheit ertränkt eine wohltuende Abfuhr. Es liegt etwas behutsames, sorgsames in seinem Blick gegenüber den (dennoch recht archetypischen) Figuren. Dresen gibt seinen Figuren Zeit, sich - manchmal auch ohne Worte - zu äußern. Er versteht es, auch mal zu warten und zu beobachten, was wohl viele dieser heutigen deutschen Kinderfilme übersehen und lieber gleich zur nächsten Attraktion hetzen. Für Dresen stehen vor allem die positiven Eigenschaften (Freundschaft, Offenheit & Zusammenhalt) im Vordergrund der Geschichte. Diesen Themen räumt er viel Platz zum erzählen ein, während man bei den negativen Eigenschaften (Konsum, Dekadenz & Gier) eher das Gefühl bekommt, das Dresen sie zwar satirisch aufbereitet (u.a. in einer delikaten Fress-Sequenz bei einem Treffen der Bösewichte), aber sie im Verlaufe nur anreißt, nur beiläufig über sie gleitet. Er scheint sie zwar als Teil der Geschichte zu verstehen, tragend werden sie aber nie wirklich, was auch gerade in der zweiten Hälfte auffällt, wenn Timm (Arved Friese) seine Wandlung zum Negativen vollzieht, was vom Drehbuch etwas abrupt eingefädelt wird.


Überhaupt hat man das Gefühl, dass Dresen eben doch manchmal etwas über die einzelnen Stationen der Geschichte holpert, wenn er die Muster des klassischen Erzählens erfüllen muss. Denn »Timm Thaler« ist eigentlich kein Film (trotz so manch protzigen Effektmoment oder überraschend-gewitzten »Citzien Kane«-Zitat), der sich groß aufblasen möchte, weshalb das Ende dann auch erstaunlich genügsam wirkt, mag er davor auf diesen letzten Metern beim großen Finale, das Blitz und Donner heraufbeschwört, dann doch etwas übereilt erscheinen. Auch muss man dazu ergänzen, dass dieses Werk natürlich auch ein Kinderfilm ist, der auf ein großes Publikum zugeschnitten ist, der die jungen Zuschauer nicht überfordern will. Ein Film, der einmal zu viel sagt als zu wenig. Das heißt in anderen Worten gesagt, dass der Film natürlich manches überbetont, dass manches etwas zu plump in Dialogen ausformuliert wird (wie die Randbemerkung von Axel Prahls Dämon, dass ja der Baron Lefuet für den Tod seines Vaters verantwortlich gewesen wäre, eine Information, die kaum mehr thematisiert wird als durch diesen Satz). Folglich muss man sich auch damit begnügen, dass der knapp 100-minütige Kinofilm seinen Stoff komprimieren und vereinfachen muss und das nun auf diese Art und Weise tut. Dafür bietet der Film aber auch viele sanftmütige Momente, in denen Dresen sein Feingefühl für seine Figuren beweist und das bedeutet schon viel. Denn für Dresen stehen die menschlichen Konflikte im Vordergrund, weniger die Atrraktionen, mit denen es sich manchmal etwas schwer tut. In diesem Film schlägt aber auch, ähnlich Scorseses »Hugo Cabret«, an den der Film auch gemahnt, wenn im magischen Licht des Kinos heiter über Stummfilmkomödien gelacht werden darf, ein vielleicht naives, aber gutmütiges Herz. Das ist schlicht ein warmherziges, gleichzeitig auch spielerisches und augenzwinkerndes Märchen für Kinder, also ein Kinderfilm, bei dem man sich nicht scheuen muss, Spaß im Kino zu haben.


6.5 / 10

Autor: Hoffman 

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